Am 14. Mai 2026, irgendwo im nördlichen Burgenland, braucht ein Mensch dringend Hilfe. Minuten zählen. Der Pager schrillt und bereits kurz darauf hebt Christophorus 18 ab. Was für die Crew Routine ist, ist für den Patienten der entscheidende Moment. Nach der Erstversorgung geht es ins AKH Wien. Einsatz abgeschlossen. Erst später wurde klar, dass dieser Flug in die Geschichte der ÖAMTC-Flugrettung eingehen würde. Es war der 500.000. Einsatz seit ihrer Gründung.
Vom ersten Flug bis heute
Die Geschichte beginnt 1983, bescheiden mit Christophorus 1 in Innsbruck und Christophorus 2 in Krems und mit der klaren Mission Leben zu retten. Im ersten Jahr wurden gerade einmal 191 Einsätze geflogen. Heute klingt das fast wie eine Randnotiz, denn inzwischen rücken die Crews mehr als 21.000-mal pro Jahr aus, verteilt auf 24 Stützpunkte quer durch Österreich.
2001 markiert dann einen Wendepunkt in der Geschichte der ÖAMTC-Flugrettung. Die Übernahme von sieben Standorten, die bis dahin das Bundesministerium für Inneres betrieben hatte, war der entscheidende Schritt zum flächendeckenden Netz, das heute besteht. Seither ist das System Stück für Stück gewachsen: mehr Stützpunkte, mehr Personal und viel mehr Einsätze.
Verändert haben sich über die Jahre auch die Ursachen für eine Alarmierung. Früher dominierten Verkehrsunfälle. Heute sind es vor allem Herzinfarkte und Schlaganfälle – Notfälle, bei denen buchstäblich jede Minute zählt.


Unser Ziel bleibt, das System Flugrettung gemeinsam mit unseren Partnern weiterzuentwickeln. Notfälle halten sich nicht an Uhrzeiten – und auch nicht an Budgetgrenzen.
Zehn bis zwölf Euro für jeden investierten Euro
Was die Flugrettung gesellschaftlich wirklich leistet, lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Eine Studie hat sich das genau am Beispiel von Herzinfarkt und Schlaganfall angesehen: Für jeden Euro, der in die Flugrettung fließt, entsteht ein volkswirtschaftlicher Nutzen von rund zehn bis zwölf Euro. Wer schnell und richtig behandelt wird, trägt seltener dauerhafte Schäden davon. Das spart dem Gesundheitssystem langfristig enorme Kosten.

Mehr als Hubschrauber und Stützpunkte
Hinter all dem steckt ein System, das sich über Jahrzehnte weiterentwickelt hat – und das nie wirklich fertig ist.
So stehen beginnend mit 2017 mittlerweile an drei Standorten – Krems, Niederöblarn und St. Michael – Notarzthubschrauber rund um die Uhr bereit. Weitere zwei folgen in den kommenden 12 Monaten. Und auch technisch steht die Flugrettung nicht still: Der hauseigene Technik- und Designbetrieb HeliAir wartet nicht nur die Flotte, sondern hat mit Eigenentwicklungen wie der Kabinenlösung "Kokon" oder dem Beleuchtungssystem "Phoenix" auch international Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Es geht nicht nur um die Anzahl der Stützpunkte. Es geht um alles dahinter – Wartung, Ausbildung, Ausstattung und die Einbindung ins gesamte Rettungswesen. Das entwickelt sich laufend weiter, in vielen Bereichen gleichzeitig.
Was als nächstes kommt
Der Blick geht nach vorne. Die Flotte wird auf die neue Hubschraubergeneration H140 umgestellt, satellitengestützte Flugverfahren sollen Einsätze künftig auch bei schlechterem Wetter ermöglichen. Und Drohnen für den Transport medizinischer Güter zwischen Krankenhäusern werden bereits geprüft. Ein System, das mit den Anforderungen wächst – so wie es die letzten 40 Jahre auch getan hat.
Fakten im Überblick (Stand: Juli 2026)
- Gründung: 1983
- Standorte: 24 Notarzthubschrauber-Stützpunkte
- Flotte: 32 Airbus Helicopters H135
- Einsätze 2025: 21.650
- Flugminuten 2025: 666.800
- Einsatzbereitschaft: täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; Christophorus 2 (Krems), Christophorus 14 (Niederöblarn) und Christophorus 17 (St. Michael) im 24-Stunden-Betrieb
- Personal: 74 Pilot:innen, 381 Ärzt:innen, 159 Flugretter:innen, 74 Mitarbeiter:innen in Wartung und Technik (HeliAir), 56 in Verwaltung und Ground Operation
