Ein Mädchen angelt von einem Steg weg, im Hintergrund bewaldete Berge.

Angelurlaub mit Biss

Warum sich Fischer bei Petrus bedanken? Er ist ihr Schutzpatron. Meiner Familie und mir war er gleich beim ersten Angelurlaub hold – ein Abenteuer am Putterersee.

Von Lydia Silberknoll,

Die nahen Berge spiegeln sich auf der glatten Oberfläche des Putterersees im steirischen Ennstal. Die langen Karpfenruten liegen auf Rutenhaltern (Banksticks), der Bissanzeiger-Ring leuchtet unübersehbar in ­Neonfarbe. Die Aufregung steigt. "Hier im See gibt's kapitale Karpfen", erzählt Alex. Der Aufsichtsfischer kennt sich aus und unterstützt Gäste dabei, ihre Angelkenntnisse zu vertiefen.

"Ein völliger Anfänger sollte man hier nicht sein, etwas Vorwissen und die passende Ausrüstung sind von Vorteil", meint er, während wir am Ufer sitzen und geduldig auf einen Biss warten.

1Aufnahme von außen vom Gut Puttererseehof hinter einem Baum.
2Ein Mann hockerlt neben Angeln am Seeufer.
3Zwei Karpfenangeln liegen ausgeworfen am Ufer des Putterersees.
  • Das Gut Puttererseehof bietet verschiedene Angebote für Angler:innen und Familien. Auch Jugendkurse stehen im Programm.  © Lydia Silberknoll
  • Fischer Alex begleitet uns am See und gibt wertvolle Tipps. © Lydia Silberknoll
  • Die Karpfenruten sind ausgelegt, der Biss lässt noch auf sich warten. (Die Bissanzeiger fehlen noch.) © Lydia Silberknoll

Eine Familie geht angeln

Ein Angeltrip – noch vor einem Jahr hätte ich darüber nur geschmunzelt. Doch wie so oft kam alles anders: Mein Mann und mein Sohn fanden Gefallen am Fischen und begeisterten auch die Jüngste. Was blieb mir also anderes übrig, als mich ebenfalls dafür zu interessieren?

Über "Abenteuer Fischwasser" wurde ich auf das Landhotel "Gut Puttererseehof" aufmerksam, das auch familienfreundliche Angebote für ­Angler:innen bietet – samt Fischereikarte.

Im nahe gelegenen Putterersee darf man als Gast oder mit Tageskarte von Mitte Mai bis ­Ende Oktober fischen. Dieser 13 Hektar große Moorsee bietet mit Raubfischen wie Hecht, Barsch, Wels, Zander und Friedfischen wie Karpfen, Amur oder Schleie ein hervorragendes Revier.

Petri Heil – viel Glück beim Fischen

Es ist der zweite Tag unseres kurzen Familien-Angelausflugs, und bisher konnte mein Sohn bereits zwei Hechte beim Spinfischen (eine Angeltechnik, mit der man auf Fische abzielt, die oberflächennah stehen) und einen Lederkarpfen fangen. Auch mich packt das Angelfieber, als ich einen circa acht Kilo schweren und 80 cm großen Amur lande. Überrascht hat mich der Kampf, den sich der Fisch mit mir liefert. Danach versuche ich es ebenfalls beim Spinfischen, wobei mir Alex noch einmal das richtige Auswerfen zeigt. "Ehrgeiz macht den guten Angler aus", lacht er. Leider ist den Fischen mein Ehrgeiz egal, und ich fange nichts mehr.

Ein Kind kniet am Holzsteg und hält einen gerade gefangenen Hecht hoch.
Der Sohnemann mit seinem Hecht, der wieder ins Wasser zurückgesetzt wurde. © Lydia Silberknoll
Die Redakteurin und ihre Kinder halten einen Karpfen.
Begeisterung beim Fang des Lederkarpfens.  © Lydia Silberknoll
Die Redakteurin wirft eine Angel aus.
Auch Redakteurin Lydia packte der Ehrgeiz. Leider war das den Fischen egal. © Lydia Silberknoll

Während wir später auf den nächsten Biss an der Karpfenrute warten, fachsimpelt mein Mann mit Alex und profitiert von den Tipps des Profis.

Eine ausgeworfene Angel samt Bissanzeiger liegt am Seeufer.
Warten, dass sich der Bissanzeiger bewegt. © Lydia Silberknoll

Unsere Tochter, bislang ohne Fang, freut sich unterdessen auf ein Eis vom nahe gelegenen Strandcafé. Besonders angenehm an diesem See: Angeln und Schwimmen sind kein Widerspruch. Es gibt für beides eigene Zonen und zusätzlich die Möglichkeit, Boote zu mieten.

Zwei Männer und ein Bub bereiten eine Angel vor.
Fachsimpeln unter Anglern. © Lydia Silberknoll

Ein kapitaler Fang

Als wir gerade zum Lokal aufbrechen wollen, geschieht es. Plötzlich springt mein Neunjähriger aufgeregt auf. Der Bissanzeiger-Ring schnellt hoch. Er läuft zur Angel, schlägt an und fängt an einzuholen. Angelprofi Alex sieht sofort an der Biegung der langen Rute: Der ist groß. Der Fisch kämpft, mein Sohn ebenso, und nach rund 20 Minuten ist es soweit: Der Fisch ist an Land.

Ein Bub angelt am Putterersee, ein Mädchen steht mit einem Kescher daneben.
Der Karpfen liefert sich mit meinem Sohn einen ordentlichen Kampf. Die kleine Schwester steht hilfsbereit zur Seite. © Lydia Silberknoll

Mein Mann und Alex heben den kapitalen Fang vorsichtig aus dem Kescher und legen ihn auf die Abhakmatte, um den Haken zu lösen. Alex hält den 25 Kilo schweren Fisch fürs Foto und schon darf der Karpfen – wie auch unsere anderen Fänge – wieder ins Wasser.

Ein Mann, eine Frau und zwei Kinder halten einen großen Karpfen in die Kamera.
Das Beweisfoto mit dem kapitalen Fang. © Lydia Silberknoll

"Gratuliere! Du hast den größten Fisch im See gefangen", lacht er. Nach diesem erfolgreichen Angelwochenende treten wir zufrieden die Heimreise an. Und eines ist gewiss: Das war ­sicher nicht unser letztes ­Angelabenteuer.

Eine Familie steht mit Angeln und Kescher am Seeufer des Putterersees.
Ein gelungener Familienausflug, weitere Angeltrips werden folgen. © Lydia Silberknoll

Tipps vom Profi:

  • Bei Karpfen und Hecht ist eine 0,4 mm starke Schnur gut, da sich das Vorfach nicht so leicht verheddert, wie bei einer dünneren Schnur.
  • Eine Fluorcarbonschnur ist unter Wasser nicht zu sehen.
  • Beim Karpfen fischen: Nach dem Auswerfen muss die Bremse gelöst werden, da bei einem Biss sonst die Angel ins Wasser gezogen wird.
  • Die Winterzeit nutzt der Prof um seine Fingerfertigkeit zu trainieren und bindet Vorfächer.
  • Leise sein beim Angeln.
  • Unauffällige Kleidung tragen, Brauntöne sind gut. Einige Fische, wie z.B. Hechte, sehen gut.
  • Nicht auslegen, ohne Haken vorher zu montieren, sonst wartet man lange auf einen Biss.
  • Keinen Müll hinterlassen!
  • Auf das Fischwohl achten!
  • Geduld haben und genießen!
Eine Angelkiste mit Inhalt.
Die richtige Ausrüstung ist wichtig. © Lydia Silberknoll

Anglerlatein:

Friedfische: ernähren sich vorwiegend von Pflanzen, im Gegensatz zu Raubfischen.
Landen: Den Fisch sicher aus dem Wasser holen.
Zurücksetzen: Fisch sicher ins Wasser zurückgeben.
Anschlagen: Mit schnellem Ruck Angel hochziehen, um den Fisch zu haken.
Jig: Köder für Raubfische.
Vorfach: Verstärkung der Angelschnur beim Raubfischangeln, damit die Schnur nicht leicht durchgebissen werden kann.

Ein Bub und ein Mann mit roter Kappe setzen einen Fisch in den See.
"Tschüss Karpfi" ruft mein Sohn, als er den Karpfen wieder zurücksetzt. © Lydia Silberknoll

Info-Kasten

Puttererseehof: Landhotel für Familien und Angler:innen. Vielfältige Angebote zum Thema Fischen und Badeurlaub. Die Fischereikarte für den Putterersee ist im Hotel erhältlich. Hier gibt es die Möglichkeit, selbst gefangene Fische zubereiten zu lassen. Plus: Großer Spielplatz, der vom Restaurant gut einsehbar ist.
ww.puttererseehof.at

Plattform "Abenteuer Fischwasser": Tolle Auswahl an anglerfreundlichen Unterkünften in Österreich und Südtirol. Die Unterkünfte beinhalten: Zugang zu Fischwasser, Fischerlizenzen, Trockenräume, Fachkundige Ansprechpartner und vieles mehr. Zudem gibt es auch Zusatzangebote für Fliegenfischer:innen.
www.fischwasser.com