Calvià Mallorca

Calvià: vom Party-Hotspot zur Familienregion

Calvià im Südwesten Mallorcas arbeitet intensiv an einem neuen Image als nachhaltige, familienfreundliche Urlaubsdestination. Journalistin Andrea Lehky hat sich angesehen, was bereits erneuert wurde und welche Projekte noch in Planung sind.

Wer Calvià hört, denkt an Party. Schließlich liegt der Ballermann in Palma de Mallorca nur 20 km entfernt. Doch Calvià erfindet sich gerade neu. Der Touristenhotspot Magaluf wird familienfreundlich, ein "Kulturdreieck" macht Archäologie begreifbar, dazu herrliche Wanderungen, tolle Gastronomie, Strände, so schön, dass sie es auf die große Kinoleinwand schafften, und ein glasklares Meer. Für jeden ist etwas dabei.

Magaluf runderneuert

Wer Magaluf kennt, kennt auch die 1.600 Meter lange Strandpromenade. Die wurde in zweijähriger Bauzeit runderneuert. Schön schaut sie jetzt aus: mit sauberen Platten belegt, einer niedrigen Steinmauer zum Sitzen, vielen neu gepflanzten Schattenpalmen und hübschen Büschen, die den Sandstrand auch optisch von der Promenade trennen. Die gibt sich nun ausdrücklich jugendfrei. Die Lokale sind dieselben wie zuvor, aber die Musikboxen wummern kindertauglich "nur noch" bis Mitternacht. Danach weichen die Partypeople ans Nordende des Strandes in die Clubs in der zweiten Reihe aus. Dort hört man sie nicht.

1Promenade mit Palmen und Restaurant.
2Blick auf den Strand mit Palmen und das Meer.
3Blick auf den Strand und das Meer.
  • Die neue Strandpromenade lädt zum Bummeln ein: sauber, kindertauglich und von Palmen gesäumt. © Andrea Lehky
  • Blick von der Promenade aufs Meer. © Andrea Lehky
  • Der Sandstrand in seiner 1.600 Meter langen Pracht. © Andrea Lehky

Archäologie in sa Morisca

Ein neues "Kulturdreieck" will auch geschichtlich Interessierte ansprechen. Gleich der erste Dreieckspunkt ist eine richtige Sensation: das historische Gelände Puig de sa Morisca bei Santa Ponça. Es ist nach den maurischen Eroberern (Moros) benannt, doch die waren nicht die ersten: Vor ihnen versuchten die Griechen vergeblich, die Inseln zu unterwerfen. Mehr Erfolg hatten die Römer, die Mauren und zuletzt die Spanier. Praktisch jeder Stein erzählt eine spannende Geschichte, die unser engagierter Guide gern weitergibt. Rund um den für die Region charakteristischen Wachturm finden wir Reste von Häusern aus 1000 v.Chr. aus großen Steinblöcken, gleich daneben Scherben von Tontöpfen, die die Römer 100 n.Chr. mitbrachten und Lavabrocken, die nicht von hier stammen können. Manchmal, erzählt unser Guide, entdeckt er unter den Scherben auch alten Metallschmuck.

Der Name der Inselgruppe, Balearen, leitet sich von altgriechischen bállein ("werfen") ab und bezieht sich auf Wurfschlingen, für deren Fertigung die Frauen hier berühmt waren. Damals waren Wurfschlingen ein Allzweckwerkzeug. Mit ihnen konnte man Schafherden zusammentreiben oder Steine schleudern – Stichwort David und Goliath. Dass Mütter ihren Kindern das Essen im Baum versteckten, damit diese die richtige Wurftechnik übten, erfährt man im modernen archäologischen Zentrum am Geländeeingang (Eintritt frei). Groß und Klein erleben dort Geschichte mit allen Sinnen.

Schalen und Tongefäße
Scherben findet man überall am Gelände. Mit Glück passen sie zu einer Schale oder einem Krug. © Andrea Lehky

Die Kids dürfen mit Wurfschlingen allerlei Goodies aus den Bäumen holen (oder versuchen es zumindest), sortieren Tonscherben, malen prähistorische Wandzeichnungen nach, töpfern und backen Brot wie die Römer. Die Großen verkosten derweil Wein und Tapas nach antiken Rezepten.

Wein und Tapas zum Verkosten aus antiken Zeiten.
Wein und Häppchen nach altrömischen Rezepten schmecken großartig. Nur mit dem Trinken aus den groben Bechern tun sich manche schwer. © Andrea Lehky

Calviá Vila

Der zweite Punkt des Kulturdreiecks ist die Provinzhauptstadt, ein ruhiges Dorf mit 2.500 Einwohnern. So klein Calvià Vila ist, es besitzt eine sehenswerte stolze Kathedrale (derzeit nur montags geöffnet) mit wunderschön begrüntem Innenhof und 300 Jahre altem Olivenbaum. Im Café am Hauptplatz ist es herrlich ruhig. Die einzigen Touristen außer uns sind vorbeiziehende Rad- und Rennradfahrer.

1Kathedrale in Calvia.
2Innenhof
3Rennfahrer in der Altstadt.
  • Die außen wie innen wunderschöne Kathedrale liegt auf einem Hügel mitten in der Stadt. © Andrea Lehky
  • Grüne Oase im Innenhof der Kathedrale. © Andrea Lehky
  • Außer ein paar Radfahrern gab’s über Pfingsten keine Touristen. © Andrea Lehky

Künstlerdorf Punta de sa Torrenova

Geheimtipp: Derzeit sieht man in Punta de sa Torrenova, dem dritten Punkt des Kulturdreiecks gleich nördlich von Magaluf, nur einen verfallenen Wachturm. In den nächsten drei Jahren sollen auf dem riesigen, überwucherten Areal Wanderpfade, eine Künstlerresidenz und ein Besucherzentrum entstehen. Der Ausblick von den Klippen auf die vorgelagerten Inseln, Schutzgebiet für Vögel und Oktopusse, ist schlichtweg sensationell.

Überreste, ein Wachturm
In ein paar Jahren wird dieser Turm ein Besucherzentrum beherbergen. © Andrea Lehky

Moviepfad

Eine neue Filmroute "Plató del Cine" zeigt Drehorte auch internationaler Filme und Serien an Stränden, die zum Niederknien schön sind. Markierungen aus Metall und QR-Codes liefern unterwegs Informationen zu den jeweiligen Produktionen.

Natur und Kulinarik

Die Finca Galatzó liegt am Fuß des gleichnamigen höchsten Berges der Insel mitten in einem Naturschutz- und Wandergebiet. Flora und Fauna sind hier König. Wer zwischen Steineichen, Olivenbäumen und Kiefern wandert, dem zeigen sich gelegentlich seltene maurische Schildkröten – uns leider nicht (berühren verboten!). Die Finca gehört der Provinzverwaltung, bietet Wanderern eine Herberge (vorreservieren!) und behinderten Menschen Beschäftigung. An dieser Stelle ein Hinweis: Finanziert werden alle diese Projekte aus der Nachhaltigkeitsabgabe, die jeder Tourist mit seiner Hotelrechnung bezahlt. Das Geld ist gut angelegt!

Wer statt Natur lieber Kulinarik genießt, findet sie gleich nebenan im Castell Son Claret, heute ein exklusives Luxushotel in Privatbesitz und mit hervorragender Küche. Richtig feines Essen gibt es an der Promenade auch im Oceans Restaurant und im El Chaval Beach Club sowie in Porto Adriano im La Oca.

Gaspacco mit Lavendel
Das köstliche Gazpacho ist genau richtig bei der Hitze. © Andrea Lehky

Ab ins Meer

Nach so vielen Ausflügen haben wir uns einen Bootstrip verdient. Er startet in Port Adriano. Wir gleiten die Küste entlang bis zu den kleinen Illes Malgrats. In einer Bucht dürfen wir ins Wasser hüpfen. Das ist kristallklar (Wassergras und konsequentem Recycling sei Dank) und gar nicht kalt. Spätestens hier verfällt jeder in ein entspanntes Mallorca-Feeling – abseits allen Trubels.

ein paar Personen schwimmen in einer bucht im meer.
Vom Boot aus direkt ins kristallklare Meer hüpfen: So lässt es sich leben! © Andrea Lehky

Information & Buchung

Info & Buchung: Hotline 01 711 99 34000 oder im nächsten ÖAMTC-Reisebüro,  www.oeamtc.at/reisen

Fährverbindungen in Nord- & Südeuropa: www.oeamtc.at/faehren

Mietwagen: www.oeamtc.at/mietwagen

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