Landschaft am Cap de Creus bei Sonnenuntergang, ein Paar sitzt und blickt aufs Meer.

Costa Brava: Eine Entdeckungsreise zur "wilden Küste" Kataloniens

Wilde, bizarre Landschaften, Vulkane und ein Künstler, der Traum und Wirklichkeit ineinanderfließen lässt. Eine Entdeckungsreise an die faszinierende Costa Brava.

Von Lydia Silberknoll,

Der Wind weht uns um die Ohren, während wir über die schroffe Felslandschaft am Cap de Creus in Richtung Meer blicken. Hier in Katalonien, an der nordöstlichsten Spitze Spaniens, liegt sprichwörtlich das "Ende der Welt". Diese von Wind und Meer zerklüftete Gegend in der touristischen Region Costa Brava war Inspiration für niemand Geringeren als Salvador Dalí. Auf seinen Spuren wandern wir im Naturpark den knapp zwei Kilometer langen ­asphaltierten Weg entlang und bewundern die geschützte ­Flora. Immer wieder entdecken wir bizarre Felsformationen, denen Dalí ein Denkmal setzte – zugegeben, die Hinweistafeln helfen beim Erkennen.

An dieser "wilden Küste" wird uns der Künstler noch an vielen Orten begegnen. Passend dazu gibt uns Reiseleiterin Anna augenzwinkernd Einblicke in die katalanische Seele: "Wir sind schon ein bisschen kompliziert", meint sie und erzählt von der Region und dem 1989 verstorbenen Surrealisten.

Wanderweg am Cap de Creous Nationalpark, umgeben von schroffer Felslandschaft.
Schroffe Landschaft - Im heutigen Nationalpark Cap de Creus gibt es einen rund zwei Kilometer langen asphaltierten Spazierweg. Abseits davon besteht zudem die Möglichkeit auf Wanderwegen die schroffe Landschaft zu erkunden. © Lydia Silberknoll
Leuchtturm am Cap de Creus.
Der alte Leuchtturm am Cap de Creus. Davor steht das Schild, das auf das "Ende der Welt" hinweist. © Narcis Ribas
Drachen ähnlicher Stein im Nationalpark Cap de Creus, der Dali inspirierte.
Solch steinerene Felsfiguren inspirierten Salvador Dalí zu seinen Kunstwerken. © Lydia Silberknoll

Figeres - die Geburtsstadt Dalís

Dalí kam 1904 in Figueres als zweiter Sohn einer wohl­habenden Familie zur Welt. Seinen Vornamen erbte er von seinem verstorbenen Bruder. Eine Tatsache, die ihn sein ganzes Leben lang beeinflussen und verfolgen sollte. In Figueres gibt es neben seinem Geburtshaus auch das faszinierend-beeindruckende "Teatre-Museu Dalí", in dem er auch begraben liegt. Das Besondere daran ist, dass er das alte Theater selbst umgestaltet hat. Damit schuf er sich nicht nur ein Denkmal, sondern auch ein einmaliges Erlebnis für die Nachwelt.

Das Teatro-Museo Dalís in Figueres – surreales Kopfkino vom Feinsten

Es gibt mehr in Figueres

Doch nicht nur das Dalí-Museum mit der markanten, roten, mit Brotlaiben gesäumten Außenfassade – im Inneren hat man schnell das Gefühl, in Dalís Kopf gelandet zu sein – macht die Stadt sehenswert: Auch von der Kirche Sant Pere über die Rambla mit ihren schönen Jugendstilhäusern bis zum Castell de Sant Ferran gibt es vieles zu entdecken.

Kirche in Figueres.
Kirche Sant Pere in Figueres, dahinter befindet sich das Teatre-Museu. © Lydia Silberknoll

Cadaqués – das weiße Fischerdorf

Unsere Reise führt uns weiter ans Meer, wo wir erneut auf ­Dalí treffen. Um Ruhe zu finden, zog der exzentrische Künstler mit seiner Frau und Muse Gala nach Portlligat, nahe dem kleinen Fischerdorf Cadaqués. Dort kaufte er mehrere ­Fischerhäuschen und vereinte sie zu einem Zuhause, wo er die meiste Zeit mit seiner Frau lebte – wenn sie nicht gerade in ihrem Refugium im Schloss von Púbol residierte. Heute kann das Museumshaus in Portlligat besichtigt werden. Doch Achtung: Unbedingt rechtzeitig reservieren, denn die Besucherzahl ist begrenzt.

Von Portlligat aus gelangt man zu Fuß in rund 20 Minuten nach Cadaqués. Das entzückende Dorf mit seinen engen, verschachtelten Gassen und weißen Häusern liegt noch abseits des Massentourismus. Es begeistert durch viele schöne Plätze direkt am Meer, Insta-würdige Motive und gutes Essen. An Dalí erinnert hier nicht nur eine Statue am Hafen, sondern auch ein Bild in der kleinen Patisseria "Can Cabrisas". Hier soll er besonders gern einen Kuchen in Fischform gegessen haben, erzählt Inhaberin Mercedes.

Land der versteckten Vulkane

Genug von Dalí? Kein Problem, in Katalonien gibt es weit mehr zu entdecken, etwa die Region Garrotxa. In der mittel­alterlichen Ortschaft Santa Pau lohnt sich nicht nur ein Essen samt Übernachtung im entzückenden Boutique-Hotel "Cal Sastre" von Eva Moliner, sondern auch ein Ausflug ins nahegelegene Vulkangebiet.

Luftaufnahme der Ortschaft Santa Pau.
In der mittelalterlichen Ortschaft Santa Pau… © Pep Sau Arxiu Imatges PTCBG
MIttelalterliche Steingebäude in Santa Pau.
… zahlt sich ein Spaziergang durch die engen Gassen und … © Lydia Silberknoll
Hotelbesitzerin Eva Moliner steht vor dem Eingang des Restaurants in Santa Pau/Spanien.
20251003_115849_CMS.jpg - … eine Nächtigung samt Essen bei Eva Moliner aus. Sie führt das entzückende Boutique-Hotel samt Restaurant "Cal Sastre". © Lydia Silberknoll

Naturpark Garrotxa

38 erloschene Vulkane formten eine hügelige Landschaft mit einzigartiger Pflanzenvielfalt und der Fageda d'en Jordà, einem Buchenwald, der auf Lavagestein wächst. Die Vulkane von Garrotxa brachen jeweils nur einmal vor mehreren ­Tausend Jahren aus. Besonders sehenswert ist der Vulkan ­Croscat, der im Zentrum des Naturparks liegt. Das gesamte Gebiet ist seit 1982 ein Naturschutzgebiet und mittlerweile ein beliebtes Ziel für Wanderfans, Schulklassen und Heißluftballon-Ausflüge.

Vom Vulkan-Museum bis zum Stadtmarkt

Mehr über die Vulkanregion erfährt man im Vulkan-Museum "Espai Cràter" in Olot. Die Stadt aus dem 9. Jahrhundert liegt auf mehreren erloschenen Vulkanen, von denen z.B. der Montsakopa-Krater besucht werden kann. Architektonisch sind die aus Vulkangestein erbauten Häuser ebenso zu erwähnen wie die Blay-Promenade, an der noch einige Jugendstil-Fassaden erhalten sind.

Nach einem Stadtbummel gönnen wir uns am Mercat d’Olot, dem Stadtmarkt, einen Snack. Hier gibt es lokale ­Spezialitäten wie Butifarra, eine Art katalanische Presswurst, und die salamiähnliche Hartwurst Fuet.

Stadtmarkt in Olot, Fleischtheke.
Fleischabteilung am Mercat d'Olot. © Lydia Silberknoll

Von Löwen, Fliegen und Legenden

Bevor unsere Reise sich endgültig dem Ende zuneigt, fahren wir nach Girona, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt, die von vier Flüssen umgeben ist, beherbergt die breiteste Kathedrale der Welt, erzählt unsere Reiseführerin Anna und ergänzt: "Sie ist 23 Meter breit, und bis zur Fertigstellung vergingen 200 Jahre." Die Einheimischen nennen sie schlicht "Kathedrale".

Kathedrale Santa Maria in Girona.
Die Kathedrale "Santa Maria" in Girona. © Lydia Silberknoll

Beeindruckend ist auch die von Gustave Eiffel erbaute ­„Brücke der alten Fischhändler“ oder kurz "Eiffelbrücke" über den Fluss Onyar. Die rote Stahlkonstruktion bietet einen eindrucksvollen Blick auf die bunten Häuser am Flussufer, die auf der alten Stadtmauer errichtet wurden.

In der ursprünglich von den Römern erbauten Stadt sind auch das sehr gut erhaltene jüdische Viertel "El Call" mit dem jüdischen Museum, die arabischen Bäder sowie der imposante mittelalterliche Stadtteil einen Besuch wert. Letzterer diente sogar als Drehort für die Serie "Game of Thrones".

Blick auf den Fluss Onyar in Girona mit bunten Häusern am Uferrand.
Blick auf die rote Eiffelbrücke und den Fluss Onyar mit den bunten Häusern am Ufer. © Lydia Silberknoll

Kurioses in Girona

Girona hat auch Kurioses zu bieten: Früher küsste man der Statue der Löwin "La Lleona de Girona" den Hintern, um Unheil abzuwenden oder um sicher nach Girona zurückzukehren. Dieses Ritual gab es rund 800 Jahre lang – erst die Pandemie beendete es. Das Gesäß der Löwin dankt es wohl, auch wenn es mittlerweile durch ein Replik ersetzt wurde.

Die Löwinnen-Statue von Girona aus Sandstein.
Die Statue der Löwin in Girona. Sie hängt in ca. zwei Metern Höhe.  © Lydia Silberknoll

Tierisch geht es in Girona weiter: Wir begegnen immer wieder stilisierten Fliegen. Sie sind das Symbol der knapp 40 Minuten von Barcelona entfernten Provinzhauptstadt. Der Legende des heiligen Narcís zufolge jagten Fliegenschwärme aus seinem Grab die plündernden Franzosen fort, die die Stadt im 13. Jahrhundert erobern wollten. Das gotische Grab des ­Narcís ist übrigens in der ältesten Kathedrale der Stadt, der Basilica Sant Feliu, nahe der Löwin, zu sehen.

Nicht die Fliegen, sondern die zerrinnende Zeit (Dalí lässt grüßen) treibt uns aus Girona. Schweren Herzens treten wir die Rückreise an – im Gepäck der bleibende Eindruck der Vielfalt der "wilden Küste", die noch Unzähliges zu bieten hat. Noch gilt sie als Geheimtipp – aber wohl nicht mehr sehr ­lange.

Statue des Fußes des hl. Narziss von Girona.
Fuß des hl. Narziss, im Hintergrund an der Hausmauer ist eine Fliege zu sehen. © Lydia Silberknoll

5 Tipps für die ­Costa Brava

Dalì kennenlernen: Ob in Figueres, Cadaqués oder Cap de Creus: Auf den Spuren des Surrealisten wandern, dabei ­Werke und Inspirationen entdecken. www.salvador-dali.org

Vulkanland: Naturpark Garrotxa mit 38 erloschenen Vulkanen. Zum Wandern oder mit dem Heißluftballon erkunden.

Radfahren: Mit dem E-Bike die Landschaft entdecken. Biketour z.B. bei nafentbikes.com

Verkosten: Stadtmarkt Olot, Wurstspezialitäten z.B. von Fermí Coronimas; Weingut Peralada: Guter Wein und Essen; Fontclara Olivenölverkostung, von der Ernte bis zur Verkostung

Mehr Infos zu diesen und weitere Tipps finden Sie im Artikel: Katalonien und Costa Brava entdecken – 10 Tipps

ÖAMTC-Tipp: Ihr kostenloses Reise-Infoset "Spanien" inklusive Tipps von Marco Polo erhalten Sie am ÖAMTC-Stützpunkt.

Anreise: Wien–Barcelona. Von Barcelona mit dem Auto ca. 2 Stunden Fahrzeit bis zur Costa Brava. Wer keine geführte Reise bucht, nimmt am besten einen Mietwagen und entdeckt die Regionen individuell.

Infos unter: www.spain.info

www.costabrava.org

Destination Katalonien im Überblick

  • Lage: Die touristische Region Costa Brava ("wilde Küste") liegt in der autonomen Region Katalonien im Nordosten Spaniens. Sie grenzt an Frankreich und ans Mittelmeer.
  • Einwohner:innen: ca. 8,1 Mio.
  • Fläche: ca. 32.100 km²
  • Hauptstadt: Barcelona
  • Provinzen: Katalonien ist in 4 Provinzen geteilt. Barcelona, Tarragona, Lleida und Girona.
  • Sprache: Katalanisch, Spanisch
  • Flagge: rot-gelb gestreift

Information & Buchung

Zum aktuellen Costa Brava-Angebot von ÖAMTC Reisen (Linkgültigkeit endet mit der Verfügbarkeit des Reiseangebots).

Mehr Infos unter der Hotline Tel. 01 711 99 34000 und in den Filialen von ÖAMTC Reisen.

ÖAMTC-Länderinformationen: Katalonien

Die ÖAMTC-App "Meine Reise" bietet umfassende Informationen und viele nützliche Funktionen für Ihre Reise.

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Schiff im Hafen von Cadaques/Spanien bei Nacht.
20251003_115849_CMS.jpg © Lydia Silberknoll