Das Unternehmen IonCycle aus Judenau in Niederösterreich will zeigen, dass eine defekte oder ausrangierte Lithium-Ionen-Batterie nicht automatisch ein Fall für die Entsorgung sein muss.
Firmengründer Peter Lengauer und sein Team prüfen, reparieren und hauchen Akkus aus der E-Mobilität damit ein zweites Leben ein – in Fahrzeugen oder als stationäre Speicher.
Was ist die Idee?
Lithium-Ionen-Akkus stecken nicht nur in Elektroautos, sondern auch in E-Bikes, E-Motorrädern, Golfcarts und zahlreichen anderen Elektrofahrzeugen. Lässt ihre Leistung nach oder fällt das System aus, wird oft vorschnell ein kompletter Austausch erwogen.
IonCycle setzt früher an: Die Batterie soll zunächst fachgerecht analysiert und – wenn technisch wie wirtschaftlich sinnvoll – instand gesetzt werden. Ist ein Akku für den mobilen Einsatz nicht mehr geeignet, kann er als stationärer Energiespeicher weiterverwendet werden. Besonders Batterien aus Unfallfahrzeugen, die noch funktionstüchtig sind, sollen so nicht sinnlos entsorgt werden.
Wie funktioniert’s?
Zu Beginn steht eine Diagnose: IonCycle kontrolliert unter anderem Gehäuse und Ladestandsanzeige, misst Spannungen und führt Lade- sowie Belastungstests durch. Wenn möglich, wird auch ein Fahrbetrieb simuliert. Dabei lässt sich feststellen, ob etwa einzelne Zellgruppen tiefentladen sind oder ob die Ursache in Sicherungen, Verkabelung, Sensoren oder dem Batterie-Management-System liegt. Je nach Befund reicht ein Spannungsausgleich der Zellen oder eine Reparatur der Elektronik.
Bei einem nötigen Zellentausch werden die alten Zellen entfernt, neue eingebaut und anschließend getestet sowie dokumentiert. Für große Fahrzeugbatterien prüft IonCycle die Eignung für ein "Second Life": Daraus entstehen dann modulare Speicher für Photovoltaikanlagen, Notstrom- oder andere Energiequellen.
Was bringt’s?
Für Nutzer:innen kann die Reparatur eine kostengünstigere Alternative zum Neukauf sein. Bei E-Bike-Akkus etwa nennt IonCycle für einfache Instandsetzungen typischerweise 150 bis 250 Euro, ein kompletter Zellentausch liegt je nach Ausführung bei etwa 350 bis 600 Euro. Zudem kann sich bei manchen Akkus durch modernere Zellen die Kapazität – und damit die mögliche Reichweite – unter Umständen erhöhen.
Der weitaus größere Nutzen liegt aber in der Ressourcenschonung: Reparieren verlängert die Nutzungsdauer vorhandener Batterien, während die Zweitnutzung von E-Auto-Batterien deren hochwertige Materialien und Restkapazitäten weiter verwertet.
Die stationären IonCycle-Speicher sind laut Unternehmen mit 40 bis 500 kWh skalierbar und können auch nachträglich an bestehende PV-Anlagen angebunden werden. Somit wird aus einem ausgemusterten Fahrzeugakku im Idealfall ein Baustein für Eigenverbrauch, Notstromversorgung und eine stärker zirkuläre E-Mobilität.
Info
Forschung, Entwicklung, Optimierung: Wissenschaft und Industrie erarbeiten laufend neue Methoden und Techniken. An dieser Stelle berichten wir über Innovationen, die sich positiv auf Effizienz und CO2-Ausstoß auswirken.



