Chery Tiggo 9 und Mercedes-Benz GLC 400 EQ

Zwei Wege, ein Ziel

Wie Chery Tiggo 9 und Mercedes-Benz GLC mit ähnlichem Qualitätsanspruch, aber unterschiedlichen Antriebskonzepten um die Gunst von Familien buhlen.

Von Christian Stich,

China drängt mit einer Welle neuer Marken auf den europäischen Markt und setzt selbst etablierte Premiumhersteller spürbar unter Druck. Der vollelektrische Mercedes GLC 400 EQ trifft etwa auf den Chery Tiggo 9 mit Plug-in-Hybrid: zwei ähnlich große SUV, die klar auf Familien zielen, technisch jedoch völlig unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Mercedes GLC: Vollelektrisches Hightech-Paket

Der GLC inszeniert sich als klassischer Mercedes – klar gezeichnet, ohne gestalterische Experimente. Akzente setzen lediglich der wuchtige und optional beleuchtbare Sternengrill und die durchgehende Lichtsignatur am Heck. Im Innenraum dominiert eine moderne Premium-Anmutung: hochwertige Materialien, eine breite Displaylandschaft bis hin zum Beifahrer und eine insgesamt gut strukturierte, logisch aufgebaute Bedienung.

Trotz der Funktionsfülle bleibt das System leicht bedienbar. Die optionalen Sportsitze sind straff gepolstert, überzeugen aber mit Langstreckenkomfort. Platz ist in beiden Reihen reichlich vorhanden, der Kofferraum praxisgerecht dimensioniert. Zusätzlich bietet der GLC einen Frunk unter der vorderen Haube.

1Mercedes-Benz GLC 400 EQ
2Mercedes-Benz GLC 400 EQ
3Mercedes-Benz GLC 400 EQ
  •  ​​​​​​​Mercedes GLC 400 EQ mit markanter Frontpartie und selbstbewusstem Auftritt. © Sebastian Weissinger
  •  Klare Linien, langer Radstand und dynamische Silhouette. © Sebastian Weissinger
  •  Markante, durchgehende Leuchten prägen die Heckansicht. © Sebastian Weissinger
Mercedes-Benz GLC 400 EQ
​​​​​​​Mercedes-Benz GLC: hochwertiges Cockpit, großflächige Displaylandschaft, klar strukturierter Bedienung. © Sebastian Weissinger
Mercedes-Benz GLC 400 EQ
GLC-Kofferaum: variabel-geräumiger Laderaum mit guter Alltagstauglichkeit. © Sebastian Weissinger
Mercedes-Benz GLC 400 EQ
Die Touchflächen am Lenkrad verlangen präzise Eingaben, das Handling ist mühsam. © Sebastian Weissinger

Mercedes GLC 400 EQ: Power ohne Ende

Angetrieben wird der Mercedes von zwei Elektromotoren mit insgesamt 489 PS Leistung, kombiniert mit einem Zweigang-Getriebe. Das sorgt für souveräne Fahrleistungen sowie effiziente Kraftentfaltung auch bei höheren Geschwindigkeiten. Im Test lag der Verbrauch bei 19,5 kWh/100 km, was einer praxisnahen Reichweite von rund 500 Kilometern entspricht.

Das Fahrwerk zeigt sich klar komfortorientiert, bietet aber ausreichend Präzision und Stabilität – selbst bei zügiger Autobahnfahrt. Herausragend ist die Ladeleistung: Dank der 800-Volt-Technik sind bis zu 330 kW an DC-Schnellladern möglich, beim AC-Laden stehen optional 22 kW zur Verfügung.

Mercedes-Benz GLC 400 EQ
Die automatisch ein- und ausfahrbaren Türgriffe sorgen für eine glatte Seitenansicht. © Sebastian Weissinger
Mercedes-Benz GLC 400 EQ
Verspielte, aber markante Scheinwerfergrafik mit integrierten Stern-Elementen. © Sebastian Weissinger
Mercedes-Benz GLC 400 EQ
Souverän abgestimmt: Komfortables Fahrwerk, präzise Lenkung und spürbare Agilität. © Sebastian Weissinger
Mercedes-Benz GLC 400 EQ technische Daten
© Sebastian Weissinger

Chery Tiggo 9: Chinesischer Plug-in-Hybrid

Nun zum Newcomer: Auch der Tiggo 9 steht wuchtig da: Ein großer Grill, Matrix-LED-Scheinwerfer und ein durchgehendes Leuchtenband am Heck sorgen für ein selbstbewusstes Auftreten. Im Innenraum zeigt er sich solide verarbeitet, mit großem Zentraldisplay und digitalem Cockpit. Die Bedienung ist jedoch weniger intuitiv und verlangt Eingewöhnung. Die weichen Sitze sind komfortabel, bieten aber wenig Seitenhalt.

Die größte Stärke des Tiggo 9 ist sein Raumangebot: Sieben Sitze sind serienmäßig, die dritte Reihe ist jedoch nur für kürzere Strecken brauchbar. Wird er als Fünfsitzer genutzt, überzeugt der Kofferraum, bei voller Bestuhlung schrumpft das Ladevolumen entsprechend. Fahrdynamisch setzt der Chery klar auf Komfort, doch die weiche Abstimmung sorgt bei ­höherem Tempo für spürbares Wanken und ein insgesamt ­wenig präzises Fahrgefühl.

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3Chery Tiggo 9 schwarz
  •  Chery Tiggo 9: Ein markanter Kühlergrill und schmale LED-Scheinwerfer prägen die Front. © Sebastian Weissinger
  •  Gestreckte Seitenlinie und stattliche Proportionen unterstreichen den SUV-Charakter. © Sebastian Weissinger
  •  Wuchtig: Ein durchgehendes Leuchtenband und klare Flächen prägen das Heck. © Sebastian Weissinger
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​​​​​​​Chery Tiggo 9: ordentliche Verarbeitungsqualität, Touchscreenbedienung mit Optimierungspotenzial. © Sebastian Weissinger
Chery Tiggo 9 schwarz
Chery: als Fünfsitzer familientauglich, mit sieben Sitzen eingeschränkt. © Sebastian Weissinger
Chery Tiggo 9 schwarz
Lenkradtasten bündeln wichtige Funktionen direkt im Griffbereich, die Bedienung ist einfach. © Sebastian Weissinger

Chery Tiggo 9: Reich an Weite

Der Plug-in-Hybrid kombiniert drei Elektromotoren mit ­einem 1,5-Liter-Turbobenziner zu 428 PS Systemleistung. Der Testverbrauch lag bei 3,8 l/100 km und 18,3 kWh/100 km, womit Gesamtreichweiten von über 1.000 Kilometern realistisch sind. Rein elektrisch sind mehr als 100 Kilometer möglich. Geladen wird mit bis zu 70 kW DC und rund 11 kW AC.

Chery Tiggo 9 schwarz
Versenkbare Türgriffe wie im Mercedes, manchmal etwas hakelig. © Sebastian Weissinger
Chery Tiggo 9 schwarz
Lenkstockhebel für Blinker und Scheibenwischer inklusive griffgünstigem Drehrad. © Sebastian Weissinger
Chery Tiggo 9 schwarz
Souverän unterwegs: Das SUV verbindet Fahrkomfort mit ausgewogener Dynamik, in Sachen Agilität kommt er aber an den Mercedes nicht heran. © Sebastian Weissinger
Chery Tiggo 9 technische Daten
© Sebastian Weissinger

Fazit

Der Chery Tiggo 9 ist der pragmatische Underdog – viel Platz, viel Ausstattung, sieben Sitze und enorme Reichweite zu einem attraktiven Preis von 47.990 Euro in Vollausstattung. Der Mercedes-Benz GLC 400 EQ liefert ein technisch reifes Gesamtpaket: hohe Leistung, mehr Effizienz, schnelle Ladezeiten und eine ­etwas bessere Qualitätsanmutung, verlangt dafür aber mindestens 72.450 Euro. Wem Preis-Leistung und Raum wichtiger sind, findet im Tiggo 9 ein überzeugendes Angebot. Premium, Fahrkultur und modernste Elektrotechnik sprechen für den GLC.

Die Konkurrenz

BMW iX3, nur Elektro, ab € 63.400,–

Omoda 9, nur Plug-in-Hybrid, ab € 48.990,–

VW Tayron, Benzin, Diesel, Plug-in-Hybrid, ab € 52.590,–

Kia Sorento, Benzin, Diesel, Plug-in-Hybrid, ab € 62.990,–

Audi Q6, nur Elektro, ab € 59.365,–

Peugeot 5008, Elektro, Plug-in-Hybrid, Vollhybrid, ab € 43.070,–

Leapmotor C10, Elektro, Vollhybrid, ab € 39.400,–

Renault Espace, Vollhybrid, ab € 43.790,–

MGS9, Plug-in-Hybrid, ab € 39.990,–