Kawasaki Corleo schräg von vorne mit vier gelenkigen Roboterbeinen, grünen Akzenten und einer Person im Sattel.

EICMA 2026: Was kommt als Nächstes?

Auf der Motorradmesse in Mailand stehen so viele leistbare Modelle wie schon lange nicht mehr. Daneben: etliche chinesische Marken und immer mehr Elektrisches. Wir präsentieren die 10 spannendsten Neuheiten von BMW, CF Moto, Harley, Honda, Moto Guzzi, Piaggio, Suzuki, Ultraviolette, Yamaha und Zero.

Von Alexander Fischer,

Wir legen uns fest: 2027 wird das Jahr der leistbaren Motorräder. Denn noch nie standen derart viele preislich attraktive Motorräder auf den um die Wette strahlenden und beschallenden Messeständen, wie heuer. Es sind Bikes aller Arten, von Sport über Naked bis Cruiser, die vor allem eines eint: Einfache Technik, fesches Design und Hubraumangaben zwischen 400 und 900 Kubik. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel, deswegen finden sich in den folgenden Highlights auch Modelle dies- und jenseits der genannten Bandbreite.

Zwei Beobachtungen noch, bevor es konkret wird:

  1. Chinesische Hersteller drängen auch auf dem europäischen Zweiradmarkt vehement nach vorne, aber die etablierten Hersteller halten mehr als wacker dagegen. Einerseits mit kostengünstigen Modellen, andererseits mit technischer Brillanz. Wir sind schon sehr neugierig, wie sich die zunehmende Angebotsvielfalt in den Verkaufszahlen 2027 zeigen wird.
  2. Der Absatz in Europa legt ordentlich zu, nach einigen schwächeren Jahren wurden heuer in den fünf größten Märkten (Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien) bereits 14,6 Prozent mehr Motorräder zugelassen, als noch 2025. Und in Österreich erreicht der Zweiradbestand heuer die magische Marke von 1 Million Stück. Insgesamt ein schönes Zeichen für die Branche.

1. Harley Davidson Sprint 440

Die kleine Harley ist für viele die Überraschung der diesjährigen EICMA. Optisch ähnelt sie in vielen Details ihren großen Geschwistern, in puncto Technik ist das anders. Angetrieben wird der Cruiser nämlich weder von einem fetten Zweizylinder, noch überträgt ein Riemen die Kraft aufs Hinterrad. Stattdessen liefert ein simpler 440-Kubik-Einzylindermotor 27 PS und 38 Nm Drehmoment. Der Antrieb des 187 kg schweren Cruisers erfolgt per Kette. Preis: ab 6.699 Euro.

Die Sprint ist somit eine vergleichsweise kostengünstige Lösung, mit der Harley vor allem im Einsteigersegment sowie im asiatischen Raum punkten will. Apropos: Die Basis der Sprint stammt von der Harley Davidson X440, die vom indischen Kooperationspartner Hero Moto Corporation bereits für den asiatischen Raum produziert wird.

Wir sind gespannt, ob der neuerliche Versuch, ein massentauglicheres Modell anzubieten, erfolgreich ist. Das letzte diesbezügliche Unterfangen mit der Street 750 Ende der 2010er-Jahre war es nämlich nicht. Bei der Neuen könnte das anders sein. Sie bietet erstaunlich viel Harley-Flair für wenig Geld.

2. Moto Guzzi "The Trip"

Moto Guzzi macht es ähnlich wie Harley Davidson und will 2027 massentauglicher werden. Dafür verzichten sie sogar auf die beiden Guzzi-typischen Merkmale V2 und Kardanantrieb. Stattdessen gibt es einen A2-tauglichen 458-Kubik-Parallelzweizylinder mit knapp 48 PS, der Antrieb erfolgt per Kette. Top: 3 Fahrmodi, 180 Kilo fahrfertig sowie 790 Millimeter Sitzhöhe klingen nach einfachem Handling. Ein Navi mit simpler Richtungsanzeige sowie ein Quickshifter werden optional angeboten.

Der erste Eindruck ist tadellos. Die Trip wirkt anständig verarbeitet, kleine Details wie etwa die Stickereien auf der Sitzbank erfreuen Auge und Herz. Ein endgültiger Preis wurde noch nicht kommuniziert, angesichts der Ausstattung und dem Preisniveau der Konkurrenz wird wohl mit rund 7.000 Euro zu rechnen sein.

3. CFMoto V4 RS-RR

Sie ist vermutlich das spektakulärste und auffälligste Bike eines chinesischen Herstellers auf der diesjährigen EICMA. Wichtig: Nach einigen Vorserienvarianten in den Vorjahren haben wir hier nun das fertige Serienmodell vor uns – und das hat es in sich.

Der 90-Grad-V4 mit 997 Kubik ist komplett in China entwickelt. Er hat eine gegenläufig drehende Kurbelwelle, leistet mehr als 210 PS (rund 154 kW) und dreht bis 15.000 Touren. Das Trockengewicht liegt bei rund 180 Kilo. Auffälligstes Merkmal ist jedoch die aktive Aerodynamik. Die Winglets werden links und rechts getrennt verstellt. Kurz vor dem Bremsen aus 160 km/h sollen sie 20 Prozent mehr Anpressdruck am Vorderrad erzeugen als feste Flügel.

Wie potent das Bike ist, bewies CFMoto im Juni 2026. Da erreichte ein Vorserienmodell eine per GPS gemessene Spitze von 315,82 km/h. Das ist chinesischer Rekord für ein Motorrad mit Verbrennungsmotor. Ob auch der Preis einen neuen Rekord aufstellen wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

4. Honda Africa Twin 1150

Für 2027 ändert sich viel bei Hondas Top-Reiseenduro – optisch und technisch. Vor allem aber gibt es künftig nicht nur eine Africa Twin, sondern gleich drei Varianten der Africa Twin. Aber schön der Reihe nach.

Zunächst die technischen Änderungen: Der neue Jahrgang startet als "CRF1150L" mit 1.131 statt 1.084 Kubik und 119 statt 102 PS. Das Drehmoment steigt von 112 auf 119 Nm. Ein überarbeitetes Chassis und ein zusätzlicher Tankbereich unter der Sitzbank sollen das Handling verbessern.

Wie bereits erwähnt, gibt es künftig drei Varianten: eine normale Africa Twin, eine Africa Twin Adventure Sports und die komplett neue Africa Twin Enduro Sports. Die ersten beiden Varianten erhalten serienmäßig ein semiaktives Fahrwerk mit Skyhook-Regelung; Griffheizung, Scheinwerfer mit Tagfahrlicht und Kurvenlicht sowie einen elektrisch verstellbaren Windschild, für die Adventure Sports gibt's die Option auf Radargesteuerte Assistenzsysteme.

Die geländeorientierte Enduro Sports setzt dagegen auf ein manuell einstellbares Fahrwerk mit längeren Federwegen. Ein 7-Zoll-Touchscreen gehört bei allen drei Modellen zur Ausstattung.

Unverändert bleibt die Wahlmöglichkeit beim Getriebe: Entweder 6-Gang-Schaltgetriebe (optional mit Quickshifter), oder Schalt-Automatik mit Doppelkupplungsgetriebe (DCT). Preise wurden noch keine bekannt gegeben, sie dürften in etwa dem aktuellen Niveau entsprechen – das liegt für die CRF1100L Africa Twin Adventure Sports bei 22.590 Euro.

5. Suzuki SV-7S

Die Suzuki SV-7S folgt auf die legendäre und enorm beliebte SV650, ist ihr in vielen Punkten durchaus ähnlich. Angetrieben wird sie beispielsweise weiterhin vom flüssigkeitsgekühlten 90-Grad-V2 mit 645 Kubik. Der Motor wurde seit 1999 mehr als eine halbe Million Mal gebaut und leistet ca. 73 PS bei 8.500 Touren bzw. 64 Nm bei 6.800 Touren. Außerdem erfüllt er nun die Abgasnorm Euro 5+. Top: Für Fahrer mit A2-Führerschein gibt es eine Version mit 35 kW.

Die größte Neuerung ist sicherlich die Elektronik. Zum Ride-by-Wire-Paket gehören drei Fahrmodi sowie eine dreistufige, abschaltbare Traktionskontrolle. Dazu kommen ein Quickshifter (für beide Richtungen) und ein 4,2-Zoll-TFT-Display inklusive Connectivity-Paket für die Koppelung mit dem eigenen Smartphone.

Wie seinerzeit die SV650 hat auch die SV-7S einen Stahl-Gitterrohrrahmen, macht eine insgesamt gesehen sehr schlanke Figur, die Sitzhöhe liegt bei 785 mm und mit 200 Kilo Eigengewicht (fahrfertig) ist auch nicht sonderlich schwer. Der Preis wird deutlich unter 8.000 Euro liegen.

6. Zero Project Ventura

Eine vollelektrische Supermoto für unter 8.000 Euro hat Zero nach Mailand gebracht. Die Project Ventura ist zwar offiziell noch ein Vorserienmodell, sieht aber schon sehr fertig durchdacht aus und soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2027 auf den Markt kommen. Technisch wird sie als 125er gelten, daher eine Nenndauerleistung von ca. 11 kW haben, die Spitzenleistung hingegen wird bei über 20 kW liegen. Um das Bike schlank, leicht und preislich attraktiv zu halten, ist ein Batterie mit rund 6 kWh verbaut, die via Typ-2-Stecker geladen werden kann.

7. Ultraviolette X-47 Venom

Vom indischen Elektromotorradhersteller Ultraviolette sind wir auch heuer wieder überrascht. Grund dafür ist die X-47 Venom, das erste Modell der Marke, das auf der neuen 100-Volt-Plattform VX-100 basiert. Die Venom kommt mit knapp 10 kW Nenndauerleistung (gilt rechtlich also als 125er), ca. 30 kW Spitzenleistung, sprintet laut Hersteller in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 155 km/h. Die Akkukapazität liegt bei 11 kWh, geladen wird via Typ-2-Stecker. Preis: unter 9.000 Euro

8. Yamaha RW700

Das hat dem Yamaha-Lineup noch gefehlt: ein potenter Adventure-Roller. Der rund 220 Kilo schwere RW700 ist dieses "Missing link" zwischen T-Max und Ténéré. Unter der Abenteuer-Verkleidung arbeitet der bekannte 689-Kubik-Zweizylinder mit 69 PS. Statt Variomatik gibt’s ein automatisiertes Sechsganggetriebe, das auf Wunsch per Lenkerwippe schaltet. Speichenräder, Stollenprofil und Unterfahrschutz zeigen eine gewisse Ernsthaftigkeit für Offroad-Einsätze, ein großes Helmfach und der Tempomat erleichtern den Onroad-Alltag. Österreich-Preise sind noch nicht bekannt.

9. Piaggio Thypoon

So manche österreichische Zweiradseele wird angesichts des Namens womöglich sentimental zu lächeln beginnen. Denn eine Typhoon gab es schon einmal in Österreich, und zwar mit Puch-Logo, das war Ende der 1990er-Jahre. Auf der EICMA zeigt Piaggio nun eine Neuauflage, die mit der Urversion bis auf leichte optische Ähnlichkeiten an der Front wenig gemein hat.

Angetrieben wird die Typhoon von einem luftgekühlten, 11 PS starken Einzylinder-Viertakter mit 124 Kubik. Das Fahrwerk besteht aus einem Stahlrohrrahmen, 14-Zoll-Rädern mit 120/70er-Reifen vorne und hinten, einer Telegabel und einem vierfach verstellbaren Federbein. Gebremst wird über das Verbundbremssystem CBS. Preis: ca. 2.700 Euro

10. BMW F450 RR

Es war klar, dass der im Vorjahr vorgestellte 420er-Reihentwin nicht nur der GS vorbehalten bleibt. Für 2027 kommen gleich zwei neue Modelle – ein Nakedbike und die hier gezeigte Sportvariante RR. Letztere bringt Supersport-Optik in die A2-Klasse, technisch bedeutet das 48 PS und 43 Nm. Fahrfertig wiegt sie nur 177 Kilo. Eine 43-Millimeter-Upside-down-Gabel von KYB und eine Brembo-Vorderradbremse unterstützen bei der Suche nach der Ideallinie, Kurven-ABS, Traktionskontrolle und drei Fahrmodi gibt es noch dazu. Preis: ab 7.250 Euro.