Wer in der Stadt mit der Vespa oder dem Motorrad unterwegs ist, kennt das vielleicht: Man stellt das Zweirad an der Straße ab – und findet es Stunden später zerkratzt oder gar umgestoßen wieder, natürlich ohne Zettel oder Selbstanzeige von Täter oder Täterin. Laut Schätzungen werden in Österreich jährlich zehntausende geparkte Zweiräder beschädigt; in rund 80 Prozent der Fälle begehen die Verursacher Fahrerflucht. Für die Besitzer:innen bedeutet das hohe Kosten, viel Ärger und meist keine Chance auf Entschädigung. Ein Wiener Unternehmer will das nun nicht länger hinnehmen.
Was ist die Idee?
"Irgendwann hat’s mir einfach gereicht", sagt Florian Gebauer. Innerhalb von fünf Jahren wurde seine Vespa in Wien nämlich achtmal beim Parken beschädigt – Schadensumme: über 10.000 Euro. Gebauer entwickelte deshalb Secubix, die erste Parkraumüberwachung speziell für Vespas und Motorräder. Ziel: den Moment festzuhalten, in dem ein Schaden entsteht, um das Kennzeichen des verursachenden Fahrzeugs zu erkennen.
Wie funktioniert’s?
Das System besteht aus unauffälligen Mini-Kameras, die am Fahrzeug montiert werden. Sie bleiben inaktiv, bis Beschleunigungssensoren einen Aufprall registrieren. Erst dann zeichnet Secubix eine kurze Sequenz auf, überträgt sie in Echtzeit per SIM-Karte an eine Smartphone-App und speichert sie datenschutzkonform.
Das Prinzip ähnelt einer Dashcam – allerdings für den ruhenden Verkehr. Entscheidend ist die datenschutzkonforme Nutzung: keine Dauerüberwachung, kein stundenlanges Videomaterial, nur der Moment des Aufpralls wird verarbeitet. Dass das Konzept funktioniert, zeigte bereits ein Testfall: Ein Secubix-System an Gebauers Vespa erfasste einen Parkschaden, aufgrund der Erkennung des Kennzeichens hat die Versicherung 1.700 Euro Reparaturkosten übernommen.

Was bringt’s?
Für Motorrad- und Vespa-Fahrer könnte Secubix ein Gamechanger sein – sowohl beim Schadenersatz als auch beim Sicherheitsgefühl. Laut ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka ist die Idee auch datenschutzrechtlich grundsätzlich vertretbar, wenn die Aufzeichnung tatsächlich nur ereignisbezogen erfolgt. Sie betont allerdings, dass Datenschutz und Verwertbarkeit als Beweismittel zwei Paar Schuhe sind: Eine Aufnahme kann vor Gericht nämlich durchaus zugelassen werden, auch wenn ihre Entstehung datenschutzrechtlich bedenklich war – mit dem Risiko einer späteren Strafe.
Derzeit läuft die Secubix-Pilotphase mit ersten Nutzer:innen im Stadtverkehr. Der Motorrad-Prototyp ist bereits einsatzbereit; für die Serienproduktion werden noch Partner gesucht. Gebauer: "Wir schaffen keine Überwachung, sondern Fairness für jene, die sonst immer auf dem Schaden sitzen bleiben."
Info
Forschung, Entwicklung, Optimierung: Wissenschaft und Industrie erarbeiten laufend neue Methoden und Techniken. An dieser Stelle berichten wir über Innovationen, die sich positiv auf Effizienz oder CO2-Ausstoß auswirken.



