Blick von Tropea Altstadt auf den Fels samt Kirche.

Kalabrien: Italiens Süden entdecken

Kalabrien liegt an der Spitze des italienischen Stiefels, ist erstaunlich grün und gebirgig. Sieben Orte zeigen, was die Region zu bieten hat.

Von Cornelia Buczolich-Griess,

Türkis schimmerndes Meer, uralte, über den Klippen thronende Küstenorte und am Horizont die Vulkaninsel Stromboli: Kalabrien bietet genau jene unglaublich schönen Fotomotive, wie man sie auch aus den Prospekten des italienischen Tourismusverbandes kennt. Die gebirgige Region liegt zwischen dem Ionischen und dem Tyrrhenischen Meer, ist etwa so groß wie Tirol und Vorarlberg zusammen und erstaunlich grün. Grund dafür ist das Zusammenspiel von geografischer Lage und topografischer Beschaffenheit: An den Bergen stauen sich die Wolken, weshalb es vergleichsweise etwas öfter regnet. Der höchste Gipfel, die Serra Dolcedorme im rauen Pollino-Massiv, erreicht 2.267 Meter. Im Winter liegt hier Schnee, sodass sogar Skifahren möglich ist. Tief durchatmen im Sila-Nationalpark: Bei Tirivolo wurde bei einer Untersuchung außergewöhnlich reine Luft gemessen – laut dem kalabrischen Tourismusportal die beste Europas.

Unten an der Küste hingegen geht es gemütlicher zu. Hier bestimmen Olivenöl, Chili und die süßliche rote Zwiebel von Tropea die Küche.

Tropea ist nur einer von sieben Orten, die man bei einem Urlaub in ­Kalabrien unbedingt besuchen sollte.

Blick von der Altstadt Tropea auf die Kirche am Felsen und den Vulkan Stromboli.
Abendlicht über Tropea: der Blick auf die Kirche und die Silhouette des Stromboli im Sonnenuntergang. © Cornelia Buczolich-Griess
Tropea Altstadt mit Bars.

Kalabrien im Überblick

Lage: Am südlichsten Ende des italienischen Festlands, im Osten vom Tyrrhenischen Meer umgeben, im Süden und Westen hingegen vom Ionischen Meer.

Einwohner:innen: 1,83 Millionen

Fläche: 15.080 km² (etwa so groß wie Tirol und Vorarlberg zusammen).

Hauptstadt: Die offizielle Hauptstadt der Region ist zwar Catanzaro (82.708 Einwohner:innen). Reggio Calabria ist jedoch die größte und wirtschaftlich bedeutsamste Stadt (167.925 Einwohner:innen).

1. Tropea: Von der Kirche zum Stromboli schauen

Tropea zählt zu den eindrucksvollsten Küstenorten Kalabriens. Die lebhafte Altstadt mit ihren engen Gassen, Palazzi und Aussichtsterrassen liegt auf einer 60 Meter hohen Steilklippe über dem Tyrrhenischen Meer. Diese Lage ist kein Zufall: Der schwer zugängliche Felsen bot der Stadt, die einst von Mauern und befestigten Toren umgeben war, zusätzlichen Schutz und machte sie zu einem strategischen Rückzugs- und Verteidigungsort.

Vor der Stadt erhebt sich auf einem Felsen das Santuario di Santa Maria dell’Isola, eine Wallfahrtskirche mittelalterlichen Ursprungs. Von den Terrassen der Altstadt reicht der Blick über die hellen Strände und das türkisfarbene Meer. Ist die Sicht gut, kann man den Kegel des rund 60 Kilometer entfernten Vulkans Stromboli sehen.

Blick von der Felskirche in Tropea auf die Altstadt und den Strand.
Blick von der Kirche auf den Strand von Tropea: Hoch auf dem Felsen thront die Altstadt mit ihren historischen Palästen. © Cornelia Buczolich-Griess
Auf der Straße werden Bananen verkauft - 1 Kg nur einen Euro.
Bananen, Bananen! Ein Kilo kostet nur einen Euro. © Cornelia Buczolich-Griess

2. Zungri: Wohnen im Sandstein

Zungri liegt im grünen Hinterland der Costa degli Dei und überrascht mit einer der rätselhaftesten historischen Stätten Kalabriens: der Steinstadt Grotte degli Sbariati. Hier wurden Dutzende Räume, Gänge, Nischen und Speicher direkt in den weichen Sandstein gehauen. Die Anlage entstand vermutlich in mehreren Phasen zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert und wurde noch lange danach genutzt. Wozu die einzelnen Räume genau dienten, ist nicht endgültig geklärt. Tipp: Feste Schuhe tragen – der Weg und die Stufen sind uneben.

Gleich nebenan vermittelt das kleine Museum der Felsen- und Bauernkultur ein anschauliches Bild vom früheren Alltag: Zu sehen sind originale landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte.

Felshöhlen Zungri.
In den Fels gebaut: Die Höhlen von Zungri geben Einblicke in das Leben vergangener Zeiten. © Cornelia Buczolich-Griess
Felshöhlen Zungri.
Zungri: Weitblick über Kalabriens grünes Hinterland. © Cornelia Buczolich-Griess
Felshöhlen Zungri.
Tipp: Feste Schuhe tragen – der Weg und die Stufen sind uneben.
© Cornelia Buczolich-Griess

3. Pizzo: Eine Kapelle, direkt in den Fels gehauen

Etwas außerhalb der Stadt Pizzo führen 142 Stufen hinunter zur Chiesetta di Piedigrotta, eine außergewöhnliche Felsenkirche, die vollständig in weichen Tuffstein gehauen wurde. Ihre Geschichte beginnt im späten 17. Jahrhundert. Der Legende nach gerieten Seeleute aus Neapel vor der Küste in ein schweres Unwetter. Den Tod vor Augen, gelobten sie im Falle ihrer Rettung, der Madonna, deren Bild sie an Bord mitführten, eine Kapelle zu errichten. Das Schiff zerschellte an den Klippen, doch die Männer überlebten und hielten Wort. Zunächst schlugen sie eine kleine Grotte in den Felsen, aus der sich später die heutige Kirche entwickelte. Um 1880 erweiterte der Künstler Angelo Barone die Höhle und schuf gemeinsam mit seinem Sohn zahlreiche biblische Figuren und Szenen direkt aus dem Fels.

Blick aufs Meer und den Eingang von einer Felsenkirche.
In den Fels gehauen: Die Chiesetta di Piedigrotta liegt direkt am Meer bei Pizzo. © Cornelia Buczolich-Griess
Kirche im Fels. Menschen schauen sich das Kunstwerk an.
Andacht unter steinernem Gewölbe. © Cornelia Buczolich-Griess
Kirche im Fels. Ein Mann macht ein Foto.
Ein stiller Ort im Herzen des Felsens. © Cornelia Buczolich-Griess

In Pizzo gehört eine süße Pause zum Besuch: Der berühmte Tartufo vereint Haselnuss- und Schokoladeneis mit einem flüssigen Schokoladenkern, umhüllt von einer feinen Kakaoschicht. Am besten direkt in einer der Gelaterien des Küstenstädtchens genießen!

Tartufo-Kugel - Eis mit Haselnuss.
Tartufo: Der italienische Eisklassiker vereint Schokoladen- und Haselnusseis mit einem flüssigen Schokoladenkern umhüllt von feinem Kakao. © Cornelia Buczolich-Griess
Tartufo-Kugel - Eis mit Chili
Mit Chili: Kalabrien zeigt seine scharfe Seite auch beim Tartufo-Eis. © Cornelia Buczolich-Griess
Tartufo-Kugel - Eis mit Pistazie.
Tartufo mit Pistazie sorgt für süße Urlaubsmomente. © Cornelia Buczolich-Griess
Frau macht mit dem Eisspezialisten das Tartufo-Eis selbst.
Tartufo selber machen: Kalabriens süße Spezialität formt Redakteurin Conny selbst. Mit etwas Fingerspitzengefühl wird daraus eine runde Sache. © Cornelia Buczolich-Griess

4. Reggio Calabria: Schönster Kilometer Italiens

Reggio Calabria liegt spektakulär an der Straße von Messina. Die Meerenge trennt Kalabrien von Sizilien und ist an ihrer engsten Stelle nur drei Kilometer breit. An klaren Tagen sieht man sogar bis zum Ätna. Entlang der eleganten, von alten Bäumen gesäumten Promenade Lungomare Falcomatà – oft als "schönster Kilometer Italiens" bezeichnet – fällt der Palazzo Zani im venezianisch-gotischen Stil ins Auge. Zwischen Magnolien und Meer setzen drei überlebensgroße, farbig gemusterte Figuren der Künstlerin Rabarama einen modernen Kontrapunkt: "Trans-lettera", "Labirintite" und "Co-stell-azione" verharren in eigenwilligen Posen auf den Grünflächen der Uferpromenade.

Bemalte Bronzefiguren der italienischen Künstlerin Rabarama, die sitzen und stehen und die moderne Kunstszene der Stadt prägen.
Kunst zwischen Palmen und Meer. © Cornelia Buczolich-Griess
Bemalte Bronzefiguren der italienischen Künstlerin Rabarama, die sitzen und stehen und die moderne Kunstszene der Stadt prägen.
Drei überlebensgroße Figuren von Rabarama setzen mit farbigen Mustern und… © Cornelia Buczolich-Griess
Bemalte Bronzefiguren der italienischen Künstlerin Rabarama, die sitzen und stehen und die moderne Kunstszene der Stadt prägen.
…eigenwilligen Posen moderne Akzente an der Uferpromenade. © Cornelia Buczolich-Griess

Kulturgeschichtlich ist Reggio Calabria vor allem wegen der Bronzi di Riace ein Muss: Die beiden rund zwei Meter ­hohen griechischen Kriegerfiguren aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurden 1972 in acht Metern Tiefe vor Riace Marina im Meer entdeckt. Sie zählen heute zu den bedeutendsten antiken Bronzeskulpturen. Zu sehen sind sie im Archäologischen Nationalmuseum der Stadt.

Rund um Reggio Calabria ist die Bergamotte zu Hause. Die aromatische Zitrusfrucht verfeinert nicht nur Parfüms, sondern auch Eis, Granita und Likör. Unbedingt probieren – und als kulinarisches Mitbringsel ein Glas Bergamottenmarmelade einpacken!

eine Bronzestatue im Museum. Menschen fotografieren sie.
Antike in Bronze: eine der beiden berühmten Riace-Statuen im Archäologischen Nationalmuseum von Reggio Calabria. © Cornelia Buczolich-Griess
Alte Bäume entlang der Uferpromenade
Knorrige Bäume und mächtige Wurzeln prägen das Bild der Uferpromenade. © Cornelia Buczolich-Griess
Strandpromenade
Der rund 1,7 Kilometer lange Lungomare Falcomatà in Reggio Calabria. © Cornelia Buczolich-Griess
5. Scilla: Fischerdorfcharme & Badefreude

Scilla an Kalabriens Costa Viola verbindet Fischerdorfcharme mit Badefreuden. Im alten Viertel Chianalea stehen die Häuser direkt am Meer, dazwischen führen schmale Gassen ans Wasser. Eng mit dem Ort verbunden ist der traditionelle Schwertfischfang in der Straße von Messina: Auf einem 21 Meter hohen Ausguck halten zwei Fischer nach den Fischen Ausschau. Entdecken sie ein Paar, nehmen sie zunächst das größere Weibchen ins Visier. Weil das Männchen seiner Partnerin folgt, wird häufig auch dieses gefangen.

Tipp: erst durch die Gassen schlendern, dann am Strand von Marina Grande baden und den Tag bei einem Schwertfischgericht auf einer Restaurantterrasse über dem Meer ausklingen lassen.

6. Serra San Bruno: Stille als Tagesprogramm

Das Kartäuserkloster von Serra San Bruno wurde 1091 vom heiligen Bruno von Köln gegründet und ist bis heute ein Ort des Gebets, der Abgeschiedenheit und der strengen kartäusischen Lebensweise. Das eigentliche Kloster bleibt für Besucher geschlossen, doch das Kartausenmuseum ist alles andere als ein trockener Pflichttermin. Untergebracht in den ehemaligen Stallungen, erzählt es mit Filmen, Exponaten sowie nachgebildeten Mönchszellen und Gebetsräumen vom Alltag hinter den Mauern. Die Mönche leben streng zurückgezogen: Sie verbringen den Großteil des Tages allein in ihrer "Zelle", einem kleinen Haus mit eigenem Garten. Sie beten, ­lesen, studieren und arbeiten. Handy, Fernsehen oder Gespräche spielen in diesem Leben keine Rolle. Nur zu bestimmten Gebetszeiten treffen sie einander.

In den Wäldern rund um das Kloster wachsen viele Pilze. Im Restaurant gibt es etwa Tagliatelle mit Steinpilzen für 8,50 Euro.

1Das Kloster samt Garten.
2Tour durch das Klostermuseum. Man sieht ein Bett.
3Menschen gehen die Treppen hinauf zu einer Kirche im Wald.
  • Die 13 Mönche leben zurückgezogen in kleinen Häusern mit eigenem Garten, den sogenannten Zellen. © Cornelia Buczolich-Griess
  • Seit den 1990er-Jahren gibt ein Museum Einblicke in das abgeschiedene Klosterleben. Unsere Fremdenführerin zeigt uns eine nachgbaute Zelle. © Cornelia Buczolich-Griess
  • Das von Wäldern und Wanderwegen umgebene Kloster, wo im Winter auch Schnee fällt, ist zugleich ein Pilgerort. Hier sieht man die Kirche. © Cornelia Buczolich-Griess

4 Reise-Tipps

1. Urlaub in der Nebensaison: Wer Kalabrien abseits des Trubels erleben möchte, reist zwischen Mai und Juni oder von September bis Mitte Oktober. Dann sind Strände und Küstenorte ruhiger, die Temperaturen angenehmer für Ausflüge und Spaziergänge. Im Frühherbst ist das Meer auch noch warm genug zum Baden.

2. Genusstipp für Kalabrien: Die rote Tropea-Zwiebel überrascht mit ihrem milden, süßlichen Geschmack. Unbedingt im Salat probieren – oder als Zwiebelkonfitüre zu würzigem Käse genießen. Ein Glas davon bringt ein Stück Urlaubsgenuss mit nach Hause. Die rote Tropea-Zwiebel gibt es in Feinkostläden als Chutney, Marmelade oder würziges Pesto.

Ein Stand mit rotem Zwiebel
Ein Stück Kalabrien: Rote Zwiebeln leuchten am Marktstand. © Cornelia Buczolich-Griess

3. Eine Bootsfahrt entlang der kalabrischen Küste: Vom Wasser aus zeigen sich versteckte Buchten und elegante Herrenhäuser, die spektakulär auf den Felsen über dem Meer thronen.

4. Vulkan-Ausflüge: Tagestouren zu den Äolischen Inseln, etwa nach Lipari, Vulcano und Stromboli. Die Fahrt mit dem Boot dauert rund zwei Stunden in eine Richtung.

Frau fährt am Boot und hinter ihr liegt der Vulkan Stromboli.
Redakteurin Conny am Weg zur Vulkaninsel Stromboli. © Cornelia Buczolich-Griess

Information & Buchung

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