Zehn Stunden dauert der Flug von Wien nach Chengdu. In der Metropole bietet die Busfahrt zum Bahnhof einen kurzen Einblick in das China von heute. Zahlreiche Automarken, die noch niemand in Europa kennt, drängen sich auf den Straßen. Alle zehn Meter sind Sicherheitskameras montiert. Sogar für den Eintritt in den Bahnhof müssen wir unseren Pass scannen und einen Security-Check passieren. Dafür bewältigen wir 800 Kilometer per Hochgeschwindigkeitszug in fünf Stunden. Das moderne China ist schnelllebig und digital. Altehrwürdige Dynastien und fantastische Mythologie scheinen überholt zu sein. Doch in Hunan und Guangxi trotzen natürliche Monumente dem Wandel und thronen wie vor Hunderttausenden Jahren in der Landschaft.
Hoch hinaus bis zum Himmelstor
Unsere erste Station ist die von fantastischen Naturkulissen umgebene 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Zhangjiajie. Wenige Kilometer nördlich wartet eine der spektakulärsten Landschaften der Welt: In Wulingyuan stehen über 3.000 Quarzsandsteinsäulen, die teils mehr als 200 Meter hoch sind. Die schwebenden Felsen aus den Avatar-Filmen basieren auf dieser Szenerie. Die vielen Aussichtspunkte bieten atemberaubende Panoramen, die Felsnadeln scheinen sich endlos auszudehnen. Nebel sorgt für eine mystische Stimmung.

Wirklich gut zu Fuß müssen Reisende in China nicht sein. Auf Berge wird nicht gestiegen, sondern per Gondel oder Lift gefahren. Während des gesamten Aufenthalts bewegen wir uns fast ausschließlich auf asphaltierten Wegen. So können chinesische Reisegruppen – man kennt sie vom Stephansplatz, aus Hallstatt & Co. – ihr straffes Programm noch effizienter abspulen. Hier im Zhangjiajie National Forest Park leben übrigens wilde Affen. Dutzende Schilder warnen davor, sich ihnen zu nähern oder sie gar zu füttern. Doch kaum taucht einer auf, wird er von einer Gruppe chinesischer Touristen umringt. Man posiert dicht neben dem Affen, und bald bekommt er einen Apfel in die Hand gedrückt. Er bleibt friedlich.



- Natur pur - Die "Erste Brücke unter dem Himmel" ist ganz ohne Hilfe von Menschenhand entstanden. © Jakob Stantejsky
- Zhangjiajie Grand Canyon Glass Bridge - Über 400 Meter lang ist das Wunderwerk. © Jakob Stantejsky
- Schwindelerregend - Über die Glasflächen zu spazieren, erfordert etwas Überwindung. © Jakob Stantejsky
Kurz darauf passieren wir die „Erste Brücke unter dem Himmel“, eine natürlich entstandene Steinbrücke in gut 350 Metern Höhe. Die moderne Alternative: Eine halbe Autostunde entfernt verbindet die Zhangjiajie Grand Canyon Glass Bridge auf einer Länge von 430 Metern und in einer Höhe von 260 Metern zwei Bergklippen miteinander. Wie der Name schon sagt, ist der Boden der Hängebrücke aus Glas. Eine ordentliche Dosis Adrenalin ist bei der Überquerung gratis dabei. Auch ohne Höhenangst wird mir flau im Magen.
Das große Finale über den Wolken ist der Tianmenshan, zu Deutsch der Himmelstor-Berg. Schon die elf Kilometer lange, gewundene Bergstraße mit ihren 99 Serpentinen ist ein Erlebnis. Von der Ankunftsplattform führen dann noch 999 Stufen hinauf zum Himmelstor, einem 131,5 Meter hohen Loch im Berg. Wir haben Glück im Unglück: Das Wetter ist trüb, aber wir können den Anblick immerhin noch zehn Minuten genießen, bevor das Tor im Nebel verschwindet.
Große Küche, großes Kino
Abends genießen wir stets hervorragende regionale Küche, die üblicherweise im Separee serviert wird. In der Mitte des Tisches befindet sich eine drehbare Platte, auf der verschiedenste Speisen ihre Kreise ziehen. Auf unserem Weg von Norden nach Süden gibt es immer wieder neue Gerichte zu verkosten. Fleisch ist immer dabei, Fisch je nach Region. Vor allem aber schmeckt es ausnahmslos grandios und unterscheidet sich stark von dem, was der klassische Chinese ums Eck bietet. Ungewohnt: In China trinkt man gerne lauwarm, sogar Cola oder Bier. Kalte Getränke müssen explizit bestellt werden.
Wer auf Theatralik steht, sollte eine der vielen abendlichen Shows besuchen. Die finden oft im Freien vor gewaltigen Naturkulissen statt und erwecken mit Licht, Musik, Gesang und Tanz die Kultur der örtlichen Volksgruppen zum Leben. Die Chines:innen schätzen Spektakel aber mehr als Authentizität – auch abseits der Bühne. In der Stadt Fenghuang etwa erfreuen wir uns am Flussufer an den bunt beleuchteten traditionellen Holzhäusern. Und erfahren dann staunend, dass sie allesamt neu sind. Ein Stadtteil als Theaterkulisse.
Tee pflücken und Gipfel stürmen
Inzwischen sind wir in Guangxi angelangt. Die Region produziert einen großen Teil des Obstes für ganz China, auch Tee wächst hier. Auf dem Berg Xianren probieren wir uns auf knapp 1.000 Metern Höhe als Erntehelfer. Eine meditative Arbeit, untermalt von idyllischer Ruhe – untypisch für China.
Auch auf den Reisterrassen von Longsheng können wir die Seele baumeln lassen. Im Dorf Longji übernachten wir inmitten der bewässerten Felder, die sich wie schillernde Schneckenhäuser in Spiralen an den Hängen entlangwinden. Auch hier versucht sich der Nebel als Spielverderber und sorgt doch wieder für eine besonders märchenhafte Atmosphäre.



- Reisterrassen - Wieder mit dabei: der Nebel. © Jakob Stantejsky
- Teeberge - Auf bis zu 1.000 Metern Höhe wächst die Teepflanze in Guangxi. © Jakob Stantejsky
- Vorsicht, heiß! - Bei 200 Grad werden die frisch geernteten Blätter getrocknet. © Jakob Stantejsky
Zum Abschluss der Reise geht es noch einmal steil bergauf. Vom Urlaubsort Yangshuo aus erkunden wir die Karstlandschaft Südchinas mit ihren Abertausenden Kalkkegeln, die wie Bäume aus dem Boden schießen. Bei einer Floßfahrt auf dem Fluss Yulong bewundern wir diesen Anblick ebenso wie vom Berg Xiang Gong aus schwindelerregender Höhe. Das steile Stück bis zur Aussichtsplattform müssen wir hier sogar selbst erklimmen. Dafür bietet sich ein unvergleichliches Panorama über den Li-Fluss und die umliegende Karstlandschaft.
Am letzten Abend fahren wir mit dem Bus zum Flughafen durch die junge Metropole Shenzhen mit ihren rund 17 Millionen Einwohnern. Das ist wieder ein ganz anderes China. Hoch hinaus geht es aber auch hier. Nur mit brandneuen Wolkenkratzern statt uralten Gipfeln.
6 Tipps für Südchina
- Reisezeit: Sowohl in Hunan als auch in Guangxi eignen sich Frühling und Herbst für einen Besuch. Im Sommer gibt es reichlich Hitze und Niederschlag, im Winter trübt feuchtkaltes Wetter die Stimmung.
- Impfungen: Durch die Lage im Süden Chinas werden je nach Aktivitäten ähnliche Impfungen wie in Thailand oder Vietnam empfohlen: Hepatitis A und B, Typhus, Tollwut, Dengue-Fieber und Japanische Enzephalitis.
- Bezahlung: In China ist das Handy das Zahlungsmittel Nummer eins. Unbedingt im Vorhinein Alipay oder WeChat Pay (oder beide) herunterladen und einrichten. Selbst die Straßenverkäufer nutzen QR-Codes zum Bezahlen.
- Guten Appetit: Die Portionen in China sind gigantisch. Denn wenn der Gast aufisst, hat der Gastgeber zu wenig serviert.
- Keine Scheu: Wir „Langnasen“ sind beliebte Motive für Selfies – auch ohne Zustimmung.
- Sanitäranlagen: Viele öffentliche Klos sind Hocktoiletten, wie man sie früher aus Italien kannte.

Info zu Hunan & Guangxi
- Lage: Die Provinz Hunan liegt in Zentralchina, das autonome Gebiet Guangxi südlich davon.
- Einwohner: gesamt 115 Millionen
- Fläche: insgesamt 448.400 km² (etwa so groß wie Schweden)
- Hauptstädte: Changsha (Hunan) und Nanning (Guangxi)
- Sprachen: Mandarin (chinesische Standardsprache), Xiang (Hunan-Dialekt), Zhuang (Regionalsprache von Guangxi)
- Zeitverschiebung: 6 bzw. 7 Stunden (Sommer-/Winterzeit)
- Klima: subtropisch bis tropisch; hohe Luftfeuchtigkeit und vor allem im Sommer viel Regen.

Informationen & Buchung
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