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Paris 2016: So vage stellt sich Mercedes die Elektro-Zukunft vor. Opel präsentiert ein paar Meter weiter schon den Alltag.

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Paris 2016: So vage stellt sich Mercedes die Elektro-Zukunft vor. Opel präsentiert ein paar Meter weiter schon den Alltag.

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Oktober 2016

Pariser Autosalon 2016

Alle jagen Tesla! Der wichtigste Trend in Paris lautet deshalb: Elektroauto. Die "Premium"-Hersteller setzen unbeholfen auf Strom-Studien, Opel und Renault präsentieren daneben schon Handfestes. Im Überblick: unsere Favoriten, das Beste vom Rest – und die lässigsten Filmautos ever. 

Wichtigste Erkenntnis nach unserem Rundgang durch die eiligen Hallen der französischen Herbstmesse gleich vorweg: Die theoretische Zukunft "Elektroauto" kommt nun langsam, aber sicher in der praktischen Gegenwart an. Die Frage ist nicht, ob wir irgendwann großteils elektrisch fahren werden, sondern nur mehr, wann.

Natürlich, die derzeitigen Probleme für die Massentauglichkeit der Stromer sind hinlänglich bekannt: zu hoher Preis bei immer noch zu wenig Reichweite. Aber was zum Beispiel Opel hier in Paris mit dem Ampera-e, Renault mit einer kräftigen Kilometer-Spritze für den Zoe oder Smart mit einer komplett elektrifizierten Modellpalette präsentieren, ebnet den Weg für die Mobilität aus der Steckdose auch für den so genannten Durchschnittskunden.

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Die Frage ist nicht, ob wir irgendwann großteils elektrisch fahren werden, sondern nur mehr, wann.

Christoph Löger, Redakteur auto touring

Sicher ist: Elektro-Pionier Tesla steht mit brauchbaren Produkten bald nicht mehr allein auf weiter Flur. Wobei mit "brauchbar" gemeint ist: mindestens 300 Kilometer Alltags-Reichweite zu halbwegs leistbaren Preisen. 

Ausgerechnet in diesem Zusammenhang ist das Angebot arrivierter Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz oder VW auf der wichtigsten Messe des Jahres ein erschreckend trauriges: Sie zeigen kryptische Studien mit vagen 500-Kilometer-Versprechungen für das Jahr 2019 oder noch später, während die eingangs genannten "Brot und Butter"-Autos bereits in wenigen Wochen beim Händler stehen werden. Ganz ehrlich: ein peinliches Schauspiel.

Und was gibt es heuer sonst noch zu sehen? Die SUV-Flut wird auf absehbare Zeit wohl weiterhin nicht abebben, das zeigen Škoda Kodiaq und Konsorten. Schön aber, dass mit Citroën C3, Kia Rio und Nissan Micra demnächst drei wirklich tolle Alltagsbegleiter ums kleine Geld auf uns zu rollen. Ausdrücklich empfehlen wollen wir außerdem unser schönes Filmauto-Special am Ende dieses Artikels, das uns vor Ort fürchterlich viel Freude bereitet hat.

Lustwandeln Sie doch gemeinsam mit uns durch die Messe! Los geht's…

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Zwischen realen 296 Kilometern und…
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… süßen Elektro-Träumereien entsteht…
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… die mobile Realität von morgen.

3 Minuten: unser Messe-Rundgang mit…

… auto touring-Redakteur Christian Stich für eilige Leserinnen und Leser.

3 Jahre noch: 400 km in 30 min um 30.000 EUR

Das sind die von uns prognostizierten, aber definitiv realistischen Zahlenspielereien, die auf potenzielle Elektroauto-Kunden mittelfristig zukommen. Derzeit beherrscht (bis auf den Preis) den Trick nur Tesla mit seinem europaweit mittlerweile flächendeckenden "Supercharger"-Netz – es dürfte ab sofort aber Schlag auf Schlag gehen. 

Sehen wir uns die fünf spannendsten Stromer des Pariser Autosalons 2016 doch einmal im Detail an, wobei soviel schon verraten sei: Wo viel Licht, da viel Schatten…  

Exkurs: die neue Renault Alpine

Eigentlich hätte Renault ja versprochen, die Neuauflage der legendären Alpine heuer nach Paris mitzubringen. Wir erinnern uns: leistbarer Sportler im 200-PS-Bereich. Feuchten Auges wurden wir am Renault-Stand dann enttäuscht: Sie war nicht da. Wir haben aber in einer anderen Halle des weitläufigen Messegeländes etwas gefunden, das unsere Tränen flott wieder getrocknet hat: Die non-virtuelle Alpine-Studie für das PlayStation-Spiel "Gran Turismo 6"…

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1 Es fällt uns schwer, angesichts dieses, entschuldigen Sie die Wortwahl, ausnehmend geilen Werkstücks irgendwelche Details für eine künftige Produktion der heiß erwarteten Serien-Alpine erkennen zu können. © markuszahradnik.com

2 Aber ein Hersteller, der vermutlich doch einige gar nicht so günstige Stunden "manpower" in die Realisierung eines Computerspiel-Autos investiert, verdient unsere Hochachtung. Wie sich das Ding virtuell fährt? Das sieht man hier.  © markuszahradnik.com

3 Lob auch deshalb, weil Renault auf ähnliche Weise schon einmal ziemlich mutig war: anno 1995 mit dem wunderbaren Spider nämlich, den man tatsächlich kaufen konnte. Und jetzt bitte her mit der "echten" Alpine – vite, vite! © markuszahradnik.com

Brot & Butter?

Oft vergessen Autohersteller im Zuge der Messen auf jene Kundschaft, welche die Blitzlicht-Zurschaustellung von unleistbaren und nie realisierbaren Zukunftsstudien finanziell erst ermöglichen. Es sind jene Käufer, deren Budget sich im erweiterten 10.000-Euro-Bereich bewegt, die aber mit ihren großen Stückzahlen im Klein- und Kompaktwagen-Segment relevantes Spielgeld für den Hersteller produzieren. 

Daran ist grundsätzlich nichts zu bekritteln, immerhin muss und soll die Entwicklung neuer Technologien vorangetrieben werden – und das passiert logischerweise stets zuerst in der automobilen Oberliga.  

Die Art und Weise, wie diese Besinnung auf das monetäre Rückgrat eines Konzerns kommuniziert wird, gestaltet sich allerdings höchst unterschiedlich. Wer sich im Schauraum von an dieser Stelle nicht näher genannten "Premium"-Marken am günstigsten Modell interessiert zeigt, fühlt sich mitunter als Bittsteller. 

Umso sympathischer, dass es Firmen wie Citroën, Kia oder Nissan gibt, wo dem nicht so ist. Diese drei haben nun nach Paris jeweils eine Neuheit mitgebracht, von denen jede für sich – zumindest, was unser erstes Beschnuppern betrifft – ein absolut großartiges Auto geworden ist. Wir holen vor den Vorhang: die frischesten Generationen von Kia Rio, Citroën C3 und Nissan Micra…

Zum Schluss: Cinema Paradiso

"To the Batmobile!", "Ka-Chow!", und "Michael, in diesem Haus befinden sich drei Personen" sind Zitate, die Ihnen nicht ganz fremd sind? Uns auch nicht. Wir durften in Paris hautnah eine Kollektion all jener Original-Autos begutachten, die tatsächlich während der Dreharbeiten zu den jeweiligen Filmen verwendet wurden. Ein gefundenes Fressen für unseren Fotografen…


3, 2, 1, Film ab…
 

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Fazit

Es hat sich als höchst passend erwiesen, dass ich samt Fotograf Markus und Video-Redakteur Mario diesmal von Wien aus in einem Tesla angereist bin (über unseren Roadtrip werden wir an dieser Stelle übrigens demnächst sehr, sehr ausführlich berichten, Überraschungen nicht ausgeschlossen). Denn: Ich habe allein schon auf dem Weg nach Paris selbst erfahren, dass es im Jahr 2016 kein Problem mehr ist, rein elektrisch lange Strecken (fast) ohne Einbußen im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor zurückzulegen. Im Gegenteil: Ich bin noch nie zuvor so entspannt und entschleunigt an einem knapp 1.400 Kilometer entfernten Ziel angekommen – und zwar zeitgerecht. Wer das nicht schafft, muss den Fehler bei sich suchen, nicht beim Auto oder der Infrastruktur. 

Klar, unser Reisemittel war ein gut im Futter stehendes Model S der letzten Eskalationsstufe P90D, sprich: rund 150.000 Euro mit allem, was die kurze Aufpreisliste hergibt. Aber: Die 350-Kilometer-Etappen zwischen den erstaunlich kurzen Lade-Stopps, bei Autobahn-Tempo gefahren, bleiben nicht mehr lang nur Tesla-Piloten vorbehalten. Mein Messe-Favorit in Paris, der vermutlich etwas mehr als 30.000 Euro teure Opel Ampera-e, in dem ich auf dem Foto sitze, wird das auch schaffen und wohl absolut zu Recht ein "game changer", der die Stromer-Entwicklung nachhaltig beschleunigt. 

Kurzum: Ich lehne mich sehr weit aus dem Fenster und behaupte, dass der Testwagen-Fuhrpark des auto touring spätestens in fünf Jahren zur Hälfte aus E-Autos bestehen wird. Eine Entwicklung, der ich höchst positiv gegenüber stehe. Wohlgemerkt: Das kommt aus dem Mund eines Motorjournalisten, der bis dato einen 6,2-Liter-Kompressor-V8 aus US-Fertigung für das höchste Glück des Unterwegsseins hielt… 

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He's electric: auto touring-Redakteur Christoph Löger.

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