Weißer Polestar 5 steht auf einer gepflasterten Einfahrt vor einem Haus; daneben steht ein Mann mit Brille.

Fahrbericht: Polestar 5

Mit dem Polestar 5 zeigt der schwedisch-chinesische Hersteller, was alles möglich ist. Und das ist – neben 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h – ziemlich viel.

Von Maximilian Barcelli,

Die Beschleunigung ist ansatzlos, staubtrocken – und irgendwie fast unspektakulär. Da ruckelt nichts, da quietscht nichts, da brüllt kein Motor wie ein wildes Tier. Nicht einmal ein synthetisch generierter Raumschiff-Sound gibt akustischen Aufschluss über den Geschwindigkeitsaufbau. Er passiert einfach. Und plötzlich steht eine Zahl am Tachometer, bei der du happy bist, auf einer deutschen Autobahn zu sein, wo die 884 PS mehr Spielraum haben. Willkommen im Polestar 5.

Weißer Polestar 5 Performance fährt auf einer kurvigen Straße neben einem See und bewaldeten Bergen.
Polestar 5: beschleunigt staubtrocken. © Polestar

Polestar 5: Abmessungen

Der Polestar 5 ist das High-End-Produkt der schwedischen Marke, die zum chinesischen Geely-Konzern gehört (u.a. Volvo, Smart, Lotus). Es ist das Auto, das Begehrlichkeiten wecken, Möglichkeiten aufzeigen, Limits verschieben soll. Der als 4+1 konzipierte Gran Turismo ist 5,087 Meter lang, der Radstand beträgt 3,054 Meter. Diese Länge sieht man dem Polestar 5 aber erstaunlicherweise nicht an, das Fahrzeug wirkt nämlich kompakter als es tatsächlich ist. Vielleicht, weil er so breit und niedrig designt wurde. Die Performance-Version ist 1,419 Meter flach, die Breite beträgt 2,015 Meter.

Weißer Polestar 5 in Seitenansicht auf einer Landstraße, der Hintergrund ist durch die Bewegung unscharf.
Flache Flunder: Mehr als fünf Meter länge treffen auf weniger als 1,5 Meter Höhe. © Polestar

Das Design

Auf dieser Fläche ist es Polestar gelungen, ein dramatisches Design auf die Räder zu stellen. Vorne blicken die Doppelscheinwerfer grimmig. Das Heck wird vom Leuchtenband dominiert, das auf den Seiten nach unten abfällt. Nicht minder spektakulär ist die Silhouette mit der vergleichsweise kurzen Front und der ewig langen Dachlinie. Dazu viele klare Flächen und pointiert gesetzte Linien: Der Polestar 5 fällt auf ohne peinlich zu sein. Er ist ein Blickfang der angenehmen Art; keine Effekthascherei, kein vulgäres Geprotze, sondern pure Eleganz.

Heckansicht eines weißen Polestar 5 Performance mit durchgehendem roten Leuchtenband und deutschem Kennzeichen.
Große Flächen und spektakuläres Leuchtenband. © Polestar

Polestar 5: Innenraum bereits bekannt

Genug von außen, wir steigen ein – und kennen uns sofort aus. Was nicht daran liegt, dass der Polestar 5 so intuitiv zu bedienen ist. Ist er nämlich nicht: So müssen etwa Außenspiegel und Lenkrad via 14,5-Zoll-Touchscreen eingestellt werden. Jedoch ist der Innenraum mehr oder minder aus dem Polestar 3 bekannt. Was ein wenig schade ist, da man sich bei so einem Fahrzeug mit eigener Plattform und eigenem E-Motor vielleicht auch die Extra-Meile im Innenraum erwartet. Auf der anderen Seite: Bis auf ein paar mehr analoge Bedienelemente vermisst man nichts: Die Materialauswahl ist hervorragend, ebenso wie die Verarbeitung und das sehr klare Design. Tadellos sind auch die Sitze von Recaro. Das riesengroße Panoramaglasdach ist übrigens serienmäßig mit an Bord – und zwar für alle Versionen.

Cockpit des Polestar 5 mit Lenkrad, digitalem Fahrerdisplay und zentralem Hochformat-Touchscreen mit Kartenansicht.
Auch das Cockpit besticht durch ein ruhiges Design. © Polestar

Die Leistungsdaten des Polestar 5

Derlei gibt es zwei: den Polestar 5 Dual Motor sowie den Polestar 5 Performance. Wir sind letzteren gefahren, der mit unglaublichen 884 PS sowie 1.015 Nm auch in jedem Autoquartett der Supertrumpf wäre. Allradantrieb ist obligatorisch, vorne werkelt ein E-Motor von ZF, hinten ein eigens entwickeltes Aggregat. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,2 Sekunden. Noch einschüchternder ist aber eigentlich das, was danach passiert: Die Beschleunigung reißt auch jenseits der 100 Stundenkilometer einfach nicht ab.

Weißer Polestar 5 fährt frontal auf einer Landstraße durch eine grüne, bewaldete Landschaft.
Wer nicht wie am Bild auf der Landstraße unterwegs ist, wird zur Erkenntnis kommen, dass der Polestar 5 auch jenseits der 100 km/h brachial beschleunigt.  © Polestar

Der Polestar 5 Performance geht aber nicht nur schockierend gut vorwärts, sondern nimmt auch seine querdynamischen Aufgaben ernst. Zwar lassen sich die 2,5 Tonnen Eigengewicht nicht vollends wegzaubern, aber die Lenkung ist fast so präzise wie in einem Porsche, die Abstimmung des Fahrwerks gut gelungen und ein solider Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort, und verzögert wird dank Brembo-Bremsen mit Vierkolben-Sätteln vorne auch sehr ordentlich. Ein Luftfahrwerk oder Allradlenkung – bei dieser Preisklasse und Größe gehört beides fast schon zum guten Ton – gibt es übrigens nicht.

Weißer Polestar 5 Performance fährt auf einer kurvigen Straße neben einem See und bewaldeten Bergen.
Geht auch gut ums Eck: der Polestar 5 Performance. © Polestar

Reichweite und Ladeleistung

Den Polestar 5 Dual Motor sind wir zwar nicht gefahren, aber zumindest die Theorie macht einen nicht gerade untermotorisierten Eindruck: 748 PS und 812 Nm Drehmoment sowie ein Beschleunigungswert von 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h reichen vermutlich für die allermeisten alltäglichen Situationen aus, in die man so hineingerät. Handfester Vorteil des "Einstiegsmodells": Die Normreichweite beträgt 678 Kilometer. In der Performance-Variante ist die 112-kWh-Batterie hingegen für "nur" 558 Kilometer laut WLTP gut. Weil der Polestar auf 800-Volt-Technologie setzt, beträgt die maximale Ladeleistung 350 kW. Damit geht es laut Polestar in 22 Minuten von 10 bis 80 Prozent.

Geöffnete Ladeklappe eines weißen Polestar 5 mit CCS-Ladeanschluss neben einem schwarzen Leichtmetallrad und gelbem Bremssattel.
Die Ladeklappe öffnet und schließt elektrisch. © Polestar

Polestar 5: Der Preis

Neben der Mehrleistung zeichnet sich die Performance-Version durch Mehrausstattung aus: So ist etwa die ansonsten 4.400 Euro teure Soundanlage von Bowers & Wilkins serienmäßig an Bord, statt 20- gibt’s bereits 21-Zöller (22-Zöller gibt es optional) und Bremssättel sowie Gurte sind in Gold gehalten. Außerdem ist das Fahrwerk schärfer abgestimmt. Was beide Varianten eint: Bis auf Lack außen und Leder innen sind sie beinahe vollausgestattet. Das ist zumindest ein wenig versöhnlich angesichts der hohen Preise: Der Polestar 5 Dual Motor startet bei 118.600 Euro, der Performance kostet mindestens 141.600 Euro.

Nahaufnahme eines perforierten Lautsprechergitters im Innenraum mit der Aufschrift „Bowers & Wilkins“.
Soundanlage von Bowers & Wilkins: beim Topmodell serienmäßig an Bord. © Polestar

Unser Fazit

Wer das kaufen soll? "Unser Kunde ist einer, der heute Porsche Taycan fährt", sagt Jan Grindemann, der Regional Managing Director für Zentraleuropa. An Selbstbewusstsein fehlt es der Marke also nicht. Zurecht: Das Auto sieht gut aus, fährt sich geradeaus sensationell, geht aber auch scharf ums Eck. Die hohe Ladeleistung und die große Batterie komplettieren das Paket und machen den Polestar 5 zu einem ernsthaften, elektrischen Gran Turismo – und einem ernsthaften Taycan-Konkurrenten.