Manche Mitglieder leben dort, wo andere Urlaub machen – fernab großer urbaner Zentren, hoch oben in Vorarlbergs Bergen. Aber auch dort ist der ÖAMTC regelmäßig zu Gast. Nicht mit einem fixen Stützpunkt, sondern mit einem, der kommt und wieder weiterzieht. Für Prüfdiensttechniker Mike Bartl ist das seit mehr als 15 Jahren gelebter Alltag.
Vertrautes Setting
Wer Mike zuhört, merkt schnell: Sein Arbeitsplatz ist eine mobile Bühne, auf der sich jeden Tag neue Geschichten abspielen. "Jeder Tag ist anders, und jeder Tag ist irgendwie toll", sagt er. Was bleibt, ist die unverwechselbare Szenerie, die beeindruckende Berglandschaft. Was sich ständig ändert, sind Wetter, Fahrzeuge und Menschen.
Der Rollende Stützpunkt selbst ist von außen nicht viel mehr als ein unscheinbarer, gelber Container. Doch im Inneren steckt modernste Technik: Innerhalb von rund 20 Minuten wird daraus ein vollwertiges Prüfzentrum inklusive Scheren-Hebebühne. Bis zu sechzehn Meter lang, vier Meter hoch und mit allem ausgestattet, was es für die §57a-Überprüfung braucht.

Früh beginnen, spät heimkommen
Der Tag von Mike beginnt früh. Meist gegen 6.30 Uhr geht es los, hinauf nach Lech, ins Montafon oder ins Kleinwalsertal. Dort wird aufgebaut, geprüft, beraten und organisiert. Gegen 17 Uhr wird zusammengepackt. Dann folgt die Heimfahrt. Und es gibt Tage, die noch länger sind. Wenn der Standort wechselt, wird der Container am Abend gleich weitertransportiert, damit am nächsten Morgen alles bereit ist. Planung und Flexibilität gehören da genauso dazu wie technisches Know-how.
Mehr als nur Technik
Der größte Unterschied zum stationären Stützpunkt im Tal: Mike ist hier nicht nur Techniker. Mike ist hier auch Organisator, Ansprechpartner und manchmal sogar Schneeräumer. Er verkauft Schutzbriefe, kümmert sich um Abrechnungen und sorgt dafür, dass der Betrieb reibungslos läuft. Dass ihm das liegt, überrascht nicht. Mike war schon bei der Beschaffung des Rollenden Stützpunkts dabei und kümmert sich bis heute um Wartung, Abstimmung mit der Herstellerfirma und Weiterentwicklung.

Näher dran an den Menschen
Was die Arbeit am Berg besonders macht, sind die Begegnungen. Viele Mitglieder bleiben während der Überprüfung dabei, schauen zu, stellen Fragen. Es wird geredet, diskutiert gefachsimpelt und auch gelacht. "Über 1.000 Meter Seehöhe ist man schnell per Du", sagt Mike. "Da begegnet man sich einfach auf Augenhöhe." Diese Nähe macht die Arbeit lebendig, verlangt aber auch kommunikatives Geschick. Mike erklärt viel, gibt Tipps und nimmt sich Zeit.
Jeder Tag ist anders, und jeder Tag ist irgendwie toll. Du bist mehr an der frischen Luft, weil natürlich nicht so viel umbauter Raum rund um den Container ist.
Fahrzeuge mit Charakter
Auch technisch wird es nie langweilig. Oldtimer, Motorräder, Alltagsfahrzeuge, gelegentlich ein sportlicher Roadster oder sogar ein Ferrari, der gelegentlich auf der Hebebühne steht.
Auffällig ist dabei der pragmatische Umgang der Menschen mit ihren Fahrzeugen. Die Anforderungen in den Bergen sind höher, das Klima rauer, die Wege oft anspruchsvoll. Das sieht man auch den Autos an. Gleichzeitig ist die Haltung vieler Mitglieder pragmatisch: Das Auto muss funktionieren. Wenn es das nicht mehr tut, wird es einfach ersetzt.
Ein gutes Gefühl
Wenn am Abend das Rolltor geschlossen wird, bleibt das Gefühl, viel geschafft, viele Gespräche geführt und viele Fahrzeuge wieder sicher auf die Straße gebracht zu haben. Egal ob Bregenzerwald, Montafon, Arlberg oder Kleinwalsertal: Für Mike Bartl ist genau das der Kern seiner Arbeit. Mit Technik, Erfahrung und einer guten Portion Improvisation dafür zu sorgen, dass Mobilität auch dort funktioniert, wo die Bedingungen anspruchsvoller sind.
Und so ist der Rollende Stützpunkt Jahr für Jahr unterwegs. Im Frühjahr und im Herbst, bei Sonne, Regen oder ersten Schneeflocken. Immer dort, wo er gebraucht wird. Für die Menschen vor Ort und für Mike selbst, der nach all den Jahren immer noch mit Überzeugung sagen kann: "Genau deshalb mache ich diesen Job."

Alex Fischer
Ob im Sattel oder am Schreibtisch: Beim stellvertretenden Chefredakteur des autotouring dreht sich fast alles ums Rad. In seiner Freizeit bevorzugt er klassische Stahlrahmen und die meditative Ruhe langer Fahrradtouren – beruflich behält er jedoch die gesamte Mobilität im Blick, von E-Autos bis zu den Verkehrskonzepten der Zukunft.
