Ein Mann lehnt an einem blauen VW ID Polo.

Erste Testfahrt im VW ID. Polo

Mit dem ID. Polo will VW endlich ins Segment der günstigen Elektroautos einsteigen. Bei einer ersten Ausfahrt zeigt sich, was der vollelektrische Kleinwagen tatsächlich bietet und was man für sein Geld bekommt.

Von Jakob Stantejsky,

Selten lastete so viel Hoffnung auf 4,053 Metern Länge. Denn der ID. Polo soll Volkswagen nicht nur im regelrecht explodierenden Markt der kleinen E-Autos ab 20.000 Euro etablieren und somit der erste echte Volks-Stromer der Marke werden. Sondern er krempelt auch den Kurs der gesamten ID-Familie um: Statt Nummern gibt es künftig Namen, die sich am jeweiligen Verbrenner-Pendant orientieren. Das macht besonders beim Elektro-Zwerg Sinn, schließlich kommt der Name Polo mit dem Vertrauensvorschuss von über 20 Millionen verkauften Autos. Egal, wie wenig der ID. Polo mit seinem Vorbild technisch tatsächlich gemein hat – ein mächtigeres Marketing-Tool gibt es wohl kaum.

Wieviel kostet der VW ID. Polo?

Der Einstieg in den ID. Polo gelingt um exakt 19.990 Euro – allerdings nur, wenn man alle Boni (Edition-Bonus, Eintauschbonus, Porsche Bank Paketbonus samt Finanzierung und Abschluss einer Kasko Versicherung sowie Abschluss eines Service-Produktes über die Porsche Bank Versicherung) mitnimmt. Der Listenpreis hingegen liegt bei 25.490 Euro. Darum bekommt man die Basisversion Trend samt einem 116 PS starken vollelektrischen Frontantrieb, der von einer 37-kWh-Lithium-Ferrophosphat-Batterie mit Strom versorgt wird.

Das klingt nicht nach viel, reicht aber dank eines cW-Werts von 0,264 und einem im E-Auto-Kontext relativ geringen Gewicht von gut eineinhalb Tonnen für bis zu rund 330 Kilometer laut WLTP. Das gilt auch für den etwas stärkeren 135 PS-Motor, der bei 29.990 Euro startet. Bei der Topversion um mindestens 33.790 Euro mit 211 PS sieht die Sache anders aus. Hier kommt ein 52 kWh-Nickel-Mangan-Kobalt-Akku zum Einsatz und die Reichweite steigt auf bestenfalls 454 Kilometer. Beide stärkere Aggregate werden in den Ausstattungslinien Life und Style angeboten.

Ein blauer VW ID Polo fährt auf der Landstraße
© Volkswagen

Die Technik unter dem Blech

Während die kleine Batterie mit 90 kW DC-Ladeleistung auskommen muss, gibt es für die große immerhin 105 kWh. Bei den Ladezeiten tun sich aber keine großen Gräben zwischen den Varianten auf: In zehn Minuten lädt der 37-kWh-Akku bei idealen Bedingungen Strom für 109 Kilometer, die 52-kWh-Batterie schafft 117 Kilometer. Von 10 auf 80 Prozent geht es in schnellstens 23 beziehungsweise 24 Minuten. AC-Ladungen gehen mit 11 kW über die Bühne.

Die Hersteller-Verbrauchsangaben schwanken je nach Version zwischen 14,9 und 13,3 kWh pro 100 Kilometer. Die genormte auto touring-Testrunde wird genaueren Aufschluss über die Praxisnähe dieser Werte geben, bei der ersten Testfahrt bleibt der Bordcomputer-Verbrauch allerdings in diesem Rahmen – wirklich sehr solide!

Optik, Haptik und Raum

Das Design des ID. Polo ist sichtlich absichtlich gefällig ausgelegt. VW betont sogar mehrfach, optisch zur klassischen Marken-DNA zurückzukehren. Die ID., pardon, die Idee dahinter ist, Elektromobilität noch mehr in den Mainstream zu rücken und der Kundschaft weiter die Scheu zu nehmen. Das dürfte der elektrische Polo aber auch so schaffen. Schließlich präsentiert er sich auch innen – zumindest in der getesteten Topausstattung Style – als fein herausgeputzter Kleinwagen mit erstaunlich viel Platz. Ein Kofferraum mit 441 Litern Fassungsvermögen auf so wenig Raum unterzubringen, ist beeindruckend. Und ein Plus von mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Verbrenner-Polo.

Das Cockpit vertraut zwar weiter auf die heutzutage bewährte Formel digitale Instrumente plus großer Touchscreen (12,9 Zoll), bietet aber wieder mehr Tasten als es zwischenzeitlich bei VW der Fall war. Am Lenkrad darf man wieder echte Knöpfe bedienen und unter dem Infotainmentscreen gibt es haptische Tasten für die Klimaanlage. Bonus für Nostalgiker: Die digitalen Instrumente lassen sich auch im Look des seligen Einser-Golfs anzeigen. Eine sehr charmante Spielerei.

Ein blauer VW ID Polo fährt an Weinreben vorbei, von hinten.
© Volkswagen

Die ersten Fahreindrücke

Nach rund drei Stunden mit dem VW ID. Polo überwiegt vor allem Zuversicht. Zuversicht, dass Volkswagen trotz akuter Krisenstimmung ein Auto auf die Räder gestellt hat, das großes Potenzial hat. Lenkung, Fahrwerk und Vortrieb sind harmonisch abgestimmt – das Auto liegt gut auf der Straße, reagiert rasch und souverän und hat mehr als genug Durchzug. Das Fahrgefühl ist in jeder Hinsicht viel erwachsener, als die kompakten Abmessungen es von außen vermuten lassen würden.

Die getestete 211 PS-Motorisierung hat freilich besonders leichtes Spiel mit dem kleinen ID. Polo. Doch auch die beiden schwächeren Varianten dürften völlig ausreichend dimensioniert sein. Selbst die Einstiegsversion hat mehr Power als der aktuell stärkste Benzin-Polo. Ein Polo GTI wird derzeit ja nicht mehr angeboten – das ändert sich aber schon bald wieder. Denn der ID. Polo GTI scharrt schon in den Startlöchern und wird zum allerersten elektrischen GTI überhaupt. Mit 226 PS legt er gar nicht so viel Leistung obendrauf, dank Sportfahrwerk sollte aber dennoch eine ganz andere Stimmung aufkommen.