Als Steward agiert Martin Suchý im Hintergrund und trägt zur regelkonformen Wertung von Rennen bei. Seit 30 Jahren ist er im Rennsport tätig, 26 davon als Sportadministrator bei der Austrian Motorsport Federation (kurz: AMF). Der 59-Jährige hat mehrere Steward-Lizenzen in verschiedenen Auto- und Motorradsport-Disziplinen, kennt die Branche aber auch die Regeln wie seine Westentasche.


- Ob bei Motorrad-… © Michael Jurtin
- … oder Formel-1 Rennen: Martin Suchý ist vor Ort. © Privat
- Je nach Diszilplin sind unterschiedlich viele Stewards anwesend. Von einem bei kleineren Veranstaltungen bis zu vier in der Formel-1. © Privat
1. Was ist ein Steward?
So heißen die Schiedsrichter in allen Motorsportdisziplinen außer dem Bahnsport. Ein Steward sollte alles wissen und sehen, selbst aber unsichtbar bleiben.
2. Was zählt zu deinen Aufgaben?
Im Büro bin ich unter anderem für die Einteilung und Weiterbildung der ca. 40 Stewards und zehn Auszubildenden zuständig. Bei Rennen beobachte ich vor Ort alles, denn manche Entscheidungen werden erst nach Rennende getroffen. Wenn beispielsweise Zweifel auftauchen, ob ein Fahrzeug den technischen Vorschriften entspricht, muss es nachträglich genau untersucht werden.
Nach der Publikation des inoffiziellen Ergebnisses beginnt die Protestfrist. Tauchen tatsächlich Vergehen oder Unregelmäßigkeiten auf, besteht eine Anhörungspflicht. Dabei können aufgrund unserer Regelkenntnis vermeintliche oder tatsächliche Regelverstöße überprüft werden. Erst danach fällt die endgültige Entscheidung über das Rennergebnis.

3. Wie bist du Steward geworden?
Früher musste man drei Jahre aktiv Rennen gefahren sein, juristische Kenntnisse besitzen oder fünf Jahre in leitender Funktion in einem Club tätig gewesen sein. Bei mir war es Letzteres – und Zufall: 1996 fragte mich mein Jugendfreund, ob ich am neu eröffneten A1-Ring helfen könnte. Aus dem Nebenjob im Studium wurde mein Beruf.
4. Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Viele. Man muss lösungsorientiert arbeiten können und die Rechtslage kennen. Vor allem aber braucht es Rennsport-Begeisterung und Ausdauer, denn sagen wir es so: Seit 2001 war mein Diensthandy noch nie ausgeschaltet.
5. Was liebst du am meisten an deiner Arbeit?
Generell den Motorsport und das Reisen, denn ich komme an Orte, die kein Tourist sieht.

Tagesablauf Renntag eines Stewards
Ankunft an der Rennstrecke, z.B. Motorrad-Bergrennen.
Administrative Abnahme: Feststellen, wer in welchen Klassen/Kategorien (bis zu 20 Klassen möglich) antritt.
Falls notwendig: organisatorische Beratung der Veranstalter und Unterstützung der Teilnehmer:innen bei fehlenden Dokumenten. Veröffentlichung der Startlisten. Jurysitzung mit allen in leitender Position und Steward-Kollegen. Kontrolle der Sicherheitsanforderungen. Dienst-Ende: Idealerweise nach der Veranstaltung, fallweise auch später.
Zur Person
- Martin Suchý, geb. 1966
- Ausbildung: 1988–1994: Reiseleiter bei Jetcar; Autoverkäufer; 1994–2000: Studium der Geschichte und Geografie.
- Ab 1998: int. Rennleiter-Prüfungen; div. Steward-Lizenzen im Automobil- und Motorrad-Rennsport.
- Beim ÖAMTC seit: 2000, Fachabteilung Motorsport/AMF
- Aufgaben: Organisation und Beobachtung von Rennen vor Ort; Ergebnisse auswerten, Rennstrecken begutachten, Pressearbeit uvm.
- Mehr zu Gelben Engeln hier: oeamtc.at/blog
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