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In den Bergen: Spielregeln für Mountain-Biker

Viele Biker wissen, dass sie nur Gast in der freien Natur sind. Und sie verhalten sich auch entsprechend verantwortungsbewusst.

Mountainbiker © ÖAMTC
Mountainbiker © ÖAMTC

Zahlreiche Bundesländer und Organisationen haben Verhaltensregeln für Radfahrer in der Natur aufgestellt. Vielerorts sind sie sogar am Knotenpunkten von Mountain-Bike-Wegen gut sichtbar angebracht.

"Auch auf der freigegebenen Forststraße gilt die Straßenverkehrsordnung“, sagt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. "Es wird zwar nicht notwendig sein, Reflektoren zu verwenden. Aber wenn es finster wird, muss man auch abseits der Zivilisation ein Licht am Bike einschalten können.“

Verhaltensregeln für Mountain-Biker

  • Mountain-Biker radeln immer so, dass sie weder sich selbst noch andere gefährden oder schädigen. Sie haben außerdem eine Haftpflichtversicherung, die für verursachte Schäden aufkommt.
  • Die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung, Fahren auf Sicht bzw. auf der rechten Seite von Wegen und das Meiden von Alkohol sind eine Selbstverständlichkeit. Klar ist auch, dass man wegen der Sturzgefahr seinen Kopf durch einen Helm schützt. Forststraßen sind Betriebsflächen und Arbeitsplatz: Man muss immer mit plötzlich auftauchenden Hindernissen, Holz auf der Fahrbahn oder Kraftfahrzeugen rechnen.
  • Verantwortungsvolle Biker fahren nur auf erlaubten Routen, also auf Forststraßen, die für Radler freigegeben sind, oder auf privaten Wegen mit Zustimmung des Eigentümers. Bergab fahren sie mit einem kontrollierbaren Tempo und sie halten sich daran, wenn Strecken zeitweise gesperrt sind. Manchmal ist es besser, das Rad einige Meter zu schieben.
  • Alle sind sich bewusst, dass sie Gast bei Mutter Natur sind: Unnötige Vollbremsungen werden vermieden, da sie die Wege beschädigen. Der Schutz von Pflanzen und Tieren steht vor dem Sport. Wanderern begegnen Biker mit Rücksichtnahme und Respekt, Weidegatter und Tore werden nach der Durchfahrt wieder geschlossen. Selbstverständlich ist es auch, Lärm zu vermeiden und keine Abfälle zurückzulassen.

Mountainbike-Strecken in Österreich

Sanft biken - Radfahren immer und überall?

"Wir Mountainbiker/-innen haben die Nase voll. Durch zivilen Ungehorsam werden wir die Biker/-innen versammeln.“ Mit markigen Worten fordert die Initiative „Upmove – legal biken“ eine generelle Wegefreiheit für Mountainbiker im Wald, so wie sie derzeit für Wanderer gilt.

Wegefreiheit für Mountainbiker
Die Naturfreunde Österreich wollen zumindest eine Öffnung der Forststraßen. Das sieht auch Franz Rosenmayr von Mountain Bike Austria, dem größten Zusammenschluss von Mountainbike-Regionen, so: "Wo Wanderer auf Forststraßen gehen dürfen, sollen in Zukunft auch Mountainbiker fahren dürfen.“ Ähnlich hat sich Alpenvereins-Präsident Andreas Ermacora geäußert: "Forststraßen, auf denen zweispurige Fahrzeuge unterwegs sein können, sollten freigegeben werden."

Keine Freude bei Wald- und Grundbesitzern
Als Gegengewicht zu den Aktionen von Upmove und Naturfreunden haben die Wald- und Grundbesitzer eine eigene Kampagne gestartet. Gegen eine generelle Öffnung des Waldes unterschrieben beim Österreichischen Forstverein mehr als 20.000 Menschen, etwa gleich viel wie bei den Naturfreunden. Die Hauptargumente der Forstleute: Es seien ohnehin schon 27.000 Kilometer Forstwege freigegeben, die Unfallgefahr sei durch die vielen schweren Maschinen im Wald einfach zu groß, die Freigabe würde im Endeffekt eine Enteignung sein und es sei möglich, dass sie bei Unfällen zur Haftung herangezogen werden.

GfK-Umfrage
Außerdem führen die Grundbesitzer eine repräsentative GfK-Umfrage ins Treffen. Demnach hat nur ein einziges Prozent, also eine absolute Minderheit, der Bevölkerung überhaupt den Wunsch querfeldein mit dem Rad zu fahren. Andererseits gehen satte 91 Prozent davon aus, dass das Radfahren im Wald abseits der gekennzeichneten Wege andere Besucher und Tiere stört.

Heiß umstritten
Die Auseinandersetzung wird nicht immer mit feiner Klinge geführt. Der Vorwurf der Geschäftemacherei wird von beiden Seiten erhoben. Wenn die Mikrofone ausgeschaltet sind, klingt bei manchen Forstleuten durch, dass sie viele Biker für nicht gerade verantwortungsvoll halten. Umgekehrt können auch viele rücksichtsvolle Radler von unheimlichen Begegnungen mit offenbar grundlos aggressiven Forstleuten berichten.

ÖAMTC ruft zu Vernunft und Kompromiss auf
Schutz und Schonung der Natur sind genauso wichtig wie Sicherheit und Rücksichtnahme aller Beteiligten. Clubjurist Martin Hoffer: "Radfahren am Berg kann daher nicht überall und jederzeit erlaubt sein.“ Der ÖAMTC will sich aber dafür einsetzen, dass bundesweit Kriterien erarbeitet werden, die eine Öffnung von weiteren Forststraßen im Konsens ermöglichen. Dass die Vernunft auch bei diesem Thema Chancen hat, zeigen Bundesländer wie Tirol, Kärnten und die Steiermark, wo Behörden, Tourismusverbände und Grundbesitzer erfolgreich Modellregionen geschaffen haben.

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