Violetter SUV in schräger Frontansicht auf einem ansteigenden Weg neben einem dunklen Holzgebäude, mit Bäumen und Golfplatz im Hintergrund.

Fahrbericht: Xpeng L03

Xpeng erweitert seine Modellpalette mit dem L03 nach unten hin. Ob das elektrische SUV bei einer ersten Testfahrt überzeugt, wo seine Stärken und Schwächen liegen und wie viel es kostet.

Von Jakob Stantejsky,

Mit dem Xpeng L03 bringt der chinesische Hersteller ein vollelektrisches SUV-Coupé nach Österreich, das ab dem vierten Quartal 2026 ausgeliefert wird. Mit 4,65 Metern Länge und 1,92 Metern Breite ist der L03 zwar alles andere als ein Zwerg, aktuell aber dennoch das kleinste Modell der Marke hierzulande. Das wird sich nächstes Jahr erst ändern. Die Bestellbücher für den L03 sind allerdings bereits jetzt geöffnet. Preislich startet der L03 bei 36.600 Euro – und das bei einer Serienausstattung, die in dieser Klasse kaum Wünsche offenlässt.

Viel Platz – mit einer Schwäche

Die Dachlinie fällt coupéhaft zum Heck ab, ohne den Fondpassagieren allzu viel Kopffreiheit zu nehmen. Auch hinten findet man dank 2,85 Metern Radstand kommod Platz – sofern man kein Sitzriese ist. Schenkelauflagen und Kniefreiheit sind sensationell, aber darunter leidet der Kofferraum mit 367 Litern Kofferraumvolumen extrem. Zum Vergleich: Der VW ID. Polo fasst 441 Liter. Bei 4,05 Metern Länge. Da helfen auch die maximal 89 Liter Frunk im L03 nicht mehr viel. Bei den Allradversionen schrumpft dieser nämlich auch noch auf 44 Liter.

Violetter SUV mit Glasdach, durchgehendem Rücklichtband und gelben Bremssätteln, schräg von hinten oben auf einem Weg zwischen Wiesen.
© Xpeng Motors

Design und Farben

Optisch prägen den Xpeng L03 dreizackige LED-Scheinwerfer und ein durchgehendes LED-Rückleuchtenband. Rahmenlose Türen und Außenspiegel sowie halbversenkte Türgriffe unterstreichen die klare Linienführung. Aktive Lufteinlassklappen in der Frontschürze öffnen sich bei Bedarf und tragen zu einem sehr guten cW-Wert von 0,228 bei. Fünf Lackierungen stehen zur Wahl: Arctic White sowie die Metallic-Töne Midnight Black, Rock Gray, Silver Frost und Phantom Purple als Kommunikationsfarbe. Für das Topmodell Ultra gibt es zusätzlich eine exklusive Black Edition (Aufpreis: 1.200 Euro), bei der Logo, Schriftzug und 20-Zoll-Felgen konsequent in Schwarz gehalten sind.

Austattung und Co.

Im Innenraum verbindet der L03 Soft-Touch-Oberflächen mit einem luftigen Raumkonzept und einer überkompletten Serienausstattung. Elektrisch verstellbare, beheizte und belüftete Vordersitze sind immer mit an Bord, ebenso wie die LED-Scheinwerfer und beheizte Außenspiegel, die leidigerweise über den Touchscreen eingestellt werden müssen. Das 1,30 Quadratmeter große Panoramadach erstreckt sich über beide Sitzreihen und filtert laut Xpeng mehr als 99,9 Prozent der UV-Strahlung. Ein Rollo fehlt aber. Drei Displays bespielen Fahrer und Beifahrer: ein 8,9-Zoll-Kombiinstrument, ein 15,6-Zoll-Touchscreen in 2.5K-Auflösung und ein 26,8-Zoll-Head-up-Display. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos einbinden, das Smartphone lädt induktiv – mit integrierter Belüftung gegen Überhitzung.

Falls immer noch der Wunsch nach mehr besteht, erfüllt den die bereits erwähnte Topausstattung Ultra: Im XOpera-Soundsystem sind 18 Lautsprecher verbaut und eine aktive Geräuschunterdrückung sorgt für zusätzliche Ruhe. Der eigens von Xpeng entwickelte Turing-AI-Chip ist außerdem im Triplepack an Bord und ermöglicht unter anderem teilautomatisiertes Fahren auf Level 2+ in Österreich. Außerdem massieren die Ultra-Vordersitze auf hohem Niveau. Abgerundet wird das Ganze optisch von 20-Zöllern und gelben Bremssätteln.

1Geöffnete Heckklappe eines violetten SUV mit Blick auf den leeren, schwarz ausgekleideten Kofferraum, die Gepäckraumabdeckung und die aufrechten Rücksitzlehnen.
2Frontansicht eines violetten SUV mit geöffneter Motorhaube und schwarzer Abdeckung mit mittigem Staufach vor einer Ziegelwand.
3Helle Rücksitzbank mit drei Kopfstützen, perforierten Sitzflächen, schwarzen Sicherheitsgurten und violetten Zierlinien.
  •  Unterdimensioniert - Der Kofferraum des Xpeng L03 überzeugt mit 367 Litern Fassungsvermögen leider nicht. © Xpeng Motors
  •  Frunk - Auch unter der Motorhaube ist nur mäßig Platz vorhanden. © Xpeng Motors
  •  Beinfreiheit - Dafür sitzt man in Reihe zwei wie ein Fürst. © Xpeng Motors

Reichweite, Ladeleistung und Antrieb

Der L03 setzt in allen Varianten auf LFP-Akkuzellen (Lithium-Eisenphosphat). Die Batteriekapazität reicht von 58,3 kWh (Standard Range) bis 71,2 kWh (Long Range, Performance, Performance Ultra). Die nach WLTP gemessene Reichweite beträgt 445 km (Standard Range), 520 km (Long Range) sowie 440 km bei den beiden Performance-Varianten. Der Stromverbrauch liegt je nach Antriebsversion zwischen 15,3 und 18,4 kWh pro 100 km. Beim Schnellladen schafft der L03 den Sprung von 10 auf 80 Prozent Ladestand in nur 20 Minuten – die maximale DC-Ladeleistung beträgt je nach Version 193 bzw. 236 kW. Bei einem kurzen Ladestopp mit 50 % Batteriestand erreicht der L03 Performance Ultra auf unserer Testfahrt knapp 190 kW – sehr solide. Am Wechselstrom lädt das Fahrzeug mit bis zu 11 kW. Serienmäßig an Bord: eine Wärmepumpe, sowie V2L (Vehicle-to-Load), mit dem sich externe Geräte direkt aus dem Fahrzeugakku versorgen lassen.

Zwar ist die Ausstattung weitestgehend gleich, doch beim Antrieb gibt es deutliche Unterschiede: Standard Range und Long Range fahren mit Heckantrieb und leisten 180 kW (245 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 264 Nm – der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 7,5 bzw. 6,6 Sekunden. Die Performance-Modelle setzen auf Allradantrieb, bringen 285 kW (388 PS) und 431 Nm auf die Straße und beschleunigen in 4,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bei allen Varianten 180 km/h. Sechs Fahrmodi stehen bereit – Eco, Comfort, Sport, Individual, Snow und Slippery; der AWD-Modus Escape ist den Allrad-Varianten vorbehalten.

Helles Cockpit mit Multifunktionslenkrad, digitalem Instrumentendisplay, großem zentralem Bildschirm mit Kartenansicht und Ablagefächern in der Mittelkonsole.
© Xpeng Motors

Fahreindrücke und Preise

Auf unserer Testfahrt legt der Xpeng L03 Performance Ultra einen klaren Fokus auf Komfort an den Tag. Das Fahrwerk ist sehr bequem abgestimmt und auch die Beschleunigung ist eher gediegen angelegt. Auf gewundenen Bergstraßen im Schwarzwald punktet der L03 aber dennoch mit vertrauenserweckendem Halt. Wer übrigens im Sportmodus unterwegs ist und voll aufs Gas steigt, wird fast schon rüpelhaft in den Sitz gedrückt. Kraft ist also massig vorhanden, da kommt die Querdynamik des Chinesen ehrlicherweise nicht ganz mit. Aber gut, das ist auch nicht der Anspruch. Xpeng stellt mit dem L03 wieder ein Elektroauto auf die Räder, das von Optik bis Fahrverhalten Komfort auf hohem Niveau liefern will.

Der Haken ist der Preis. Nämlich aus der Sicht der Konkurrenz. Denn der L03 startet bei 36.600 Euro, die größere Batterie gibt es schon um 39.600 Euro. Allrad kostet weitere 3.000 Euro Aufpreis und die Ultra-Version bildet mit 47.600 Euro den krönenden Abschluss. Wir bemühen wieder den Vergleich zum ID. Polo: Auch den bringt man vollausgestattet auf mehr als 40.000 Euro. Wobei der Kleinwagen auch dann die Opulenz des L03 freilich nicht matchen kann. Ob 74 Liter Kofferraumvolumen das wert sind, sei dahingestellt.