Liebling, ich habe die Kinder vergessen

Kinder-Erkennungssysteme als innovatives Sicherheitsnetz im Auto

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Es klingt zunächst so absurd, dass man den Satz kaum aussprechen möchte: „Ich habe mein Kind im Auto vergessen.“ Wie sollte das passieren? Schließlich steigt man doch gemeinsam ins Auto, fährt los – und weiß genau, dass es auf der Rückbank sitzt.

Und trotzdem kann ein solcher Moment im hektischen Alltag entstehen. Das Kind schläft vielleicht tief und fest in der rückwärtsgerichteten Babyschale, während man auf der gewohnten Strecke noch schnell beim Supermarkt stehen bleibt. „Ich bin ja gleich wieder da“ – ein Gedanke, der harmlos klingt. Man steigt aus, schließt das Auto ab und ist mit den Gedanken schon bei der nächsten Erledigung. Die Rückbank gerät dabei aus dem Blick.

Oder der Tagesablauf läuft plötzlich anders als gewohnt: Ein Anruf, ein Termin, eine unerwartete Planänderung – und schon ist die gewohnte Routine durchbrochen. Gerade solche Veränderungen können dazu führen, dass selbst Dinge, die normalerweise selbstverständlich sind, aus dem Bewusstsein rutschen.

Das ist alles andere als harmlos. Ein Kind allein im Auto zurückzulassen, ist grundsätzlich gefährlich – unabhängig davon, ob es nur wenige Minuten dauern soll. Im Sommer wird die Situation allerdings besonders kritisch: Ein in der Sonne abgestelltes Fahrzeug kann sich innerhalb kürzester Zeit massiv aufheizen. Aus einer vermeintlich schnellen Erledigung kann dadurch eine lebensbedrohliche Situation werden.

45 Grad und mehr: Wenn das Auto zur Hitzefalle wird

Wer schon einmal im Hochsommer in ein in der Sonne abgestelltes Auto gestiegen ist, kennt das Gefühl: Tür auf, und eine regelrechte Hitzewelle schlägt einem entgegen. Für Kinder kann diese Hitze besonders gefährlich werden.

Messungen des ÖAMTC zeigen, dass sich die Temperatur im Fahrzeuginnenraum innerhalb weniger Minuten deutlich erhöht. Bei einer Außentemperatur von 30 Grad können schon nach einer Viertelstunde bis zu 45 Grad im Inneren erreicht werden. Bei längerer Standzeit kann die Lufttemperatur im Fahrzeug sogar auf bis zu 60 °C steigen, während sich Armaturenbrett und Sitze in der prallen Sonne auf bis zu 80 °C aufheizen können. Ein leicht geöffnetes Fenster schafft dabei kaum Abhilfe – die Luftzirkulation ist zu gering.

Für Babys und Kleinkinder ist die Situation besonders kritisch: Sie können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren und machen sich unter Umständen nicht einmal bemerkbar. Dehydrierung und Überhitzung können deshalb sehr schnell zu einer akuten Gefahr werden.

Die wichtigste Regel ist daher eindeutig: Kinder niemals allein im Auto zurücklassen – auch nicht für wenige Minuten.
Steffan Kerbl

Wenn Technik daran erinnert, dass da noch jemand ist

Was aber, wenn genau die menschliche Unachtsamkeit verhindert werden könnte? Moderne Fahrzeuge setzen zunehmend auf sogenannte Kinder-Erkennungssysteme (Child Presence Detection, oder kurz: CPD). Sie sollen erkennen, ob sich nach dem Abstellen des Fahrzeugs noch ein Kind im Auto befindet, und den:die Lenker:in entsprechend warnen.

Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. Indirekte Systeme können beispielsweise über Gurtschlösser oder Sitzbelegung feststellen, dass auf der Rückbank jemand gesessen hat. Beim Abstellen des Fahrzeugs erinnert das System dann daran, einen Blick nach hinten zu werfen.

Direkte Kinder-Erkennungssysteme gehen einen Schritt weiter: Sensoren, Radar oder Kameras können Bewegungen beziehungsweise Vitalzeichen erfassen und dadurch erkennen, ob sich tatsächlich noch ein Kind im Fahrzeug befindet. Das ist vor allem dann interessant, wenn ein Kind schläft oder durch eine rückwärtsgerichtete Babyschale nicht unmittelbar sichtbar ist.

Eine aktuelle Untersuchung des ÖAMTC und seiner Partnerorganisationen hat die Kinder-Erkennung in vier aktuellen Fahrzeugen – BYD Seal, Zeekr 001, BMW iX3 und Mercedes-Benz CLA – genauer unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich: Direkte Systeme bieten grundsätzlich den größeren Sicherheitsgewinn. Gleichzeitig unterscheiden sich die Systeme deutlich in ihrer Zuverlässigkeit. Während ein etwa einjähriges Kind in den meisten Tests zuverlässig erkannt wurde, zeigten einige Systeme Schwächen bei der Erkennung von Neugeborenen in rückwärtsgerichteten Babyschalen.

Erkennen allein reicht nicht

Und selbst wenn das System ein Kind zuverlässig erkennt, ist damit noch nicht alles getan. Entscheidend ist auch, was danach passiert.

Manche Fahrzeuge warnen akustisch oder aktivieren die Warnblinkanlage. Andere schicken eine Benachrichtigung aufs Smartphone oder machen Personen in der Umgebung auf die Situation aufmerksam. Aus Sicht des ÖAMTC ist vor allem eines wichtig: Die Warnung muss den:die Lenker:in auch dann erreichen, wenn diese Person das Fahrzeug bereits verlassen hat.

Denn eine Meldung am Display hilft wenig, wenn niemand mehr im Auto sitzt, um sie zu sehen.

„Ein gutes System sollte nicht bei einer Meldung am Display enden. Wenn Fahrer:innen das Fahrzeug bereits verlassen haben, müssen Warnungen auch außerhalb des Autos wahrnehmbar sein. Das erhöht die Chance, dass gefährliche Situationen rechtzeitig erkannt werden“, erklärt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Technik kann damit ein zusätzliches Sicherheitsnetz sein – und im besten Fall genau den entscheidenden Moment abfangen, in dem aus einer kurzen Unachtsamkeit eine gefährliche Situation werden könnte.

Kindererkennungssysteme warnen auf verschiedene Weisen. Teils durch eine Meldung auf dem Display © ÖAMTC
Man sieht ein Hand auf der eine Warnmeldung angezeigt wird, dass ein Insasse im Auto erkannt wurde.
Oder es wird eine Nachricht an das Smartphone geschickt. © ÖAMTC
Auch Smartwatches können Warnhinweise empfangen. © ÖAMTC

Der beste Reminder bleibt: hinten nachschauen

Trotz aller technischen Möglichkeiten gilt aber: Technik kann die Aufmerksamkeit unterstützen, aber niemals ersetzen.

Die einfachste und wichtigste Gewohnheit lautet deshalb: Beim Aussteigen immer einen Blick auf die Rückbank werfen. Das kann helfen, den Griff zur Tasche oder zum Handy nicht wichtiger werden zu lassen als das, was wirklich zählt.

Und wenn ein Fahrzeug eine Warnung ausgibt, sollte diese niemals ignoriert werden.

Wer ein Kind in einem heißen, abgestellten Fahrzeug bemerkt, sollte zunächst versuchen, die Fahrzeughalter:innen ausfindig zu machen. Besteht unmittelbare Gefahr, muss rasch gehandelt und im Zweifel der Notruf verständigt werden.

Die wichtigsten Tipps im Überblick

  • Kinder niemals allein im Fahrzeug zurücklassen, auch nicht für wenige Minuten.
  • Warnmeldungen des Fahrzeugs ernst nehmen und nicht ignorieren.
  • Beim Fahrzeugkauf auf moderne Systeme zur Kind-Erkennung achten.
  • Bei einem unbeaufsichtigten Kind im Fahrzeug rasch Hilfe organisieren und im Zweifel den Notruf verständigen.
Das Bild zeigt eine Frau mit braunen Haare, die eine graues T-shirt trägt.

Autor:in

Eberharter Anna (she/her) ist seit Jänner 2022 beim ÖAMTC im Team der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ihre Themenschwerpunkte beim Mobilitätsclub sind Reisen und Tourismus sowie Diversität und Inklusion. In ihrer Freizeit setzt sich Eberharter für Feminismus und Gleichstellung ein. Sie ist kunstinteressiert, mag Bücher und Podcasts und hat ein Faible für Zimmerpflanzen.

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