Alles begann mit einer Schulung in Kematen, Tirol: Ihr Schulungsleiter erzählte Daniel und Alexander vom „Road Patrol Contest“. Die beiden ÖAMTC-Pannenhelfer vom Osttiroler Stützpunkt Nussdorf-Debant horchten auf. Sie googelten, wurden immer neugieriger – und schließlich war ihnen klar: „Wir machen mit!“
Ihr Vorgesetzter und Stützpunktleiter unterstützte das Vorhaben der beiden auf ganzer Linie. Daniel und Alexander bereiteten sich also gut vor, packten ihre Sachen und fuhren nach Wien – zum österreichischen Vorentscheid für die „Pannenhilfe-Europameisterschaft“! Ohne gröbere Vorahnung, was auf sie zukommen würde – aber jedenfalls mit dem Gedanken, ihr Bestes geben zu wollen, und mit dem Podium als Ziel.
Sieben Teams, ein Ticket: Der Vorentscheid
Im Mai 2026 trafen sich die sieben Teams aus allen ÖAMTC-Landesvereinen im Mobilitätszentrum Wien-Erdberg zum „Road Patrol Contest“ – gleichzeitig die österreichische Vorausscheidung für den europäischen Wettbewerb. Mittendrin das Osttiroler Pannenhilfe-Duo Daniel Obererlacher und Alexander Unterberger: „Spätestens bei der Ankunft in Wien war uns klar: Wir wollen uns qualifizieren, wir wollen dieses Ticket zum internationalen Finale 2026 in Deutschland.“ Gemeint ist das „Road Patrol Training for Excellence“, auch „Pannenhilfe-Europameisterschaft“ genannt.
Die Aufgaben, die es für Daniel und Alexander beim Vorentscheid in Wien zu lösen galt, tolerierten keine Wissenslücken und waren teilweise richtig knifflig. Gefragt war technisches Know-how von A bis Z: bei Autos mit Verbrennungsmotor ebenso wie bei jenen mit Elektro- oder Mildhybridantrieb, genauso waren Fahrräder und Anhänger Bestandteile der Wettbewerbsaufgaben. Hinzu kam noch eine Spezialaufgabe, die die ÖAMTC „Lehrwerkstatt“ ausgearbeitet hatte: das „blinde“ Erkennen von mobilitätsbezogenen Bauteilen in einer Mystery Box. Um da zu punkten, brauchte es viel Erfahrung, volle Konzentration und ein wirklich gutes Gespür für Formen und Materialien.
Am Ende gelang es ihnen tatsächlich: Daniel und Alexander setzten sich durch. Die beiden Tiroler überzeugten die Jury mit ihrem perfektem Teamwork, Kund:innenorientierung sowie technischem Wissen und Geschick. Damit lösten sie ihr Ticket zum großen Europa-Finale in Deutschland. Der Österreich-Sieg markierte für das erfolgreiche ÖAMTC-Duo also auch den Beginn der ganz großen Reise und einer noch nie dagewesenen Challenge.
Wir konnten es anfangs kaum fassen, dass wir uns qualifiziert haben, und dann waren wir einfach mega glücklich und ganz gespannt, wie’s weitergeht.

München calling: 16 Nationen beim Finale in Bayern
Von 13. bis 16. Oktober 2026 wurde das bayerische Penzing nahe München zum Mittelpunkt der europäischen Pannenhilfe. Der deutsche Mobilitätsclub ADAC fungierte in diesem Jahr als Gastgeber, 16 Nationen schickten ihre besten Teams ins Rennen.
„Wir hatten uns gut auf die Europameisterschaft vorbereitet. Trotzdem waren Aufregung und Nervenkitzel unsere ständigen Begleiter. Es war für uns klarerweise eine Ausnahmesituation und wir wollten einfach unser Allerbestes geben!“, erinnern sich die Pannenhilfe-Profis aus Tirol zurück an die internationalen Wettbewerbstage.
Vier Tage lang standen Trainings- und Bewertungssequenzen auf dem Programm: Die teilnehmenden Pannenhilfe-Duos arbeiteten an Fahrzeugen unterschiedlicher Marken, diagnostizierten Pannenursachen und reparierten unter Zeitdruck. 20 Minuten Zeit, um den Grund der Panne zu eruieren und den Fehler zu beheben bzw. dem fiktiven Mitglied das weitere Vorgehen zu erklären. Wie vielschichtig der Wettbewerb ist, das zeigt auch das Bewertungsprinzip: Punkte gab es für den sicheren Umgang mit der Pannensituation, die Kund:innenbetreuung, eine sorgfältige Vorabprüfung, einen logischen Diagnoseprozess, die Reparaturzeit, die Anwendung des im Training vermittelten Wissens, Teamwork, eigenes technisches Know-how – und natürlich die erfolgreiche Pannenbehebung.
Kurzum: Es geht nicht nur darum, ob ein Fahrzeug wieder flottgemacht wird, sondern auch wie systematisch, sicher und kund:innenorientiert der Pannenfall gelöst wird. Genau das macht den Unterschied zwischen einem:einer guten Pannenhelfer:in und einem:einer exzellenten.



- - Die teilnehmenden Pannenhilfe-Duos arbeiteten an Fahrzeugen unterschiedlicher Marken,... © ÖAMTC/Kress
- - ... diagnostizierten Pannenursachen und reparierten unter Zeitdruck. © ÖAMTC/Kress
- - Daniel und Alexander holten Bronze – und eroberten damit Platz drei unter 16 Nationen. © ÖAMTC/Kress
Aufs Podium in Penzing: BRONZE für Österreich
Schlussendlich hatten sich die vier Tage voller Power, Konzentration und Ehrgeiz absolut ausgezahlt für unsere beiden Pannenhilfe-Profis. Daniel und Alexander holten Bronze – und eroberten damit Platz drei unter 16 Nationen! Die Heimreise nach Osttirol trat das Duo dann natürlich voller Glück und Erleichterung an: „Wir hätten nicht schöner empfangen werden können, als wir zurück nach Hause gekommen sind – das gesamte Stützpunkt-Team in Nussdorf-Debant hat uns mit Blitzleuchten, Willkommensplakaten und Sekt zum Anstoßen empfangen. Erst da wurde uns so richtig klar, was wir in den Tagen zuvor erlebt und geschafft hatten.“ Die besten Pannenhelfer Österreichs waren sie schon seit Mai. Nun haben sie auch bei der Europameisterschaft einen Stockerlplatz errungen. Und als Draufgabe belegten Daniel und Alexander sogar auch noch Platz 2 bei der „Social Activity“ im Rahmen des Road Patrol Trainings.
„Am meisten weiterentwickelt haben wir uns sicher im Bereich der Elektro- und Hybridantriebe – und beim Kommunizieren auf Englisch“, blicken Daniel und Alexander zurück.
Wir haben jede Herausforderung am Weg als Team gemeistert und immer super zusammengespielt – bei den Vorbereitungen, im Training und in der Wettbewerbssituation. Das macht uns schon sehr stolz und happy!

Weit mehr als „nur“ ein Wettbewerb
„Es war wirklich spannend für uns, zu sehen, wie die Clubs anderer europäischer Länder ausgestattet sind, mit welchen Fahrzeugen sie unterwegs sind und so weiter. Und der Erfahrungsaustausch mit den anderen Teams aus Europa war einfach spitze“, schwärmt das erfolgreiche Pannenhilfe-Duo. Anhand dessen wird auch der Kern des Road Patrol Training for Excellence – kurz RPTfE – sichtbar: Ein Wettbewerb als Plattform für echten Wissenstransfer zwischen den Mobilitätsclubs. Ein europäisches Qualitäts- und Lernformat für Pannenhilfeorganisationen.
Ein weiteres Highlight in diesem Jahr: Der ÖAMTC war heuer nicht nur Teilnehmer, sondern auch Mitgestalter – als einer von insgesamt vier Aufgabenentwicklern, die gemeinsam das Road Patrol Training 2026 konzipierten.
Allein 2025 verzeichnete die mobile Pannenhilfe des ÖAMTC mehr als 700.000 Einsätze in ganz Österreich. Hinter jedem dieser Einsätze stecken Pannenfahrer:innen wie Daniel und Alexander – Menschen, die nicht nur Schraubenschlüssel schwingen, sondern gleichzeitig Mitglieder und Kund:innen betreuen, zuverlässige Diagnosen stellen und unter Druck kühlen Kopf bewahren. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Zeit beim RPTfE in Penzing fließen zurück ins Know-how des ÖAMTC und in alle Regionen – und von dort wiederum in die tägliche Arbeit des mobilen Pannendienstes auf Österreichs Straßen.
Ein Hinweis für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Die Kolleg:innen im mobilen Pannendienst suchen immer wieder Unterstützung für die Teams in ganz Österreich. Nähere Infos dazu gibt es im ÖAMTC-Karriereportal unter www.oeamtc.at/karriere-portal.
Unser Job ist so vielfältig und es macht einfach Spaß, den Menschen zu helfen und sich selbst jedes Mal aufs Neue herauszufordern.
Über das „Road Patrol Training“
Das jährliche Road Patrol Training for Excellence wird gemeinsam von der FIA Region I und ARC Europe veranstaltet. Es existiert bereits seit 2004 in verschiedenen Formen, 2015 zog die FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) Region I Bilanz über „elf Jahre Wissenstransfer und Wettbewerb“ und reformierte das Format gemeinsam mit ARC Europe grundlegend: Seitdem heißt es „Road Patrol Training for Excellence“, kurz RPTfE. Der Name verrät schon, worum es im erweiterten Sinne geht: Über den bloßen Wettbewerb hinaus stehen frisches Know-how, Best Practice-Beispiele und Wissen über neue Fahrzeugtechnologien im Fokus. Der RPTfE soll als Plattform für den internationalen Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Mobilitätsclubs dienen. Das erklärte Ziel: Die Qualität der Pannenhilfeleistungen europaweit auf ein einheitlich hohes Serviceniveau zu heben.
Die ÖAMTC-Teams landen übrigens immer wieder im europäischen Spitzenfeld – ein schöner Beweis für das hohe Ausbildungsniveau beim größten Mobilitätsclub des Landes und auch eine große Motivation, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Über die Autorin
Emily Burian ist seit November 2021 im Team der Öffentlichkeitsarbeit beim ÖAMTC tätig. Reden, schreiben, lesen – das macht sie nicht nur beruflich sehr gerne, sondern auch in ihrer Freizeit. Und weil sie Langeweile als eher fad empfindet, geht sie möglichst oft auf Reisen, lernt andere Sprachen und liebt es, Neues zu entdecken – bestenfalls gemeinsam mit Family und Freunden.
