Portrait Markus Heingärtner

Kurzparkzonen im Datencheck

Mehr als 1,2 Millionen Menschen parken in Österreich bereits per App. Wie Städte die dahinterliegenden Daten nutzen und warum steigende Preise das Verhalten nicht unbegrenzt verändern, erklärt EasyPark Geschäftsführer Markus Heingärtner im Interview.

Von Stephan Höckner,

Mit der EasyPark-App können Parkvorgänge im Auftrag von Gemeinden in 21 Ländern per Handy gestartet und bezahlt werden. Welche Kennzahlen und Statistiken interessieren die Städte rund um die Parkraumbewirtschaftung ganz besonders?

Das ist je nach Stadt unterschiedlich. Zentral ist aber oft schon die Grundfrage: Wie viele Stellplätze gibt es überhaupt, wo liegen sie und wie werden sie genutzt? Viele Städte haben darüber kein vollständiges Bild. Dazu kommen Kennzahlen wie Parkdauer, Auslastung und vor allem der Parkdruck – also die Frage, wie viele Menschen einen Parkplatz suchen und wie schwierig das Finden tatsächlich ist.

Und diese Daten können Sie liefern?

Ja. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Datenquellen und visualisieren das Gesamtbild in einem Dashboard, auf das jede Stadt online zugreifen kann. So wird sichtbar, welche Zonen es gibt, wie Flächen genutzt werden und wo der Parkdruck besonders hoch ist.

Vermutlich ergeben sich dabei durchaus spannende Muster je nach Wochentag und Uhrzeit.

Genau. Der Samstag sieht anders aus als der Montag, die Mittagszeit anders als der Abend. Wir können diese Unterschiede auf Stunden- und Tagesbasis modellieren. Ziel ist letztlich, besser zu verstehen, wo sich Suchverkehr bildet – und wie man ihn reduzieren kann.

Oft wird Parkraumbewirtschaftung als verkehrslenkende Maßnahme verkauft. Durch die Einführung von Gebühren soll die Individualmobilität im städtischen Raum reduziert werden. Geht diese Rechnung tatsächlich auf?

Tendenziell ja, aber nicht immer in weitreichender Form. Was man häufig sieht: Wenn Parken teurer wird, verkürzt sich die durchschnittliche Parkdauer. Der Umschlag steigt also. Das ist vor allem für den städtischen Handel relevant, weil dann nicht dieselben Fahrzeuge den ganzen Tag dieselben Plätze blockieren und Menschen, die zum Einkaufen in die Stadt fahren, leichter Parkplätze finden.

Wenn Parken teurer wird, verkürzt sich die durchschnittliche Parkdauer.
Markus Heingärtner, EasyPark Österreich

Die Parkraumbewirtschaftung sorgt also eher für kürzere Standzeiten als für mehr Parkplätze für Anrainer?

Genau. Preise allein verändern Verhalten nicht unbegrenzt stark. Aber Gebühren kombiniert mit klaren Regeln zur maximalen Parkdauer haben durchaus eine lenkende Wirkung. Wichtig ist für viele Städte zu verstehen, wo Ausweichverkehr entsteht. Denn wenn sie in einem Bereich Parkgebühren einführen, verlagert sich der Druck meistens in angrenzende Gebiete. Städte wollen daher häufig zuerst wissen, wo sie Zonen erweitern oder nachschärfen sollten.

Gibt es Daten, die Kommunen in Diskussionen besonders überraschen?

Ja – etwa die Herkunft der Parker. In vielen Städten kommt ein beträchtlicher Teil der Autos nicht aus der Stadt selbst, sondern aus dem Umland. Das ist politisch relevant, weil Debatten über Parkgebühren oft sehr stark aus der Perspektive der eigenen Bevölkerung geführt werden, die Lokalpolitiker nicht verärgern wollen. Sie sind aber in vielen Fällen nicht die Hauptbetroffenen.

Auch wenn zusätzliche Kosten zu den reinen Gebühren hinzukommen, nutzen immer mehr Menschen Apps zum Parken. Wie weit ist die Digitalisierung des Parkens in Österreich?

Sehr viel weiter als noch vor einigen Jahren. Der Anteil jener, die per App zahlen, ist deutlich gestiegen. Allein unsere Lösung hat derzeit rund 1,2 Millionen Nutzer:innen in Österreich. Und zu den Kosten: EasyPark bietet in Österreich auch ein monatliches Abo-Modell an, das sich für Vielparker rechnen kann. Alternativ fällt je Parkvorgang ein Serviceentgelt an. Dafür benötigt man keinen physischen Parkschein und muss nicht zum Parkautomaten gehen.

Sie wissen, wo Parkdruck herrscht und Sie haben jede Menge User. Was ist aus Ihrer Sicht der nächste technologische Entwicklungsschritt? Eine Lösung, die User direkt zu freien Parkplätzen führt?

In diese Richtung wird es gehen. Wir arbeiten an der Verbindung von Navigation, Parkwahrscheinlichkeit und Bezahlung. Wir wollen den Nutzer auf der Anfahrt dorthin lotsen, wo die Chance auf einen freien Platz hoch ist. Zudem sollen Parken und Bezahlen noch bequemer direkt im Fahrzeug nutzbar werden, etwa über CarPlay, Android Auto oder eine Integration direkt in die Software der Fahrzeuge.

Sehen Sie auch die Chance auf ökologische Vorteile so einer Weiterentwicklung?

Ja. Der große Hebel liegt darin, den Suchverkehr zu reduzieren. Wenn Autofahrer:innen lange kreisen müssen, bis sie einen Stellplatz finden, ist das für Anrainer unangenehm und für die Umwelt schlecht. Sie direkt zu Parkplätzen zu lotsen, spart Zeit, Nerven und im Idealfall auch Verkehr in den Innenstädten.

Wie interessiert sind Städte an solchen Lösungen? Arbeiten sie sehr intensiv mit den zur Verfügung stehenden Daten?

Mein Eindruck ist ganz klar: ja. Das Interesse an Dashboards und datenbasierten Entscheidungen ist gestiegen. Je höher der digitale Anteil beim Parken wird, desto aussagekräftiger werden natürlich auch die Muster, die man daraus ableiten kann.

Trauen Sie sich eine Prognose zu, wo das Thema in fünf Jahren stehen wird?

Ich erwarte noch deutlich mehr Automatisierung. Parken wird digitaler, stärker ins Auto integriert und im Hintergrund ablaufen. Für Nutzerinnen und Nutzer soll es vor allem einfacher werden.

EasyPark Dashboard
Dashboards von EasyPark bieten Städten Einblicke zu Parkdruck und Auslastung der Kurzparkzonen.  © Arrive

Zur Person

Markus Heingärtner ist Geschäftsführer von EasyPark Österreich. Das Unternehmen, das zur schwedischen Arrive-Gruppe gehört, betreibt eine Smartphone-App, mit der Autofahrer:innen Parkgebühren digital starten, stoppen, verlängern und bezahlen können, ohne Parkscheinautomat oder Kleingeld zu benötigen. Gleichzeitig stellt das Unternehmen Städten, Parkraumbetreibern und Unternehmen digitale Lösungen und Parkdaten zur Verfügung.