Eine Person steht vor einer grünen Wand. Sie trägt eine rosa warnweste. Auf dieser steht. 2026. Eine Legende verlässt das Gelände

35 Jahre für euch da

Silvia Panholzer hat im NIS-Ost noch Einsätze auf Zetteln notiert, Straßen in Plänen gesucht und Informationen per Funk weitergegeben. In ihren 35 Jahren im ÖAMTC-Nothilfe- und Informationsservice hat sich vieles verändert. Manches aber auch nicht.

MenschenNothilfe

Wer heute einen Blick ins NIS-Ost wirft, sieht eines sofort: Computer, digitale Karten, Headsets und moderne Einsatzleitsysteme gehören ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Für Silvia Panholzer war das allerdings nicht immer selbstverständlich. Als sie 1992 beim ÖAMTC angefangen hat, sah die Welt noch anders aus. Einsätze wurden nämlich noch händisch auf Zetteln erfasst und über ein Laufband an die Disponent:innen weitergegeben. Von dort gingen die Informationen dann per Funk an die Pannenfahrer.

Erste Anlaufstelle: Das NIS

Ob Panne, Notfall oder schnelle Frage: Wer Hilfe braucht, landet zuerst beim ÖAMTC-Nothilfe- und Informationsservice (NIS). Der Kontakt läuft über die App oder telefonisch. Handelt es sich um eine Panne, macht sich ein:e Pannenhelfer:in so schnell wie möglich auf den Weg zum Mitglied. Aber nicht immer geht es um einen Hilferuf– viele Mitglieder haben Fragen und werden dann direkt vom ÖAMTC-Informationsservice beraten. Und das passiert richtig oft: Mehr als 900.000 Anrufe pro Jahr gehen hier ein, Spitzenzeiten gibt es vor allem bei extremen Temperaturen – egal ob in eisigen Winter- oder in heißen Sommerwochen.

Von Zetteln und Straßenkarten

In ihren 35 Jahren beim ÖAMTC hat Silvia die Entwicklung des NIS-Ost aus nächster Nähe miterlebt. Aus der ursprünglich für Wien zuständigen Organisation wurde Schritt für Schritt eine moderne Einsatzzentrale mit einem deutlich größeren Aufgabengebiet. Straßenpläne, Ordner und Papierakten verschwanden nach und nach aus dem Alltag, digitale Anwendungen und vernetzte Systeme kamen hinzu. Vieles ist dadurch einfacher und effizienter geworden. Wer so lange dabei ist wie Silvia, weiß aber auch: Technik kann nicht alles ersetzen.

Denn am anderen Ende der Leitung sitzt immer noch ein Mensch. Und genau das mochte Silvia an ihrer Arbeit. Die Gespräche, die unterschiedlichen Anliegen und die Tatsache, dass man am Morgen nie so genau wusste, was der Tag bringen würde. Manchmal genügte eine Auskunft. Manchmal brauchte jemand dringend Hilfe. Und manchmal wurde aus einem zunächst ganz normalen Gespräch eine Situation, die einem auch nach Dienstschluss noch im Kopf blieb.

Historisches Foto aus der Nothilfezentrale des ÖAMTC
Blick zurück in die Vergangenheit, lange bevor Silvia beim ÖAMTC begonnen hat. © ÖAMTC/Archiv

Vieles wird schneller. Zuhören bleibt wichtig.

Natürlich haben sich in 35 Jahren auch die Erwartungen verändert. Wir alle sind ungeduldiger geworden. Informationen sind heute jederzeit verfügbar und entsprechend schnell erwarten wir auch Antworten und Hilfe.

Silvia hat aber auch erlebt, dass nicht jede:r mit der digitalen Welt gleich gut zurechtkommt. Gerade ältere Mitglieder greifen lieber zum Telefon und sind froh, wenn dort jemand zuhört, nachfragt und gemeinsam mit ihnen eine Lösung findet. Und genau das ist etwas, das sich in all den Jahren gar nicht so sehr verändert hat. Bei aller Technik geht es am Ende immer darum, für jemanden da zu sein, der gerade Unterstützung braucht. Und Silvia war gerne für diese Menschen da.

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch
Silvia Panholzer war immer mit viel Herzblut für die Anliegen der ÖAMTC Mitglieder da. © ÖAMTC
Ich bin immer gerne in die Arbeit gekommen. Im Großen und Ganzen habe ich meinen Beruf geliebt, aber jetzt ist es vorbei und jetzt gehe ich gerne in Pension.
Silvia Panholzer

Und jetzt? Pension.

Mit ihrem letzten Arbeitstag ging für Silvia Panholzer ein langer Abschnitt zu Ende. Nach 35 Jahren plötzlich keinen Dienstplan mehr im Kopf zu haben, wird vermutlich ein bisschen ungewohnt sein. Keine Frage. Aber ganz ohne ihre ehemaligen Wegbegleiter:innen wird der neue Lebensabschnitt ohnehin nicht stattfinden. Regelmäßige Treffen mit früheren Kolleg:innen haben schon bisher dazugehört und werden auch in Zukunft ihren fixen Platz haben. Denn wenn man so viele Jahre miteinander gearbeitet, sich über schwierige Dienste geärgert, gemeinsam gelacht und wahrscheinlich auch die eine oder andere Veränderung etwas skeptisch betrachtet hat, bleibt auch über den letzten Arbeitstag hinaus viel gemeinsames zurück.

Über die Jahre hat Silvia unzählige Menschen ein kleines Stück ihres Weges begleitet. Es sind diese Begegnungen, die ihr in Erinnerung bleiben und die zeigen, was die Arbeit im NIS neben aller Technik ausmacht.

Heute gibt es in Österreich vier modernst ausgestattete Nothilfezentralen des ÖAMTC.  © Erich Reismann

Hilfe aus allen Himmelsrichtungen

Übrigens: Insgesamt gibt es vier Nothilfezentralen in ganz Österreich. NIS Ost, beheimatet im ÖAMTC Mobilitätszentum in Wien, ist für die Bundeshauptstadt, Niederösterreich und das Burgenland im Einsatz. In Linz betreut das Team von NIS Nord das Gebiet Oberösterreich und Salzburg. NIS West am Standort in Innsbruck kümmert sich um Tirol und Vorarlberg und in Graz ist das NIS Süd für die Steiermark und Kärnten verantwortlich.

ÖAMTC Stützpunkt