Ein Mann steht zwischen einem hellblauen VW Golf und einem roten VW T-Roc am Meer und legt eine Hand auf die Motorhaube des T-Roc.

Testfahrt: VW Golf und T-Roc Hybrid

VW bringt zwei neue Vollhybrid-Motorisierungen auf den Markt: Die kompakten Bestseller Golf und T-Roc sind ab sofort auch ohne Stecker teilelektrisch unterwegs.

Von Jakob Stantejsky,

Vor beinahe 30 Jahren kam der Toyota Prius in Japan als erster in Großserie produzierter Vollhybrid-Pkw auf den Markt. Toyota hat die Technologie seitdem zum Herzstück der Marke gemacht und in weiterer Folge konnte sie sich auch bei anderen Herstellern – ganz besonders in Asien – zunehmend durchsetzen. Der Vollhybrid wird von den jeweiligen Herstellern oft als der perfekte Kompromiss angepriesen: geringerer Verbrauch als ein reiner Verbrenner, aber trotzdem günstiger, leichter und weniger umständlich im Betrieb als ein Plug-in-Hybrid. Volkswagen springt nun also auch auf diesen Zug auf und stattet Golf und T-Roc in Europa mit einem Vollhybrid-Antrieb aus.

Vollhybrid – warum jetzt?

Um die allerersten Vollhybride der Marke handelt es sich bei Golf Hybrid und T-Roc Hybrid nicht: Sowohl die zweite Generation des Touareg als auch die sechste Generation des Jetta wurden in der Vergangenheit auch mit dieser Antriebstechnologie angeboten. Danach folgte allerdings eine lange Pause, die nun ein abruptes Ende findet. Großen Erfolg verspricht man sich vor allem in Südeuropa. Hier ist die E-Ladeinfrastruktur teils noch nicht so stark ausgebaut, weshalb Plug-in-Hybride weniger beliebt als bei uns sind. Doch auch in Österreich erwartet man sich in Zukunft rund 10 bis 15 Prozent Hybrid-Anteil bei Golf und T-Roc. Darüber hinaus ist es auch kein Geheimnis, dass jeder verkaufte Hybrid VW bei der Einhaltung der EU-Flottengrenzwerte helfen wird. Denn als Vollhybride stoßen Golf und T-Roc je nach Modellvariante doch einige Gramm CO2 pro Kilometer weniger aus als vergleichbare reine Benziner oder Mild-Hybride.

Die Hybrid-Antriebe im Detail

Abgesehen von der Technik unter der Haube verändert sich bei den beiden kompakten Modellen nichts – wenn man den "Hybrid"-Schriftzug am Heck außen vor lässt. Bei Optik und Bedienung bleibt dementsprechend alles beim Alten, wie in unseren früheren Tests zu Golf und T-Roc nachzulesen. Beide Modelle bekommen zwei Varianten des Hybridantriebs: entweder mit 136 oder 170 PS Systemleistung und 288 oder 310 Nm Systemdrehmoment. Beide nutzen einen 1,5-Liter-Turbo-Vierzylinderbenziner, der 131 bzw. 150 PS leistet. Der Verbrenner arbeitet mit zwei E-Maschinen sowie einer 1,6 kWh fassenden Nickel-Mangan-Cobalt-Batterie zusammen.

Bis zu 60 km/h schaffen Golf und T-Roc Hybrid rein elektrisch, im Betrieb wird der Akku je nach Fahrsituation durch Rekuperation oder den Benziner geladen. Das System steuert das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten automatisch, um Power und Effizienz stets auszubalancieren. Bei Autobahntempo beispielsweise schließt sich die Kupplung zwischen Verbrenner und Rädern, die nur dann direkt vom Benzinmotor angetrieben werden. So kommt man mit einem Ein-Gang-Getriebe an Bord aus und der Motor kann möglichst bei optimaler Drehzahl arbeiten. Verlangt ein hungriger Gasfuß nach besonders viel Vortrieb, arbeiten Verbrenner und E-Aggregat gemeinsam im Boost-Modus.

Nahaufnahme der leuchtenden rechten Rückleuchte und des Hybrid-Schriftzugs am Heck eines roten VW T-Roc.
© Volkswagen

Fahreindrücke im Realbetrieb

In der Theorie klingt all das schön und gut, wenn auch etwas kompliziert. Doch wie fühlt sich das System für den Fahrer an? Tatsächlich gibt es auf einer ersten Testfahrt in puncto Leistungsentfaltung keinerlei Beschwerden. Golf wie T-Roc wechseln blitzschnell zwischen den verschiedenen Antriebs-Konfigurationen, am Steuer selbst merkt man davon kaum etwas. Außer man verlangt nach ganz großer Dynamik. Dann nämlich macht der Verbrenner doch gar lautstark auf sich aufmerksam – aber gut, diese Thematik ist bei Hybriden altbekannt. Vor allem, wenn man gerade noch komplett lautlos dahingerollt ist, sticht der plötzlich einsetzende Benziner besonders hervor.

Durchzug ist übrigens dennoch ausreichend vorhanden: Von null auf hundert geht es bestenfalls in 7,5 Sekunden. Zum entspannten Cruisen eignen sich Golf und T-Roc Hybrid aber besonders gut und auch im Stadtverkehr geben sie sich deutlich müheloser als reine Verbrenner. WLTP-Verbrauchswerte zwischen 4,5 und 5,9 bzw. 4,9 und 6,1 Litern auf 100 km sind ordentlich, hier warten wir mit einer Beurteilung aber noch auf den ausführlichen auto touring-Test.

Nahaufnahme der leuchtenden rechten Rückleuchte und des Hybrid-Schriftzugs am Heck eines hellblauen VW Golf.
© Volkswagen

Preise und Verfügbarkeit

Der VW Golf Hybrid startet bei 36.290 Euro in der Ausstattung Life mit dem schwächeren Hybridsystem, als R-Line mit 170 System-PS kostet er mindestens 42.890 Euro. Der T-Roc Life Hybrid beginnt bei 37.890 Euro und die starke Version als R-Line gibt es ab 46.090 Euro. Beide Modelle können bereits bestellt werden, erste Fahrzeuge werden im Fall des T-Roc Ende November und im Fall des Golf Anfang 2027 bei den österreichischen Händlern ankommen.