Ein weißer Xpeng G6 fährt auf einer Nebenstraße vor einem Gebäude.
© Sebastian Weissinger
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April 2026

Like a G6, nur nicht so teuer

Im Test: das chinesische Elektro-SUV Xpeng G6 als RWD Long Range. Was ihn ausmacht, wie weit er wirklich kommt und was an ihm so gar nicht chinesisch ist.

Der elektronische Song "Like a G6" zelebrierte 2010 mit der Textzeile "Feeling so fly like a G6" das gehobene Nachtleben. Dabei bezogen sich "Far East Movement", so die Musiker dahinter, auf einen Privatjet der Marke Gulfstream. Jetzt gibt es einen neuen G6, allerdings handelt es sich dabei um ein vom chinesischen Hersteller Xpeng produziertes Elektroauto, was die Sache freilich etwas leistbarer macht. Doch was kann der Xpeng G6 sonst so – abgesehen davon, dass er günstiger als ein Flugzeug ist?

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G6-Schriftzug in Chrom am Heck eines weißen Xpeng G6.
© Sebastian Weissinger

Welche Antriebe gibt es im Xpeng G6?

Als Einstieg fungiert der RWD Standard Range, der eine Batterie mit einer Netto-Kapazität von 67,5 kWh bietet. Darüber hinaus gibt es zwei Modelle mit einem netto 80 kWh großen Akku: den RWD Long Range sowie das Topmodell AWD Performance. Xpeng setzt bei allen Akkus auf Lithium-Eisenphosphat-Technologie (kurz: LFP), die zwar weniger effizient, dafür aber günstiger ist. Zum Test bei auto touring war die "goldene Mitte", also der Xpeng G6 RWD Long Range.

Ein weißer Xpeng G6 steht quer auf der Straße vor einer leicht grünen Wand. © Sebastian Weissinger

Xpeng G6: Reale Reichweite und Verbrauch

Wie der Name verrät, handelt es sich um das Modell mit der größten Reichweite sowie Heckantrieb. Konkret soll der Xpeng G6 RWD Long Range laut WLTP 525 Kilometer schaffen. Auf der praxisnahen auto touring-Normrunde ermittelten wir bei 13 Grad eine Reichweite von 439 Kilometern. Das ist absolut okay, wenngleich auch nicht weltbewegend. Muss es aber auch nicht sein, denn mit einer großartigen maximalen Ladeleistung von 451 kW ist der G6 laut Hersteller in nur 12 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen – falls eine entsprechend leistungsstarke Ladesäule zu finden ist. Verbrauch? 17,5 kWh laut WLTP, 19,7 kWh laut uns. Zur Einordnung: So nahe am WLTP-Wert sind die Testwerte, die von auto touring ermittelt werden, selten.

Geöffnete Ladeklappe eines weißen Xpeng G6. © Sebastian Weissinger
451 kW Ladeleistung bietet der Xpeng G6 laut Hersteller.

So fährt sich das Elektro-SUV

Die Elektroauto-spezifischen Kriterien sind also ordentlich – und wie sieht es mit dem auch nicht so unwichtigen "Rest" aus? Mit 218 kW (296 PS) und 440 Nm Drehmoment an der Hinterachse ist der Xpeng G6 kräftig motorisiert, dementsprechend lesen sich auch die Fahrleistungen: Von 0 auf 100 km/h geht es in 6,7 Sekunden, Schluss ist erst bei 202 km/h. Dazu stimmte Xpeng beim G6 das Fahrwerk überraschend straff – vielleicht ein bisschen zu straff – ab, was man von den chinesischen Herstellern eigentlich gar nicht kennt. Die Lenkung ist wenig mitteilungsfreudig, dafür je nach Modus angenehm präzise. Das Lenkrad selbst verbuchen wir optisch unter "Geschmackssache". Griffig ist es jedenfalls nicht.

Ein weißer Xpeng G6 fährt auf einer Straße vor einer weißen Plakatwand. © Sebastian Weissinger
Untypisch für einen Chinesen: das straffe Fahrwerk.

Bedienung fast nur via Touchscreen

Wir bleiben gleich im Innenraum und werfen einen Blick auf die Bedienung. Als Armaturen fungiert ein 10,25 Zoll großes Display hinter dem Lenkrad, das so oder so ähnlich in vielen chinesischen Fahrzeugen zu finden ist. Zweites digitales Element ist der prominente Zentraltouchscreen mit seinen 15,6 Zoll. Über diesen wird – wie sich an der Tastenlosigkeit des Interieurs erkennen lässt – so gut wie jede Funktion bedient. Zwar reagiert das Infotainmentsystem sehr flott, allerdings ist es nicht allzu intuitiv aufgebaut, vieles versteckt sich in Untermenüs. Dass es für die Bedienung der Seitenspiegel keine extra Tasten gibt, ist auch suboptimal.

Platzangebot, Verarbeitung und Materialqualität

Was uns am Innenraum dafür sehr gut gefällt, ist das vorne wie hinten durch und durch opulente Platzangebot des 4,76 Meter langen Xpeng G6. Reichlich Raum gibt es auch für das Gepäck: Das Kofferraumvolumen fasst 571 Liter und lässt sich bei umgeklappten Rücksitzlehnen auf 1.374 Liter erweitern. Ebenfalls top: die tadellose Verarbeitung sowie der hochwertige Materialmix. Dieser wird von (Kunst-)Leder und anderen weichen Stoffen dominiert – und das übrigens schon serienmäßig.

Kofferraum eines weißen Xpeng G6 mit umgeklapptem linken hinteren Sitz. © Sebastian Weissinger
571 Liter Kofferraumvolumen im G6.

Die Ausstattung des Xpeng G6

Womit wir beim wohl größten Pluspunkt angekommen sind, den der G6 bietet: die üppige Basisausstattung. Konkret ist im Xpeng G6 RWD Long Range vom riesigen Panoramaglasdach über das Soundsystem mit 18 Lautsprechern bis hin zu beheizbaren, kühlenden, massierenden und elektrisch verstellbaren Sitzen mit Nappalederbezügen so ziemlich alles serienmäßig an Bord, was man sich wünschen kann. Wesentlich kürzer ist die Liste der optionalen Extras: Neben einer Sonderlackierung für 800 Euro kann der RWD Long Range noch mit einer 1.190 Euro teuren Anhängerkupplung ausgestattet werden. Die Anhängelast beträgt gebremst 1.500 Kilogramm, ungebremst 750 Kilogramm. Für die anderen Versionen des Xpeng G6 steht keine Anhängerkupplung zur Verfügung.

Heck eines weißen Xpeng G6, der vor einer leicht grünen Wand steht. © Sebastian Weissinger
Bis zu 1,5 Tonnen darf der Xpeng G6 ziehen.

Teils nervige Assistenzsysteme

Ebenfalls serienmäßig an Bord sind sämtliche Assistenzsysteme. Dazu zählt Nützliches wie die 360-Grad-Kamera. Und dazu zählt lediglich in der Theorie Nützliches wie der Spurhalteassistent oder der Tempolimitwarner. In der Praxis reagieren beide Helferlein im Xpeng G6 übersensibel und leisten sich oft auch Fehltritte, was ob des penetranten Gepiepses nervt.

Eine Person greift zum Türgriff eines weißen Autos. © Sebastian Weissinger
Was war noch einmal falsch an ganz normalen Türgriffen?

Xpeng G6: Österreich-Preis und Fazit

Der Xpeng G6 RWD Long Range leistet sich bei Bedienung und Assistenten einige Patzer. Dafür fährt er sich absolut ordentlich, glänzt mit einer großartigen Ladeleistung, auch die reale Reichweite ist brauchbar und vor allem bietet er schon serienmäßig viel Ausstattung. Was aber kostet der Xpeng G6 in Österreich? Als getestete RWD Long Range-Version gibt es das Elektro-SUV für 47.600 Euro. Das Basismodell RWD Standard Range kostet 43.600 Euro, die Topversion AWD Performance für 51.600 Euro. Zum Vergleich: Das Tesla Model Y startet bei 39.990 Euro, der Škoda Enyaq bei 43.980 Euro, der BYD Seal U bei 44.990 Euro und das noch 2026 auf den Markt kommende Basismodell des BMW iX3 wird rund 60.000 Euro kosten. Das Fazit in einem Satz: Ein solides Package zu einem mehr als fairen Preis. Allein: Fliegen kann dieser G6 eben nicht.

Ein weißer Xpeng G6 steht längs auf der Straße vor einer leicht grünen Wand. © Sebastian Weissinger
Fazit? Ausstattungsbereinigt überzeugt der Xpeng G6 mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis.

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