Türkis schimmerndes Meer, uralte, über den Klippen thronende Küstenorte und am Horizont die Vulkaninsel Stromboli: Kalabrien bietet genau jene unglaublich schönen Fotomotive, wie man sie auch aus den Prospekten des italienischen Tourismusverbandes kennt. Die gebirgige Region liegt zwischen dem Ionischen und dem Tyrrhenischen Meer, ist etwa so groß wie Tirol und Vorarlberg zusammen und erstaunlich grün. Grund dafür ist das Zusammenspiel von geografischer Lage und topografischer Beschaffenheit: An den Bergen stauen sich die Wolken, weshalb es vergleichsweise etwas öfter regnet. Der höchste Gipfel, die Serra Dolcedorme im rauen Pollino-Massiv, erreicht 2.267 Meter. Im Winter liegt hier Schnee, sodass sogar Skifahren möglich ist. Tief durchatmen im Sila-Nationalpark: Bei Tirivolo wurde bei einer Untersuchung außergewöhnlich reine Luft gemessen – laut dem kalabrischen Tourismusportal die beste Europas.
Unten an der Küste hingegen geht es gemütlicher zu. Hier bestimmen Olivenöl, Chili und die süßliche rote Zwiebel von Tropea die Küche.
Tropea ist nur einer von sieben Orten, die man bei einem Urlaub in Kalabrien unbedingt besuchen sollte.


Kalabrien im Überblick
Lage: Am südlichsten Ende des italienischen Festlands, im Osten vom Tyrrhenischen Meer umgeben, im Süden und Westen hingegen vom Ionischen Meer.
Einwohner:innen: 1,83 Millionen
Fläche: 15.080 km² (etwa so groß wie Tirol und Vorarlberg zusammen).
Hauptstadt: Die offizielle Hauptstadt der Region ist zwar Catanzaro (82.708 Einwohner:innen). Reggio Calabria ist jedoch die größte und wirtschaftlich bedeutsamste Stadt (167.925 Einwohner:innen).
1. Tropea: Von der Kirche zum Stromboli schauen
Tropea zählt zu den eindrucksvollsten Küstenorten Kalabriens. Die lebhafte Altstadt mit ihren engen Gassen, Palazzi und Aussichtsterrassen liegt auf einer 60 Meter hohen Steilklippe über dem Tyrrhenischen Meer. Diese Lage ist kein Zufall: Der schwer zugängliche Felsen bot der Stadt, die einst von Mauern und befestigten Toren umgeben war, zusätzlichen Schutz und machte sie zu einem strategischen Rückzugs- und Verteidigungsort.
Vor der Stadt erhebt sich auf einem Felsen das Santuario di Santa Maria dell’Isola, eine Wallfahrtskirche mittelalterlichen Ursprungs. Von den Terrassen der Altstadt reicht der Blick über die hellen Strände und das türkisfarbene Meer. Ist die Sicht gut, kann man den Kegel des rund 60 Kilometer entfernten Vulkans Stromboli sehen.


2. Zungri: Wohnen im Sandstein
Zungri liegt im grünen Hinterland der Costa degli Dei und überrascht mit einer der rätselhaftesten historischen Stätten Kalabriens: der Steinstadt Grotte degli Sbariati. Hier wurden Dutzende Räume, Gänge, Nischen und Speicher direkt in den weichen Sandstein gehauen. Die Anlage entstand vermutlich in mehreren Phasen zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert und wurde noch lange danach genutzt. Wozu die einzelnen Räume genau dienten, ist nicht endgültig geklärt. Tipp: Feste Schuhe tragen – der Weg und die Stufen sind uneben.
Gleich nebenan vermittelt das kleine Museum der Felsen- und Bauernkultur ein anschauliches Bild vom früheren Alltag: Zu sehen sind originale landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte.



© Cornelia Buczolich-Griess
3. Pizzo: Eine Kapelle, direkt in den Fels gehauen
Etwas außerhalb der Stadt Pizzo führen 142 Stufen hinunter zur Chiesetta di Piedigrotta, eine außergewöhnliche Felsenkirche, die vollständig in weichen Tuffstein gehauen wurde. Ihre Geschichte beginnt im späten 17. Jahrhundert. Der Legende nach gerieten Seeleute aus Neapel vor der Küste in ein schweres Unwetter. Den Tod vor Augen, gelobten sie im Falle ihrer Rettung, der Madonna, deren Bild sie an Bord mitführten, eine Kapelle zu errichten. Das Schiff zerschellte an den Klippen, doch die Männer überlebten und hielten Wort. Zunächst schlugen sie eine kleine Grotte in den Felsen, aus der sich später die heutige Kirche entwickelte. Um 1880 erweiterte der Künstler Angelo Barone die Höhle und schuf gemeinsam mit seinem Sohn zahlreiche biblische Figuren und Szenen direkt aus dem Fels.



In Pizzo gehört eine süße Pause zum Besuch: Der berühmte Tartufo vereint Haselnuss- und Schokoladeneis mit einem flüssigen Schokoladenkern, umhüllt von einer feinen Kakaoschicht. Am besten direkt in einer der Gelaterien des Küstenstädtchens genießen!




4. Reggio Calabria: Schönster Kilometer Italiens
Reggio Calabria liegt spektakulär an der Straße von Messina. Die Meerenge trennt Kalabrien von Sizilien und ist an ihrer engsten Stelle nur drei Kilometer breit. An klaren Tagen sieht man sogar bis zum Ätna. Entlang der eleganten, von alten Bäumen gesäumten Promenade Lungomare Falcomatà – oft als "schönster Kilometer Italiens" bezeichnet – fällt der Palazzo Zani im venezianisch-gotischen Stil ins Auge. Zwischen Magnolien und Meer setzen drei überlebensgroße, farbig gemusterte Figuren der Künstlerin Rabarama einen modernen Kontrapunkt: "Trans-lettera", "Labirintite" und "Co-stell-azione" verharren in eigenwilligen Posen auf den Grünflächen der Uferpromenade.



Kulturgeschichtlich ist Reggio Calabria vor allem wegen der Bronzi di Riace ein Muss: Die beiden rund zwei Meter hohen griechischen Kriegerfiguren aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurden 1972 in acht Metern Tiefe vor Riace Marina im Meer entdeckt. Sie zählen heute zu den bedeutendsten antiken Bronzeskulpturen. Zu sehen sind sie im Archäologischen Nationalmuseum der Stadt.
Rund um Reggio Calabria ist die Bergamotte zu Hause. Die aromatische Zitrusfrucht verfeinert nicht nur Parfüms, sondern auch Eis, Granita und Likör. Unbedingt probieren – und als kulinarisches Mitbringsel ein Glas Bergamottenmarmelade einpacken!



5. Scilla: Fischerdorfcharme & Badefreude
Scilla an Kalabriens Costa Viola verbindet Fischerdorfcharme mit Badefreuden. Im alten Viertel Chianalea stehen die Häuser direkt am Meer, dazwischen führen schmale Gassen ans Wasser. Eng mit dem Ort verbunden ist der traditionelle Schwertfischfang in der Straße von Messina: Auf einem 21 Meter hohen Ausguck halten zwei Fischer nach den Fischen Ausschau. Entdecken sie ein Paar, nehmen sie zunächst das größere Weibchen ins Visier. Weil das Männchen seiner Partnerin folgt, wird häufig auch dieses gefangen.
Tipp: erst durch die Gassen schlendern, dann am Strand von Marina Grande baden und den Tag bei einem Schwertfischgericht auf einer Restaurantterrasse über dem Meer ausklingen lassen.
6. Serra San Bruno: Stille als Tagesprogramm
Das Kartäuserkloster von Serra San Bruno wurde 1091 vom heiligen Bruno von Köln gegründet und ist bis heute ein Ort des Gebets, der Abgeschiedenheit und der strengen kartäusischen Lebensweise. Das eigentliche Kloster bleibt für Besucher geschlossen, doch das Kartausenmuseum ist alles andere als ein trockener Pflichttermin. Untergebracht in den ehemaligen Stallungen, erzählt es mit Filmen, Exponaten sowie nachgebildeten Mönchszellen und Gebetsräumen vom Alltag hinter den Mauern. Die Mönche leben streng zurückgezogen: Sie verbringen den Großteil des Tages allein in ihrer "Zelle", einem kleinen Haus mit eigenem Garten. Sie beten, lesen, studieren und arbeiten. Handy, Fernsehen oder Gespräche spielen in diesem Leben keine Rolle. Nur zu bestimmten Gebetszeiten treffen sie einander.
In den Wäldern rund um das Kloster wachsen viele Pilze. Im Restaurant gibt es etwa Tagliatelle mit Steinpilzen für 8,50 Euro.



- Die 13 Mönche leben zurückgezogen in kleinen Häusern mit eigenem Garten, den sogenannten Zellen. © Cornelia Buczolich-Griess
- Seit den 1990er-Jahren gibt ein Museum Einblicke in das abgeschiedene Klosterleben. Unsere Fremdenführerin zeigt uns eine nachgbaute Zelle. © Cornelia Buczolich-Griess
- Das von Wäldern und Wanderwegen umgebene Kloster, wo im Winter auch Schnee fällt, ist zugleich ein Pilgerort. Hier sieht man die Kirche. © Cornelia Buczolich-Griess
4 Reise-Tipps
1. Urlaub in der Nebensaison: Wer Kalabrien abseits des Trubels erleben möchte, reist zwischen Mai und Juni oder von September bis Mitte Oktober. Dann sind Strände und Küstenorte ruhiger, die Temperaturen angenehmer für Ausflüge und Spaziergänge. Im Frühherbst ist das Meer auch noch warm genug zum Baden.
2. Genusstipp für Kalabrien: Die rote Tropea-Zwiebel überrascht mit ihrem milden, süßlichen Geschmack. Unbedingt im Salat probieren – oder als Zwiebelkonfitüre zu würzigem Käse genießen. Ein Glas davon bringt ein Stück Urlaubsgenuss mit nach Hause. Die rote Tropea-Zwiebel gibt es in Feinkostläden als Chutney, Marmelade oder würziges Pesto.

3. Eine Bootsfahrt entlang der kalabrischen Küste: Vom Wasser aus zeigen sich versteckte Buchten und elegante Herrenhäuser, die spektakulär auf den Felsen über dem Meer thronen.
4. Vulkan-Ausflüge: Tagestouren zu den Äolischen Inseln, etwa nach Lipari, Vulcano und Stromboli. Die Fahrt mit dem Boot dauert rund zwei Stunden in eine Richtung.

Information & Buchung
Zum aktuellen Kalabrien-Angebot von ÖAMTC Reisen (Linkgültigkeit endet mit der Verfügbarkeit des Reiseangebots).
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