Blick auf die Stadt Portoferraio vom Meer aus

Entdeckungsreise auf Elba

Elba ist mehr als nur Napoleon – viel mehr. Die kleine Insel bietet nicht nur Sonne, Strand und Meer, sondern auch Abenteuer und versteckte Schätze.

Von Jakob Stantejsky,

Obwohl jährlich unzählige Österreicher:innen nach Italien strömen, hat sich die Insel Elba hierzulande noch nicht als Mainstream-Reiseziel durchgesetzt. Das mag an der größeren Distanz liegen, schließlich sind es von Jesolo aus immer noch über 400 Kilometer bis Piombino, wo die Fähre nach Elba ablegt. Oder an dem Flair Elbas, das sich doch stark von den typischen Adria-Urlaubsorten unterscheidet. Die Insel lebt genauso vom Tourismus, doch hat er hier nicht so krasse Formen angenommen. Typische Bettenburgen finden sich kaum, stattdessen gibt es kleinere Hotels, Pensionen und vor allem viel Camping. Außerdem ist Elba dank seiner Berge facettenreicher als Caorle und Co.

„Die Zeit scheint hier ein klein wenig stehen geblieben zu sein“, erzählt Vanessa von der Reiseagentur. Sie urlaubt mit ihrer Familie seit den 80ern jährlich auf Elba. „Zwar ist die Gastronomie viel besser geworden, und es gibt mehr organisierte Tourismusangebote wie Wander- und Radwochen, doch vieles ist noch wie damals. Vor allem ist die Insel nicht überfüllt.“ Was Urlauber:innen romantisch finden, sehen die Elbaner nicht immer so positiv. Gabriele, der den Campingplatz, auf dem wir wohnen, in dritter Generation führt, verdreht schmunzelnd die Augen und fügt hinzu: „Sie hat recht, es ist alles wie früher: Hier geht nichts weiter.“ Damit übertreibt er freilich. Urlaub auf Elba ist keine Zeitreise in die 80er, eher ein Ausflug in eine Welt, die etwas analoger und gemütlicher geblieben ist – und zahlreiche Schätze zu bieten hat.

Portoferraio: Ein Juwel steil über dem Meer

Das strahlt Portoferraio, Hauptstadt und -hafen der Insel, schon von Weitem aus. Die Altstadt thront auf einem Felsvorsprung im Norden Elbas, der auf drei Seiten vom Meer umgeben ist. Hier drängen sich viele hundert Jahre alte Bauten dicht an dicht mit den Wohnhäusern der Einheimischen. Auf dem Weg zum Anlegeplatz der Fähre bietet sich ein fantastischer Blick in den hufeisenförmigen Boot- und Jachthafen Darsena Medicea am Fuße des Ortskerns. Durch die Porta del Mare in der ehemaligen Stadtmauer betritt man das Gewirr aus Gassen, Piazzen und Stiegen der Altstadt von Portoferraio. Hier lohnt es sich, einfach kreuz und quer zu flanieren und die idyllischen Ecken sowie die historischen Gebäude zu erkunden. Spätestens nach dem Aufstieg zur Festung Forte Stella, von wo man die ganze Stadt überblickt, meldet sich der Hunger. Heißer Tipp: In der Pizzeria Il Castagnacciaio eine „torta di ceci“ probieren. Dabei handelt es sich um eine Crêpe-artige Speise aus Kichererbsen, die von Meisterhand zubereitet wird: Die drei Brüder, die das Lokal vor über 50 Jahren als Jugendliche eröffneten, stehen immer noch in der Küche.

1Eine pittoreske Gasse mit einer Stiege
2Blick auf einen Naturstrand in einer Bucht von oben
3Drei Männer in Kochschürzen in einer Küche
  •   - Die Gässchen in Portoferraio laden zum Flanieren ein – aufgrund der Lage am Berg sollte man aber gut zu Fuß sein. © Jakob Stantejsky
  •   - Strände gibt es auf Elba wie Sand am Meer, von fast unberührten natürlichen Buchten bis Sandstränden mit Schirmverleih. © Shutterstock
  •   - Die drei Chefs in der Pizzeria Il Castagnacciaio stehen schon seit über 50 Jahren in der Küche. © Jakob Stantejsky

Von Promenaden, Parfums und Panoramen

Doch Portoferraio ist nicht die einzig sehenswerte Stadt. Da wäre noch Marina di Campo, ein klassischer Urlaubsort im ­Süden der Insel samt Promenade und Sandstrand. Aber selbst der touristischste Fleck Elbas bleibt charmant, auch wenn es schon deutlich mehr Shops und Boutiques als anderswo auf der Insel gibt. Das Highlight in dieser Hinsicht ist die 1986 gegründete Uhrenmanufaktur Locman. Von einigen Hundert bis mehrere Tausend Euro erstreckt sich das Portfolio an Armbanduhren. Wer shoppen gehen will, ist hier richtig.

Lediglich bei der Suche nach Parfums stehen die Erfolgsaussichten im verschlafenen Ort Marciana Marina im Norden Elbas besser. Denn hier hat Acqua dell‘Elba seit 25 Jahren ­seinen Stammsitz. Außerdem ist das vielleicht beste Eisgeschäft der Insel hier zu finden, die Gelateria La Svolta.

Hoch über dem Meer hingegen liegt im Südosten Capoliveri mit seinen verwinkelten Gässchen voller Schwebebögen und kleiner Geschäfte sowie Cafés. Unweit des Orts können Unerschrockene ins Dunkel der Minen von Calamita hinabsteigen, wo früher im großen Stil Magnetit abgebaut wurde – ein beeindruckendes Erlebnis mit Gänsehaut-Potenzial.

Wer nicht mit dem eigenen Auto anreist, kommt an einem Mietwagen nicht vorbei. Das Autofahren selbst ist übrigens ein Genuss. Die Bergstraßen im Landesinneren sind malerisch, aber vor allem die Küstenstraßen – teils an Steilufern hoch über dem Meer – laden zum Staunen ein. Besonders spektakulär: Wer sich eine gute Stunde vor Sonnenuntergang von Marciana Marina aus auf den Weg Richtung Pomonte am westlichen Zipfel Elbas macht, genießt atemberaubende Ausblicke auf das golden schimmernde Meer und landet genau rechtzeitig in Pomonte, um vom felsigen Ufer aus der Sonne dabei zuzusehen, wie sie hinter Korsika versinkt.

Elba aktiv: Höhenrausch & Badepause 

Auch Wanderfreunde landen früher oder später in Pomonte. Denn der Weitwanderweg Grande Traversata Elbana führt über gut 60 Kilometer von Cavo im Nordosten einmal quer über ganz Elba bis Pomonte. Meist führt der Weg am Bergkamm entlang und bietet Panoramen aus einer Höhe von bis zu 1.000 Metern. Empfohlen werden drei bis vier Tagesetappen. Aufgrund steiler Auf- und Abstiege ist eine gewisse Fitness unbedingt nötig. Ebenfalls hoch hinaus geht es zum Castello de Volterraio, einer niemals eingenommenen Burg aus dem 11. Jahrhundert. Von hier bietet sich aus knapp 400 Metern Höhe ein herrlicher Blick auf den östlichen Teil der Insel. Gut zu Fuß sollte man zweifellos sein; allerdings ist die Burg schon nach einer halben Stunde erreicht.

Auch Fahrradfahrende kommen auf Elba voll auf ihre Kosten. Rennradler:innen halten sich dabei eher an die befestigten Berg- und Küstenstraßen, während Mountainbiker:innen im Landesinneren über Stock und Stein brettern.

Wer einfach nur die Seele baumeln lassen oder sich von seinen sportlichen Eskapaden erholen will, tut das an einem der zahllosen Strände Elbas. Das geht gemütlich am gemieteten Liegestuhl neben einer Strandbar, während einige Schritte weiter Kinder Sandburgen bauen. Oder an einem abgelegenen kleinen Natursteinstrand, wo das klare Wasser zum Schnorcheln einlädt und man mit ein bisschen Glück seine Ruhe hat.

Ein Sonnenuntergang über dem Meer
Egal wie man nach Pomonte kommt – den Sonnenuntergang muss man hier gesehen haben. © Jakob Stantejsky

Napoleon? Nebensache. Elba glänzt anders 

Aber haben wir da nicht jemanden vergessen? Schließlich kennt man Elba doch vor allem wegen Napoleon und seines – übrigens nur zehn Monate währenden – Exils auf der Insel. Natürlich hat er seine Spuren hinterlassen, etwa die Villa San Martino, seine Sommerresidenz in Form eines schlichten Landhauses. 40 Jahre später wurde eine Säulengalerie hinzugefügt, wodurch der Bau nun deutlich imposanter wirkt. Sowohl hier als auch in Napoleons Winterresidenz in Portoferraio gibt es sehenswerte kleine Museen. Die wahren Schätze Elbas sind allerdings anderswo zu finden: in Form von spektakulärer Natur, idyllischen Städtchen und tollem Essen.

1Ein Haus mit Säulen an einer Allee
2Stände, die Napoleon-Memorabilia verkaufen
3Eine Herde wilder Ziegen
  •   - Napoleons Sommerresidenz auf Elba macht ordentlich was her – die Säulengalerie wurde aber erst nach seiner Zeit auf Elba gebaut. © Jakob Stantejsky
  •   - Hier ist der Napoleon-Hype freilich besonders groß. © Jakob Stantejsky
  •   - Andernorts tummeln sich auf Elba auch mehr oder weniger wilde Ziegenherden. © Jakob Stantejsky

4 Tipps für Elba

1. Anreise: Je nachdem, von wo in Österreich es mit dem Auto Richtung Fährhafen in Piombino losgeht, lohnt sich vielleicht eine Übernachtung – etwa in Venedig, Bologna, Florenz oder am Gardasee. Es gibt auch Flüge und Nachtzüge nach Florenz, von wo einen die Bahn und/oder der Bus bis Piombino bringen.

2. Reisezeit: Meteorologisch gelten die üblichen Gegebenheiten wie im Rest Südeuropas. Da Elba allerdings besonders in Italien und der Schweiz ein beliebtes Ferienziel ist, ist die Insel von Mitte Juli bis Ende August, wenn beide Länder Schulferien haben, oft ausgebucht.

3. Lokale Spezialitäten: Die Elbaner haben einen ausgeprägten Sinn für die schönen Seiten des Lebens. Edle Weine, mit Meerwasser gebrautes Bier („Salina“) und feine Süßigkeiten gilt es zu verkosten und als Mitbringsel einzupacken. Außerdem: Uhren von Locman oder Parfums von Acqua dellʼElba.

4. Vielseitig packen: Auf Elba lässt es sich nicht nur herrlich baden, sondern auch (weit-)wandern und Rad fahren. Entsprechende Kleidung und Ausrüstung ist daher Pflicht, sonst verpasst man einige Highlights.

Elba im Überblick

Lage: Die Insel Elba liegt zwischen der Westküste der Toskana, 100 km südlich von Pisa, und der Nordspitze Korsikas. Vom Festland ist sie wenige Kilometer entfernt. Die Fähre von Piombino aus fährt rund eine Stunde.

Einwohner: ca. 32.000

Fläche: 224 km²

Hauptort: Portoferraio

Sprache: Italienisch

Wirtschaft: Primär Tourismus, außerdem Weinbau und Fischerei. Früher auch Bergbau.

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24.10.–29.10.2026 ab/bis Graz bzw. Klagenfurt pauschal p.P./DZ nur € 1.160,–; EZ-Zuschlag € 180,–
Florenz–Siena–San Gimignano–Pisa–Lucca–Insel Elba

Info & Buchung: Hotline 01 711 99 34000 oder im nächsten ÖAMTC-Reisebüro, Buchungsadressen und Tel. siehe  www.oeamtc.at/reisen