Ein orangefarbenes Auto wird von vielen Menschen mit ihren Smartphones fotografiert.

Wie sich MG wandelt

Die ehemals britische Marke steht für Vernunft – noch. Zwei neue Studien zeigen, wie die Marke Emotionen wecken will.

Von Kurt Zeillinger,

Ältere denken bei der 1923 gegründeten englischen Marke MG (steht für "Morris Garages") an nicht allzu große, sportliche und halbwegs erschwingliche Autos mit kernigem Sound. Speziell die Modelle zwischen 1955 und 1980 weckten Emotionen und machten vor allem eines: Spaß. 2005 wurden die Markenrechte nach China verkauft, heute gehören sie dem dort größten Autohersteller SAIC.

Darum denken Jüngere bei MG heute an ganz etwas anderes: an Rationalität in Form erschwinglicher, im Massenmarkt erfolgreicher Fahrzeuge mit modernem, vorwiegend elektrischem oder teilelektrischem Antrieb.

Doch mit dem zweisitzigen E-Roadster Cyberster gibt es seit dem Vorjahr eine klare Ansage, an die einstige Emotionalität zumindest in einer Nische anzuknüpfen. Vor allem durch Design wie mit den nach schräg oben öffnenden Scherentüren. Der Anfang scheint also gemacht.

Bald zündet MG die nächste Stufe, für deren Optik kein geringerer als Jozef Kabaň verantwortlich ist. Der gebürtige Slowake schuf Ikonen wie den Bugatti Veyron und verantwortet als Head of Global Design von SAIC in Shanghai vorrangig das Aussehen der Marke MG, die sich künftig deutlicher von ihren Mitbewerbern unterscheiden soll. Wohin die Reise geht, war anhand zweier Concept Cars im Rahmen des Goodwood Festival of Speed zu sehen. "Diese beiden Konzeptfahrzeuge zeigen unsere Vision für die zukünftige Entwicklung der Marke MG", so Kabaň im Gespräch mit auto touring.

Im Vergleich zur bisherigen MG-Modellpalette setzen wir hier auf viel softere Linien.
Jozef Kabaň (MG-Designchef)
Ein Mann in den Fünfzigern mit längerem Haar in einem grau-blau karierten Sakko.
Jozef Kabaň am MG-Stand in Goodwood. © Kurt Zeillinger

Kleiner Stromer: MG GO!

Die Studie eines in etwa vier Meter langen Schrägheck-Kompaktmodells bekam bei ihrer Enthüllung in Goodwood Standing Ovations. Retro goes Future könnte die Devise heißen, Ältere fühlten sich vom leuchtenden Orange an eine beliebte Farbe des MGB GT (Foto unten rechts) aus den 1970ern erinnert, von der C-Säule an dessen Dachstütze. Die Knuffigkeit und die kräftig ausgestellten Kotflügel erinnern auch etwas an den einstigen Renault 5 Turbo. Weil aber die klassisch und emotional wirkenden Elemente in einer modernen Formensprache interpretiert werden, wirkt die im MG Design Centre in London entwickelte Konzeptstudie dennoch zukunftsweisend.

Der G0! Ist keine weltfremde Studie, er gibt einen realistischen Ausblick auf einen neuen vollelektrischen Kleinwagen, der, wie man in Goodwood hörte, MG 2 heißen soll (MG 3 und MG 4 gibt es bereits) und im nächsten Jahr auf den Markt kommen wird. Im so genannten B-Segment tritt er dann gegen den E-Mini, die elektrischen Renault 5/Nissan Leaf und Fiat Grande Panda Elektro an und soll dabei auch mit seinem Preis punkten. Möglich, dass er auch schon mit der neuen Solid Core-(=Halbfeststoff-)Akkutechnologie ausgestattet sein wird, einer Zwischenstufe zur Festkörperbatterie. Die bietet dann mehr Reichweite, kürzere Ladezeiten und längere Lebensdauer. SAIC, der Mutterkonzern von MG, gilt dabei als führend in der Entwicklung. Mehr dazu weiter unten.

Crossover-Coupé: MG Cyber Concept

Größer, flacher und gestreckter hingegen soll das MG-Flagschiff für die Zeit ab (frühestens) 2028 aussehen: Das Crossover-Coupé soll im D-Segment, also der oberen Mittelklasse, an die sportliche Geschichte der Marke anknüpfen. Gar nicht langweilig, wenn auch völlig anders als beim Cyberster, ist dabei das Design: Kurze Überhänge, ausgeprägte Radhäuser, die Fensterlinie nach hinten ansteigend, die Dachlinie stark abfallend.

Premiere: Solid Core Akkus

Solid State-Feststoffbatterien, in denen feste Bestandteile wie Keramik oder Glas an Stelle von (brennbaren) Flüssigkeiten eingesetzt werden, gelten als Goldstandard unter den Akku-Technologien bei E-Autos. Sie sollen bessere Reichweiten, kürzere Ladezeiten und mehr Kilometer bei Kälte bringen, doch bis zu ihrer Serienreife dauert es noch: Was den Massenmarkt betrifft, spricht man von 2030.

In Goodwood preschte MG jetzt als erster Hersteller mit SolidCore-Batterien als Zwischenschritt vor: Die neue manganbasierte Solid-Core-Batterie besteht zu 95 Prozent aus festen und nur zu fünf Prozent aus flüssigen Komponenten.

Sie soll schon im nächsten Jahr in einer neuen Generation von Plug-in-Hybridmodellen eingesetzt werden, erstmals in der Neuauflage des Bestsellers ZS – kombiniert mit Turbo-Benzinmotoren mit 1,1 und 1,5 Liter Hubraum, die vorwiegend als Generator Strom erzeugen und während des rein elektrischen Fahrens vollständig vom Antriebsstrang abgetrennt sind. Was den Wirkungsgrad des E-Antriebs spürbar erhöhen soll.

Bei mittleren Geschwindigkeiten arbeiten Verbrennungs- und E-Motor gemeinsam, wobei der Energiefluss der jeweiligen Fahrsituation entsprechend angepasst wird. Bei höheren Geschwindigkeiten wird der Verbrenner den Hauptantrieb übernehmen. Als weiteren Vorteil erwähnt David Allison, Chef der Produktplanung bei MG, dass es auch bei Kälte keine Reichweitenverluste gibt.

Abschlussfrage an Produktplaner Allison: Das Design der beiden Studien wirkt europäisch. Wieviel Europa steckt eigentlich in Autos von MG? "Wir haben ein Technikzentrum in Longbridge nahe Birmingham. Beim MG4 und Cyberster optimierten wir da das Fahrwerk und die Lenkung für Europa. Und wir machen auch viel Entwicklungsarbeit."