Screenshot aus Forza Horizon 6. Ein silberner Porsche inmitten von Kirschbäumen mit rosa Blüten.

Forza Horizon 6 im Test: Rennen im japanischen Traum

Das lange Warten hat ein Ende: Forza Horizon kehrt nach fast fünf Jahren zurück und entführt diesmal in die Trendurlaubsdestination Japan. Viel Neues bringt es dabei nicht – aber das muss nicht sein, um zu begeistern. Wir haben den beliebten Open World Racer getestet.

Von Verena Schauer,

Die Sonne senkt sich langsam am virtuellen Horizont. Mit viel zu hoher Geschwindigkeit rase ich die Kawazu-Nanadaru-Loop-Brücke hinauf und lasse die Kamera immer wieder über die wunderschöne Aussicht schwenken. Ich könnte mich zu dem nächsten Hauptrennen teleportieren, doch es fühlt sich fast blasphemisch an, nicht auf Erkundungstour zu gehen.

Nach einer halben Stunde Herumfahren über den Highway, quer durchs Gebüsch und schließlich eine Skipiste hinauf erledige ich mehr schlecht als recht ein Event in den verschneiten Bergen. Ich drifte durch Schnee-Kurven, springe Schanzen hinab und werde dabei von einem Flugzeug begleitet. Danach düse ich trotz verrückter Sprünge unversehrt wieder den Berg hinab. Stress oder Leistungsdruck bleiben mir völlig fern.

Das mag eingefleischte Fans möglicherweise verstören, aber für mich hat Forza Horizon 6 ganz klar das Feeling eines Cozy Games – eines Cozy Games für Autoliebhaber.

Wie bei vielen Cozy Games ist der Kaufanreiz eines Nachfolgers nicht etwa eine spannende Story oder ein völlig neu erfundenes System. Es ist die Rückkehr in ein vertrautes Spielgefühl und das gemütliche Erkunden einer optisch umwerfenden Welt – ein wenig Nachhausekommen mit Wow-Effekt.

Abgesehen davon bringt Forza einfach alles, was ein Rennspiel bieten soll. Wir testen, wie sich der neue Teil spielt und warum er trotz weniger Neuheiten ein Star unter den Rennspielen bleibt.

Startbild von Forza Horizon 6.

Factbox

Erscheinungsdatum: 19. Mai 2026

Plattform: Xbox Series, PC, später im Jahr auch PlayStation 5

Preis: € 70–120

Das kann Forza Horizon 6

  • Kampagne/Hauptmodus: Open‑World‑Karriere im Japan‑Setting rund um das Horizon‑Festival mit dem Aufstieg vom Rookie zur Legende.
  • Straßen‑ und Touge‑Rennen: Kopf‑an‑Kopf‑Duelle auf engen Bergpässen und nächtlichen Stadtstrecken mit Fokus auf Fahrtechnik.
  • Klassische Horizon‑Events: Asphalt‑, Dirt‑ und Cross‑Country‑Rennen, Stuntshows und extrem lange Langstreckenrennen wie der neue „Goliath“.
  • Solo‑Challenges: Zeitrennen, Drift‑Prüfungen, Sammel‑ und Skill‑Aufgaben oder Essensauslieferungen als kurze Herausforderungen in der offenen Welt.
  • Multiplayer‑Fun‑Modi: The Eliminator (Battle‑Royale‑Rennen), Hide & Seek und weitere Party‑Formate für lockere Sessions.
  • Kompetitiver Mehrspieler: Online‑Rennen und Spec‑Racing‑Ligen, in denen alle mit identischen Fahrzeug‑Set-ups gegeneinander antreten.

Japan in Forza Horizon 6

Wie spielt es sich?

1. Das Festival

Der Start in Forza Horizon 6 ist im altbekannten Schema. Wir wählen unsere Figur, unser Auto und starten in die Welt. Sofort ist die Rede vom ebenso nicht neuen Horizon Festival, bei dem wir uns im Laufe des Spiels hocharbeiten.

Um Forza Horizon 6 "durchzuspielen", müssen Spieler:innen alle Festival‑Armbänder verdienen. Das geht nicht über eine dramatische Story, sondern die großen Horizon‑Rush‑ und Showcase‑Events. Diese werden nach und nach freigeschalten, indem einfach gemütlich gespielt wird.

Ich fahre also Rennen, löse Blitzer aus, finde Maskottchen, entdecke neue Autos und liefere Essen aus. Die Events sind dabei vielfältig: klassische Straßenrennen auf abgesperrten Strecken ohne Verkehr, "illegale" Straßenrennen auf offenen Straßen mit NPC‑Autos, Dirt‑Rennen auf überwiegend Schotter‑ oder Schlammpisten, Duelle als 1‑gegen‑1 auf engen Bergpassstraßen, Querfeldein‑Rennen komplett im Offroad‑Gelände, Drag-Rennen über kurze, gerade Distanzen sowie Zeitrennen.

Sobald das goldene Armband erreicht wird, wird Legend Island freigeschaltet und Spielende können in Ruhe alles nachholen, was noch fehlt: restliche Rennen, Blitzer und sonstige Herausforderungen.

Im Mittelpunkt steht klar das Gameplay: fahren, sammeln, tunen und entdecken.

2. Großartiges Setting

Das Highlight bei der Horizon-Reihe bleibt die riesige und wunderschön anzusehende Open World. Japan ist als Rennkulisse ideal, und die Map ist auch um 20 bis 25% größer als das virtuelle Mexiko aus Forza Horizon 5.

Dabei geht es natürlich durch riesige Kreuzungen, enge Gassen und eindrucksvolle Brücken in Tokio, aber auch Küstenstraßen, Wald und Schneelandschaften sind dabei. Die wechselnden Jahreszeiten und detaillierten Wetterdarstellung tun ein Übriges und machen Forza Horizon mal wieder zu einem optischen Highlight.

Es bleibt nicht nur bei der Optik: Die Autoauswahl, Musik, Events und das allgemeine Design orientieren sich stark an der japanischen Autokultur.

Das alles lässt sich dank des rein optischen Schadenmodells und den unfassbar vielen Autos auch wunderbar genießen. So konnte ich meinem kindischen Drang nachgehen, einfach Hügel hinunterzuspringen und quer durch Reisfelder zu ballern – also ohne Rücksicht auf Verluste mein gerade gewähltes Fahrzeug zu quälen, um völlig unrealistische Stunts hinzulegen.

Natürlich gibt es die Möglichkeit, direkt zu den Events zu springen. Mir allerdings macht es schon großen Spaß, bewusst den Weg hinzufahren und dabei die Welt zu entdecken (und auch Maskottchen sowie Schilder zu sammeln).

Und: Der Sound ist ein eigener Star. Die Motorengeräusche wurden verbessert, aber auch die Musik ergänzt den Vibe perfekt.

Trackliste Forza Horizon 6

3. Für Kreativköpfe

Rennspiele sind ja gerne mal etwas… trocken. Zwar liefern Arcade-Spiele mehr Spaß und Farbe, bleiben technisch aber oft zurück – nicht so bei Forza Horizon.

Nicht nur, dass das Fahrgefühl für einen Arcade-Racer erstaunlich realistische Elemente mitbringt, auch beim Tuning blüht das Herz jedes Autofans auf. Dort lassen sich Fahrwerk, Getriebe, Motor und Reifen bis ins Detail anpassen, aber auch Optik, Lackierung und Bodykits. Wer tiefer einsteigen will, kann auch eigene Set-ups für unterschiedliche Einsatzzwecke bauen – vom Touge‑Drifter über Offroad‑Monster bis zum Top‑Speed‑Highway‑Auto – und diese anschließend mit der Community teilen oder fremde Tunings ausprobieren. Auch beim Lackieren gibt es umfangreiche Werkzeuge und Designs. Wer die Zeit hat, kann den eigenen Fuhrpark völlig individuell gestalten.

Das kennen wir aber schon aus den alten Spielen. Neu ist hingegen: Spieler:innen können in jedem ihrer Häuser die dazugehörige Garage komplett umbauen. Mit simplen Platzierungs‑Tools werden eigene Showrooms gestaltet, Autos gezielt präsentiert und auf Wunsch sogar Community‑Layouts übernommen. Eine nette Ergänzung, die das kreative Erlebnis zusätzlich abrundet und es ermöglicht, die eigenen Auto-Kunstwerke besser zu präsentieren.

Screenshot aus Forza Horizon 6. Das Hauptmenü.
Wer keine Lust hat, selbst zu designen, kann die eigene Garage auch nach den Ideen anderer pimpen. © Playground Games/Xbox
Screenshot aus Forza Horizon 6. Eine selbst designte Garage mit einem Sakura-Baum darin.
Dabei kann sogar ein Kirschbaum den Sportwagen stilistisch untermalen. © Playground Games/Xbox

4. Erfolgsrezept von Forza Horizon?

Das klingt trotz des Lobs für einige wahrscheinlich nach wenig "Neuheit", vielleicht sogar underwhelming. Und ich gebe es zu: Ich war skeptisch, ob Forza nicht dieselbe Kritik erleiden wird, wie es so manche Teile der Formel 1-Spiele ertragen mussten. Aber Forza wird hochgepriesen, die Stimmen, die nach Neuem schreien, sind noch recht leise. Woran liegt das?

Ohne eine tiefe Analyse anzureißen, würde ich den Kern im schon erwähnten Wunsch nach einer Wiederkehr in Vertrautes verorten, kombiniert mit einem wirklich gelungenen Spielkonzept, das eine breite Masse begeistert, ohne zu generisch zu werden.

Zudem funktionieren die Rennen einfach: Das Fahrgefühl ist angenehm und fordert ohne zu überfordern. Es ist wie immer arcadig, jedoch ein wenig geschliffener als bei Forza Horizon 5, und bei den besonders schnellen Autos liefert Forza puren Fahrspaß.

Außerdem lockt das Spiel mit nie endenden Aktivitäten, extra Challenges und untermalt das ganze Paket mit einer malerischen Location – und all das mit einer immer besseren Qualität. Ein paar kleine Neuheiten gibt es ja dann doch und voilà: ein perfekt abgeschmeckter Arcade-Racer, der wieder einige Jahre unterhält.

Nichtsdestotrotz befürchte ich, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Kaum ein Konzept funktioniert für immer, und auch bei Forza wird irgendwann ein kreativer Schub nötig sein. Aber wer die Vorgänger geliebt hat, wird sich auch in dieser neuen Ausgabe kaum langweilen. Zumindest ging es mir so.

Fazit

Forza Horizon 6 bleibt sich selbst treu, ohne eintönig zu werden. Japan ist der Traum, und die riesige Fahrzeugauswahl, die scheinbar nie endenden Aktivitäten und ein lockeres und trotzdem unterhaltendes Fahrgefühl machen den neuen Teil der Reihe wieder zu einen richtig feinen Arcade-Racer, der fast keine Wünsche offen lässt.

Ja, teils wirkt das Game fast zu einfach und ja, Neues gibt es nicht viel. Aber nicht jeder Nachfolger muss das Rad neu erfinden, und wenn das Ding perfekt fährt, braucht es keine exotischen Ergänzungen, um Spaß zu machen.

Einziges Manko für mich: Ich bin ein Story-Fan, und Forza liefert auf diesem Sektor wenig bis gar nichts. Das Festival ist mehr ein fixer Ablauf als eine spannende Geschichte, und die Tagesausflüge bleiben ebenso nur kurze Exkursionen, die nicht viel mehr tun, als durch Japan zu führen. Für mich ist die Map ganz ehrlich zu schön, um nicht alles rauszuholen, was geht.

Trotzdem bleibt Forza Horizon 6 ein würdiger Nachfolger, der stundenlang fesselt und es schafft, die breite Masse weiterhin ans Lenkrad zu locken.

Pros:

  • Wunderschöne Open World 
  • Schnelles Erfolgserlebnis
  • Kein Stress
  • Zugänglich für Neulinge
  • Riesige Fahrzeugauswahl
  • Sehr viel zu machen/sehr vielfältige Rennen
  • Sehr passende Musik und verbesserter Sound 

Cons:

  • Teils fast zu einfach
  • Autos werden zu leicht verdient
  • Keine Story
  • Dialoge etwas cringe
  • Wenig Neuheiten
Screenshot aus Forza Horizon 6. Man sieht die japanische Landschaft, mit Hochhäusern im Hintergrund.
© Playground Games/Xbox