Es fühlt sich an, als gäbe es momentan kaum ein Reiseziel, das häufiger auf Social Media auftaucht als Japan. Auf Instagram, TikTok oder YouTube reiht sich ein Video ans nächste: dampfende Ramen-Schüsseln, Sushi auf höchstem Niveau, blinkende Straßenschluchten in Tokio, historische Tempel in Kyoto oder der schneebedeckte Mount Fuji. Gleichzeitig erleben Manga und Anime einen regelrechten Boom und machen viele neugierig auf das Land dahinter.
Japan liegt derzeit voll im Trend. Besonders auffällig ist, dass inzwischen auch viele junge Reisende das Land für sich entdecken. Der aktuell günstige Yen macht das Reisen vor Ort zudem oft günstiger, als viele erwarten.
Auch ich habe mich von dieser Begeisterung anstecken lassen und mich gefragt: Ist Japan wirklich so außergewöhnlich oder sorgt der Hype einfach für überzogene Erwartungen?
Nach zwei Wochen im Land kann ich sagen: Vieles ist tatsächlich genauso beeindruckend, wie es online aussieht. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass nicht jede Sehenswürdigkeit automatisch ein Highlight sein muss und manche Orte vor allem eines sind: unglaublich gut besucht.
Da ich mit diesem Eindruck nicht allein bin, habe ich sechs ÖAMTC-Kolleg:innen nach ihren persönlichen Erfahrungen gefragt. Alle waren erst vor Kurzem in Japan unterwegs – mit unterschiedlichen Reiserouten, Reisezeiten und Interessen. Herausgekommen sind sieben ganz persönliche Tipps, die zeigen: Japan begeistert auf ganz unterschiedliche Weise.
Mein Highlight: Entspannung im Onsen
Ein einziges Highlight auszuwählen, fällt mir ehrlich gesagt schwer. Das Essen war unglaublich – ich habe in zwei Wochen kein einziges Mal schlecht gegessen. Auch die unterschiedlichen Stadtviertel und die vielen Shoppingmöglichkeiten haben mich begeistert.
Am meisten überrascht hat mich aber etwas, das auf Social Media deutlich seltener vorkommt: ein Onsen, also ein traditionelles japanisches Thermalbad. In mehreren unserer Hotels war ein Onsen inkludiert und nach oft mehr als 20.000 Schritten am Tag habe ich mich jeden Abend darauf gefreut.
Bevor man ins Wasser steigt, duscht und wäscht man sich gründlich. Gebadet wird ohne Badekleidung, geschwommen wird nicht und auch laute Gespräche sind tabu. Stattdessen genießt man einfach die Ruhe und das warme Wasser – für mich der perfekte Ausklang nach einem langen Sightseeing-Tag und eines der schönsten Erlebnisse der Reise.
Mein kleines Lowlight war dagegen die berühmte Shibuya Crossing. Vielleicht lag es daran, dass ich sie schon unzählige Male auf Social Media gesehen hatte und meine Erwartungen entsprechend hoch waren. Natürlich ist es beeindruckend, wenn so viele Menschen gleichzeitig die Straße überqueren. Aber ehrlich gesagt: Am Ende ist es eine Kreuzung – und davon gibt es in Tokio einige. Wer ohnehin durch Shibuya spaziert, sollte sie natürlich mitnehmen. Extra dafür quer durch die Stadt zu fahren, würde ich persönlich aber nicht empfehlen.

Zwischen Ninja-Ausbildung und jahrhundertealten Burgen
Fernando: "Eigentlich fällt es mir schwer, überhaupt etwas Negatives über Japan zu sagen. Das Essen war hervorragend, die Landschaft wunderschön und die Menschen unglaublich freundlich und hilfsbereit. Ich war im November dort und die herbstlichen Farben haben das Land noch einmal besonders gemacht.
Ein echtes Highlight war für mich die Ninja-Ausbildung in Tokio. Dort lernt man den Umgang mit dem Katana, wirft Ninja-Sterne und probiert sogar Blasrohrschießen aus. Das macht nicht nur Kindern Spaß, sondern Erwachsenen genauso.
Beeindruckt haben mich auch die Burg Himeji mit ihrer wunderschönen weißen Fassade und die Insel Miyajima mit dem berühmten Torii im Wasser. Dort geht es deutlich entspannter zu als an vielen anderen bekannten Orten und die Aussicht vom Berg ist einfach traumhaft."



- Fernando (ganz links) bei der Ninjaausbildung in Tokio. © privat
- Japan im Herbst © privat
- Schrein von Miyajima © privat
Der Fuji zeigte sich von seiner schönsten Seite
Bernd: "Mein persönliches Highlight war ganz klar der Mount Fuji. Wir hatten unglaubliches Glück: strahlender Sonnenschein, keine einzige Wolke und rund 20 Grad. Der Fuji zeigt sich nur an vergleichsweise wenigen Tagen im Jahr so klar – der Winter ist dafür wirklich eine tolle Reisezeit. Besonders gefallen hat mir auch die Ruhe rund um Fuji. Kurz davor waren wir noch in Osaka unterwegs, wo unglaublich viel los war.
Das Einzige, was ich etwas unterschätzt habe, waren die Menschenmassen rund um Weihnachten und Silvester. Vor allem in den Universal Studios war extrem viel los. Mein Tipp: Früh aufstehen lohnt sich! Trotzdem hat alles erstaunlich gut funktioniert, weil die Menschen in Japan sehr rücksichtsvoll sind und alles hervorragend organisiert ist. Meine nächste Japanreise ist jedenfalls schon in Planung."
Heiße Quellen statt Großstadt
Jakob: "Wenn ich ein Highlight nennen müsste, würde ich wahrscheinlich Beppu auf Kyushu wählen. Die Stadt ist für ihre heißen Quellen bekannt und man kann dort wunderschöne Ryokan (traditionelle Unterkünfte im ur-japanischen Stil) mit privaten Onsen erleben. Besonders beeindruckt haben mich die 'Sieben Höllen von Beppu'. Die Quellen sind so heiß (über 90 Grad), dass man darin nicht baden kann, dafür leuchten sie – je nach Mineralien – in völlig unterschiedlichen Farben. Das sieht wirklich spektakulär aus.
Ein echtes Lowlight? Ehrlich gesagt keines. Ich mag Japan einfach zu sehr und habe bisher noch nichts erlebt, das ich beim nächsten Mal bewusst auslassen würde."



Ein Stück unberührtes Japan
Dagmar: "Mein persönliches Highlight war Yakushima, eine kleine Insel südlich von Kyushu. Dort wachsen jahrtausendealte Zedern in einem moosbedeckten Urwald, dazwischen gibt es Wasserfälle, Strände und erstaunlich wenige Tourist:innen. Gerade dieser Kontrast zu den großen Städten hat mich begeistert.
Was ich beim nächsten Mal allerdings vermeiden würde, ist das Umsteigen in der Tokyo Station. Der Bahnhof ist riesig, ständig voller Menschen und für mich ein einziges Labyrinth. Wer dort einmal den falschen Ausgang erwischt hat, weiß wahrscheinlich genau, was ich meine."

Den Fuji mit dem Fahrrad entdecken
Carina: "Mein liebster Ausflug war ein Tagestrip nach Kawaguchiko. Von Tokio aus kommt man ganz unkompliziert mit dem Bus dorthin. Wir haben uns E-Bikes ausgeborgt und sind rund um den See gefahren. Mit etwas Glück hat man unterwegs immer wieder einen traumhaften Blick auf den Mount Fuji. Das war für mich die perfekte Auszeit vom Trubel der Großstadt.
In Tokio haben mir außerdem das TeamLab Borderless, der Sensō-ji-Tempel und die kostenlose Aussichtsplattform des Tokyo Metropolitan Government Buildings besonders gut gefallen.
Etwas enttäuscht war ich dagegen vom Bambuswald in Arashiyama und vom Fushimi-Inari-Schrein. Beide Orte sind wunderschön, aber bei meinem Besuch so überlaufen gewesen, dass die besondere Atmosphäre für mich verloren gegangen ist. Beim nächsten Mal würde ich bewusst mehr kleinere Orte besuchen und mich einfach öfter treiben lassen."


Der Goldene Pavillon zur richtigen Zeit
Barbara: "Eines meiner schönsten Erlebnisse war der Besuch des Goldenen Pavillons in Kyoto. Wir sind erst kurz vor der Schließung dort angekommen und hatten dadurch das Glück, dass die meisten Reisegruppen schon weg waren. Der Tempel hat sich im Wasser gespiegelt und wir konnten die Anlage in aller Ruhe genießen. Die oberen Stockwerke des Tempels sind mit Blattgold überzogen und haben in der Sonne wunderschön geglänzt und sich im Teich gespiegelt.
Generell würde ich empfehlen, beliebte Sehenswürdigkeiten eher am späteren Nachmittag zu besuchen. Morgens sind oft die großen Reisegruppen unterwegs.
Das Essen in seiner riesigen Vielfalt wird uns auch als besonders in Erinnerung bleiben – immer liebevoll dekoriert und angerichtet und sehr speziell – war eine tolle Erfahrung. Eine kleine Herausforderung kann das Essen für vegetarische oder vegane Reisende sein: Viele Lokale bieten vegetarische Speisen gar nicht an, auch Snacks für unterwegs sind häufig mit Fisch oder Fleisch zubereitet, ohne Alternative. Mit den richtigen Apps findet man aber auch dafür tolle Restaurants."

Unser Fazit: Der Hype kommt nicht von ungefähr
Sieben Reisen, sieben unterschiedliche Blickwinkel – und trotzdem zieht sich ein roter Faden durch alle Erfahrungen: Japan begeistert.
Natürlich gibt es Orte, die inzwischen sehr stark besucht sind, riesige Bahnhöfe, in denen man leicht die Orientierung verliert, oder Sehenswürdigkeiten, die online spektakulärer wirken als vor Ort. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Wer sich nicht nur auf die bekanntesten Fotospots konzentriert, entdeckt ein Land voller beeindruckender Landschaften, außergewöhnlicher Kulinarik, faszinierender Kultur und herzlicher Gastfreundschaft.
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Autor:in
Eberharter Anna (she/her) ist seit Jänner 2022 beim ÖAMTC im Team der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ihre Themenschwerpunkte beim Mobilitätsclub sind Reisen und Tourismus sowie Diversität und Inklusion. In ihrer Freizeit setzt sich Eberharter für Feminismus und Gleichstellung ein. Sie ist kunstinteressiert, mag Bücher und Podcasts und hat ein Faible für Zimmerpflanzen.