Das Bild zeigt eine Bergkette und davor einen Bergsee.

Von Wildwasser, Höhenstraße und Käsespätzle

Mit dem Camper durch Tirol - ein Reisebericht

ReiseMenschen

Wer hätte gedacht, wie sehr das Herz der Alpen einen Burgenländer begeistern kann – ich jedenfalls nicht. Aber nach vier Tagen, drei Regionen und unzähligen Eindrücken kann ich sagen: Tirol hat mich überzeugt. Vom Ötztal über Innsbruck bis ins Zillertal zeigt es, wie abwechslungsreich eine Reise mit dem Campingmobil sein kann. Manchmal sind es die großen Panoramen. Manchmal die Käsespätzle am Lagerfeuer.

Gute Nacht, Welt! Ich geh ins Tirol.
Redensart, Mitte 18. Jahrhundert

Zwischen Bergen und Måhlzeit

Irgendwann auf den letzten Kilometern ins Ötztal passiert es. Die Berge rücken so nah heran, dass sie das Tal beinahe für sich beanspruchen. Die Hektik des Alltags bleibt irgendwo hinter dem Fernpass zurück, stattdessen bestimmen Gipfel, Wälder und die rauschende Ötztaler Ache die Szenerie.

Für die erste Nacht beziehen wir Quartier am Naturcamping Kuprian in Längenfeld. Der mehrfach ausgezeichnete, in dritter Generation geführte Platz liegt idyllisch eingebettet genau dort, wo man ihn haben möchte: mitten in der Natur, aber mit allem Komfort, den man nach einem Reisetag schätzt. Nicht protzig, nicht laut, sondern angenehm unaufgeregt.

Am Abend geht es ins Restaurant Måhlzeit. Tirol kann bodenständig, Tirol kann modern. Hier gelingt beides gleichzeitig. Während draußen die Abendsonne die Bergflanken in warmes Licht taucht, startet eine Reise, die in den kommenden Tagen noch einige Überraschungen bereithalten wird.

Am nächsten Morgen duftet es nach frischem Brot. Die hauseigene Mühle des Campingplatzes liefert die Grundlage für ein Frühstück, das perfekt zur Umgebung passt. Während die umliegenden Gipfel langsam aus dem Morgendunst auftauchen, fällt der Aufbruch in Richtung Abenteuer erstaunlich leicht.

Man sieht auf den Bild einen Campingplatz bei leichter Dämmerung. Im Hitnergrund sieht man Berge und viel Natur.
Campingplatz im Ötztal. © Michael Szemes

Wasser, Fels und viel Grün

Am nächsten Morgen wird es sportlich. In Oetz warten Neoprenanzug, Helm und eine Schlucht, die nicht den Eindruck macht, als würde sie sich freiwillig bezwingen lassen. Ziel ist die Alpenrosenklamm.

Kaum erreichen wir den Einstieg zur Klamm, wartet bereits der erste Adrenalinschub. Der Weg hinunter führt aus 18 Metern Höhe am Seil von einer Brücke direkt in die Schlucht. Ein Moment, der kurz Überwindung kostet. Unten angekommen, ist die Nervosität jedoch schnell vergessen und macht Platz für pure Vorfreude auf das, was noch kommt.

Die Klamm zeigt sich von ihrer besten Seite. Kristallklares Wasser schießt durch glatt geschliffene Felsen, dazwischen leuchtet sattes Grün. Moose, Farne und Bäume erobern jeden freien Platz zurück. Es wirkt manchmal mehr nach Dschungel als nach Alpen. Immer wieder halten wir kurz inne, nur um festzustellen, dass hinter der nächsten Kurve schon das nächste Hindernis wartet.

Nach einigen Stunden in der Schlucht lodert schließlich ein Lagerfeuer. Die Guides servieren Tiroler Käsespätzle. Vielleicht liegt es an der frischen Bergluft, vielleicht an den zurückgelegten Höhenmetern. Wahrscheinlich an beidem. Jedenfalls schmecken sie hervorragend.

Es ist ein Mann in Neoprenanzu zu sehen, der sich gerade an einem Wasserfall abseilt. Er hat Spaß und lacht.
Im Ötztal heißt es Adrenalin Pur. © Feelfree Outdoor Sports_Michael Amprosi

Die Straße ist das Ziel

Danach wartet eine Etappe, die zeigt, warum Reisen mit dem Wohnmobil so besonders sind. Die Route führt über das Kühtai Richtung Innsbruck. Radsportfans kennen die Strecke als erste große Prüfung des Ötztaler Radmarathons. Für uns wird sie zum rollenden Aussichtsbalkon.

Mit 7,44 Metern Fahrzeuglänge fährt man solche Straßen durchaus respektvoll an. Kehre um Kehre schraubt sich die Straße nach oben. Almwiesen ziehen vorbei, Kühe blicken gelangweilt auf die Reisenden hinunter und hinter jeder Biegung wartet ein neues Panorama. Der Blick wandert ständig zwischen Straße und Landschaft. Beides verdient Aufmerksamkeit.

Am Natterer See angekommen, verstehen wir schnell, warum der Campingplatz regelmäßig Auszeichnungen erhält. Natur, Freizeitangebot und Komfort fügen sich hier – seit 1930! – stimmig zusammen. Gleichzeitig liegt Innsbruck praktisch vor der Campingtür.

Den Abend verbringen wir im Das Brahms. Stilvoll, entspannt und genau das Richtige nach einem Tag voller Eindrücke und dem noch anstehenden Public-Viewing zur Fußball-WM am Campingplatz.

Man sieht auf den Bild einen Campingplatz inmitten der Natur mit Bergen im Hintergrund.
Campingplatz am Natterersee. © Michael Szemes

Innsbruck kann beides

Am nächsten Morgen zeigt Innsbruck seine große Stärke: Die Stadt muss sich nicht zwischen urban und alpin entscheiden. Sie ist einfach beides.

Zwischen Goldenem Dachl, Altstadt und Nordkette genügt oft ein kurzer Blick nach oben, um sich daran zu erinnern, dass die Berge hier immer mitreden. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz aus. Wo andernorts Stadtränder beginnen, startet hier das nächste Bergerlebnis.

Zur Mittagszeit kehren wir im Wirtshaus Weißes Rössl ein. Ein traditionsreiches Haus, das wunderbar zur Atmosphäre der Altstadt passt, bevor die Reise weiter ins Zillertal führt.

1Das Bild zeigt das Goldene Dachl in Innsbruck mit der Nordkette dahinter.
2Man sieht eine Häuserfassade am Inn in Innsbruck
3Das Bild zeigt einen Trompetenbaum - es ist alles grün und die Sonne scheint zwischen den blättern durch.
  •  Das Goldene Dachl in Innsbruck mit der Nordkette dahinter. © Michael Szemes
  •  Innsbruck zeigt sich von seiner schönsten Seite. © Michael Szemes
  •  Trompetenbaum im Hofgarten in Innsbruck. © Michael Szemes

Vom Hopfen zum Panorama

Mit dem Ferienresort Aufenfeld wartet die dritte Campingstation der Reise. Modern, gepflegt und bestens organisiert präsentiert sich der mehrfach prämierte Platz als idealer Ausgangspunkt für Erkundungen im Zillertal. Der hauseigene Erlebnispark ist dabei so umfangreich, dass die auch mal ausbleiben können.

Danach geht es ins BrauKunstHaus nach Zell am Ziller. Wer glaubt, Bier sei einfach Bier, wird hier eines Besseren belehrt. Die Ausstellung verbindet Geschichte, Handwerk und moderne Inszenierung zu einer kurzweiligen Reise durch die Zillertaler Brautradition. Am Ende folgt die Verkostung. Rein wissenschaftlich natürlich.

Zum Abendessen treffen wir uns im Englhof. Beim Alpine Culinarium Menü in der traditionellen Stubn zeigt sich einmal mehr, wie eng Gastfreundschaft und Kulinarik in Tirol miteinander verbunden sind.

Man sieht ein Bergpanorama und ein Schild auf dem "Adlerbühne" steht.
Die Adlerbühne am Ahorn im Zillertal. © Michael Szemes
Auf dem Bild ist ein Falke zu sehen, der auf einem Balken sitzt und den Kopf zur Seite dreht.
Einen Falken aus nächster Nähe betrachten. © Michael Szemes
Man sieht eine Holzbühne auf der verschiedene Greifvögel auf Balken sitzen.
Die Greifvögel waren ein absolutes Highlight. © Michael Szemes
1Das Bild zeigt eine grüne Wiese, eine Almhütte und eine Bergkette.
2Das Bild zeigt, wie eine Frau eine Kuh streichelt.
3Das Bild zeigt eine grüne Wiese und eine Bergkette.
  •  Panorama am Ahorn. © Michael Szemes
  •  Neben den Greifvögeln trifft man am Ahorn Rundwanderweg auch die ein oder andere Kuh. © Michael Szemes
  •  Bergpanorama am Ahorn. © Michael Szemes

Der finale Blick von oben

Am letzten Tag bringt uns die Ahornbahn hinauf auf das Ahornplateau. Oben warten klare Bergluft, weite Almflächen und Ausblicke, die jede Speicherkarte füllen könnten. Auf dem AlbertAdler ErlebnisWeg eröffnet sich immer wieder der Blick auf die umliegende Bergwelt. Ein Abstecher zur AdlerBühne gehört ebenso dazu wie die Zerggln im Filzenstadl.

Die Talfahrt erfolgt mit dem SkyRide. Von der Plattform am Dach der Gondel öffnet sich der Blick auf die Bergwelt, noch einmal ziehen Gipfel und Almen vorbei.

Vier Tage sind nicht viel Zeit für Tirol. Aber genug, um festzustellen, dass hier nicht nur die Ziele überzeugen. Oft sind es die Wege dorthin. Und manchmal sind es eben auch Käsespätzle am Lagerfeuer.

Man sieht das Zillertal von Oben.
Zillertal von oben - Panoramablick vom Ahorplateau aus. © Michael Szemes

Mit bestem Dank an den Caravan Salon Düsseldorf für die Organisation der Reise.

Das Bild ist ein Portraitfoto von Michael Szemes. Er trägt ein weißes Hemd und verschränkt die Arme. Der Hintergrund ist grün.

Autor:in

Michael Szemes ist seit September 2020 beim Österreichischen Camping Club (ÖCC) tätig und beschäftigt sich dort mit Produktentwicklung, Marketing und Mitgliederinteressen. Auch privat dreht sich bei ihm vieles ums Camping: Ob im Zelt, Van, Wohnwagen oder Wohnbus, unterwegs ist er am liebsten auf Festivals. Immer mit dabei: seine Kamera.

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