3 Elektroroller, stehend, die Fronten zueinanderschauend. Dazwischen der Redakteur mir Ladekabel und Batterie.

Elektrische 125er im Test

Elektroroller wie Zero LS1, Nerva Exe2 und HMW ConnE können in der Achtelliterklasse eine echte Alternative zu Verbrenner-Modellen sein. Womit sie glänzen, wo sie patzen. Plus Infos zu Förderungen und Führerschein-Ausbildung.

Von Alexander Fischer,

Die Neugier auf rein elektrische Zweiräder der 125-Kubik-­Klasse nimmt angesichts der ­aktuellen geopolitischen Lage wieder zu. Wir merken das an der steigenden Anzahl an Mitgliederanfragen und anhand des Feedbacks von Händlern und Importeuren. Mit einem Blick auf die Verkaufszahlen lässt sich allerdings feststellen, dass es meist bei der Neugier bleibt. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt um lediglich 1,5 % auf 1.248 Stück.

Mit Blick auf die häufigsten Kritikpunkte – nämlich Reichweite, Ladetechnik und Preis – haben wir drei aktuelle Modelle in den Testfuhrpark geholt. Vorab: Das Thema Preis hat mit Auslaufen der österreichweiten Förderung zusätzlich an Attraktivität verloren. Ob es zu einer Neuauflage kommt, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

HMW ConnE: Neo-Österreicher

Ganz frisch am Markt ist der HMW ConnE. HMW steht für Halleiner Motorenwerke, eine alte österreichische Marke, die erst vor Kurzem von einer Gruppe Engagierter wiederbelebt wurde. Der ConnE ist in diesem Vergleich der handlichste, übersichtlichste und auch günstigste Roller. Für knapp 5.200 Euro gibt es zwei herausnehmbare Batterien mit einer Gesamtkapazität von rund 5 kWh, ein passabel arbeitendes Fahrwerk sowie ein erfrischend einfach gestaltetes und jederzeit gut ablesbares Display. Was es hingegen nicht gibt, nicht einmal gegen Aufpreis, ist ein ABS. Top: die Fahrleistungen sowie das geringe Lebendgewicht von nur 115 Kilo. In Ordnung: Auf der ­auto touring-Normrunde, die sich zu ­etwa zwei Dritteln aus Stadtverkehr und ­einem Drittel Stadtautobahn zusammensetzt, kamen wir 90 Kilometer weit.

Preis: 5.199,–

Plus: Handlich, leicht, gut ablesbares Display, Fahrkomfort, Fahrleistungen.

Minus: Kein ABS, Bremshebel-Griffweite nicht einstellbar, mühsame Fernbedienung.

Technische Daten

  • E-Motor: permanenterregter Synchronmotor
  • Leistung: 8 kW (11 PS)
  • Sitzhöhe: 780 mm
  • Radstand: 1.330 mm
  • Batteriekapazität: 5,04 kWh
  • Gewicht: 115 kg (fahrfertig)
  • Test-Verbrauch: 5,8 kWh/100 km 
  • Reichweite: 90 km

Zero LS1: Goldene Mitte

Bisher hat Zero nur Elektromotorräder produziert, der LS1 ist somit der erste Roller der Marke – und für ein Erstlingswerk erstaunlich harmonisch. Weder der Nerva noch der HMW wirken insgesamt so stimmig in puncto Fahrverhalten, Fahrkomfort und Ausstattung. Größtes Manko sind die beiden vergleichsweise schwachen, herausnehmbaren Batterien, die trotz des geringen Verbrauchs nur eine Reich­weite von rund 80 Kilometern ermöglichen. Optional könnte eine dritte Batterie dazugekauft werden, was den preiswerten LS1 (ab 5.230 Euro) jedoch deutlich teurer machen würde.

Preis: 5.230,–

Plus: Gut dosierbare Gasannahme, Fahrkomfort, Handling, Verbrauch, ABS, Tempomat.

Minus: Batterien mit geringer Kapazität, Display teilweise schlecht ablesbar, Reichweite.

Technische Daten:

  • E-Motor: bürstenloser Gleichstrommotor
  • Leistung: 8,4 kW (11 PS)
  • Sitzhöhe: 780 mm
  • Radstand: 1.338 mm
  • Batteriekapazität: 4,4 kWh
  • Gewicht: 134 kg (fahrfertig)
  • Test-Verbrauch: 5,7 kWh/100 km 
  • Reichweite: 80 km

Nerva Exe2: für Pendler:innen

Der Maxi-Roller ist für jene interessant, die täglich aus dem Umland in die Stadt pendeln (oder umgekehrt). Denn mit dem Exe2 bekommt man für 8.190 Euro einen 130 km/h schnellen, ausdauernden (130 km Reichweite) und vor allem stabilen Roller, der dank seiner Bauart sowohl guten Windschutz bietet als auch genügend Platz für eine:n Beifahrer:in. Im Vergleich zu den anderen beiden ist er nicht nur der größte, sondern auch mit Abstand schwerste Roller (230 Kilo). Die nicht herausnehmbaren Batterien stammen übrigens von E-Auto-Spezialist BYD und können an jeder Ladesäule mit ­Typ-2-Anschluss geladen werden – ein echter Vorteil, wenn z. B. unterwegs eine Zwischenladung notwendig wird.

Preis: 8.190,–

Plus: Typ-2-Ladeanschluss, Windschutz, Reichweite, Connectivity, vollwertiger 2-Sitzer.

Minus: Sitzbank öffnet nach hinten, verstellbares Fahrwerk in der Grundeinstellung zu straff

Technische Daten:

  • E-Motor: permanenterregter Synchronmotor
  • Leistung: 11 kW (14 PS)
  • Sitzhöhe: 820 mm
  • Radstand: 1.630 mm
  • Batteriekapazität: 7,8 kWh
  • Gewicht: 230 kg (fahrfertig)
  • Test-Verbrauch: 6,2 kWh/100 km 
  • Reichweite: 130 km

Förderungen und Führerschein: Infos zum Thema (elektrische) 125er

Förderungen: Der letzte Fördercall lief im Frühjahr 2026 aus, aktuell gibt es keine österreichweite Förderung für einspurige E‑Kraftfahrzeuge.

Führerschein: In Österreich dürfen einspurige Kraftfahrzeuge bis 125 Kubik (11 kW) entweder mit einem Führerschein der Klasse A1 oder der Klasse B (mit Code-111-Erweiterung) gefahren werden. Für den Code 111 ist „nur“ eine praktische Fahrausbildung im Ausmaß von sieben Stunden notwendig, wie sie beispielsweise beim ÖAMTC gemacht werden kann. Die Klasse A1 hingegen ist eine Mehrphasenausbildung, d.h., nach bestandener theoretischer und praktischer Prüfung sind zusätzlich ein Fahrsicherheits-Training plus Perfektionsfahrt notwendig.