Nicht genügend, setzen.

Was passiert bei einem negativen Testurteil?

SicherheitTechnik

Kindersitze, Fahrradhelme, Autoreifen: Der ÖAMTC und seine Partnerorganisationen nehmen regelmäßig Produkte aus der Welt der Mobilität unter die Lupe. Die Tests sollen Konsument:innen bei der Kaufentscheidung Orientierung geben. Bewertet wird im klassischen Schulnotensystem.

Sicherheit über Komfort

Doch was passiert eigentlich, wenn ein Produkt durchfällt? Und wie kommt es überhaupt zu einem negativen Urteil? Wir haben bei Steffan Kerbl nachgefragt. Der Technikexperte steht bei vielen dieser Überprüfungen an vorderster Front: Seit mehr als zwei Jahrzehnten leitet er die Test-Abteilung des Clubs. "Wenn wir Produkte testen, folgen wir einem strikten Protokoll", erklärt Kerbl. Bewertet wird in mehreren Kategorien, aus denen sich schließlich die Gesamtnote ergibt. Allerdings zählt nicht jeder Bereich gleich viel. "Sicherheit ist generell wichtiger als etwa Komfort", so Kerbl.

Steffan Kerbl beim Reifentest - Steffan Kerbl beim Reifentest. © ÖAMTC/Essl

Negative Note für Kindersitz

Beim Kindersitz wird zum Beispiel geprüft, wie gut das Kind sitzt oder wie einfach die Bedienung ist. Doch egal, wie bequem oder leicht zu handhaben der Sitz auch ist: Löst er sich bei einem Frontalaufprall von seiner Basis und wird durchs Fahrzeug geschleudert, ist das Gesamturteil klar. Genau das passierte beim Kindersitztest 2026 mit dem Modell "Kinderkraft Mink Pro 2 + Base Mink FX2". Die Folge: eine negative Gesamtnote.

16 Kindersitze stehen nebeneinander am Boden vor einem weißen Auto
Wird ein Kindersitz durchs Fahrzeug geschleudert, hilft auch keine einfache Handhabung. © Studio Huger/ Stephan Huger

Unterschiedliche Gewichtung auch beim Reifentest

Auch beim Reifentest gelten klare Prioritäten. In der "Königsklasse" des Tests, wie Kerbl das besonders komplexe Verfahren nennt, wird etwa der Nassgriff – also die Bremsperformance auf nasser Fahrbahn – stärker gewichtet als das Bremsverhalten auf trockener Fahrbahn. "Benötigt ein Fahrzeug mit Reifen XY beim Bremstest zwei Autolängen mehr als mit Konkurrenzprodukten, kann das nur eine negative Bewertung nach sich ziehen", sagt Kerbl. Aber was geschieht dann eben, wenn ein Produkt beim Test nicht besteht?

Rotes Auto fährt auf Schneefahrbahn bei Sonnenaufgang
Winterreifentest 2025 - Komplex: Der Reifentest ist die Königsklasse der Tests. © ÖAMTC

Hersteller erfahren es vorab

Bevor ein Testergebnis veröffentlicht wird, informiert der ÖAMTC die betroffenen Hersteller. Sie erhalten zwar noch keine konkrete Note, aber die entscheidenden Fakten: Wie lang war der Bremsweg? Wie hat sich das Produkt beim Crashtest verhalten? Wo lagen die Schwächen? Diese Vorabinformation gibt Unternehmen die Chance, zu reagieren. Manche starten einen Rückruf. So auch Kinderkraft: Das Unternehmen nahm den betroffenen Kindersitz zurück und bietet Kund:innen einen Umtausch an. Andere Hersteller nutzen die Ergebnisse, um ihr Produkt zu verbessern. "Wir beraten dabei auch die Hersteller", erklärt Kerbl. Für Konsument:innen wichtig: Wird ein Produkt zurückgerufen, überarbeitet oder nimmt der Hersteller zum Test Stellung, veröffentlicht der ÖAMTC diese Informationen ebenfalls.

Wenn wir ein Produkt mit ,Nicht genügend‘ bewerten, dann genügt dieses Produkt nach dem Stand der Technik eben nicht
Steffan Kerbl, ÖAMTC Technikexperte

Nicht alle reagieren konstruktiv

So vorbildlich wie Kinderkraft reagieren allerdings nicht alle Hersteller. Manche drohen mit Klagen oder einstweiligen Verfügungen. Einmal musste Kerbl sogar vor Gericht aussagen. "Damals wurde die Klage des Herstellers abgewiesen, damit das weiterhin gewährleistet ist müssen wir sehr sorgfältig arbeiten", erzählt der Experte. "Die Tests sind reproduzierbar, aufwendig und nach klaren Vorgaben aufgebaut. Wenn wir ein Produkt mit ,Nicht genügend‘ bewerten, dann genügt dieses Produkt nach dem Stand der Technik eben nicht. Es ist untauglich."

Eine Person im grauen Anzug steht vor einem Baum.

Autor

Maximilian Barcelli ist Redakteur beim ÖAMTC Mobilitätsmagazin auto touring, behandelt dort Stories über Aktuelles und Autos und ist auch für Motorsport zuständig. Beruflich am liebsten an der Rennstrecke oder im Auto, privat am liebsten am Tennisplatz. Oder in den Bergen. Meer ist natürlich auch okay.

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