Die nahen Berge spiegeln sich auf der glatten Oberfläche des Putterersees im steirischen Ennstal. Die langen Karpfenruten liegen auf Rutenhaltern (Banksticks), der Bissanzeiger-Ring leuchtet unübersehbar in Neonfarbe. Die Aufregung steigt. "Hier im See gibt's kapitale Karpfen", erzählt Alex. Der Aufsichtsfischer kennt sich aus und unterstützt Gäste dabei, ihre Angelkenntnisse zu vertiefen.
"Ein völliger Anfänger sollte man hier nicht sein, etwas Vorwissen und die passende Ausrüstung sind von Vorteil", meint er, während wir am Ufer sitzen und geduldig auf einen Biss warten.

- Das Gut Puttererseehof bietet verschiedene Angebote für Angler:innen und Familien. Auch Jugendkurse stehen im Programm. © Lydia Silberknoll
- Fischer Alex begleitet uns am See und gibt wertvolle Tipps. © Lydia Silberknoll
- Die Karpfenruten sind ausgelegt, der Biss lässt noch auf sich warten. (Die Bissanzeiger fehlen noch.) © Lydia Silberknoll
Eine Familie geht angeln
Ein Angeltrip – noch vor einem Jahr hätte ich darüber nur geschmunzelt. Doch wie so oft kam alles anders: Mein Mann und mein Sohn fanden Gefallen am Fischen und begeisterten auch die Jüngste. Was blieb mir also anderes übrig, als mich ebenfalls dafür zu interessieren?
Über "Abenteuer Fischwasser" wurde ich auf das Landhotel "Gut Puttererseehof" aufmerksam, das auch familienfreundliche Angebote für Angler:innen bietet – samt Fischereikarte.
Im nahe gelegenen Putterersee darf man als Gast oder mit Tageskarte von Mitte Mai bis Ende Oktober fischen. Dieser 13 Hektar große Moorsee bietet mit Raubfischen wie Hecht, Barsch, Wels, Zander und Friedfischen wie Karpfen, Amur oder Schleie ein hervorragendes Revier.
Petri Heil – viel Glück beim Fischen
Es ist der zweite Tag unseres kurzen Familien-Angelausflugs, und bisher konnte mein Sohn bereits zwei Hechte beim Spinfischen (eine Angeltechnik, mit der man auf Fische abzielt, die oberflächennah stehen) und einen Lederkarpfen fangen. Auch mich packt das Angelfieber, als ich einen circa acht Kilo schweren und 80 cm großen Amur lande. Überrascht hat mich der Kampf, den sich der Fisch mit mir liefert. Danach versuche ich es ebenfalls beim Spinfischen, wobei mir Alex noch einmal das richtige Auswerfen zeigt. "Ehrgeiz macht den guten Angler aus", lacht er. Leider ist den Fischen mein Ehrgeiz egal, und ich fange nichts mehr.

Während wir später auf den nächsten Biss an der Karpfenrute warten, fachsimpelt mein Mann mit Alex und profitiert von den Tipps des Profis.
Unsere Tochter, bislang ohne Fang, freut sich unterdessen auf ein Eis vom nahe gelegenen Strandcafé. Besonders angenehm an diesem See: Angeln und Schwimmen sind kein Widerspruch. Es gibt für beides eigene Zonen und zusätzlich die Möglichkeit, Boote zu mieten.
Ein kapitaler Fang
Als wir gerade zum Lokal aufbrechen wollen, geschieht es. Plötzlich springt mein Neunjähriger aufgeregt auf. Der Bissanzeiger-Ring schnellt hoch. Er läuft zur Angel, schlägt an und fängt an einzuholen. Angelprofi Alex sieht sofort an der Biegung der langen Rute: Der ist groß. Der Fisch kämpft, mein Sohn ebenso, und nach rund 20 Minuten ist es soweit: Der Fisch ist an Land.

Mein Mann und Alex heben den kapitalen Fang vorsichtig aus dem Kescher und legen ihn auf die Abhakmatte, um den Haken zu lösen. Alex hält den 25 Kilo schweren Fisch fürs Foto und schon darf der Karpfen – wie auch unsere anderen Fänge – wieder ins Wasser.

"Gratuliere! Du hast den größten Fisch im See gefangen", lacht er. Nach diesem erfolgreichen Angelwochenende treten wir zufrieden die Heimreise an. Und eines ist gewiss: Das war sicher nicht unser letztes Angelabenteuer.
Tipps vom Profi:
- Bei Karpfen und Hecht ist eine 0,4 mm starke Schnur gut, da sich das Vorfach nicht so leicht verheddert, wie bei einer dünneren Schnur.
- Eine Fluorcarbonschnur ist unter Wasser nicht zu sehen.
- Beim Karpfen fischen: Nach dem Auswerfen muss die Bremse gelöst werden, da bei einem Biss sonst die Angel ins Wasser gezogen wird.
- Die Winterzeit nutzt der Prof um seine Fingerfertigkeit zu trainieren und bindet Vorfächer.
- Leise sein beim Angeln.
- Unauffällige Kleidung tragen, Brauntöne sind gut. Einige Fische, wie z.B. Hechte, sehen gut.
- Nicht auslegen, ohne Haken vorher zu montieren, sonst wartet man lange auf einen Biss.
- Keinen Müll hinterlassen!
- Auf das Fischwohl achten!
- Geduld haben und genießen!
Anglerlatein:
Friedfische: ernähren sich vorwiegend von Pflanzen, im Gegensatz zu Raubfischen.
Landen: Den Fisch sicher aus dem Wasser holen.
Zurücksetzen: Fisch sicher ins Wasser zurückgeben.
Anschlagen: Mit schnellem Ruck Angel hochziehen, um den Fisch zu haken.
Jig: Köder für Raubfische.
Vorfach: Verstärkung der Angelschnur beim Raubfischangeln, damit die Schnur nicht leicht durchgebissen werden kann.

Info-Kasten
Puttererseehof: Landhotel für Familien und Angler:innen. Vielfältige Angebote zum Thema Fischen und Badeurlaub. Die Fischereikarte für den Putterersee ist im Hotel erhältlich. Hier gibt es die Möglichkeit, selbst gefangene Fische zubereiten zu lassen. Plus: Großer Spielplatz, der vom Restaurant gut einsehbar ist.
ww.puttererseehof.at
Plattform "Abenteuer Fischwasser": Tolle Auswahl an anglerfreundlichen Unterkünften in Österreich und Südtirol. Die Unterkünfte beinhalten: Zugang zu Fischwasser, Fischerlizenzen, Trockenräume, Fachkundige Ansprechpartner und vieles mehr. Zudem gibt es auch Zusatzangebote für Fliegenfischer:innen.
www.fischwasser.com


