Wie schon beim ID. Polo verfolgt VW auch beim ID. Tiguan die Strategie, die Elektro-Sparte deutlich näher an traditionelle Tugenden der Marke heranzurücken. Das Design ist zugänglicher und der Modellname zahlt kräftig auf den Marketingbonus von 8,3 Millionen verkauften Fahrzeugen ein. Im Rahmen der Weltpremiere präsentiert sich das 4,618 Meter lange SUV technisch up to date, legt aber sichtlich Wert auf die gute alte Zeit.

Optik und Bedienung
"Pure Positive" nennt VW die aktuelle Designsprache, gemäß der der ID. Tiguan sich im Vergleich zum ID.4 primär als selbstbewusstes SUV versteht und nur sekundär als Elektroauto. Das bedeutet aber nicht, dass der Wolfsburger auf Hightech verzichtet. Deshalb sind erstmals bei VW drei Bildschirme mit an Bord. Die digitalen Instrumente messen 10 Zoll, der Infotainment-Touchscreen 15 Zoll und gegen Aufpreis gibt es zusätzlich einen 12,5 Zoll großen Bildschirm, mit dem Beifahrer:innen sich während der Fahrt beschäftigen dürfen. Das Ergebnis ist das bisher futuristischste Cockpit in einem Serien-Volkswagen. Eine coole Idee sind die zwei auf Wunsch verfügbaren induktiven Ladeschalen samt Magnetring mit Qi2-Standard.
All dem gegenüber stehen echte Knöpfe am Lenkrad, unter dem Zentraldisplay und sogar ein Lautstärke-Drehregler auf dem Mitteltunnel. Hinzu kommen nun auch wieder vier Fensterheber-Tasten – die etwas mühselige Bedienung aus dem ID.4 ist somit Geschichte. Umso mehr in der Vergangenheit verhaftet ist hingegen das charmante Feature, die Instrumente in Golf IV-Optik darstellen zu lassen. Im Infotainmentsystem kann man zudem das Erscheinungsbild eines Golf I, Golf II Country, Golf IV, Tiguan I, Race Touareg oder Beetle einblenden. Insgesamt ist das Interieur gefällig und merzt die weniger beliebten Features des Vorgängers gezielt und gekonnt aus.
Technische Daten
Quasi eins zu eins übernimmt der ID. Tiguan dafür alles, was sich unter der Haube abspielt: Es gibt eine 58 kWh-LFP-Batterie mit 190 PS und einen 77 kWh-NMC-Akku mit 286 oder 299 Pferdestärken. Am Wechselstrom laden beide mit 11 kW, beim Gleichstrom setzt sich die größere Variante mit 165 zu 105 kW deutlich ab. Auch bei der Reichweite gibt es klare Verhältnisse: Bis zu 600 km laut WLTP stehen maximal 450 km gegenüber. Spannt man die große Batterie mit dem optionalen Allradantrieb zusammen, pendelt sich die Reichweite bei 560 km ein. Bei der Höchstgeschwindigkeit darf die 77 kWh-Version mit 180 km/h um 20 km/h schneller als die Basisvariante unterwegs sein. Von null auf hundert geht es in 8,5, 6,6 oder 6,3 Sekunden.



- Scharfer Blick - Die Front des ID. Tiguan wird vom durchgehenden Leuchtenband dominiert. © Volkswagen
- Allerwertester - Auch von hinten präsentiert er sich modern, aber gefällig. © Volkswagen
- Kantig - Deutlich wuchtiger als sein Vorgänger kommt der VW ID. Tiguan daher. © Volkswagen
Abmessungen und Platz
Bei den Außenabmessungen hält sich der ID. Tiguan sehr dicht an den ID.4, gut drei Zentimeter mehr Länge sind hier schon die größte Abweichung. Der Radstand liegt bei 2,765 Metern. Auf die Waage bringt das E-Auto mindestens 2.073 kg, mit der größeren Batterie sind es 2.155 kg. Die maximale Anhängelast kann sich mit 1,8 Tonnen bei der schwächsten Motorisierung und 2 Tonnen bei den beiden starken Versionen sehen lassen. In den Kofferraum passen 534 bis 1.577 Liter. Der Verbrenner-Tiguan schafft hier als reiner Verbrenner oder als Mild-Hybrid rund 100 Liter mehr. Der Plug-in-Hybrid ordnet sich unter dem Stromer ein. Alles nicht ungewöhnlich – das liegt in der Natur der Antriebe. Das gilt auch für den Frunk unter der Motorhaube. Der ist zwar sehr flach, bietet aber immerhin für das Ladekabel mehr als genug Platz.
Ausstattung, Komfort und Sicherheit
Wie von VW gewohnt, ist auch der ID. Tiguan in den Ausstattungslinien Trend, Life, Style und R-Line verfügbar. Von dunklen Stoffsitzen über diverse Dekorelemente, Materialauswahlen und Harman Kardon-Soundanlage bis hin zu Sportsitzen mit Massagefunktion sowie 21 Zoll großen Felgen wird ein breiter Bogen gespannt – der sich auch in den Preisen niederschlagen dürfte. VW setzt dabei zunehmend auf recyclebare Materialien. In puncto Sicherheit bieten die Wolfsburger ein großes Portfolio an Assistenzsystemen an, wobei nicht alle Funktionen serienmäßig mit an Bord sind.
Der VW ID. Tiguan wird für Europa in Deutschland, genauer gesagt in Emden gebaut. Bei allen Umwälzungen gilt es übrigens zu bedenken: ID.4 und ID.5 waren mit über 900.000 verkauften Exemplaren schon sehr solide unterwegs. Ihr Nachfolger schickt sich aber an, noch erfolgreicher zu werden. Ob das gelingt, wird sich ab kommendem Jahr weisen.



