Üblicherweise versorgt der Golfstrom Irland zuverlässig mit Regen oder, wie die Iren gut gelaunt meinen, mit "flüssiger Sonne". Das Volk nimmt das Wetter mit Humor und macht das Beste daraus. Beim Besuch im Herbst wurden wir daher auch nicht enttäuscht. Wir nahmen uns den Spruch "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung" zu Herzen und waren richtig ausgestattet. Gleich zu Beginn erfreute die vorwiegend leuchtend grüne Landschaft, denn sie war eine willkommene Abwechslung zum extremen Sommer 2026 in Österreich, der die Landschaft vielerorts braun einfärbt hatte.
Um die Vielfalt der Insel zu entdecken, sollte man etwas Zeit einplanen. Unsere Reise führte in den Westen des Landes, entlang des "Wild Atlantic Way" (WAW), der längsten Küstenstraße der Welt, und zu vielen weiteren spannenden Orten.
Tipps für eine Entdeckungsreise durch Irland.
1. Die richtige Kleidung
Der wichtigste Tipp ist wirklich, sich passendes Gewand einzupacken, denn das Wetter wechselt schnell zwischen Sonne und Regen. Und genau das ist mit der richtigen Kleidung kein Problem: Regenjacke, -hose, wasserfeste Schuhe und einen Schirm mitnehmen. Am besten nach dem Zwiebel-Prinzip anziehen. So ist es egal, wenn die Reise buchstäblich ins Wasser fällt.

2. An der Küstenstraße entlang
Auf dem "Wild Atlantic Way" (WAW) entlangfahren. Er ist mit circa 2.600 km eine der längsten ausgewiesenen Küstenstraßen der Welt. Der Weg ist gut durch braune Wegweiser ausgeschildert. Entlang der Strecke befinden sich verschiedene Sehenswürdigkeiten – von Altertümern über Kirchen bis hin zu Klippen und Schlössern. Einfach genießen!

3. Ein Besuch in Galway
Die viertgrößte Stadt Irlands blickt auf eine lange Geschichte zurück. In der Hafenstadt florierte im Mittelalter der Handel. Spanische und portugiesische Schiffe landeten hier und verliehen der Stadt ihr noch heute vorhandenes mediterranes Flair. Galway ist auch Universitätsstadt, und Studierende bevölkern in ihrer Freizeit die Pubs. Im Latin Quarter, dem Altstadtviertel gibt es einiges zu entdecken. Am Hafen befindet sich das Wahrzeichen der Stadt, der Spanish Arch. Er ist eine Verlängerung der Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert.
Zusatztipps: Gleich hinter dem Spanish Arch befindet sich das Restaurant "Ard Bia". Hier wird ebenso wie im Kai Restaurant exzellent mit regionalen Zutaten gekocht. Wer meint, das irische Essen sei nicht gut, der war schon lange nicht mehr auf der Insel.
4. Schafe hüten
In Connemara gibt es die Möglichkeit, einen Schäfer zu besuchen. Auf der Killary Sheep Farm zeigen die Schäfer P. J. und Tom, wie ihre selbst trainierten Border Collies die Schafe zusammentreiben. Das Ganze findet vor der eindrucksvollen Kulisse der Killary Bay statt.
Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel, das P. J. mit seinem trainierten Hund Mac liefert. Die Stimme des Schäfers gibt für Menschen kaum hörbare Befehle an das Tier, der die Herde gezielt von Feld zu Feld Richtung Küste und zurück treibt. Bis zu 280 Meter weit hört ihn Mac rufen. Am Ende ist die Herde sicher im Stall und nicht in das Killary Fjord gefallen. Der Schäfer und sein Bruder Tom sind jeden Tag bei Wind und Wetter auf den Feldern unterwegs. Ein kleines Zubrot verdienen sie sich mit den Vorführungen für Touristen. Die Wolle wird übrigens u.a. für Teppiche, Socken und Dämmung verwendet.
Buchbar direkt bei der Farm oder über www.connemarawildescapes.ie
5. Austern kosten
Ebenfalls entlang des WAW liegt die Austernfarm DK Connemara Oysters. Hier gibt es die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung alles über die Delikatessen zu erfahren. An diesem Ort werden bereits seit 1893 Austern gezüchtet, denn das nährstoffreiche Wasser der Ballinakill Bay ist dafür ideal. Nachdem die alte Austernfarm einige Zeit stillgelegt war, wurde sie 2014 von David Keane (DK) übernommen und revitalisiert. Seither gibt es hier wieder die Delikatesse, die früher ein Essen für die Armen waren. Die Deutsche Pia, die seit zwei Jahren auf der Farm arbeitet, gibt Einblicke in die aufwendige Zucht und erzählt spannende Details darüber, woran man Qualität und Größe der Muscheln erkennt. Zum Abschluss der Führung gibt's eine Verkostung der Austern.
6. Kylemore Abbey
Idyllisch an einem See gelegen, ist das ehemalige Schloss bereits von der Straße aus gut zu sehen. Die heutige Kylemore Abbey wurde 1871 im Tudor-Stil erbaut und birgt eine interessante Geschichte. Spoileralarm: Sie handelt von einer großen Liebe, Nonnen und einer Schule.
7. Ein Besuch in Adare – Irlands schönstem Dorf
Die hübsche Ortschaft Adare liegt im Südwesten Irlands im County Limerick und ist einen kurzen Stopp wert. Hier gibt es noch einige der reetgedeckten Häuser zu sehen, in denen früher die meisten Iren wohnten. Durch die Ortschaft flanieren, Kirchen, Schlossruine und den hübschen Park besuchen und einen kleinen Snack im "The Good Room" einnehmen.
8. Irish Coffee-Kurs und Fluggeschichte
Wo gibt's den besten Irish Coffee? Wohl dort, wo er erfunden wurde! Das war in Foynes. Die kleine Hafenstadt befindet sich ebenfalls im County Limerik und war vor und während des Zeiten Weltkriegs für ihren Flugboothafen bekannt. Bevor Düsenjets über den Atlantik flogen, traten Flugboote von hier aus ihre transatlantische Reise an. Der Hafen war auch wichtiger Zwischenstopp, um aufzutanken. Auch Charles Lindbergh und weitere Berühmtheiten stoppten hier.
Und genau so kam es zur Kreation des ersten Irish Coffee. Als ein Flugboot auf dem Weg nach New York wegen Schlechtwetters wieder nach Foynes zurückfliegen musste, erhielt Chefkoch Joe Sheridan den Auftrag, den durchfrorenen Gästen etwas Besonderes zu kredenzen. Auf die Frage eines Gastes, ob dies brasilianischer Kaffee sei, antwortete er: "No, that was Irish Coffee."
Heute kann im Foynes Flying Boat Museum der berühmte Kaffee nicht nur verkostet, sondern die Zubereitung auch erlernt werden.
Plus: Das Museum gibt zudem Einblick in die spannende Luftfahrtgeschichte der Stadt sowie in die weltweit einzige Replik des Flugbootes Boeing 314, dem sogenannten "Yankee Clipper", der in den 1930er Jahren den Atlantik in rund 20 Stunden überquerte.
9. Die Klippen von Moher
Nur 90 Minuten von Galway entfernt befinden sich die beeindruckenden Klippen von Moher. Sie erheben sich bis zu 214 Meter aus dem Atlantischen Ozean. Die Klippen liegen im County Clare und sind Teil der Sehenswürdigkeiten des WAW. Die Kliffküste erstreckt sich über acht Kilometer, rund 3,5 davon sind gesicherte Wanderwege. Die Klippen können von zwei Seiten aus erkundet werden und sind spektakuläres Fotomotiv, sowohl bei Sonnenschein als auch bei bewölktem Himmel.
Info: Vor dem Zugang zu den Klippen gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten gegen Bezahlung. Das in den Hügel gebaute und an eine Hobbitbehausung erinnernde Besucherzentrum wurde 2007 eröffnet. Im Inneren gibt es neben einem Café auch eine interaktive Ausstellung zum Thema Menschen, Klippen, Geologie sowie Tierwelt. Vor dem Gebäude befinden sich Souvenirshops, die ebenfalls in den Hügel eingelassen sind. Hier finden Sie weitere Besucherinfos.
Achtung: Vor einem Besuch sollten Wetter und Website gecheckt werden. Bei schlechtem Wetter kann der Zugang zu den Klippen gesperrt sein.
10. Rock of Cashel
Auch abseits des WAW gibt es noch viel zu entdecken. Wer ins Landesinnere fährt, sollte das imposante Wahrzeichen Irlands: Rock of Cashel nicht auslassen, das hoch über der Stadt Cashel im County Tipperary liegt. Sagenumwobener Sitz von Feen, einstige Krönungsstätte irischer Clankönige und Klosteranlage. Tipp: Im Rahmen einer Führung gibt es viel über den imposanten Gebäudekomplex zu erfahren, zudem kann die im 12. Jahrhundert gebaute romanische Cormac's Chapel besichtigt werden. Die Besucherzahl im Inneren ist begrenzt, damit die Fresken nicht zu hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt werden.
11. Städtetrip in Kilkenny
Rund zwei Stunden von Dublin entfernt liegt die Stadt Kilkenny, die auch als "Marmorstadt" bekannt ist. Dieser Name bezieht sich auf den grauen Kalkstein, aus dem nicht nur das Kilkenny Castle gebaut wurde, sondern auch viele andere historische Gebäude im Land. Zu empfehlen ist hier eine Stadttour mit einem Tourbus von Kilkenny City Tours. Bequem, informativ und witzig geht es dabei in rund 30 Minuten durch die historische Stadt.
12. Übernachten
Übernachten in moderner oder historischer Atmosphäre – zum Beispiel im Ashe Hotel in Tralee nahe der Dingle-Halbinsel oder im Avalon House Hotel in Castlecomer nahe Kilkenny.
Dos and Don'ts in Irland
Zu guter Letzt noch ein paar nützliche und witzige Infos für den Besuch auf der grünen Insel.
"Feckin Ejit" darf geflucht werden, das gilt als nicht ganz so schlimm, wie das sehr ähnlich klingende böse Schimpfwort: "f****ing idiot".
Die Frage "How's she cutting?" bedeutet nichts anderes, als "How are you?" also "Wie geht's?"
Die Iren sind sehr abergläubisch. Feenbäume sind häufig mit persönlichen Dingen geschmückt. Vielleicht entdecken Sie einen?
Wer eine Elster sieht, der salutiert oder grüßt den Vogel schnell höflich, um ein Unglück abzuwehren. Man sagt zum Beispiel: "Good morning Mr. Magpie."
Das gälische Wort "craic" (Cräck gesprochen) bedeutet unter anderem "Spaß" und wird unterschiedlich verwendet. Als Frage "What's the craic?" bedeutet es soviel wie: "Was gibt's Neues?" aber auch "Wie geht's?". "Great craic" ist jemand, mit dem man Spaß hat, während "minus craic" das Gegenteil bedeutet.
Dos:
- Großzügig Trinkgeld geben, circa 15 %.
- Guinness erst dann trinken, wenn sich der Schaum abgesetzt hat.
- Im Pub wird Guinness so getrunken: Auf einen Sitz soviel runtertrinken, dass das "G" beim Guinness-Glasaufdruck halbiert wird.
- Typische Floskeln: "Lovely Day", "Grand Day", "Soft day today, thank God" oder "Day for the high stool".
Don'ts:
- Irish Coffee umrühren.
- Bei einem "Noble Call", also der Aufforderung im Pub ein Lied zu singen, "Nein" sagen.
- unhöflich sein
- aggressiv hupen
- hetzen
- mit Engländern verwechseln
- Schirm im Haus aufspannen

Information & Buchung
Zum aktuellen Irland-Angebot von ÖAMTC Reisen (der Link ist gültig, solange das Reiseangebot verfügbar ist).
Mehr Infos unter der Hotline Tel. 01 711 99 34000 und in den Filialen von ÖAMTC Reisen.
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