Rubens Barrichello kniet vor einem Formel-1-Ferrari von 2002.

Die Rückkehr von Rubens

Beim Großen Preis von Österreich 2026 fährt Rubens Barrichello jenen Formel-1-Ferrari von Schumacher, den er beim Rennen 2002 in Spielberg ziehen hat lassen müssen. auto touring hat mit dem brasilianischen Rennfahrer gesprochen.

Von Maximilian Barcelli,

Buhrufe, Pfiffe und ein wohl leicht perplexer Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf dem Podium: 2002 ereignete sich auf dem damaligen A1 Ring (heute: Red Bull Ring) eines der größten sportlichen Debakel in der Geschichte der Formel 1.

Was passierte beim Großen Preis von Österreich 2002?

Rubens Barrichello führte im in der Saison hauchhoch überlegenen Ferrari den Grand Prix souverän an, war schon im Qualifying schneller als sein Teamkollege und größter Konkurrent Michael Schumacher. Doch wenige Meter vor der Ziellinie nahm der Brasilianer auf Anweisung seines Teams das Tempo heraus und ließ Schumacher passieren. Der Deutsche gewann das Rennen durch die Stallorder knapp – sehr zum Unmut der Fans an der Strecke. Daraus wurde bei der Siegerehrung kein Hehl gemacht: Auch als Schumacher Barrichello aufs oberste Treppchen ließ und ihm seine Siegestrophäe reichte, verstummten Buhrufe und Pfiffe nicht. Helmut Eckler, Chef vom Dienst bei auto touring, war damals als akkreditierter Fotograf auf der Strecke. Er erzählt: "Als ich von der Tribüne plötzlich lautes Gebuhe hörte, wusste ich anfangs gar nicht, wieso."

Rubens Barrichello und Michael Schumacher fahren ihre Formel-1-Ferrari auf dem A1-Ring 2002.
Barrichello und Schumacher (hinten) beim Großen Preis von Österreich 2002, abgelichtet von Helmut Eckler. © Helmut Eckler

Rubens' Rückkehr

Fast ein viertel Jahrhundert später ist nicht nur Eckler wieder zurück auf dem Red Bull Ring, sondern auch Rubens Barrichello selbst. Denn der Brasilianer pilotiert im Zuge der Legends Parade beim Großen Preis von Österreich 2026 ausgerechnet jenen Ferrari, den er 2002 ziehen hat lassen müssen. Davor aber sprach er im Zuge eines Media Talks noch mit österreichischen Medien, wo ihn Helmut Eckler abermals ablichtete – wie schon vor 24 Jahren.

Rubens Barrichello sitzt auf der Couch. Um ihn herum sitzen Journalisten.
Rubens Barrichello (2.v.l.) spricht mit der heimischen Presse. © Helmut Eckler

Wäre gern auch Lauda-Ferrari gefahren

Also Rubens, wie fühlt es sich an, dieses Auto zu fahren?

"Es ist fantastisch. Ich bin so lange mehr kein Formel-1-Auto gefahren. Das Schönste war, dass der Rennsitz im Auto immer noch passt", erzählt der Rennfahrer. Auch, wenn er ein wenig enger sei als damals. Am liebsten, so erzählt es Barrichello, wäre er auch gleich den Ferrari 312T, mit dem Niki Lauda seine erste Weltmeisterschaft gewann, gefahren. Gefragt habe er jedenfalls, doch dieses Vergnügen ist Sohn Mathias Lauda vorenthalten. Worauf er sich außerdem sehr freue, ist es, alte Gesichter wiederzusehen. "Diesen Morgen ging ich mit Luca Badoer (italienischer Rennfahrer, Anm. d. Red.) ins Ferrari-Motorhome, um einen Kaffee zu trinken und nachzusehen, ob uns noch jemand erkennt. Es waren viele Junge dort, doch dann sah mich jemand aus meiner Zeit und schrie ,Rubens!'. Sie gaben uns einen großen Kaffee (lacht)."

Rubens Barrichello begrüßt einen Ferrari-Mechaniker.
Handshakes mit seinen damaligen Mechanikern. © Helmut Eckler

Wie sieht er die Situation von damals?

Barrichello würde Schumacher jedenfalls wieder passieren lassen. "Natürlich! Jeder, der sagt, er würde es nicht machen, hat keine Ahnung, was ich am Funk gehört habe." Und: "Ich fuhr so viele Jahre schlechte Autos, aber dieser Ferrari war wirklich gut." Die Chance, ihn weiterhin zu fahren, wollte er sich nicht ruinieren. Bad Feelings habe er keine mehr, wie er erzählt.

Rubens Barrichello-Autogramm auf einem roten Ferrari.
Barrichello-Autogramm auf Schumacher-Ferrari. © Helmut Eckler

Und wie steht der elf-fache F1-Rennsieger zur Königsklasse des Motorsports heute?

Als allzu großer Verfechter des neuen Reglements wird der Brasilianer nicht in die Geschichte eingehen. Sein größter Kritikpunkt: Dass wegen des Energiemanagements der neuen Antriebsstränge nicht immer Vollgas gefahren wird. Positive Seiten sieht er aber dennoch: "1989 fuhr Nigel Mansell erstmals mit einem semi-automatischen Getriebe. Zehn Jahre später war die Technik am Automobilmarkt angekommen." Auch die neuen Antriebe seien ein gutes Experiment für den Straßenverkehr. Steht er dem Vorstoß von FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem bezüglich einer Rückkehr der Achtzylinder-Motoren – aktuell sind Sechszylinder-Triebwerke in Formel-1-Autos verbaut – also positiv gegenüber? "Ich würde morgen V10-Motoren in die Autos stecken", lacht der Rennfahrer, der die V10-Ära selbst miterlebte.

Rubens Barrichello sitzt neben einem Journalisten auf einer Couch.
Redakteur Barcelli mit lachendem Barrichello… © Helmut Eckler
Ein Journalist und Rubens Barrichello sitzen auf einer Couch.
… ernstem Barrichello… © Helmut Eckler
Rubens Barrichello sitzt auf einer Couch mit einem Journalisten und zeigt mit der Hand in die Höhe.
… und gestikulierendem Barrichello. © Helmut Eckler

Eine Sache gefällt ihm außerdem an der neuen Formel 1…

Dass die Öffentlichkeit mehr Möglichkeiten hat, die Fahrer zu sehen, findet er gut. "Als ich in der Formel 1 war, sahen mich die Fans zwar auch, aber nicht so häufig wie heute", erzählt der mittlerweile 54-Jährige, der in Brasilien immer noch Stock-Car-Rennen fährt und auch dort von der Nähe zwischen Fahrern und Fans schwärmt. "Wenn Netflix 2002 am Grid gewesen wäre, wäre ich jetzt in Hollywood", scherzt er. Und, O-Ton: "It would be a f*cking good show." Zu deutsch: Es wäre eine sehr gute Show gewesen…