Der Hauptplatz mit einer Säule und einem blauen großen Schriftzug "Trencin 2026", dahinter auf einem Hügel eine Burg.

Geheimtipp: Kulturhauptstadt Trenčín

Trenčín ist eine der beiden Kulturhauptstädte Europas 2026. Die Stadt in der Westslowakei ist nur zweieinhalb Stunden von Wien entfernt und vielen unbekannt. Hier sind fünf Gründe, sie zu entdecken.

Von Kurt Zeillinger,

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, ist vielen Menschen ein Begriff, aber Trenčín? Die meisten, die weiter in Richtung Hohe Tatra vorstoßen, nehmen nach einer knappen Stunde auf der Autobahn höchstens Trenčíns Burg wahr. Schade, denn im heurigen Kulturhauptstadtjahr hat sich die Stadt ordentlich herausgeputzt.

Trenčín, das sich den Titel Kulturhauptstadt Europas mit dem nordfinnischen Oulu teilt, ist mit 54.000 Einwohner:innen die achtgrößte Stadt der Slowakei. Zum Vergleich: Hier leben rund 10 Prozent weniger Menschen als etwa in St. Pölten. Es handelt sich also um keine wirkliche Metropole. Dafür ist alles überschaubar und liebenswert, gleichzeitig aber weltoffen und tolerant. Dafür sorgen schon die vielen Studenten der Alexander-Dubček-Universität.

Trenčín ist eine junge Stadt, die in der Welt des Tourismus ist die Stadt noch nicht wirklich angekommen ist. Die Anzahl der Quartiere ist noch überschaubar. Dafür gibt es – der Rolle als Universitätsstadt geschuldet – viele Cafés und Bars für ein ausgehfreudiges, junges Publikum.

Vielleicht sind die jungen Menschen auch mit ein Grund dafür, dass die Stadtverwaltung anders tickt. Der Bürgermeister stützt sich auf eine Mehrheit, die nichts mit dem Populismus in der Kulturpolitik der gegenwärtigen Regierung zu tun haben will. "Wir stehen zu Europa, für Demokratie, Offenheit und die Freiheit der Kunst", betonte er in seiner Eröffnungsrede zum Kulturhauptstadtjahr. Und sein Vize, Patrik Žák, sagt im auto touring-Gespräch: "Wir waren auch eine Militärstadt mit Rüstungsindustrie, daher wissen wir, dass das Projekt Kulturhauptstadt eine einmalige Gelegenheit ist, Veränderungen zu bewirken."

Hier sind fünf Gründe, Trenčín zu entdecken:

1. Die Altstadt unter der Burg

Das Gebiet von Trenčín ist seit der Bronzezeit besiedelt. Die eigentliche Stadt hat ihre Wurzeln in der Römerzeit als Militärlager Laugaricium am Handelsweg vom Mittelmeer zum Baltikum. Im Mittelalter wurde die Stadt selbst zu einem Handelszentrum, geschützt von der hoch oben auf einem steilen Felsen thronenden Burg.

Heute ist das Stadtbild geprägt von historischen und bunten Bürgerhäusern aus der Monarchie (Trenčín gehörte zur ungarischen Reichshälfte), barocken Kirchen (Tipp: das Innere der Piaristenkirche), einem Stadttor, der Synagoge und ein paar brutalistischen Bauten aus kommunistischer Zeit. Dazwischen pulsiert eine lebendige Lokalszene, die von den vielen ausgehfreudigen Studenten lebt.

Weil das internationale Publikum Trenčín noch nicht am Schirm hat, kann man sogar am Wochenende entspannt durch die Altstadt schlendern.

2. Die Jugendstil-Synagoge

Sie wurde 1913 nach den Plänen eines Architekten aus dem nahen Piešťany (Bad Pistyan) errichtet: Richard Scheibner, der in Berlin studiert hatte, entwarf sie im Stil des byzantinischen Art Déco. Mehr über ihn und das Bauwerk finden Sie hier.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Bau als Pferdestall und als Lager für Textilien (früher gab es in Trenčín eine blühende Textilindustrie) und verfiel. Nach der Wende wurde die Synagoge restituiert, perfekt restauriert und wieder geweiht. In dem jüdischen Gotteshaus finden heuer auch weltliche kulturelle Veranstaltungen statt.

Die Synagoge kann Dienstag, Freitag und Samstag von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. Nähere Infos gibt es hier.

3. Die Pfarrtreppe

Der Weg vom Friedensplatz hinauf zur Burg ist 800 Meter lang und steil. Die 1568 entstandene Abkürzung über den überdachten Aufstieg an der Seitenstraße Farská ulica 12 zum gotischen Karner des hl. Michael machte die Verteidigungsanlagen schneller erreichbar. Tipp: Wer diesen Weg nicht bereits bergauf nehmen möchte, sollte nach der Burgbesichtigung auf alle Fälle die 101 Stufen hinunter in die Altstadt wählen!

1Am Ende einer Sackgasse befindet sich ein geöffnetes Tor. Es führt zu einer Stiege.
2Viele Stufen führen in einem wettergeschützten, links offenen Gang nach oben.
3Oben angekommen steht man vor einer gelben Kirche.
  • Das Tor am Ende der Farská ul. führt zur Treppe, die zwischen 8 und 20 Uhr benützt werden kann. © Kurt Zeillinger
  • Sollte es regnen, tut das dem Aufstieg keinen Abbruch. © Kurt Zeillinger
  • Oben angekommen, hat man bei der Pfarrkirche bereits den halben Weg zur Burg hinter sich.  © Kurt Zeillinger

4. Die Burg Trenčín

Allein der Ausblick gleich hinter dem ersten Burgtor entschädigt für den Aufstieg. Von dort geht es kostenpflichtig weiter auf die Panoramaterrasse. Von dieser sieht man, warum die Festung gerade hier erbaut wurde: Von hier lässt sich das Tal der Waag, die hier einen Bogen macht, perfekt überblicken. Das machte die Anlage in der osmanischen Zeit zu einem wichtigen Verteidigungsposten.

Auf der Terrasse finden Open-Air-Veranstaltungen statt, die sich von einem kleinen Hügel mit Sitzgelegenheiten genießen lassen. Weiter hinauf führt der Weg zum Barbara-Palast, in dem moderne Kunst gezeigt wird. Für Sportliche lohnt es sich, den 39 Meter hohen Bergfried über die 700 Jahre alten Stufen zu besteigen.

1Eine großteils bereits restaurierte Burg thront auf einem Felsen.
2Links der höchste Teil der Burg mit dem Bergfried.
3Blick von ganz oben auf die riesigen alten Befestigungsanlagen.
  • Diesen Burg-Blick haben alle vor Augen, die hinauf zur Festung steigen. © Kurt Zeillinger
  • Links der Barbara-Palast mit dem Bergfried, rechts der Zápolya-Palast, Adelssitz der gleichnamigen Familie. © Kurt Zeillinger
  • Blick vom Bergfried auf die Befestigungen an der Rückseite der Burg. © Kurt Zeillinger

5. Das Programm

Die Veranstaltungen, die in einer Kulturhauptstadt Europas geboten werden, fallen nicht in die Kategorie Mega-Events mit Top-Stars. Was geboten wird, entspringt den vielen regionalen Kulturinitiativen und soll sich künftig nachhaltig auf die Entwicklung der Stadt auswirken. Nicht nur die Panoramaterrasse, die Burg und die Altstadt werden bespielt, ab September hoffentlich auch die Fiesta Bridge: Eine alte Eisenbahnbrücke über den Fluss Waag wird gerade zu einer begrünten Promenade umgebaut. Das genaue Programm auf: www.trencin2026.eu

Infos für einen Trip nach Trenčín

Bei einer Anreise von Wien aus benötigen Bahn (mit Umsteigen in Bratislava) und Auto etwa gleich lange: 2,5 Stunden. Autos benötigen eine digitale Vignette. Vorsicht: Es gibt nur ein einziges offizielles Portal, um eine zu kaufen: eznamka.sk/de
Wer nicht so firm im Online-Kauf ist, kann sie an Grenzübergängen und Tankstellen erwerben.

Parkplätze in Trenčín sind knapp und großteils kostenpflichtig, Infos gibt es hier.

Generelle sowie ganz aktuelle Hinweise finden sich in der ÖAMTC Länderinfo Slowakei.

Kulturhauptstadt 2026.