Der Alfa Romeo Junior verbindet auffälliges, italienisch geprägtes Design mit bewährter Technik aus dem Stellantis-Konzern. Wir haben ihn über ein Jahr lang getestet – und zwar gleich doppelt: zunächst den Ibrida Q4 mit Benzin-Hybrid-Motor samt zusätzlichem E-Motor an der Hinterachse, danach den vollelektrischen Elettrica.
Grundsätzliche Betrachtung
Der Stromer fährt naturgemäß leiser, der Hybrid-Allradler mit seinem rau klingenden Dreizylinder-Benziner ist die Lösung für Langstrecken und schwierige Straßenverhältnisse.
Den Namen „Junior“ gab es schon früher in der Alfa-Geschichte. So hieß bei der ersten Giulia GT in den 1960er-Jahren die Einbstiegsversion, und auch das zweitürige Sportcoupé Junior Zagato führte Anfang der 1970er-Jahre den traditionsreichen Namenszusatz. Heute steht der Name für den Einstieg in die Alfa-Welt und ziert ein knapp 4,2 m langes, fünfsitziges Kompakt-SUV mit technischer Stellantis-Herkunft und unverkennbarem Alfa-Design, sodass es keine äußerlichen Ähnlichkeiten mit den Konzernbrüdern Opel Mokka, Jeep Avenger, Fiat 600 oder Peugeot 2008 gibt.

Keine Frage des Antriebs
Optisch sind die beiden Junior-Modelle fast gleich. Auffälligster Unterschied: Beim Elettrica ist ein übergroßes Alfa-Logo in den Grill integriert, der Ibrida Q4 trägt auf dem Kühlergrill den Alfa-Romeo-Schriftzug.

Vorne findet man ausreichend Platz, die straffen Sportsitze überzeugen auch auf längeren Etappen. Sie vermitteln in Kombination mit dem kleinen Lenkrad und der direkten, aber nicht nervösen Lenkung ein sportliches Gefühl, das von Alfa auch erwartet werden darf. Beide Junior-Modelle lassen sich dank ihrer Größe handlich, fast spielerisch dirigieren. Auch flott gefahrene Kurven meistert das gelungene Fahrwerk souverän.

Das Cockpit ist klar gestaltet, mit Hartplastik oben und weicheren Oberflächen weiter unten.

Die Ablagen zwischen den Vordersitzen mit induktiver Ladefläche sind praktisch. Dort sitzen auch der Startknopf, der von Stellantis bekannte Fahrstufen-Kippschalter und die Drive-Mode-Taste für die Einstellungen „Dynamic“, „Natural“ und „Advanced Efficiency“. Der Ibrida Q4 verfügt zusätzlich über den auf Traktion ausgelegten Q4-Modus.

Touchscreen und Tasten zur Klimabedienung sind leicht zum Fahrer geneigt. Die Touchscreen-Menüs, die wegen der unterschiedlichen Antriebe voneinander abweichen, brauchen etwas Eingewöhnung, weil ihre Struktur nicht immer intuitiv ist. Apple CarPlay und Android Auto arbeiten auch kabellos.

Im Fond wird es eng: Die Beinfreiheit ist knapp, die nach hinten ansteigende Fensterunterkante schränkt besonders für Kinder die Sicht ein. Das Kofferraum-Volumen liegt im Klassendurchschnitt, ist beim Q4 aber kleiner als beim Elettrica.



Vollelektrisch oder Vollhybrid?
Die Antwort hängt hauptsächlich von drei Faktoren ab: vom Einsatzprofil (Wie und wo bin ich hauptsächlich unterwegs?), von den Kosten (Wo kann ich laden? Und wann ist der höhere Elektro-Preis egalisiert?) und natürlich von der persönlichen Vorliebe.
Der Vollelektriker
Der Elettrica hat eine 54-kWh-Batterie und einen 156-PS-Elektromotor an der Vorderachse. Er setzt seine Leistung angenehm fließend um und bleibt auf Nässe auch ohne Allrad-Antrieb gut kontrollierbar. Realistisch sind gut 300 Kilometer Reichweite. Insgesamt sind wir knapp über 6.000 Kilometer gefahren. Dabei verbrauchte er im Schnitt solide 17,4 kWh je 100 km.

Der Vollhybrid-Allradler
Der Ibrida Q4 kombiniert den 1,2-Liter-Turbo-Dreizylinder mit einem E-Motor im Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und hat einen weiteren E-Motor an der Hinterachse. Der schaltet sich bei Bedarf zu. So hat der Q4 auf Nässe, Schnee und Schotter den entscheidenden Traktionsvorteil gegenüber dem frontgetriebenen Elettrica. Noch akzeptabel ist der Verbrauch. Auf unseren 24.000 Testkilometern lag er bei 7,0 Litern je 100 km.

All das macht den Q4 zu einem unkomplizierten Langstreckenwagen: tanken statt laden sowie keine Abhängigkeit von Winterwetter und Infrastruktur. In der Anschaffung ist der Ibrida Q4 billiger, im laufenden Betrieb aber um 3,10 Euro pro 100 km teurer.

Unser Alfa-Junior-Fazit
Der Elettrica ist die Wahl für Mittelstrecken und Stadtverkehr sowie für Pendler mit eigener Wallbox bzw. verlässlicher Lademöglichkeit. Er ist leiser und fährt sich entspannter. Die laufenden Kosten sind niedriger.
Der Ibrida Q4 empfiehlt sich für häufige Langstreckenfahrten bzw. oft anfallende Fahrten in winterlichen Berg-Regionen. Der elektrische Allradantrieb bietet Sicherheits- und Traktionsgewinn, erkauft sich diesen aber mit weniger Kofferraum. Die laufenden Kosten und Service-Kosten sind höher.
Beide Varianten sind je nach persönlichen Anforderungen stimmig. Wegen der knappen Beinfreiheit hinten aber nur dann empfehlenswert, wenn man vorwiegend zu zweit unterwegs ist.




