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DruckenMautboxen in Europa: Vorteile, Anbieter & Vergleich
Was ist eine Mautbox? Welche Vorteile bietet sie? Und worauf sollte man achten? Erfahren Sie hier, für wen und wann der Kauf einer Mautbox sinnvoll ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Mautboxen erleichtern die Bezahlung von Mautgebühren in Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien oder Portugal.
- Die Bezahlung erfolgt automatisch ohne an Mautstationen anhalten zu müssen.
- Reisende profitieren von Zeitersparnis und Übersicht über Mautkosten.
- Vor allem für Vielfahrer und bei Autoreisen während der Hauptsaison lohnt sich die Anschaffung.
- Vor dem Kauf sollten unbedingt Mautboxen verschiedener Anbieter miteinander verglichen werden.
Mautboxen sind eine praktische Lösung für Reisende, die häufig in Ländern wie Italien, Frankreich, Portugal oder Spanien unterwegs sind. Sie versprechen kürzere Wartezeiten, eine einfachere Handhabung und eine transparente Mautkostenabrechnung. Doch welche Systeme gibt es eigentlich für Fahrzeuge bis 3,5 t, wie funktionieren sie, in welchen Ländern lassen sie sich nutzen und für wen lohnt sich die Anschaffung wirklich?
In unserem Überblick erklären wir die Funktionsweise, vergleichen die wichtigsten Anbieter und zeigen auf, worauf Sie beim Kauf einer Mautbox achten sollten. So finden Sie schnell heraus, ob eine Mautbox Ihren nächsten Roadtrip durch Europa tatsächlich einfacher und stressfreier macht.
Was ist eine Mautbox und wie funktioniert sie?
Eine Mautbox ist ein elektronisches Gerät (auch Transponder, Badge oder On-Board Unit OBU genannt), mit dem Mautgebühren automatisch und kontaktlos bezahlt werden können. An Mautstationen kann auf den eigens gekennzeichneten Spuren ohne anzuhalten durchgefahren werden, die Schranke öffnet sich automatisch. Häufig gibt es Abfertigungsspuren, die ausschließlich Fahrzeugen mit einer Mautbox vorbehalten sind, wodurch bei starkem Verkehrsaufkommen Wartezeiten an der Mautstation entfallen.
- Die Mautbox wird an der Innenseite der Windschutzscheibe (meist nahe des Rückspiegels) angebracht.
- Per Funk kommuniziert das Gerät mit dem Lesegerät der Mautstation.
- Die Mautstation sendet ein Aktivierungssignal, das von der Mautbox in Sekundenbruchteilen beantwortet wird.
- Das Mautsystem erkennt das registrierte Gerät, hinterlegte Zahlungsdaten sowie die Fahrzeugkategorie (z. B. Höhe, Achszahl).
- Die Schranke öffnet sich automatisch.
- Mautboxen funktionieren in der Regel für Fahrzeuge bis 3,5 t: Motorrad (inkl. Trike und Quad), Pkw (auch mit Anhänger) und Wohnmobil unter 3 m Höhe.
- Für schwerere Fahrzeuge (z. B. Wohnmobile über 3,5 t) gibt es eigene Systeme (z. B. Go-Box in Österreich), die sich sowohl technisch als auch organisatorisch von den Mautboxen für Pkw unterscheiden.
- Für Fahrzeuge über 3 m Höhe (z. B. Wohnmobile) muss in Frankreich eine spezielle Mautbox erworben werden, da diese in eine höhere Mautkategorie eingestuft werden. maut1.de und Tolltickets bieten eigene Mautboxen für Camper an.
- Die erfassten Daten (Zeitpunkt, Strecke bzw. Mautstelle, Fahrzeugkategorie, Betrag) werden nach dem Passieren der Mautstation in das Abrechnungssystem übertragen.
- Vom jeweiligen Anbieter der Mautbox wird eine Sammelabrechnung erstellt und die Kosten vom hinterlegten Zahlungsmittel (z. B. Debit- oder Kreditkarte, SEPA-Lastschrift, PayPal) abgebucht.
- Dafür muss in der Regel auf der Webseite oder in der App des Anbieters ein Kundenkonto angelegt werden.
In welchen Ländern Europas sind Mautboxen verwendbar: Streckenmaut vs. Vignette?
Mautboxen kommen grundsätzlich in Ländern zum Einsatz, die ein streckenabhängiges Mautsystem nutzen, nicht in Staaten mit rein zeitabhängigen Modellen wie der Vignettenpflicht. In Ländern mit kilometer- bzw. streckenbasierter Maut werden die Gebühren heute fast überall auch elektronisch erfasst, meist per Transponder oder Mautbox.
Die folgende Übersichtskarte zeigt, in welchen Ländern Mautboxen für Fahrzeuge bis 3,5 t verfügbar sind und welche Anbieter es im jeweiligen Land gibt.
Grundsätzlich sind zwei Arten von Systemen zu unterscheiden:
- Nationale Systeme: Diese sind nur im jeweiligen Land gültig (z. B. das GRITS‑System in Griechenland mit den Transpondern e‑PASS, Fast Pass und eway). Eine länderübergreifende Mautbezahlung ist mit diesen Mautboxen nicht möglich.
- Länderübergreifende Systeme: Sie sind in mehreren europäischen Ländern nutzbar (z. B. Bip&Go, maut1.de, Tollbird, Tolltickets etc.).
Ja, die Bezahlung der Mautgebühren per Mautbox funktioniert auch in Ländern mit Free-Flow-Maut. Dabei erfolgt die Erhebung der Mautgebühren automatisch über Videoerfassung der Kennzeichen – ohne Schranken und ohne Anhalten. Autobahnen bzw. Autobahnabschnitte mit Free-Flow-Maut gibt es in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal oder Norwegen.
Reisende müssen die Mautgebühr im Nachhinein innerhalb eines definierten Zeitraums online bezahlen oder sie haben sich bereits vorab registriert und ein entsprechendes Zahlungsmittel in ihrem Account hinterlegt. Bei Verwendung einer Mautbox wird die Mautgebühr automatisch dem Kundenkonto zugeordnet und abgebucht. Reisende müssen sich nicht selbst darum kümmern.
Für eine bessere länderübergreifende Nutzung von Mautboxen am Westbalkan gibt es das noch in Aufbau befindliche "Toll For All" System. Dieses funktioniert aktuell in Kroatien, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien. Eine Erweiterung auf die Länder Bosnien-Herzegowina und Griechenland ist geplant.
Voraussetzungen für die Verwendung:
- Nationale Mautbox eines teilnehmenden Landes (z. B. ENC, ACC oder ENP Box)
- Registrierung beim Toll4all-Portal
- Erstellung eines Benutzerkontos und Hinterlegung der Seriennummer der Mautbox sowie des Zahlungsmittels
Kroatien: Umstellung auf digitales Mautsystem ab Herbst 2026
Ab September 2026 führt Kroatien schrittweise ein digitales Free‑Flow‑Mautsystem ein. Statt wie bisher an Mautstationen wird die Bezahlung über eine digitale Kennzeichenregistrierung oder eine Mautbox erfolgen. Mehr Infos im Artikel "Kroatien: Umstellung auf digitale Maut"
Mautbox-Anbieter im Vergleich
Beim folgenden Vergleich wurden 6 verschiedene Mautboxen unter die Lupe genommen: Bip&Go, maut1.de, Tollbird, Tolltickets, Ulys und Vintrica. Die Kriterien für die Auswahl der Testkandidaten waren:
- Die Mautboxen müssen in mehreren Ländern funktionieren (keine nationalen Systeme).
- Sie müssen von Privatpersonen genutzt werden können (keine gewerblichen Anbieter).
- Sie sind für Reisende in Österreich erhältlich.
Überblick Mautboxen in Europa
| Anbieter | Länder | Wahlmöglichkeit bei Tarifen? | Kosten (exkl. Mautgebühr) |
|---|---|---|---|
| Bip&Go |
Immer dabei: - Frankreich Optional auswählbar: - Italien - Portugal - Spanien |
Ja - Fixtarif für Vielfahrer - Pay-per-use Tarif für Gelegenheitsfahrer |
Fixkosten: - Aktivierungsgebühr (einmalig): 10 Euro (14 Euro mit Italien) - Grundgebühr: 17,50 Euro jährlich (nur bei Fixtarif; ab 01.06.2026 19,95 Euro) Variable Kosten (nur bei Pay-per-use Tarif): - 1,90 Euro/genutztem Monat für Frankreich (ab 01.06.2026 2,10 Euro) - jeweils 2,50 Euro/genutztem Monat für Portugal/Spanien bzw. Italien Versand: 10 Euro |
| maut1.de |
Bei Standard-Box: - Frankreich - Italien (ohne Sizilien) - Portugal - Spanien Bei Premium-Box: - Italien (inkl. Sizilien) - Kroatien (ohne Istrien) |
Nein |
Fixkosten: - Aktivierungsgebühr (einmalig): 19,90 bzw. 25 Euro (Basis bzw. Premium) - Grundgebühr: 23,90 Euro bzw. 71,40 Euro jährlich (Basis bzw. Premium) Variable Kosten: - 5% Aufschlag auf Bruttomautgebühr (Basis-Version; bei Premium 0%) Versand: 5,90 Euro (0 Euro bei Premium) |
| Tollbird |
Immer dabei: - Frankreich - Italien - Portugal - Spanien |
Ja - Fixtarif für Vielfahrer - Pay-per-use Tarif für Gelegenheitsfahrer |
Fixkosten: - Aktivierungsgebühr (einmalig): 22,90 Euro (Fixtarif ) bzw. 25,90 Euro (Pay-per-use Tarif) - Grundgebühr: 22,90 Euro (Fixtarif) bzw. 9,90 Euro (Pay-per-use Tarif) jährlich Variable Kosten (nur bei Pay-per-use Tarif): - 4,90 Euro/genutztem Monat Versand: 4,90 Euro |
| Tolltickets |
Einzeln oder in Kombination auswählbar: - Dänemark - Frankreich - Italien - Norwegen - Portugal - Schweden - Spanien |
Ja (abhängig von gewählten Ländern) - Fixtarif für Vielfahrer - Pay-per-use Tarif für Gelegenheitsfahrer |
Fixkosten: - Aktivierungsgebühr (einmalig): 9,90 Euro (Fixtarif) bzw. 16 Euro (Pay-per-use Tarif) - Grundgebühr: ab 13,90 Euro jährlich (nur bei Fixtarif) Variable Kosten: - 5,90 Euro/genutztem Monat (nur bei Pay-per-use Tarif) - 3% (Fixtarif) bzw. 4% (Pay-per-use Tarif) Aufschlag auf Bruttomautgebühr Versand: ab 4,90 Euro |
| Ulys |
Immer dabei: - Frankreich Optional auswählbar: - Italien - Portugal - Spanien |
Ja - Fixtarif für Vielfahrer - Pay-per-use Tarif für Gelegenheitsfahrer |
Fixkosten: - Aktivierungsgebühr (einmalig): 0 Euro (15 Euro nur bei Italien-Option) - Grundgebühr: 22,80 Euro jährlich (nur bei Fixtarif) Variable Kosten: - 2,20 Euro/genutztem Monat für Frankreich (nur bei Pay-per-use Tarif) - 2 Euro/genutztem Monat für Portugal/Spanien - 2,40 Euro/genutztem Monat für Italien Versand: 9,90 Euro |
| Vintrica |
Optional auswählbar: - Frankreich - Italien - Kroatien (ohne Istrien) - Portugal - Spanien |
Ja - Fixtarif für Vielfahrer - Pay-per-use Tarif für Gelegenheitsfahrer |
Fixkosten: - Aktivierungsgebühr (einmalig): 17,99 Euro - Grundgebühr: 35,40 Euro jährlich (nur bei Fixtarif) Variable Kosten (nur bei Pay-per-use-Tarif): - 1,95 Euro/genutztem Monat und Land Versand: 1,95 Euro |
Die meisten Anbieter bieten eine Wahlmöglichkeit zwischen zwei Tarifmodellen: einem Fixtarif und einem sogenannten Pay-per-use Tarif.
- Fixtarif: Hier gibt es eine Mindestvertragsdauer (zumeist 12 Monate), die sich, falls nicht fristgerecht gekündigt wird, in der Regel automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Dafür ist eine Pauschalgebühr zu entrichten, die häufig bereits beim Kauf der Mautbox im Vorhinein verrechnet wird. Fixtarife eignen sich daher in erster Linie für Vielfahrer, die sehr oft im Jahr in den betroffenen Ländern unterwegs sind.
- Pay-per-use Tarif: Im Unterschied zum Fixtarif gibt es keine vertragliche Bindung und in der Regel keine pauschale Grundgebühr. Gebühren fallen nur für die Monate an, in denen die Mautbox auch tatsächlich genutzt wird (unabhängig von der Anzahl der Fahrten). Es handelt sich also um eine Nutzungsgebühr. Fährt man in einem Monat gar nicht, fällt auch keine Nutzungsgebühr an. Pay-per-use Tarife sind daher vor allem für Gelegenheitsfahrer interessant, die nur 1-2 Urlaubsreisen im Jahr planen. Zu beachten ist, dass bei längerer Nichtnutzung (mehr als 12 Monate) die Mautbox retourniert werden sollte, da sonst bei manchen Anbietern eine Inaktivitätsgebühr fällig werden kann.
Achten Sie vor dem Kauf einer Mautbox auf das Kleingedruckte. Manche Anbieter verstecken darin zusätzliche Kosten und Gebühren, die am ersten Blick nicht auffallen. Hier ein paar Beispiele:
- Aufschlag auf Mautgebühr: Bei maut1.de und Tolltickets werden eine zusätzliche Servicegebühr auf den Bruttomautsatz verrechnet. Je nach gewähltem Tarif sind das 3–5 % Aufschlag. Besonders bei langen Strecken sollten diese Mehrkosten miteinkalkuliert werden.
- Sperr- oder Ersatzgebühr: Bei Verlust der Mautbox verrechnen fast alle Anbieter eine Sperr- bzw. Ersatzgebühr. Die Höhe variiert zwischen 23 und 40 Euro oder ist vom jeweiligen Tarif abhängig.
- Inaktivitätsgebühr: Wird eine Mautbox über einen längeren Zeitraum nicht verwendet (in der Regel mehr als 12–14 Monate), fällt bei manchen Anbietern eine Inaktivitätsgebühr von ca. 10 Euro an (nur bei Pay-per-use Tarifen). Diese kann vermieden werden, indem die Mautbox bei längerer Nichtverwendung zurückgeschickt wird.
Neben der Bezahlung von Mautgebühren bieten viele Mautboxen noch weitere Funktionen an:
- Bezahlung von Parkgebühren: Je nach Anbieter können mit der jeweiligen Mautbox Parkgebühren in Parkgaragen und -häusern in Deutschland, Italien, Frankreich, Portugal oder Spanien automatisch bezahlt werden. Die Abrechnung funktioniert über das Kundenkonto.
- Bezahlung von Fähren: Mit der Skandinavien-Box von Tolltickets kann die Gebühr für manche Fährpassagen in Norwegen bezahlt werden.
- Kennzeichenwechsel: Bei so gut wie allen Anbietern kann die Mautbox für mehrere Fahrzeuge verwendet werden. Die dafür notwendige Kennzeichenänderung kann in der Regel kostenlos online im Kundenkonto vorgenommen werden.
ÖAMTC Vorteilspartner: maut1.de
Als ÖAMTC Mitglied erhalten Sie bei maut1.de einen Rabatt von 10 Euro auf die Aktivierungsgebühr. Wie Sie den Rabatt einlösen können, erfahren Sie auf unserer Vorteilspartner-Seite.
Welche Mautbox ist die beste?
Welche Mautbox nun die beste ist, hängt stark von der individuellen Nutzung ab und kann nicht pauschal beantwortet werden. Für Vielreisende, die quer durch Westeuropa unterwegs sind und öfters im Jahr verreisen, eignen sich Mautboxen wie maut1.de, Tollbird oder Tolltickets, bei denen standardmäßig mehrere Länder inkludiert sind. In diesem Fall könnte auch ein Fixtarif in Betracht kommen. Für gelegentliche Urlaubsfahrten in ein Land (z. B. Italien) bieten die Mautboxen von Bip&Go, Tolltickets, Ulys und Vintrica mehr Flexibilität, da hier auch einzelne Länder ausgewählt werden können. Außerdem sind für Gelegenheitsfahrer die Pay-per-Use Tarife sehr attraktiv.
Vorteile von Mautboxen im Überblick
- Zeitersparnis an Mautstationen
- Automatische Abrechnung der Mautgebühren
- Keine manuelle Bezahlung vor Ort notwendig
- Bessere Übersicht und Kostenkontrolle
Von diesen Vorteilen profitieren vor allem Vielfahrer und Pendler, die mehrmals im Jahr in Ländern wie Italien, Kroatien, Frankreich, Portugal, Spanien oder Griechenland unterwegs sind. Doch auch für Gelegenheitsfahrer, die während der Hauptreisezeit, insbesondere an verkehrsstarken Wochenenden, in die oben genannten Länder reisen, kann eine Mautbox durchaus sinnvoll sein.
Worauf sollte man beim Kauf einer Mautbox achten?
Die ÖAMTC Empfehlung vor dem Kauf einer Mautbox lautet: Vergleichen Sie die verschiedenen Anbieter miteinander. Nur so lässt sich das passende Angebot finden und Kosten und Nutzen optimal abwägen.
Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:
- Sind Sie hauptsächlich in einem Land (z. B. Italien) oder in mehreren Ländern (z. B. Italien, Frankreich und Spanien) unterwegs?
- Wie oft im Jahr sind Sie in den betroffenen Ländern unterwegs?
- Fahren Sie lange oder kurze Autobahnstrecken? (Bei langen Autobahnetappen Aufschläge auf die Mautkosten beachten!)
- Verreisen Sie in der verkehrsreichen Hauptsaison oder in der Nebensaison?
Und noch ein Tipp: Mit dem ÖAMTC Routenplaner können Sie sich bereits vorab über die Höhe der Mautkosten für verschiedene Fahrzeugkategorien informieren.
Inklusive aktuellen Verkehrsinfos, Kosten für Maut & Vignette, Ticketpreisen und weiteren nützlichen Infos!