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Längere Pickerl-Intervalle (§57a): Spürbare Entlastung nur durch digitales Pickerl

ÖAMTC kritisiert: Millionenkosten für Ersatzplaketten wären vermeidbar.

Eine linke Hand hält die § 57a Begutachtungsplakette, die rechte Hand eine Zange.
© ÖAMTC
§ 57a Gutachten

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Systemwechsel von 3-2-1 auf 4-2-2-2-1 verlängert Prüfintervalle, bringt aber keine spürbare finanzielle Entlastung für Konsument:innen.
  • Der ÖAMTC beziffert die vermeidbaren Verwaltungskosten für den notwenidgen Plakettentausch auf rund 23 Millionen Euro.
  • Alpine Regionen profitieren kaum: Im Bezirk Liezen weisen nach zehn Jahren 56% der Fahrzeuge schwere Mängel auf – im Flachland sind es 35%.
  • Der ÖAMTC empfiehlt Sicherheitsüberprüfungen in den prüffreien Zwischenjahren, besonders für Vielfahrer:innen und Bewohner:innen alpiner Regionen.
  • Ohne gleichzeitige Einführung des digitalen Pickerls bleibt die Reform unvollständig und stellt keine echte Entlastung für Konsument:innen dar.

Pickerl-Reform: Mehrkosten für Konsumenten wären vermeidbar

Noch vor der Sommerpause wird im Nationalrat eine Änderung bei den Intervallen für die §57a-Überprüfung beschlossen: Vom 3-2-1-System soll auf 4-2-2-2-1 umgestellt werden. Damit sollen laut Regierung das "Pickerl" entbürokratisiert und Kfz-Halter:innen finanziell entlastet werden – ein Gedanke, der in Zeiten hoher Mobilitätskosten durchaus zu begrüßen ist. Allerdings, so Bernhard Wiesinger, Leiter der Interessenvertretung des ÖAMTC, sind die Pläne zur Umsetzung nicht zu Ende gedacht:

"Der Gesetzesvorschlag sieht vor, dass zwei Millionen Fahrzeughalter:innen extra eine Begutachtungsstelle aufsuchen müssen, um sich eine Plakette abzuholen und einen neuen Fälligkeitstermin in der zentralen Prüfdatenbank eintragen zu lassen. Das ist nicht nur mühsam für die Konsument:innen, sondern wird auch Verwaltungskosten in Höhe von etwa 23 Millionen Euro verursachen. Dieser Mehraufwand müsste nicht sein, wenn man mit neuen Intervallen gleichzeitig auch das angekündigte 'digitale Pickerl' einführen würde. Das wäre echte Entlastung – auch wenn die Umsetzungsphase dann etwas länger dauern würde."

Alpenregionen verlieren, das Flachland gewinnt

Eine Analyse der österreichweiten "Pickerldatenbank" zeigt deutliche regionale Unterschiede. Im Flachland weisen nach fünf Jahren rund 25% der Pkw mindestens einen schweren Mangel auf – im alpinen Bezirk Liezen trifft das bereits auf rund 38% der Fahrzeuge zu. Nach zehn Jahren verschiebt sich das Verhältnis auf 35% zu 56%. Intensivere Winter und verstärkter Streusalzeinsatz lassen korrosionsanfällige Bauteile wie Bremsen, Auspuff und Achsen schneller verschleißen. Wiesinger warnt: „Längere Prüfintervalle werden dazu führen, dass in Zukunft solche Schäden später erkannt werden, was wiederum die Reparaturkosten massiv erhöhen kann.“ Eine finanzielle Entlastung bleibt in Alpinregionen damit vielfach aus.

Verkehrssicherheit: Der Gesetzgeber muss Daten liefern

Der ÖAMTC verweist außerdem auf den Aspekt der Verkehrssicherheit: Während die offizielle Unfallstatistik technische Defekte als untergeordnete Unfallursache führt, belegen internationale Studien, dass eine deutliche Reduktion der Begutachtungsdichte korrelierende Effekte auf das Unfallgeschehen haben kann. "Obwohl es in Österreich keine verlässlichen Untersuchungen gibt, wird behauptet, die Reform habe keine Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht, genau zu beobachten und valide Daten zu erheben, um notfalls rasch gegensteuern zu können.", fordert Wiesinger.

Neue Pickerl-Regelung: ÖAMTC-Tipps für Autofahrer:innen

  • Der Club rät, in den "Zwischenjahren" eine Sicherheits-Überprüfung stark belasteter Baugruppen durchführen zu lassen. Das gilt insbesondere für Vielfahrer:innen, aber auch für Bewohner:innen schneereicher Regionen.
  • Der ÖAMTC informiert laufend, worauf beim Austausch von Begutachtungsplaketten zu achten ist. Erwartet wird hoher Andrang bei allen Prüfstellen, d. h. bestenfalls sollte man tatsächlich im Monat der Fälligkeit der alten Plakette zum Austausch kommen.

ÖAMTC Stützpunkt