Ein Mann steht in der Tür einer weißen Mercedes C-Klasse Limousine.

Testfahrt: Die neue elektrische C-Klasse

Mercedes-Benz rollt seine Elektrifizierungsstrategie erstmals auch auf die klassische C-Klasse aus. Bei einer ersten Testfahrt zeigt sich, wie das Traditionsmodell unter völlig neuen Vorzeichen funktioniert.

Von Jakob Stantejsky,

Die neue Generation der Stromer aus Stuttgart weiß mit ihren technischen Daten zu beeindrucken. Da ist auch der Mercedes-Benz C 400 4Matic, wie die vorerst einzige Version der elektrischen C-Klasse heißt, keine Ausnahme. Ein 94 kWh großer Akku bietet nicht nur Saft für bis zu 761 km Reichweite laut WLTP, sondern kann dank 800-Volt-Architektur und 330 kW Ladeleistung auch noch in 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden – unter perfekten Bedingungen, versteht sich. Damit fliegen sowohl Reichweitenangst als auch Ladezeitbedenken gleichzeitig in hohem Bogen aus dem Fenster. Ein Heckantriebsmodell mit noch mehr Reichweite soll übrigens folgen.

Die Fahrleistungen auf dem Prüfstand

Doch die elektrische C-Klasse beweist bei unserer ersten Testfahrt, dass nicht nur der Ladestopp, sondern auch die Längsdynamik funktioniert. 489 Allrad-PS und 800 Nm Drehmoment wuchten den C 400 4Matic in vier Sekunden auf Landstraßentempo und machen erst bei 210 km/h Schluss. Das reizen wir so zwar freilich nicht aus, doch die Power der 4883 mm langen Limousine ist auch bei zivilerer Fortbewegung deutlich spürbar. Auf einem abgesperrten Handlingkurs können wir uns außerdem davon überzeugen, dass die C-Klasse auch als Stromer ihre sportlichen Ansprüche weiterhin erfüllt. Knapp zweieinhalb Tonnen Leergewicht sind zwar eine Hausnummer, dank aktiver Luftfederung kann das Fahrzeug im Sportmodus allerdings eineinhalb Zentimeter abgesenkt werden und präsentiert sich so richtig knackig. Dieses Auto macht wirklich Spaß. Ob es im Alltag tatsächlich so viel Kraft benötigt, ist fraglich.

Wie komfortabel ist elektrisch?

Bei aller Urgewalt ist die Kernkompetenz der elektrischen C-Klasse dennoch der Komfort. Und auch in dieser Disziplin spielt die schon erwähnte Luftfederung – die übrigens als Option angeboten wird – eine große Rolle. Mühelos wird jede Unebenheit weggewischt, auf Eingaben am Steuer reagiert das Auto souverän, aber angenehm direkt. Dank der ebenfalls optionalen Hinterachslenkung schrumpft außerdem der Wendekreis und die Stabilität ist bei hohen Geschwindigkeiten noch besser. Der C 400 4Matic ist zweifellos ein driver's car, auch wenn er viele Funktionen abseits des reinen Fahrbetriebs bietet.

Ein Mann sitzt auf der Rückbank eines Autos.
Die Kniefreiheit hinten ist super, aber die Fußspitzen stoßen leider recht bald am Vordersitz an. © Mercedes-Benz

Digitaler Wohlfühlraum

Zuerst die klassischen Tugenden: Anschmiegsame Ledersitze spielen von der Beheizung über die Kühlung bis zur Massage alle Stückerl. Hochwertige Materialien säumen das üppige Platzangebot. Und mittendrin thront ein gewaltiger Bildschirm, der sicher nicht jedermanns Sache ist. 39,1 Zoll misst der MBUX Hyperscreen, der das Konzept eines Armaturenbretts ersetzt und sich von Tür zu Tür erstreckt. Das ist spektakulär, das bietet schier endlose Möglichkeiten zur Individualisierung – aber das bricht auch mit dem klassischen Flair einer C-Klasse. Von jeglicher Nostalgie müssen Insassen sich bei diesem Anblick definitiv verabschieden. Aber gut, das mussten sie schon vor dem Einsteigen, als sie den mit 1.050 leuchtenden Punkten bestückten Grill an der Front der elektrischen C-Klasse erblickten.

Nichtsdestotrotz: Der Hyperscreen ist natürlich nicht ausschließlich für den Fahrer gedacht, der bräuchte sonst nämlich Gummiarme. Stattdessen steht der Bereich ganz rechts dem Beifahrer zur Verfügung, der dort Entertainment ohne Ende genießen kann: Netflix schauen, Zeitung lesen, alles geht. Bis der Fahrer hinüberlinst. Dann wird der Screen sofort schwarz, um Ablenkung zu vermeiden. Das funktioniert in der Praxis hervorragend und ist auch durch Deaktivierung der Fahrerüberwachung nicht zu umgehen. Wenn man sich in dem Wust aus Themenwelten und vernetzten Funktionen erst zurechtgefunden hat, hat der C 400 4Matic dank zahlloser Apps und Funktionen zweifellos das Zeug dazu, zu einem vollwertigen mobilen Büro zu werden. Oder eben zum Heimkino auf Rädern. Die Integration von gleich drei KI-Modellen, die flexibel jede Anfrage bearbeiten, macht die Sprachsteuerung zu einem wahrlich nahtlosen Erlebnis.

Die finanzielle Komponente

Die elektrische C-Klasse startet aktuell bei 68.550 Euro und ist bereits bestellbar. Der Ab-Preis wird mit der Einführung der Heckantriebsversion sicher noch ein Stück nach unten korrigiert werden. Allerdings muss man in der Basis auf viele Annehmlichkeiten verzichten, so ist dann auch der Hyperscreen mit drei einzelnen, kleineren Bildschirmen in dem riesigen Panel nur noch ein Schatten seiner selbst. Richtig vollgepackt ist man beim C 400 4Matic eher bei rund 90.000 Euro unterwegs. Fest steht: Die elektrische C-Klasse hat eine Menge auf dem Kasten, fahrerisch wie digital. Und in puncto Elektro-Technik macht ihr so schnell niemand etwas vor. Es wird spannend, wie sich all das im Endeffekt auf die Verkaufszahlen auswirkt.