Cliffs of Moher, Co. Clare, Ireland

Irlands wilder Westen

Wolken? Check. Regen? Check. Sonne? Hm… Wegen des Wetters lohnt sich ein Irland-Besuch selten. Wegen des vielfältigen, wilden Westens und seiner Küste schon.

Von Lydia Silberknoll,
Steinerne Burg mit hohem Turm und umgebender Mauer an einer ruhigen Bucht. Ein Weg führt zum Eingang, im Vordergrund wachsen Brombeersträucher.

Den Westen Irlands entdecken – 12 Tipps

Von mittelalterlichen Städten über Klippen und sagenumwobene Wahrzeichen – 12 Tipps im Westen Irlands.

"Regen? Hier gibt es nie Regen", erklärt unsere Reiseleiterin Tanya mit ernstem Gesicht. Die Deutsche muss es wissen: Schließlich lebt sie seit über 30 Jahren auf der Grünen Insel. Beim Blick aus dem fahrenden Bus, an dessen Fenstern gerade Regentropfen wie wild klopfen, muss ich ihr widersprechen. "Das ist nur flüssige Sonne", lacht Tanya und erzählt von ihrer Wahlheimat Irland.

Dabei erfahren wir, dass die Iren auch widrigen Umständen mit Humor begegnen. Dieser kann bissig sein, ist aber selten böse. Sie erzählt außerdem, wie man hier Spaß hat – auf Gälisch "Craic", und dass wir alles 'Tóg go bog é' nehmen sollen, was so viel wie "immer langsam, nimm es leicht" bedeutet.

Unvergleichlich ist die Freundlichkeit, die uns überall begegnet: vom Lächeln auf der Straße, über ein "Sorry" beim Vorbeidrängeln im Pub bis hin zum spontanen Gespräch mit Fremden.

Während unserer Reise im Herbst ist auf die flüssige Sonne Verlass: Sie ist unser beständiger Begleiter. Wer Irland besucht, sollte deshalb nicht auf Regenmantel und wasserfeste Schuhe vergessen. Denn das Wetter wechselt schnell und unvermittelt von Sonne zu Regen. Daher ist das Gras hier nicht nur grüner, sondern wächst auch gleich viermal schneller.

1Steinerne Burg mit hohem Turm und umgebender Mauer an einer ruhigen Bucht. Ein Weg führt zum Eingang, im Vordergrund wachsen Brombeersträucher.
2Ein Schäfer mit seinem Hund steht auf einer grünen Wiese.
3Lächelnde blonde Frau in dunkelblauer Jacke lehnt an einer Steinbrüstung. Dahinter erstrecken sich steile, grasbewachsene Klippen entlang des Meeres.
  • Herrliche Landschaft, beeindruckende Ruinen und viel Grün gibt's in Irland.  © Lydia Silberknoll
  • Der Westen Irlands bietet vielfältige Ausflugsmöglichkeiten. Etwa einen Besuch bei einem Schäfer oder… © Lydia Silberknoll
  • … beim Wahrzeichen Irlands, dem Rock of Cashel und vieles mehr. Redakteurin Lydia Silberknoll konnte sich hier ein Selfie nicht verkneifen. © Lydia Silberknoll

Besuch beim Galway Girl

Mit wetterfester Kleidung machen wir uns in Dublin auf in Richtung Westen und sind nach rund zwei Stunden in Galway, der viertgrößten Stadt Irlands. Musikfreunden ist vielleicht der Liedtitel "Galway Girl" ein Begriff, ob im in der älteren Version von Steve Earle oder der neuen von Ed Sheeran.

Beim Spaziergang durch das Latin Quarter, dem Altstadtviertel der Stadt, habe ich Sheerans Variante im Kopf. Die ­engen Gassen und Steinfassaden der Häuser sowie das lebendige Treiben auf den Straßen überraschen mit mediterranem Flair. An die Vergangenheit Galways als florierendes Handelszentrum für spanische und portugiesische Waren erinnern heute noch der Spanish Arch im Hafen und der Beiname "City of the Tribes". Dieser stammt von den 14 im Mittelalter wichtigen Kaufmannsfamilien. Doch die Zeit der Handelsschiffe ist lang vorbei. In dem Viertel, in dem einst Kolumbus in der St. Nicholas Church vor seiner Reise nach Amerika gebetet haben soll, tummeln sich heute Studenten und Touristen. Auch wir schlendern durch die Gassen und lauschen der Live-Musik, die aus den Pubs dringt. Das Nachtleben ist bereits in vollem Gang, während der Wind die bei Iren beliebte Fähnchendeko über unseren Köpfen flattern lässt. Auffällig sind die bunten Hausfassaden der Hauptstraße. "Das ist typisch: Das Wetter ist meist grau, daher sind die Häuser bunt", lacht Tanya.

Raue Küste, viele Schafe

Von Galway aus folgen wir dem Wild Atlantic Way (WAW), der mit rund 2.600 Kilometern längsten ausgewiesenen Küstenstraße der Welt in Richtung Connemara. Dabei passieren wir den Fluss Shannon, der das Land in Ost und West teilt. Im Westen Irlands prägen grüne Deckenmoore mit bräunlichen Binsen die Landschaft. Fuchsien säumen die Straßenränder, und immer wieder sehen wir Schilder mit der Aufschrift "An Ghaeltacht", die auf irischsprachige Gebiete hinweisen. Überraschend sind die holprigen Straßen, was am torfigen Untergrund liegt. Die Moorseen und -flüsse, an denen wir vorbeifahren, sind mit dunklem, schäumendem Wasser gefüllt. "In unseren Flüssen fließt reines Guinness", heißt es scherzhaft.

Fluss in Galway, mit kleinem Boot, Brücke und Häusern im Hintergrund.
Die Iren mögen scherzhaft sagen, dass das schäumend-braune Flusswasser Guiness ist. Flusswasser zu trinken, wird nicht empfohlen! Besser das Original Stout im Pub genießen. Im Bild: Fluss Corrib in Galway.  © Lydia Silberknoll

Beim Schafehüten

Aus dem Landschaftsbild in Irland kaum wegzudenken sind die vielen Schafe. Die hier für Wolle und Fleisch gezüchteten gehörnten Schwarzkopfschafe grasen den ganzen Tag auf den ­Hügeln, bis sie die Schäfer mit ihren Hunden heruntertreiben. Wie das genau funktioniert, zeigt uns der Schäfer P. J. mit seinem Hund Mac auf der Killary Sheep Farm. Es ist ein beeindruckendes Zusammenspiel von Mensch und Tier, um die Herde heimzubringen.

Ein Mann mit Haube und Jacke steht neben einem Zaun. Im Hintergrund ein Hügel und eine Bucht in Irland.
Schäfer P. J. betreibt mit seinem Bruder Tom die Killary Sheep Farm.  © Lydia Silberknoll
Ein Schäfer mit seinem Hund steht auf einer grünen Wiese.
Neben dem Verkauf von Schafen und Wolle, schufen sich die Schäfer auch eine Einkommensquelle mit der eindrucksvollen Schau für Touristen. © Lydia Silberknoll
Grüne Wiese, Schafe und eine Bucht.
Dabei zeigt P. J. mit seinem Hund Mac vor, wie der Hund die Tiere von der Weide wieder zum Stall treibt. © Lydia Silberknoll

Kylemore Abbey – Schloss, Abtei und Sehenswürdigkeit

Nur rund 15 Minuten von der Farm entfernt befindet sich Kylemore Abbey. Das Schloss samt viktorianischem Mauergarten fasziniert mit Tudor-Historismus-Stil und wechselvoller Geschichte. Der Politiker Mitchell Henry ließ es in nur vier Jahren bis 1871 bauen. Ab 1903 wechselten die Besitzer, bis es von Benediktinerinnen gekauft wurde. Ab 1920 war es Kloster und Mädcheninternat. Die Schule ist seit 2010 geschlossen, heute leben noch 14 Nonnen dort.

Kylemore Abbey in Irland
Zunächst als Schloss erbaut, später als  Mädcheninternat genutzt: Kylemore Abbey. © Lydia Silberknoll

So funktioniert die Austernzucht

Ebenfalls im County Galway, direkt in der Ballinakill Bay, liegt die DK Connemara Austernfarm. Während der Führung er­fahren wir, wie die Delikatessen gezüchtet werden. So viel sei verraten: Die Muscheln sind Diven und benötigen viel Pflege. Die Zucht ist harte Arbeit. Bis die Austern ihre Verkaufsgröße erreichen, vergehen drei Jahre. In dieser Zeit werden sie mehrfach in größere Netztaschen umgefüllt. Zudem müssen sie geschüttelt werden, um die richtige Form zu bekommen. Das bedeutet: rein ins Wasser waten, die 15-Kilo-Taschen heben und schütteln. Bei 10.000 Taschen dauert das. Nachdem ich selbst eine Tasche geschüttelt habe, schätze ich die Arbeit dahinter und die anschließende Verkostung umso mehr.

Frau hält Auster in der Hand vor einer Bucht.
Pia zeigt eine heimische Connemara Auster. Für den Verkauf wird eine bestimmte Sorte aus Frankreich importiert. © Lydia Silberknoll
Bogenförmiges Wandgemälde mit bunten Häusern, einem roten Segelboot und Spiegelungen im Wasser an einer Hauswand neben einer regennassen Gasse.
Unterschiedliche Größen der Austern. So klein werden die Austern gekauft. Ihre volle Marktgröße erreichen sie nach drei Jahren. © Lydia Silberknoll
Redakteurin Lydia hält eine Netztasche mit Austernschalen vor einer Bucht.
Redakteurin Lydia Silberknoll beim Schütteln einer Austerntasche. Ganz schön schwer! © Lydia Silberknoll

Klippen, Ruinen und Irish Coffee

Durch die mondähnliche Landschaft "The Burren" fahren wir zu den spektakulären Klippen von Moher. Achtung: Der Zugang kann wetterbedingt gesperrt sein. Wer noch etwas Zeit hat, sollte einen Abstecher ins Foynes Flying Boat Museum machen. Neben der Replik eines Flugbootes aus den 1930er- Jahren ist hier auch der Ursprung des Irish Coffee zu finden.

Nach einem Stopp am irischen Wahrzeichen, dem Rock of Cashel endet unser 'Craic', und wir fahren nach Dublin retour. Wie könnte es anders sein – begleitet von flüssiger Sonne.

Destination im Überblick

  • Lage: Nordwesteuropa. Im Osten an der Irischen See, im Westen und Süden: Atlantischer Ozean.
  • Hauptstadt: Dublin
  • Einwohner: ca. 5,5 Millionen
  • Fläche: 70.000 km² (Zum Vergleich: Österreich hat eine Fläche von ca. 83.900 km².)
  • Währung: Euro
  • Hauptstadt: Dublin
  • Sprache: Englisch und Irisch (Gaeilge genannt, keltische Sprache)
  • Zeitverschiebung: 1 Stunde
  • Achtung: Linksverkehr
  • Einreise: mit Personalausweis oder Reisepass möglich

Information & Buchung

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Mehr Infos unter der Hotline Tel. 01 711 99 34000 und in den Filialen von ÖAMTC Reisen.

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