Eugen Netschiporuk mit seinem Nissan Nissan 350 Z.  Das Auto ist Neongrün und Neonpink, mit schwarzer Farbe in der Mitte. Darauf ist auch ein gamescom-Aufdruck zu sehen. Eugen trägt ein RC Drift Shirt, er hat einen längeren dichten Bart und die Haare hochgebunden.

Driften im Verhältnis 1:10

Nur quer bist du wer – dieses Motto gilt bei den RC-Drift-Fahrer:innen. Wir sprachen auf der gamescom mit dem Drifter Eugen Netschiporuk darüber, wie solche Autos gebaut werden und was den Modellautosport ausmacht.

Von Verena Schauer,

Kontrolliertes Driften mit ferngesteuerten Modellautos – klingt nach Spielzeug. Dabei gibt es hier eine richtige Community, die Autos sind oft mehrere Hundert Euro wert, und es finden sogar Wettbewerbe statt. RC Drift ist eine etablierte Modellautosport-Kategorie.

Auf der gamescom präsentieren sich die Drifter im großen Stil. Eugen Netschiporuk gibt einen Einblick in seine "kleine" Autowelt.

Was ist RC Drift genau?

Wir driften mit Modellautos im Maßstab 1:10. Ziel ist es, das Auto konstant querzufahren – also das, was man im Rennsport eigentlich sonst nicht möchte (lacht). Die hinteren Räder drehen dabei die ganze Zeit durch. Das ist ein unkontrollierter Zustand, den wir kontrolliert aussehen lassen. Der Antrieb ist in erster Linie elektrisch: Es gibt einen Akku, einen Motor, einen Regler und einen Servo für die Lenkung.

Wie realistisch sind die Autos verglichen mit echten Autos?

Der Antrieb ist nicht wie bei echten Autos, da er elektrisch ist, aber das Fahrwerk ist sehr realistisch. Auch optisch kommen wir an die Originale gut ran.

Wie bildet ihr das Fahrverhalten nach?

Die Autos sind rein heckangetrieben, wie normale Driftautos. Wir haben auch eine Bremse an der Hinterachse, so können wir den Effekt der Handbremse simulieren. Wir können sogar den Clutch-Kick, also die Technik, um ein starkes Überdrehen der Hinterachse auszulösen, nachstellen.

Warum Elektroantrieb?

Ein Verbrennermotor hat nicht die passende Reaktionszeit. Ein Elektroantrieb reagiert direkter, so können wir die Fahrzeuge besser kontrollieren.

Wie baut man diese Autos zusammen?

Es gibt Modellbausätze, also fertige Drift-Chassis, zu kaufen. Die erfahrenen Fahrer:innen arbeiten aber meistens mit Bausätzen. Da kommt alles in Einzelteilen, mit allen Schrauben etc. und einer Anleitung. Ich selbst habe auch ein Chassis ohne Anleitung, da muss man schon wissen, was man tut.

Aber grundsätzlich braucht man das Chassis, dann besorgt man sich die Elektronik, befüllt die Stoßdämpfer mit Öl, stellt alles ein und besorgt sich eine Fernbedienung. Oben drauf kommt dann noch die Karosserie, und schon kann man driften.

Und wie lange dauert der Zusammenbau?

Das kommt natürlich auf die Erfahrung an. Aber bei einem Einsteiger Kit wie meinem ReveD RDX hier braucht man ungefähr einen Vormittag. Das ist nicht so schwierig.

Was kostet alles zusammen?

Das nackte Chassis ohne Elektronik liegt aktuell bei ca. 250 Euro – das sind die ganze Achsaufhängung, die Stoßdämpfer und die ganze Lenkgeometrie. Einsteigerfreundliche Elektronik sind nochmal 200 Euro, etwa für Servo, Motor und Regler. Auch der Gyro – das ist ein elektronischer Kreiselstabilisator, der das Fahrzeug bei Schleudern oder unkontrollierten Lenkbewegungen automatisch stabilisiert. Und dann kommen noch die Fernbedienung und die Karosserie dazu. Also mit allem Drum und Dran sind für ein vollständiges RC-Drift-Auto schon 600 bis 800 Euro nötig, um etwa hier auf der gamescom bei uns mitfahren zu können.

Mit allem Drum und Dran sind für ein vollständiges RC-Drift-Auto 600 bis 800 Euro nötig.
Eugen Netschiporuk, RC-Drift-Fahrer

Dein Auto, das du zur Messe mitgebracht hast – ist das ein konkretes Modell?

Die Karosserie ist ein Nissan 350 Z, das für mich schönste Auto überhaupt. Aber die Ähnlichkeit ist rein optisch. Die Lackierung habe ich vor zwei Jahren für die gamescom gemacht. Es ist aber bis heute mein absoluter Liebling.

Wie viele Drift-Autos hast du?

Karosserien habe ich um die 50, Chassis zwei.

Alle Autos hier sind sehr individuell. Der Sport ist also auch kreativ, oder?

Ja, absolut. Die Karosserie kauft man komplett durchsichtig. Wir lackieren die Autos selbst, bekleben sie selbst, schneiden aus, passen an und bauen auch Scheinwerfer ein. Das steht im krassen Gegensatz zu den Rennautos, denn die müssen sehr rustikal bleiben.

Wieso ist das bei Rennautos anders?

Da geht es mehr darum, die Autos auf der Strecke schnell zu erkennen, als um liebevolle Details. Aufwendige Designs oder auch Seitenspiegel sowie Scheibenwischer baut man in Rennautos nicht ein, weil da sehr oft was kaputt wird. Das passiert bei uns eigentlich nie, da Berührungen ein No-Go sind.

Seit wann gibt es die Community?

Seit 2010 ungefähr.

Und wie hat das begonnen?

Relativ simpel. Es wollten ein paar das Driften in den Modellbau bringen und haben im ersten Anlauf einfach die Differenziale gesperrt, damit die Hinterachse leichter ausbricht. Dann wurden Plastikreifen angebracht und schon sind sie am Parkplatz rumgerutscht. Heute sind wir ca. 1.500 bis 2.500 Leute in Deutschland.

Gibt es Wettbewerbe?

Ja, aber eher wenige. Wettbewerbe im Driften sind auch etwas komplizierter, da es nicht darum geht, wer am schnellsten ist, sondern wer am schönsten driftet. Es treten immer zwei gegeneinander an, einer fährt vor, der andere driftet hinterher. Der Hintermann muss dem Vordermann so gleich wie möglich hinterher driften. Bei einer Berührung oder einem Überholmanöver, verliert er den Lauf.

Machst du auch Wettbewerbe?

Früher mal, aber heute ist mir das zu anstrengend. Das Fahren ist bei Bewerben immer der kleinste Teil. Wir warten hauptsächlich, dass wir dran sind. Dazwischen darf man nicht auf die Strecke. Da macht es mir mehr Spaß, hier zu sein und mit den anderen zu driften.

Hast du einen Tipp für Leute, die mit RC Drift anfangen wollen?

In einen Shop gehen, ein fertiges Chassis bestellen und online in den Communitys nach Treffen fragen. Besonders auf Facebook sind da einige Gruppen. Alleine fahren würde ich nicht empfehlen, weil es zum einen eher langweilig ist und zum anderen braucht man eine Strecke. Auf der Straße funktionieren die Autos nicht so gut.

Du bist ja in Deutschland unterwegs. Gibt es auch Drifter in Österreich?

Ja, ich finde Österreich ist sogar einer der wärmsten Orte zum Driften überhaupt. Ich bin unheimlich gerne dort, besonders die Drift Crew Bodensee sind mega coole Leute.

 Eugen Netschiporuk mit seinem Nissan Nissan 350 Z.  Das Auto ist Neongrün und Neonpink, mit schwarzer Farbe in der Mitte. Darauf ist auch ein gamescom-Aufdruck zu sehen. Eugen trägt ein RC Drift Shirt, er hat einen längeren dichten Bart und die Haare hochgebunden.
© Verena Schauer