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65 Jahre Verkehrsunfallstatistik

Seither über 87.300 Verkehrstote.

Nahaufnahme eines telefonierenden Mannes von hinten
© iStockphoto
Verkehrsunfall

Seit 1961 wurden in Österreich über 87.300 Verkehrstote registriert – trotz Verdreifachung des Kfz-Bestands ist die Zahl der Todesopfer um 87 % gesunken. Der ÖAMTC fordert jedoch verstärkte Maßnahmen, um vor allem die Zahl schwerer Verletzungen und die Sicherheit ungeschützter Verkehrsteilnehmer:innen weiter zu verbessern.

Höchstzahlen in 70er Jahren

Seit dem Jahr 1961 werden in Österreich Verkehrsunfälle inklusive Verletzte und Getötete in der Verkehrsunfallstatistik systematisch erfasst. Von 01.01.1961 bis 31.12.2025 verunglückten bei 2,7 Millionen Verkehrsunfällen mit Personenschaden 3,6 Millionen Menschen, 87.308 davon tödlich. 2026 gab es bis inklusive 01.03. bislang 35 Verkehrstote. Der starke Rückgang der Zahl an Verkehrstoten geht vor allem auf enorme Verbesserungen im Bereich der Fahrzeugsicherheit zurück.

Das schwärzeste Jahr in punkto Verkehrssicherheit war 1972 mit 2.948 Getöteten. Im Jahr 2025 waren es 397 – das ist ein Rückgang um 87 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Kfz-Bestand um das Dreifache – von 2,5 Millionen im Jahr 1972 auf 7,5 Millionen Fahrzeuge Ende 2025.

37.117 Unfälle im Jahr 2024 entsprechen einem Minus von 30 Prozent, 45.995 Verletzte einem Minus von 36 Prozent seit dem Höchstwert 1972.

Unfallstatistik und Kfz-Bestand seit 1961

David Nosé, ÖAMTC-Verkehrstechniker

"Leider ist die Zahl der Unfälle und Verletzten nicht im gleichen Ausmaß gesunken. Die zukünftige Verkehrssicherheitsarbeit darf daher nicht nur auf die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten abzielen, sondern muss sich darauf konzentrieren, die Zahl an Schwer- und Schwerstverletzten deutlich zu senken."

Zielwert der Verkehrssicherheitsstrategie des BMIMI schwer erreichbar

Exakte Unfallanalysen sind als Basis für ideologiefreie Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Straßeninfrastruktur notwendig.

Die Ziele des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) – eine Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2030 – hält Nosé für kaum erreichbar: "Laut diesem Plan dürften im Jahr 2030 höchstens 207 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen. Damit wir auf Kurs bleiben, hätte es im Vorjahr nicht mehr als 310 Verkehrstote geben dürfen – das entspräche einem Rückgang von 25 Prozent im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2019. Tatsächlich ist die Zahl aber nur um 3,9 Prozent gesunken. Das zeigt, dass wir vom Zielwert noch weit entfernt sind.", führt der ÖAMTC-Verkehrsexperte aus.

Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sind exakte Unfallanalysen als Basis für ideologiefreie Maßnahmen und Verbesserungen der verkehrstechnischen Ausstattung sowie beim Erhaltungszustand der Straßen unabdingbar. "Ein selbsterklärender und fehlerverzeihender Straßenraum, gut ausgebildete und sicherheitsbewusste Verkehrsteilnehmer:innen sowie eine rasche Marktdurchdringung von neuesten Fahrassistenzsystemen können wichtige Beiträge liefern, um die Verkehrssicherheit weiter zu erhöhen", erklärt Nosé.

Verstärkter Fokus auf Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer:innen

Konkret muss der Fokus vermehrt auf Fußgänger:innen und Radfahrende gelegt werden, vor allem auf E-Bike- und E-Tretrollerfahrende. Die steigenden Unfall- und Getötetenzahlen bei diesen Gruppen erfordern spezielle Maßnahmen. "Eine allgemeine Helmpflicht für E-Bikende ohne Strafandrohung sowie eine Helmpflicht für E-Scooterfahrende mit Strafandrohung kann zwar keine Unfälle vermeiden, aber die Unfallschwere minimieren und Leben retten", betont der ÖAMTC-Verkehrstechniker. Ziel sollte es sein, möglichst viele Nutzer:innen zum Helmtragen zu motivieren.

Meilensteine der Fahrzeugsicherheit

Die Verbesserung der Fahrzeugsicherheit – z. B. Scheibenbremsen, Knautschzone, Drei-Punkt-Gurt, Airbags, ABS, ESP und restriktivere Vorgaben bei Crashtests – hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung bei der Zahl an Verkehrstoten. Der ÖAMTC hat gemeinsam mit seinen Partnerclubs vor rund 35 Jahren mit der Durchführung von Crashtests begonnen und damit einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass Fahrzeughersteller mehr in die Fahrzeugsicherheit investieren.

Meilensteine der Verkehrssicherheitsarbeit

  • 1973 – Tempo 100 km/h auf Bundesstraßen
  • 1974 – Tempo 130 km/h auf Autobahnen
  • 1983 – Beginn ÖAMTC-Notarzthubschraubereinsatz
  • 1984 – Gurtanlegepflicht (mit Strafandrohung)
  • 1985 – Helmpflicht für Motorradfahrende / Mopedfahrende
  • 1988 – Beginn Alkomateinsatz
  • 1990 – Beginn Lasereinsatz zur Geschwindigkeitsmessung
  • 1990 – Pkw-Führerschein auf Probe
  • 1994 – Kindersitzpflicht
  • 1998 – Blutalkoholgrenzwert 0,5 Promille
  • 2002 – Einführung der Führerschein-Mehrphasenausbildung
  • 2004 – Einführung des Vormerksystems
  • 2008 – strengere Sanktionen bei Alkohol und Geschwindigkeit
  • 2012 – Start der digitalen Unfallaufnahme (UDM)

Entwicklung Verkehrssicherheit und Kfz-Bestand 1961-2025

Jahr Getötete UPS Verletzte Kfz-Bestand in Mio.
1961 1.640 42.653 56.491 1,43
1971 2.782 52.763 72.082 2,34
1981 1.898 46.690 62.315 3,49
1991 1.551 46.013 60.189 4,34
2001 958 43.073 56.265 5,68
2011 523 35.129 45.025 6,20
2021* 362 32.774 40.889 7,22
2022* 370 34.869 43.262 7,27
2023 402 35.809 44.585 7,34
2024 351 37.117 45.995 7,43
2025** 397      
1961-2025 87.308 2.741.143 3.585.623   -
Entwicklung -76% -13% -19%   -

Quelle: Statistik Austria; Bearbeitung: ÖAMTC Unfallforschung;
* 2020-2021 ungewöhnlich niedrige Unfallzahlen durch Corona-Epidemie und Lockdowns
**2025 vorläufige Daten des BMI

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