Eine Frau steht in den bunten Weinbergen im Burgund.

Burgund: Genuss zwischen Dijon und Beaune

Zwischen Dijon und Beaune warten Unesco-Weinlagen, historische Städte und kulinarische Spezialitäten wie Cassis und echter Burgunder Senf. Ein Streifzug durch eine Region, die weit mehr ist als nur ein Weinparadies.

Von Cornelia Buczolich-Griess,

Rund 1,5 Stunden südöstlich von Paris beginnt eine der berühmtesten Weinlandschaften der Welt: Burgund. Die Côte d’Or, der "goldene Hang" ist das Herz des Burgunder-Weinbaus zwischen Dijon und Beaune und zieht sich wie ein schmales Band durch die Region.

Wer aus Österreich kommt, weiß, dass großartige Weine nicht zwingend ein Vermögen kosten müssen. Da stellt sich doch die wohlbekannte Frage: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Weil im Burgund Wein, Kultur und Lebensart auf eine andere, einzigartige Weise verschmelzen. Wo sich ein Besuch in Burgund besonders lohnt und worauf Sie beim Kauf von Dijon-Senf achten sollten, lesen Sie hier im Detail.

1. Weinberge und Unesco-Climats entdecken

Burgund ist mehr als ein Reiseziel – es erschließt sich über den Geschmack. Zwischen sanften Hügeln, alten Steinmauern und den weltberühmten Lagen entfaltet sich eine Kulturlandschaft, in der Wein weit mehr ist als ein Produkt – er ist identitätsstiftend.

Besonders spürbar wird das in den "Climats". Das französische Wort lässt sich kaum übersetzen, und genau darin liegt ein Teil des Geheimnisses der burgundischen Weine. Gemeint ist nicht das Klima, sondern ein über Jahrhunderte gewachsener Flickenteppich aus exakt abgegrenzten Weinparzellen, jede mit eigenem Charakter. Gestein, kalkreiche Böden, ­Sonne und Regen, vor allem aber die Handschrift der Winzer prägen hier auf kleinsten Flächen große Weine. 2015 wurden die 1.247 Climats der Côte d’Or zum Unesco-Welterbe erklärt. Seitdem kommt niemand mehr an diesem Begriff vorbei.

Im Burgund dreht sich alles um zwei Rebsorten: Pinot noir steht für vielschichtige Rotweine, Chardonnay für sehr langlebige Weißweine. Die Rebsorten sucht man auf dem örtlichen Etiketten übrigens vergeblich – sie werden nur auf für den Export bestimmten Flaschen angegeben. Der Grund: Rund 91 Prozent der Weine in der Region stammen ohnehin aus genau diesen beiden Sorten.

2. Cité des Climats in Beaune: Burgunds Weinwissen erleben

Gleich hinter den letzten Häusern von Beaune wächst ein weißer Turm in den Himmel – die "Cité des Climats & Vins de Bourgogne", eine spiralförmige Skulptur aus Glas und Beton, die eher an ein Kunstwerk als an ein klassisches Weinmuseum erinnert. Beim Näherkommen legt sich der Blick über die Reben der Côte d’Or, während sich der Bau wie eine aufge­wickelte Weinranke in die Höhe dreht. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2023 führt das Haus auf 1.100 Quadratmetern Ausstellungsfläche mitten hinein in die Welt der burgundischen "Climats".

Drinnen wird es dunkel und leise, nur Projektionen flirren über die Wände, Rebstöcke tauchen aus Lichtnebel auf, Stimmen erzählen von Winzern, Parzellen und Jahrhunderten.

Das Museum "Cité des Climats & Vins de Bourgogne" erhebt sich wie eine helle Wein-Rebe.
Die moderne Cité des Climats & Vins de Bourgogne erhebt sich wie eine helle Wein-Rebe. © Cornelia Buczolich-Griess
Das interaktive Weinmuseum.
Das interaktive Museum macht die Welt der burgundischen Terroirs erlebbar.  © Cornelia Buczolich-Griess

3. Hôtel-Dieu in Beaune: Sehenswürdigkeit im Burgund

Das Hôtel-Dieu in Beaune, auch bekannt als ehemaliges Hospiz, gilt als eines der schönsten spätgotischen Bauwerke Burgunds. Der Bau begann 1443, ursprünglich als Krankenhaus für Bedürftige. Bis 1971 wurde es medizinisch genutzt. Heute steht das historische Gebäude mit seinen bunten Dachziegeln Besuchern zur Besichtigung offen.

1Der gotische Innenhof des Hospices de Beaune.
2Das ehemalige Hospiz ist heute ein Museum: In diesem Bett wurden früher die Kranken gepflegt.
3Das ehemalige Hospiz ist heute ein Museum: In diesem Bett wurden früher die Kranken gepflegt.
  • Bunte Ziegeldächer, filigrane Türmchen und der gotische Innenhof des Hospices de Beaune erzählen von einem "Palast für die Armen", der heute zu den eindrucksvollsten Wahrzeichen Burgunds zählt. © Cornelia Buczolich-Griess
  • Heute ein Museum, einst ein Armenhospital: Im Hôtel-Dieu von Beaune zeigen die historischen Betten, die bunte Balkendecke und die eindrucksvollen religiösen Malereien eindrücklich,… © Cornelia Buczolich-Griess
  • …wie Kranke gepflegt und zugleich geistlich begleitet wurden. © Cornelia Buczolich-Griess

4. Geheimtipp in Beaune: größter Weinkeller Burgunds

Unter dem barocken Visitandinenkloster von 1780 öffnet sich in Beaune eine zweite Stadt: die historischen Keller der Caves Patriarche, der größte Weinkeller Burgunds. In den kühlen, halbdunklen Gängen aus dem 13. Jahrhundert stapeln sich auf mehreren Kilometern ehrwürdiger Steinmauern rund zwei Millionen Flaschen. Ein Archiv des Burgunders, das bis tief unter das Kopfsteinpflaster der Altstadt reicht.

Ein Guide führt uns in den Weinkeller.
Im größten Weinkeller Burgunds sind… © Cornelia Buczolich-Griess
Die Weinfässer im Weinkeller.
… 36 Weinkeller miteinander verbunden. © Cornelia Buczolich-Griess
Verstaubte, alte Weinflaschen versperrt im Weinkeller.
Die älteste Flasche stammt aus dem Jahr 1904! © Cornelia Buczolich-Griess

5. Dijon Altstadt: Rundgang, Sehenswürdigkeiten und Tipps

Ein markierter Rundweg mit kleinen, in den Boden eingelassenen Eulen führt durch die Altstadt Dijons, vorbei an Fachwerkhäusern und eleganten Stadthäusern bis hin zur Markthalle mit ihren Ständen voller Käse, Senf und Wein. Wer ein enges Tagesprogramm hat, schaut zum Frühstück schnell auf einen Cappuccino und ein Croissant vorbei. Städter kommen um 12.30 Uhr zum Mittagessen. Entlang der Route liegt auch das Kunstmuseum in einem Stadtpalais, erbaut zwischen dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Kaum zu glauben: Der Eintritt ist frei. Einheimische kommen gerne in der Mittagspause auf einen Sprung vorbei. Unbedingt lohnend ist zudem der Aufstieg über die 316 engen Steinstufen in den Turm Philippe le Bon: Von der Plattform blickt man über die Dächer der Altstadt, direkt auf die Fassade der Notre-Dame.

6. Dijon-Senf vs. Burgunder Senf: Unterschiede einfach erklärt

In Beaune prangt der Name Dijon-Senf an jeder Ecke und trotzdem, erzählt Guide Manuela lachend, kennen viele Einheimische den Unterschied zwischen "normalem" Dijon-Senf und echtem Burgunder Senf nicht. In der Senfmanufaktur Fallot lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Hier entstehen rund 2.500 Tonnen Senf im Jahr, die Hälfte davon geht in die Welt hinaus.

Spannend wird es, wenn man vor den alten Steinmühlen steht. Fallot ist die einzige Manufaktur im Burgund, die noch auf diese schonende Verarbeitung setzt. In die klassische Dijon-Rezeptur kommen übrigens nur vier Zutaten: Senfkörner, Wasser, Essig und Salz. Offiziell geschützt ist interessanterweise aber nicht der Name "Dijon-Senf" (den darf fast jeder verwenden), sondern "Moutarde de Bourgogne": Dafür müssen die Senfkörner aus der Region kommen, die Produktion muss hier stattfinden, und statt einfachen Essigs wird Weißwein, meist Aligoté, verwendet.

Nach der Führung dürfen die Besucher sogar ihren eigenen Senf mahlen, mischen und mitnehmen.

1Unser Guide Manuela aus Krems erklärt den Unterschied zwischen Dijon-Senf und Burgunder-Senf.
2Das große Senf-Sortiment.
3Burgunder Senf im Glas.
  • Guide Manuela aus Krems führt die Besucher durch die aromatische Welt des burgundischen Senfs – vom klassischen Dijon bis zu kreativen Spezialitäten. © Cornelia Buczolich-Griess
  • Bunte Senfparade: Ob mit Johannisbeere oder Honig-Balsamico – die Spezialitäten im Glas kosten zwischen 3,30 und 3,80 Euro. © Cornelia Buczolich-Griess
  • Der Moutarde de Bourgogne – der echte Burgunder Senf. © Cornelia Buczolich-Griess

7. Crème de Cassis & Kir: Burgunds Spezialitäten probieren

Crème de Cassis ist Burgunds süßes Aushängeschild. Zwischen Beaune und Dijon laden Johannisbeerplantagen und Likörhäuser zur Verkostung von Crème de Cassis und Kir ein – dem typisch burgundischen Aperitif aus Cassislikör und der weißen Rebsorte Aligoté. In kleinen Betrieben, wie etwa dem Bauernhof "Ferme Fruirouge", wird gezeigt, wie aus den Beeren Liköre, Marmeladen und weitere Spezialitäten entstehen.

Ein Herr kocht Johannisbeer-Marmelade.
Reife schwarze Johannisbeeren, Zucker und etwas Geduld: Beim Kochen von Cassis-Marmelade verwandeln sich die kleinen, intensiven Beeren in einen tiefdunklen Brotaufstrich. © Cornelia Buczolich-Griess
Drei hochwertige Cassis-Produkte im Glas.
Köstlich das Ketchup aus Johannisbeere, der Fruchtaufstrich und die Konfitüre. © Cornelia Buczolich-Griess

8. Tradition seit 225 Jahren: Lebkuchen bei Mulot & Petitjean

In Dijon lohnt sich ein Abstecher zur Lebkuchenmanufaktur "La Fabrique de pain d’épices Mulot & Petitjean": Der über 225 Jahre alte Familienbetrieb ist die einzige Lebkuchenfabrik der Stadt, die von einst 14 Betrieben übrig geblieben ist – und pflegt bis heute die traditionelle Herstellung von Pain d’épices. Gewürze galten hier lange als Ausdruck von Reichtum, genauso wie kandierte Früchte, die man zum Lebkuchen reichte. Bis heute gehört das Lebkuchenbrot in Frankreich zum Frühstück dazu – am besten bestrichen mit leicht gesalzener Butter.

1In der Lebkuchenmanufaktur – ein Traditionsbetrieb.
2In der Lebkuchenmanufaktur – ein Traditionsbetrieb.
3Fachwerkshaus in Dijon.
  • Im 225 Jahre alten Familienbetrieb können Besucher bei der Lebkuchen-Herstellung zuschauen.  © Cornelia Buczolich-Griess
  • Im Museum bekommen Besucher Einblick in die Lebkuchen-Tradition. © Cornelia Buczolich-Griess
  • In dem ältesten Fachwerkshaus in Dijon wird heute der Lebkuchen "Pain d'Epices Mulot & Petitjean" verkauft, ansonsten bekommt man ihn am Markt. © Cornelia Buczolich-Griess

5 Burgund-Tipps von Redakteurin conny

1. Anreise mit dem Flugzeug: über Paris, Lyon oder Basel.

2. Beste Reisezeit: Es gibt viele Events (Kultur, Musik) im Sommer. Wer viele, ausgewählte Weingüter besuchen möchte, sollte vor 20. Juli oder nach der Weinlese ab 20. September kommen.

3. Gourmetfestival in Dijon: Die "Foire Internationale et Gastronomique de Dijon" findet vom 31. Oktober bis 11. November statt. Lokale Produkte können teilweise kostenlos verkostet werden.

4. Shoppen. Dijon lädt mit vielen Boutiquen zum Bummeln ein. Vorsicht: In Frankreich öffnen Geschäfte am Montag immer erst um 14 Uhr!

5. Weinversand nach Hause: Das Porto für nur einen Karton kostet rund 35 Euro. Wer nur wenig Wein oder Crémant kaufen möchte, sollte Platz im Koffer lassen und die Flaschen gut einpacken.

Viele Weinfässer werden im Weinkeller gelagert.
  • Lage: Burgund erstreckt sich von der Yonne und dem Plateau von Langres im Norden bis zur Rhône und den Erhebungen des Charolais und Beaujolais im Süden sowie von der Loire und dem Pariser Becken im Westen bis zum Jura-Massiv im Osten.
  • Einwohner: 1,62 Millionen
  • Fläche: 31.600 km² (in etwa so groß wie NÖ und OÖ zusammen)
  • Hauptstadt: Dijon (151.000 Einw.)
  • Wirtschaft: Weinbau (v.a. Pinot noir, rot, und Chardonnay, weiß), Tourismus, Senfproduktion, Landwirtschaft (Charolais-Rinder).

Information & Buchung

Zum aktuellen Burgund-Angebot von ÖAMTC Reisen (Linkgültigkeit endet mit der Verfügbarkeit des Reiseangebots).

Mehr Infos unter der Hotline Tel. 01 711 99 34000 und in den Filialen von ÖAMTC Reisen.

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