Ein grauer DS No7 fährt auf einer Landstraße.

Erste Testfahrt im DS N°7

Mit dem DS N°7 will sich DS Automobiles endgültig im Premiumsegment fest- und durchsetzen. Ob das SUV tatsächlich mit Audi, BMW und Co. konkurrieren kann, zeigt eine erste Testfahrt.

Von Jakob Stantejsky,

Die Ambitionen sind groß und die Fahrzeuge spiegeln das auch wider – doch die Zahlen wollen bisher noch nicht so recht mitmachen. Zumindest hierzulande. Während DS sich seit seiner Wiederauferstehung vor gut zehn Jahren daheim in Frankreich ganz ordentlich etablieren konnte, tut man sich in Österreich vor allem mit der Konkurrenz aus Süddeutschland schwer. Ein Schicksal, das schon vielen Marken mit gehobenen Ansprüchen widerfahren ist. Schlag nach bei Infiniti und Co. Doch mit dem 2025 präsentierten DS N°8 und der zweiten Generation des DS 7, die ab sofort eben DS N°7 heißt, soll sich das ändern. Das Erfolgsrezept: Mehr Mut zur Extravaganz, ohne abgehoben daherzukommen – und jede Menge Premium-Technik zu einem vernünftigen Preis.

Wie viel Luxus bietet der DS N°7?

Halbe Sachen stehen beim DS N°7 eigentlich nicht auf der Agenda. Nicht umsonst gibt es auch von der neuen Generation wieder eine eigens für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron angefertigte Version namens Élysée. Die hat mit ihrem verlängerten Radstand und der Panzerung freilich nicht mehr allzu viel mit dem Standardmodell gemein. Doch auch das macht etwas her: Das Design ist nochmals expressiver, mutiger und selbstbewusster geworden, der bullige Körperbau mit den harten Kanten – die übrigens den Airflow verbessern und so einen cW-Wert von 0,26 ermöglichen – bringt ein gewisses "l'état, c'est moi"-Flair auf die Straße.

Auch das Cockpit spielt da mit. Vor allem in den höheren Ausstattungsvarianten Étoile und ganz besonders La Première strotzt der DS N°7 nur so vor edlen Materialien (Alcantara, Nappaleder) und hochwertigen Extras (DS Neck Warmer, Focal Electra 3D Hi-Fi-System, digitaler Rückspiegel). Doch auch ganz grundsätzlich versprüht der Innenraum viel "savoir vivre". Er fühlt sich schön luftig an und gibt sich optisch höchst eigenständig – Premium ist hier nicht nur ein Label.

Kann der Antrieb mithalten?

Unter dem feschen Blech stehen im Wesentlichen zwei Antriebe zur Wahl. Doch wenn man sich ehrlich ist, will ein 1,2 Liter kleiner, 145 PS starker Dreizylinderbenziner auch mit Mild-Hybridisierung nicht so recht zu einem stattliche 4,66 Meter langen Premium-SUV passen. Der Motor leistet sich auf unserer Testfahrt zwar keine ganz groben Schnitzer und ist mit einem Normverbrauch von 5,4 Litern durchaus brav. Im Vergleich mit den vollelektrischen E-Tense-Modellen lässt er aber doch einiges an Souveränität zu wünschen übrig.

Die gibt es in drei Versionen: Einmal als Fronttriebler mit 258 PS und 73,7 kWh-Batterie, das Ganze mit etwas mehr Power (281 PS) und größerem Akku (92,7 kWh) und zu guter Letzt auch noch als Allradler mit 375 Pferdestärken. Letzterer macht mit einem Sprintwert von 5,4 Sekunden und 509 Nm Drehmoment richtig Dampf, opfert dafür aber etwas Reichweite. 679 km bei der Topversion stehen 740 km beim Long Range-Modell und 543 bei der kleinen Batterie gegenüber. Alle drei Elektriker schaffen 190 km/h – in dieser Kategorie geht der Hybrid mit 201 km/h Spitze übrigens als Sieger vom Platz.

DS verspricht übrigens 480 km reine Autobahnreichweite – und das nicht bei vorsichtigen 100 km/h, sondern bei echten 130 km/h. In einem Praxistest hat der DS N°7 laut den Entwicklern die Strecke Paris-Montpellier (ca. 750 km) jedenfalls mit nur einem Stopp geschafft. Die Ladeleistung ist mit 160 kW zwar nicht gigantisch, der DS N°7 soll aber dank flacher Ladekurve trotzdem in zehn Minuten Strom für 200 km saugen können. Von 20 auf 80 Prozent geht es in 27 Minuten, versprechen die Franzosen.

Ein grauer DS No7 fährt auf einer Bergstraße, von hinten fotografiert.
© DS Automobiles/Stellantis

(Fahr-)Komfort unter der Lupe

Der DS N°7 überzeugt bei seinem ersten Outing mit erstklassigem Abrollkomfort, den er auch der DS-eigenen Active Scan Suspension verdankt. Das System scannt laufend den Untergrund direkt vor dem Auto und stimmt die Federung so bestmöglich auf jede Unebenheit ab. So gleitet man entspannt dahin und vor allem bei den Stromern kommt noch eine herrliche Mühelosigkeit und natürlich die Ruhe des Antriebs hinzu. Bei einem Auto wie diesem nicht wirklich wichtig, aber dennoch schön zu sehen: Legt man es einmal doch zackiger an, spielt der DS N°7 auch bei flotter Kurvenfahrt gut mit, die Kraftentwicklung ist bei den E-Tense-Versionen ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Das trägt zum Premiumfeeling bei.

An das Lenkrad mit den vier diagonal stehenden Speichen muss man sich übrigens erst gewöhnen. Gerade wenn man ganz vorbildlich auf "10 nach 2" greifen will, stören die beiden oberen Streben ein wenig. Ebenfalls nicht allererste Klasse: Das Infotainmentsystem braucht für Wechsel zwischen Navi und Menüs oft relativ lang und präsentiert sich dabei ein wenig ruckelig. Dafür gibt es aber reichlich Platz und Ablagen im Cockpit: Die USB-C-Stecker finden wir erst nach längerer Suche in einem weiteren großen Fach unter der Mittelkonsole, das wir dort gar nicht mehr vermutet hätten.

Rücken wir eine Reihe weiter nach hinten, ist leider nicht alles eitel Sonnenschein. Und das, obwohl die Hinterfenster im Vergleich zum DS7 um 30 Prozent größer sind und sich der Fond somit deutlich luftiger anfühlt. Auch Kopf- und Kniefreiheit präsentieren sich sehr ordentlich, leider ist die Schenkelauflage hinten aber etwas kurz geraten. Herr Macron sitzt im DS N°7 Élysée dank Umbauten sicher deutlich besser. Sehr gut ist aber der 560 Liter große Kofferraum (bis zu 1.570 Liter) samt doppeltem Boden und im Verhältnis 40:20:40 umlegbarer Rückbank.

1Ein grauer DS No7 fährt auf einer Bergstraße.
2Ein grüner DS No7 steht vor einem gelben Haus.
3Ein grüner DS No7 steht vor einem gelben Haus.
  •   Kräftig - Besonders als vollelektrischer E-Tense macht der DS N°7 einen souveränen Eindruck. © DS Automobiles/Stellantis
  •   Massig - Mit der imposanten Silhouette schindet er fleißig Eindruck. © DS Automobiles/Stellantis
  •   Kantig - Auch das Heck zeigt sich äußerst selbstbewusst. © DS Automobiles/Stellantis

Marktstart und Preise

Wer Gusto auf Premium aus Frankreich bekommen hat, kann übrigens bereits bestellen. Der offizielle Marktstart ist für Oktober geplant. Der DS N°7 ist übrigens ein echter Europäer, sogar als Vollelektriker. Die Batterien kommen aus Frankreich, die Motoren ebenso. Zusammengebaut wird das Ganze in Italien. Preislich startet der DS N°7 als Hybrid bei 41.900 Euro, die Topversion La Première liegt bei 54.000 Euro. Die grundsätzlich etwas besser ausgestatteten Stromer beginnen bei 51.500 Euro für die kleine und 56.000 Euro für die große Batterie. Die absolute Topversion samt Allrad kostet 70.500 Euro.

Kein Supersonderschnapper, so viel ist klar. Aber das will der DS N°7 auch gar nicht sein. Denn zu einem echten Premiumerlebnis gehört eben auch ein gewisser Preis. Aber im Vergleich zu Audi, BMW und Mercedes steigt der DS N°7 zweifellos gut aus. So viel Luxus wie bei DS bekommt man dort zwar auch – und auf Wunsch auch noch mehr – aber dafür werden in Bayern und Baden-Württemberg ganz andere Preise verrechnet.