Das Foto zeigt den Weissensee, auf der linken Seite sieht man ein Holzhaus und recht einen Berg.

Das Revival der Sommerfrische

Coolcation - Ab in den Norden, der Sommerhitze davonreisen

ReiseMenschen

Sommerurlaub hatte lange eine einfache Formel: Je mehr Sonne, desto besser. Wenn ich an Sommerurlaub denke, kommt mir sofort Bella Italia, die kroatische Küste oder die griechischen Inseln in den Kopf – Hauptsache heiß, Meer und mit einem Eis in der Hand.

Temperaturen über 30 Grad sind allerdings kein Phänomen von Mittelmeerländern – Stichwort Hitzewelle. In den vergangenen Jahren habe ich gemerkt, dass „heiß“ und „erholsam“ nicht immer dasselbe sind. Wenn sich der Asphalt in der Stadt anfühlt wie eine Herdplatte und selbst der nächtliche Spaziergang eher an eine Sauna erinnert, wächst die Sehnsucht nach der guten alten Sommerfrische – im wahrsten Sinne des Wortes. Die moderne Bezeichnung dafür lautet Coolcation.

Statt bei 38 Grad durch eine Altstadt zu schleichen oder am Strand nach dem letzten Schattenplatz zu suchen, zieht es immer mehr Menschen bewusst in kühlere Regionen. Nach Skandinavien, in die Berge oder an Orte, an denen man tagsüber aktiv sein kann, ohne ständig über die nächste Abkühlung nachzudenken.

Auch ich habe diese Erfahrung schon gemacht. Norwegen steht regelmäßig auf meinem Reiseplan, und erst kürzlich war ich zum ersten Mal in Schweden. Zugegeben: nicht in erster Linie wegen der Temperaturen. Aber sowohl in Stockholm als auch bei Sommerreisen nach Norwegen habe ich schnell gemerkt, wie angenehm sich ein Urlaub anfühlen kann, wenn man bei 22 Grad durch die Stadt spaziert, wandert oder einfach draußen sitzt, ohne dass einem die Hitze die Energie raubt. Frischen Fisch und Meeresfrüchte und die salzige Meeresluft bekommt man auch im Norden. Und mit dieser Erkenntnis bin ich offenbar nicht allein.

1Auf dem Foto ist eine Frau im weißen Rock und schwarzem Tshirt zu sehen. Sie lehnt an einem Geländer. Hinter ihr sieht man das Meer und die Altstadt von Stockholm.
2Auf dem Bild sind mehrere Boote von vorne zu sehen, die am Hafen in Stockholm stehen.
3Auf dem Foto ist das Meer in zu sehen. Im Hintergrund sieht man Stockholm.
  •  Stockholm eignet sich perfekt für einen Kurzurlaub. © Eberharter_Anna
  •  Der Hafen in Stockholm © Eberharter_Anna
  •  Stockholm © Eberharter_Anna

Was steckt hinter dem Begriff „Coolcation“?

Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern cool und vacation zusammen und beschreibt einen Urlaub in Regionen mit gemäßigten Temperaturen. (Quelle) Statt Hitzestress stehen frische Luft, angenehme Sommertemperaturen und Aktivitäten im Freien im Mittelpunkt.

Dass dieser Trend gerade jetzt Fahrt aufnimmt, ist kein Zufall. Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst auch im Urlaub spürbar. In vielen Teilen Südeuropas werden Hitzewellen häufiger und intensiver. Was früher als perfektes Badewetter galt, kann heute schnell zur Belastung werden – besonders bei Städtereisen, Wanderungen oder in Nächten, in denen das Thermometer kaum unter 25 Grad fällt.

Die Vorteile einer Coolcation

  • angenehme Temperaturen tagsüber
  • bessere Schlafqualität durch kühlere Nächte
  • mehr Möglichkeiten für Wanderungen, Radtouren oder Sightseeing
  • oft geringeres Risiko für Waldbrände oder extreme Hitzeperioden
  • mehr Zeit draußen statt in klimatisierten Innenräumen

Die beliebtesten Coolcation-Ziele

Wenn von Coolcation die Rede ist, fällt der Blick schnell nach Norden. Norwegen, Schweden, Finnland und Island gehören zu den gefragtesten Reisezielen für alle, die dem Hochsommer entkommen möchten.

Doch auch andere Destinationen gewinnen an Beliebtheit. Schottland und Irland locken mit spektakulären Küstenlandschaften, das Baltikum mit historischen Städten und vergleichsweise milden Temperaturen. Und wer nicht ganz so weit reisen möchte, findet auch in den Alpen ideale Bedingungen.

Laut aktuellen Rankings zählen unter anderem Stockholm, Oslo, Göteborg, Zürich, Genf, Innsbruck und Salzburg zu den beliebtesten europäischen Coolcation-Destinationen. (Quelle)

1Auf dem Foto sieht man eine Häuserfront mit bunten, norwegischen Häusern, die direkt am Wasser liegen.
2Auf dem Foto ist das Meer in Norwegen zu sehen. In der Bildmitte sieht man eine Insel.
3Auf dem Foto sieht man ein Rotes Bootshaus auf dem "Vaxholm" steht.
  •  Die bekannten norwegischen Häuser in Trondheim. © Eberharter_Anna
  •  Küstenstraße in Norwegen © Eberharter_Anna
  •  Die Insel Vaxholm erreicht man via Fähre und ist bekannt aus Pipi Langstrumpf. © Eberharter_Anna

Coolcation direkt vor der Haustür

Für eine Coolcation muss man allerdings nicht bis nach Norwegen fliegen.

Österreich bietet vieles, was diesen Trend ausmacht: Berge, Wälder, klare Seen und angenehmere Temperaturen als in vielen Städten oder am Mittelmeer. Gerade Regionen wie das Salzkammergut, Tirol, Vorarlberg oder Kärnten verbinden Natur, Bewegung und Erholung auf ideale Weise.

Und ganz ehrlich: Wenn man nach einer heißen Woche in Wien am Abend auf einer Almhütte sitzt, eine Jacke überzieht und plötzlich wieder durchatmen kann, versteht man ziemlich schnell, warum die Sommerfrische gerade ein Comeback erlebt.

Die klassischen Sommerdestinationen wie Italien und Kroatien bleiben unangefochten an der Spitze. Wer zeitlich flexibel ist, verreist aber zunehmend im Juni oder September und verbringt die heißesten Wochen des Sommers lieber in kühleren Regionen.
Thomas Oppenheim, Leiter der ÖAMTC-Reisebüros

Hype oder langanhaltender Reisetrend?

Der Begriff „Coolcation“ mag neu sein, die Entwicklung dahinter dürfte jedoch länger anhalten.

Die klassischen Sommerziele bleiben zwar weiterhin die Favoriten. Italien, Kroatien, Spanien und Griechenland stehen laut ÖAMTC-Reisemonitoring nach wie vor ganz oben auf der Liste der Österreicher:innen.

Thomas Oppenheim, Leiter der ÖAMTC-Reisebüros, beobachtet jedoch eine Veränderung bei der Art des Reisens: „Die klassischen Mittelmeer-Destinationen bleiben sehr gefragt. Gleichzeitig merken wir aber, dass viele Urlauber:innen bewusst in Österreich bleiben und dort die Berge oder Seen als Abkühlung suchen. Wer nach Italien oder Kroatien fährt, reist außerdem häufiger im Juni oder September statt im besonders heißen Juli und August.“

Das Foto zeigt den Weissensee - im Hintergrund sieht man Berge.
Coolcation in Österreich - am Weissensee in Kärnten © Ralph Schüller

Mein Fazit

Ob der Begriff „Coolcation“ in ein paar Jahren noch verwendet wird, weiß ich nicht. Dass sich unser Reiseverhalten verändert, scheint mir dagegen ziemlich wahrscheinlich.

Ich werde auch künftig gerne nach Italien reisen. Aber ich habe in Stockholm und Norwegen erlebt, wie angenehm ein Sommerurlaub bei 20 bis 25 Grad sein kann: Man schläft besser, ist aktiver und kann den ganzen Tag draußen verbringen, ohne ständig der Hitze ausweichen zu müssen.

Vielleicht ist genau das die moderne Sommerfrische: nicht der Verzicht auf Urlaub im Süden, sondern die bewusste Entscheidung für ein Klima, in dem sich Erholung tatsächlich erfrischend anfühlt.

Wer nun auch Lust auf einen kühlen Sommerurlab hat, findet beim ÖAMTC-Reisebüro sicher das passende Angebot.

Das Bild zeigt eine Frau mit braunen Haare, die eine graues T-shirt trägt.

Autor:in

Eberharter Anna (she/her) ist seit Jänner 2022 beim ÖAMTC im Team der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ihre Themenschwerpunkte beim Mobilitätsclub sind Reisen und Tourismus sowie Diversität und Inklusion. In ihrer Freizeit setzt sich Eberharter für Feminismus und Gleichstellung ein. Sie ist kunstinteressiert, mag Bücher und Podcasts und hat ein Faible für Zimmerpflanzen.

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