Über den Dächern der Stadt thront eine Burg.

Womit Nürnberg punktet

Bayerns zweitgrößte Stadt ist ein ideales Ziel für einen abwechslungsreichen Städtetrip in der Region Franken. Sie bietet Romantik pur – aber nicht nur: Hier sind fünf Eigenschaften, mit denen Nürnberg überzeugt.

Von Kurt Zeillinger,

Fachwerk und U-Bahn? Geschichte und Urbanität in einer einzigen Stadt? Ja, das funktioniert in Frankens Hauptstadt Nürnberg bestens. Die U-Bahn-Station Weißer Turm fungiert dazu als Blaupause: Im wiederaufgebauten Stadttor führt die Rolltreppe hinunter zu drei Linien. An der Oberfläche jedoch dominiert eine gehörige Portion Romantik das Stadtbild.

1. Stadt der Romantik

Nürnbergs Altstadt ist nach 1945 wie ein Phönix aus der Asche wiederauferstanden. Von den heute rund 300 Fachwerkhäusern ­haben nur wenige das Inferno unversehrt überstanden. So etwa das Wohn- und ­Arbeitshaus Albrecht Dürers am Tiergärtnertor sowie einige in der Straße Am Ölberg unter der uralten Kaiserburg. Was aus den meisten Ruinen neu entstand, wurde zumindest, was die Fassaden betrifft, nach originalem Vorbild authentisch aufgebaut. Wer heute durch Nürnberg spaziert, merkt von all dem herzlich wenig. Vier von einstmals fünf Kilometern Stadtmauer umschließen wieder den Stadtkern, 71 Wehrtürme und fünf Stadttore sind noch erhalten. Der Stadtkern innerhalb dieser Wehranlage ermöglicht wieder eine faszinierende Zeitreise. Die paar Bausünden aus den 1960er-Jahren fallen da nicht wirklich ins Gewicht.

2. Stadt Albrecht Dürers

Der bis heute wohl bedeutendste Nürnberger lebte und arbeitete von 1509 bis zu seinem Tod am Fuße der Burg in der Stadt: Albrecht Dürer (1471–1528), einer der größten Künstler der Renaissance. Sein Haus am Tiergärtnertor gilt als einer der Höhepunkte jeder Besichtigung der Altstadt. Es entstand 1419 und ist eines der wenigen unzerstörten Bürgerhäuser. Heute beherbergt es ein Museum, das Einblicke in Dürers Welt vermittelt.

3. Stadt der Brücken

42 Brücken führen in der Altstadt über die Pegnitz, die im Stadtgebiet zwei Inseln bildet, sowie den Stadtgraben entlang der historischen Mauer. Perfekt zum Flanieren!

4. Stadt der Schlemmer

Gesundes Gemüse – und mehr. Der Hauptmarkt, der bis 1809 Grüner Markt genannt wurde, ist mit 5.000 Quadratmeter Fläche der zentrale Platz in Nürnbergs Altstadt. Vieles aus dem üppigen Angebot, das hier täglich außer Sonntag präsentiert wird, stammt aus dem Umland. Ein Großteil des Gemüses kommt aus dem so genannten Knoblauchsland, dem fruchtbaren und von Wasserläufen durchzogenen sandigen und humusreichen Gebiet im Städtedreieck Nürnberg– Fürth– Erlangen. Dort wird seit dem 8. Jahrhundert Gemüse für eben diese drei Städte angebaut. Nicht nur der namensgebende Knoblauch verdient besondere Aufmerksamkeit. Vollaromatisch, aber zugleich fein und mild muss er sein. Wer sich für frische Lebensmittel interessiert, sollte sich Zeit für einen Bummel auf dem Hauptmarkt nehmen.

1Im Vordergrund Marktstände, im Hintergrund eine Kirche.
2Eine Marktstandlerin im grünen Gewand präsentiert stolz eine Kiste Knoblauch.
3Ein bunter Brunnen im gotischen Stil, im Hintergrund eine Kirche.
  • Marktstände am Hauptmarkt vor der Frauenkirche. © Christine Dierenbach
  • Hier werden Spezialitäten aus dem Knoblauchsland verkauft – selbstverständlich auch Knoblauch. © Kurt Zeillinger
  • Schöner Brunnen und Frauenkirche. © Nürnberg Tourismus

Hier geht es um die Wurst. Geprägt wird Nürnberg aber von Bratwürsten, den Nürnberger Rostbratwürsten. Rein statistisch müssten alle Einwohner Tag für Tag sechs Stück davon verspeisen – was sie aber nicht wirklich tun: Der größte Teil der über drei Millionen kleinen Würstchen wird verschickt und exportiert. Seit 1313 müssen sie 8 cm lang, 25 g schwer und über Buchen­holzscheiten gebraten sein. Tipp: "3 im Weggla“ (fränkisch für „drei im Brötchen“) als authentisches Streetfood im Bratwursthäusle oder in der Bratwurstküche "Zum Gulden Stern“ von 1419.

1Sechs Bratwürste Auf einem Teller voll Sauerkraut, daneben eine kleine Schüssel mit Oberskren.
2Rauch steigt aus dem Rauchfang eines mittelalterlichen Gasthofs auf.
3Eine Biertulpe mit rötlich-braunem Bier auf einem Tisch im Gastgarten.
  • Sechs Bratwürste auf Sauerkraut. Interessant: Dazu wird gerne Kren serviert. © Kurt Zeillinger
  • Weißer Rauch. Der Schornstein des Bratwursthäusles verrät, was da am Rost gebraten wird. © Kurt Zeillinger
  • Kupferfarben und mild. Rotbier aus der Hausbrauerei Altstadthof. © Kurt Zeillinger

Lebkuchen ist nicht Lebkuchen. EU-geschützt sind nur die saftigen Elisenlebkuchen. Die müssen in Nürnberg oder zumindest in Franken hergestellt werden. Der Anteil an Mandeln, Hasel- oder Walnüssen muss mindestens 25 Prozent und der von Mehl – wenn überhaupt – allerhöchstens zehn Prozent betragen. Sie machen rasch satt, enthalten wertvolle Ballaststoffe und gesunde Gewürze. Manche stufen sie sogar als ganzjährig zu genießendes Superfood ein.
Empfehlenswerte Adressen für Elisenlebkuchen in der Altstadt sind die Geschäfte von Witte oder die Lebküchnerei Düll.

Ein kulinarischer Rundgang in der Altstadt könnte aber auch zum Gewürzladen Wurzelsepp, zum Dattelpralinenmacher Odilia oder zur Kleinen Eismanufaktur führen, ehe es zu einer Kuchenpause im Café Maulbeere oder – falls der Appetit größer ist – sogar sogar zu etwas Deftigem: Dann seien Schäufele empfohlen, Nürnbergs traditionelles Sonntagsessen: ein Stück ofenfrischer Schweinsschulter mit Knochen und Schwarte – vielleicht im Wirtshaus Steichele oder, vielleicht begleitet von einem Glas Rotbier, in der Hausbrauerei Altstadthof.

Nürnberg steht aber nicht nur für Süßes und Deftiges – es gibt noch eine weite Welt dazwischen. Und was für eine! Acht Restaurants sind derzeit mit einem oder mehreren Michelin-Sternen ausgezeichnet. Und dann gibt es noch Alexander Herrmann, den 55-jährigen fränkischen Starkoch, der einer großen Öffentlichkeit auch durch seine TV-Auftritte bei Kitchen Impossible bekannt ist.

Im Zentrum Nürnbergs bietet er zeitgemäß interpretierte, urbane fränkische Küche in zwei Restaurants, die im gleichen Haus untergebracht sind. Das im ersten Stock gelegene Imperial bietet weltweit inspiriertes und cooles Fine Dining mit vorwiegend regionalen Zutaten. Im Erdgeschoß kann man im Fränk'ness seinem Nürnberger Mastermind Michi Seitz in der offenen Küche über die Schultern schauen, wie er fränkische Küche zeitgemäß auf die Teller bringt.

Noch zwei Tipps dazu: Im Sommer auf der Terrasse reservieren und das Treiben in der Fußgängerzone beobachten. Aus der Karte "Brettla" wählen, das sind auf einem Brett servierte Potpourris zum Teilen.

5. Stadt der Geschichte

Eine schlimme Zeit – perfekt aufgearbeitet. Im Mittelalter war Nürnberg immens bedeutend. Es lag an wichtigen Handelsrouten und galt als politisches Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Kaiser Karl IV. legte 1356 fest, dass jeder neu gewählte deutsche Herrscher seinen ersten Hoftag in Nürnberg abhalten musste.
Hitler, der für seine NSDAP-Parteitage einen Ort mit Symbolcharakter suchte, wollte bewusst daran anknüpfen. Nach der Machtübernahme 1933 ließ er auf einem elf Quadratkilometer großen Gelände immer mächtigere Bauten, Anlagen und Tribünen errichten, in denen bildmächtige Propagandaveranstaltungen abgehalten wurden. Doch das von ihm propagierte Tausendjährige Reich währte gerade 12 Jahre und versank in Schutt und Asche. Nicht nur die Stadt Nürnberg war nach dem Krieg schwer zerstört, sondern auch das riesige Areal. Nur die Reste einer Tribüne, eine gigantomanische, unvollendete Kongresshalle und eine Freifläche blieben erhalten. Auf dieser finden regelmäßig Autorennen (DTM am Norisring) und Rockfestivals (am Zeppelinfeld) statt.

Lange wurde Nürnbergs Vergangenheit totgeschwiegen, nun wird sie mit perfekt gestalteten Dokumentationen aufgearbeitet, etwa im Memorium Nürnberger Prozesse in dem Gebäude im Justizpalast an der Bärenstraße, wo von 1945 bis 1946 der Internationale Militärgerichtshof tagte. Rund um den Saal 600 mit der originalen Anklagebank gibt eine multimediale Ausstellung Einblicke in das Prozessgeschehen.
In den Resten der Kongresshalle am ehemaligen Reichsparteitagsgelände wurde dazu gerade erst ein perfektes Dokumentationszentrum eröffnet.

Information & Buchung

Städtetrips buchbar im Reise- & Vergleichsportal: www.oeamtc.at/reisen

ÖAMTC-Länderinformationen: Deutschland.

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Informationen über das Reiseland Deutschland gibt es bei der Deutschen Zentrale für Tourismus

Die Nürnberg Card ist eine Öffi-Netzkarte und Gratis-Eintritt in die meistbesuchten Museen.