Kirby ist neben Toadette mein absoluter Lieblingscharakter aus dem Nintendo-Universum. Alle, die mich kennen, denken sich jetzt nur: Eh klar. Alles, was rosa, knuddelig und klein ist (noch besser: glitzert), übt eine lächerlich effektive Faszination auf mich aus. Entsprechend gehypt war ich auf Kirby Air Riders.
Auf den ersten Blick präsentiert sich das Spiel wie eine Kopie von Mario Kart, nur dass wir endlich Kirby mit an Bord haben. Doch der Eindruck täuscht. Kirby mag zwar ein Arcade-Racer mit Fantasiestrecken und Cartoon-Figuren sein, hat allerdings in Sachen Gameplay recht wenig mit dem Bestseller Mario Kart zu tun. Eigentlich ist das nicht überraschend, da der Schöpfer des Spiels, Masahiro Sakurai, auch das Mastermind hinter Super Smash Bros. ist – einem Kampfspiel, das einen ganz anderen Vibe hat.
Kirby Air Riders fühlt sich tatsächlich wie Super Smash Bros. auf Rädern an: chaotische Action, Spezialattacken und kurze, intensive Runden. Aber kann das Game mit dem Klassiker mithalten? Wir haben uns in die Rennwelt von Kirby geworfen und es herausgefunden.
Factbox
Erscheinungsdatum: 20. November 2025
Plattform: Switch 2
Preis: € 40–65,99
Das kann Kirby Air Riders
- Air Ride: Klassische Kirby-Rennen auf verschiedenen Strecken mit unterschiedlichen Gleitern und simplen Boost-/Angriffsmechaniken.
- Top Ride: Rennen aus der Vogelperspektive auf kleinen, chaotischen Kursen im Arcade‑Stil.
- City Trial: Zeitbegrenzte Erkundung einer offenen Stadt, Gleiter tunen, Power‑ups sammeln und danach in ein zufälliges Abschluss‑Event starten.
- Battle‑/Stadtevents: Arena‑Kämpfe, Weitflug‑, Zerstörungs‑ oder Fress‑Challenges als Finale nach City Trial.
- Freischaltsystem: Neue Gleiter, Charaktere, Karten und Events werden durch Erfolge in den verschiedenen Modi freigespielt.
- Mehrspieler: Lokaler und Online‑Multiplayer für Rennen, City Trial und Battles, optimiert auf chaotische Vier‑Spieler‑Runden.
1. Lange Eingewöhnungsphase
Meine Erwartungshaltung beim Start war, um ehrlich zu sein, eine recht überhebliche: Das kann ich sicher mit links. Noch war ich gedanklich halb bei anderen Arcade-Racern von Nintendo oder Sega, die mich alle nicht sonderlich aus der Ruhe gebracht haben. Bei diesen Spielen sind nach wenigen Minuten die Regeln erlernt, und danach geht es nur noch darum, wer am meisten Spielerfahrungen hat oder die Strecken kennt.
Gut, die Regel gilt auch bei Kirby Air Riders, allerdings ist das Gameplay hier deutlich komplexer. Der Abstecher in die virtuelle Fahrschule, die sämtliche Techniken sowie Attacken erklärt, ist ein Muss, um hier den Anschluss nicht zu verlieren.
Das macht den Racer zu einer deutlich größeren Herausforderung als die Konkurrenz. Ein starker Vorteil für Single-Player, da es deutlich länger beschäftigt. Leider aber eher ein Nachteil für diejenigen, die sich ein neues Party-Game erhofft hatten. Wer Kirby Air Riders mit Freunden testen will, sollte sich auf eine lange Erklär- und Testzeit einstellen – ähnlich wie bei einem neuen Brettspiel.
2. Vielfältig und bunt
Wie üblich werden, je länger man spielt, Schritt für Schritt Charaktere, Strecken und Fahrzeuge freigeschaltet. Es gibt insgesamt 18 Strecken im Air Ride plus 9 weitere im Top Ride; bei den sogenannten Ridern können bis zu 21 Avatare freigeschaltet werden, und bei den Fahrzeugen – den sogenannten Maschinen – sind es sogar 32 Stück.
Hier beweist Kirby Air Riders erstaunliche Vielfalt. Die Maschinen fahren sich alle spürbar unterschiedlich, und auch die Charaktere sorgen mit ihren Spezial-Attacken immer wieder für frischen Wind. Praktisch: Vor den Rennen können die Charaktere mit der gewählten Maschine getestet werden.
Die Strecken sind wunderschön anzusehen und dank einiger Nadelöhr-Kurven nicht leicht zu meistern. Das liegt auch an den kreativen Items, die jedes Rennen zu einem wilden Ritt machen. Von Blitzattacken bis zu Kanonenflügen können die Rider alle möglichen Fähigkeiten aufschnappen und sich so einen Vorteil im Rennen "erboxen".
Hinzu kommen die Rennmodi, die noch mehr Vielfalt ins Game bringen.
3. Die Modi
Kirby Air Riders bietet eine ordentliche Auswahl an Modi, die von klassischen Rennen bis zu Minispielen reicht. Im Air Ride gibt es "klassische" Rennen, im Top Ride racen wir in der Vogelperspektive, und im City Trial finden nach einer wilden Sammeljagd zur Aufbesserung der Maschinen kurzweilige Arenakämpfe statt.
Mit dem Road Trip haben wir sogar einen kleinen Storymodus, der sich mit seinen Levels aus den anderen Modi zusammensetzt. Nach jeder abgeschlossenen Etappe, die auch Boss-Kämpfe enthält, eröffnet sich uns ein weiterer Teil einer verlorenen Erinnerung, die am Ende zu einer ganzen Geschichte wird.
Im Air Ride und Top Ride fühlt sich das Spiel noch am ehesten wie ein Rennspiel an, auch wenn hier schon starke Battle-Elemente inkludiert sind. Der Modus City Trial hat hingegen nichts mehr mit Rennen zu tun. Nach einer langen "Vorbereitungsphase", in der unsere Maschinen auf einem chaotischen Spielfeld mit eingesammelten Power-ups aufgemotzt werden, treten wir in einem zufälligen Bewerb an.
Dieser Modus eignet sich im Gegensatz zu den normalen Rennen tatsächlich als Partyspiel, da hier die Fahrtechniken nicht essenziell sind, um den Sieg zu erringen. Wer das Minispiel versteht und viele Items aufsaugen kann, ist bereit zum Spielen.
4. Schwächen
Wie schon erwähnt, glänzt das Spiel mit einem fordernden Gameplay, und Spieler:innen müssen sich wirklich mit der Fahrtechnik auseinandersetzen, bevor sie sauber ein Rennen fahren können. Was mich allerdings irritiert: Wer ohne Training ins Rennen startet, schafft es trotzdem irgendwie ins Ziel – und das manchmal sogar auf einem recht guten Platz.
Wirklich Spaß macht das aber nicht, denn allein die extreme Geschwindigkeit sorgt bei den ersten Anläufen für Überforderung. Das verwirrte Ins-Ziel-Stolpern war für mich eher frustrierend als unterhaltsam. Der Racer bleibt, abgesehen vom City Trial, zu herausfordernd für schnellen, unkomplizierten Spielspaß. Daher bezweifle ich stark, dass Kirby Air Riders bei einem spontanen Get-together zum Einsatz kommen würde.
Kirby Air Riders ist also ein Skill-basierter Racer, der irgendwie aber auch ein zugängliches Party-Spiel sein möchte – eine Mischung, die es erschwert, bei der breiten Masse Fuß zu fassen.
Erwähnenswert ist außerdem: Der lokale Mehrspieler-Modus mit Splitscreen ist zu gut versteckt. Gleichzeitig komme ich sehr leicht in die Online-Modi sowie in den Modus, der für Mehrspieler:innen mit jeweils eigener Switch 2 gedacht ist. Das ist eine Designentscheidung, die mich etwas irritiert zurückgelassen hat.
Fazit
Kirby Air Riders ist kein richtiges Rennspiel. Aber genau das lässt es hervorstechen – denn ganz ehrlich, wir brauchen kein zweites Mario Kart. Wer Super Smash Bros. mag und gerne ein bisschen Zeit in die Lernphase eines Spiels investiert, findet in Kirby Air Riders ein wirklich cooles, vielfältiges Arcade-Game.
Wer nach einem flotten Partyspiel sucht, ist hier meiner Meinung nach falsch. Dafür verlangen die Rennen zu viel Übung. Aber: Ist die Lernphase mal vorbei, liefert der rosa Fluffball ordentlich Mehrspieler-Spaß. Klar ist, dass Kirby Air Riders deutlich nischiger unterwegs ist als Mario Kart. Um die Frage zu beantworten, ob es gegen Mario Kart besteht: Beim Erfolg sicher nicht, aber in Sachen Kreativität auf jeden Fall.
Zusammengefasst ist Kirby Air Riders ein gelungener Racer mit Battle-Elementen, der optisch überzeugt, eine große Auswahl in allen Aspekten bietet und beim Gameplay mit seiner Mischung aus Renn- und Kampfspiel etwas Einzigartiges präsentiert.
Pros:
- Optisch wunderschön
- Viele Spielmodi
- Viele Strecken, Fahrzeuge und Avatare
- Anspruchsvoll genug für Einzelspieler:innen
- Nach Übung auch gut für Multiplayer geeignet
Cons:
- Kein leichter Einstieg
- Ungeeignet für spontane Partyrunden
- Rennen teils schaffbar, obwohl man schlecht fährt – komischer Schwierigkeitsgrad
- Extrem schnell




