SUV kann heute (fast) jeder. Charakter nicht. Der Kia Seltos setzt auf Turbo und Tradition, der Leapmotor B10 auf Strom und Kampfpreis. Doch welches Kompakt-SUV serviert am Ende das bessere Gesamtpaket? Wir haben den Test gemacht.
Auffällig auffällige Erscheinung
Der neue Seltos, längenmäßig zwischen Stonic und Sportage einzuordnen, tritt mit hoher Front, markanter LED-Signatur und klaren Kanten selbstbewusst auf – modern, eigenständig und eine Spur offroadiger als viele Rivalen. Innen wartet die nächste Stärke: Im Fond herrscht für 4,4 Meter Außenlänge erstaunlich viel Bewegungsfreiheit, der über 500 Liter große Kofferraum steckt auch wuchtigeres Familiengepäck locker weg.
Der 1,6-Liter-Turbobenziner liefert auf dem Papier zwar 180 PS, wirkt aber dennoch nicht sonderlich temperamentvoll. Vor allem die Gasannahme könnte spontaner sein. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet meist weich, reagiert aber mitunter zögerlich. Dafür gefallen die komfortable Federung, die entspannte Sitzposition und die ordentlich geformten Vordersitze.
Materialauswahl und Verarbeitung wirken modern, robust und hochwertig. Auch die Bedienung überzeugt mit scharfen Displays, logischen Menüs und echten Tasten für die wichtigsten Funktionen. Nachteil: der kleine Klima-Bildschirm liegt ungünstig hinterm Lenkrad.
Der Seltos startet bei 32.590 Euro. Gemessen an Platz, Ausstattung und sieben Jahren Garantie ist das fair.



- Markant - Aus der Dreiviertelperspektive wird die hohe Motorhaube des Kia Seltos sichtbar, dazu die ausgeformten Kotflügel, schwarze Radhausverkleidungen und zweifarbige Räder. © Sebastian Weissinger
- Unverkennbar - Die Front des Kia Seltos wird von einem breiten, dunkel ausgeführten Grill und den senkrechten LED-Tagfahrleuchten an den äußeren Kanten bestimmt. © Sebastian Weissinger
- Lichtsignal - Die Heckansicht des Koreaners zeigt ein durchgehendes Leuchtenband und vertikale Rückleuchtenelemente. © Sebastian Weissinger




Unauffällige Solidität
Der Leapmotor B10 setzt auf schmale Leuchten, wie der Seltos auf bündige, nicht unbedingt griffgünstige Türgriffe und klare Flächen. Das wirkt elegant, aber auch etwas beliebig. Innen spielt der 4,5 Meter lange Stromer seine Größe aus: Vorn sitzt man luftig, im Fond gibt es reichlich Kopf- und Beinfreiheit. 420 Liter Kofferraum plus 25 Liter großer Frunk reichen gut für den Familienalltag.
Der Heckmotor liefert 218 PS und 240 Nm. Er beschleunigt kräftig und gleichmäßig, ohne sportlich zu wirken. Das komfortable Fahrwerk bleibt ausreichend kontrollierbar. Der 67,1-kWh-Akku ermöglicht 434 Kilometer WLTP-Reichweite, geladen wird mit bis zu 168 kW.
Die Verarbeitung überrascht mit kleinen Spaltmaßen, soliden Materialien und wohnlichem Ambiente. Die bequemen Vordersitze bieten wenig Seitenhalt, sind in der Design-Version aber beheizt und belüftet, eine Lordosenstütze fehlt. Fast alles läuft über den großen, flotten Touchscreen. Die Menüs sind nach kurzer Eingewöhnung schlüssig, doch echte Tasten und eine bessere Sprachsteuerung wären willkommen.
In Österreich startet der ProMax mit großem Akku unter 30.000 Euro. Gemessen an Raum, Reichweite und Ausstattung ist das eine Kampfansage.



- Gar nicht schräg - Der Leapmotor B10 zeigt aus schräger Frontansicht eine glatte Karosseriefront, schmale LED-Leuchten und schwarze Akzente im unteren Stoßfängerbereich. © Sebastian Weissinger
- Glatt gebügelt - In der direkten Vorderansicht prägen das durchgehende Leuchtenband, die weit außen positionierten Hauptscheinwerfer und die nahezu geschlossene Frontfläche das Bild. © Sebastian Weissinger
- Porsche Cayenne lässt grüßen - Die Heckansicht des Leapmotor B10 wird vom durchgehenden Rückleuchtenband, dem mittig angeordneten Leapmotor-Schriftzug und dem B10-Emblem auf der Heckklappe bestimmt. © Sebastian Weissinger







