Portraitfoto von Gerhard Karner

Gemeinsam stark

Das wesentliche Ziel der Kooperation von Innenministerium und ÖAMTC: Hilfe für Menschen in Not. Wie sich die Zusammenarbeit entwickelt hat und wo die Reise hingeht, erklärt Innenminister Gerhard Karner im Kurzinterview.

Von Stephan Höckner,

Wie kam es zur Flugpolizei und -rettung im BMI und zur Übergabe des Flugrettungsbetriebs an den ÖAMTC 2001?

In den Jahren 1953/54 wurden das Gasteinertal und das Große Walsertal von Lawinen verschüttet und der Donauraum von Hochwasser geflutet. Da wurde klar, dass die bodengebundenen Einsatzkräfte zur Bewältigung solcher Katastrophen künftig Unterstützung aus der Luft brauchen. Obwohl das Fliegen zu dieser Zeit nur den Besatzungsmächten erlaubt war, konnte Österreich nach langen Verhandlungen den eigenen Wiedereinstieg in die Luftfahrt sichern.

So wurde noch im Dezember 1954 die Abteilung Flugpolizei im Bundesministerium für Inneres eingerichtet. Im April 1955 genehmigte der Alliierten Rat der österreichischen Polizei die Nutzung von fünf Hubschraubern und fünf Flächenflugzeugen zur Hilfeleistung.

Das war der Startschuss für die Flugpolizei und die Flugrettung im Innenministerium. Beim ersten Flugrettungseinsatz mit einer einmotorigen „Piper Super Cub“ wurde im Jahr 1956 einer schwer verletzten deutschen Schifahrerin im Kühtai/Tirol geholfen – inklusive Gletscherlandung in 2.000 Metern Seehöhe. Bis ins Jahr 2001 folgten tausende Rettungseinsätze mit speziell ausgerüsteten Hubschraubern durch die Flugpolizei.

Mit wachsenden Herausforderungen der österreichischen Polizei wurden nach der Jahrtausendwende die Aufgaben neu strukturiert. So wurde 2001 die Flugrettung vom Innenministerium an den „Christophorus-Flugrettungsverein“ übergeben. Seither hat sich eine hochprofessionelle Zusammenarbeit mit dem ÖAMTC entwickelt, auf die wir stolz sein können.

1Archivfoto aus den 90er Jahren, Einsatz in den Bergen
2Archivfoto der 1957 geschaffenen Flugeinsatzstelle Wien
3Archivfoto: Hubschrauber Agusta Beöll 47 J3 B1im Bereich des Tauernkraftwerkes Kaprun/Mooserboden
  • 90-er Jahre: Einsatz in den Bergen © BMi/Romen
  • Ende 1950-er Jahre: bei der 1957 geschaffenen Flugeinsatzstelle Wien © BMi/Romen
  • Mitte 1960er: Agusta Bell 47 J3 B1 im Bereich des Tauernkraftwerkes Kaprun/Mooserboden. © BMi/Moravec

Vor welchen Herausforderungen werden wir in den nächsten Jahren stehen?

Welche Herausforderungen auch auf uns zukommen: Klar ist, der ÖAMTC und die österreichische Polizei stehen dafür, den Menschen zu helfen.

Ich bin zuversichtlich, dass wir für die Zukunft gut vorbereitet sind. Daran arbeiten wir auch jetzt schon: Derzeit bilden wir sechs neue Pilotinnen und Piloten aus, die schon bald für die Sicherheit der Menschen in ganz Österreich fliegen werden.

1Archivfoto einer Piper Super Cub PA 18
2Archivfoto Ecureuil (Martin 3) auf der Südosttangenge
3Archivfoto eines Hubschraubers Agusta Bell 47 J3 B1 aus den 60er Jahren
  • 1950er Jahre: Piper Super Cub PA 18. Pilot Erhard Landl. Mit diesem Modell wurde der erste Flugrettungseinsatz 1956 gemeistert. © BMI/Romen
  • 1993: Ein Einsatz auf der Südosttangente des Rettungshubschrauber sder Flugeinsatzstelle Wien. © BMi/Gögginger
  • 1960er Jahre: Bezirksinspektor Josef Pollack im Hubschrauber Agusta Bell 47 J3 B1. © BMi/Gögginger

Wie hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem Innenministerium und der ÖAMTC Flugrettung bis heute entwickelt?

In den ersten Jahren nach der Übergabe teilten sich ÖAMTC und BMI vielfach die Standorte der Flugeinsatzstellen. Dort konnte die neue ÖAMTC-Flugrettung auf die Erfahrungen der professionell ausgebildeten Piloten der Polizei zählen.

Heute, 25 Jahre später, kann man von einer echten Erfolgsgeschichte sprechen. Die perfekte Zusammenarbeit zeigt sich bei gemeinsamen Einsätzen und auch im regelmäßigen Austausch unter Piloten, Flugrettern und dem technischen Fachpersonal. Vor allem der Betrieb der gleichen Hubschraubermodelle bringt Synergien im Bereich der Wartung, der Ausbildung und der Weiterentwicklung. In den kommenden Jahren wollen wir das noch weiter intensivieren.

Zur Person

Gerhard Karner (*1967 in Melk, Niederösterreich) ist seit 2021 Innenminister der Republik Österreich.
Als Pressesprecher des damaligen Innenministers Dr. Ernst Strasser war er in den Jahren 2000 – 2003 an der Übergabe der Flugrettung vom Bundesministerium für Inneres an den ÖAMTC maßgeblich beteiligt.