8 INFORMATION Christophorus ZWISCHEN ADRENALIN UND HEISSHUNGER Wie lässt sich eine gesunde Lebensweise mit einem Arbeitsalltag vereinbaren, der oft keine planbaren Pausen kennt und bei dem der nächste Einsatz nur eine Alarmierung entfernt ist? › Fotos: pixabay (1) Professionelle Flugrettung beginnt lange vor dem ersten Funkspruch. Während technische Präzision, fliegerisches Handwerk und medizinisches High-End-Training seit jeher zur Grundausstattung der ÖAMTCFlugrettung gehören, rückt ein weiterer Sicherheitsfaktor immer stärker in den Fokus: die körperliche und mentale Fitness der Crew. „Die Themen Gesundheit und Ernährung sind im Einsatzalltag von zentraler Bedeutung, besonders angesichts der hohen physischen und psychischen Belastungen, denen unsere Teams täglich ausgesetzt sind“, betont Wolfgang Voelckel, ärztlicher Leiter der ÖAMTCFlugrettung. Das Hauptproblem in der Ernährung am Stützpunkt ist selten ein Mangel an theoretischem Wissen. Die meisten Teammitglieder sind medizinisch geschult und wissen genau, was eine ausgewogene Kost ausmacht. Die eigentliche Hürde ist die Dienstrealität. Der Arbeitsalltag ist geprägt von Schichtdienst, hoher mentaler Belastung und absoluter Unvorhersehbarkeit. „In der Dienstrealität gibt es keine fixen Zeitfenster für Mahlzeiten. Wenn der Piepser geht, müssen wir sofort einsatzbereit sein“, erklärt Josef Penatzer, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und leitender Notarzt am Stützpunkt Alpin Heli 6. Darüber hinaus ist er für die medizinische Einstiegsuntersuchung neuer Crewmitglieder zuständig. Teufelskreis Oft konzentrieren sich Einsätze genau um die Mittagszeit. „Der Klassiker ist, dass wir uns zum Essen hinsetzen und dann der Notruf hereinkommt“, schmunzelt Voelckel. Diese Unplanmäßigkeit führt manchmal in einen Teufelskreis: Mahlzeiten werden ausgelassen und durch schnelle Energie in Form von Kaffee, Energydrinks oder zuckerhaltigen Snacks ersetzt. Dieses „chaotische Snacken“, wie Penatzer es nennt, führt jedoch zu massiven Blutzuckerschwankungen. Es stabilisiert die Energie nicht nachhaltig, sondern provoziert kurz nach dem künstlichen Hoch ein tiefes Konzentrationsloch. Werden die Hauptkalorien aufgrund eines einsatzreichen Tages erst spätabends zugeführt, leidet zudem die Schlafqualität massiv. Der Körper ist mit Verdauen beschäftigt, statt sich zu regenerieren, was die Leistungsfähigkeit für den nächsten Tag mindert. Werkzeug In der Flugrettung ist Ernährung kein Lifestyle-Thema und keine Frage der Ästhetik. Sie ist ein funktionales Werkzeug. Die Crew wechselt binnen Sekunden vom Stand-by- in den Hochleistungsmodus. Eine Unterversorgung oder eine Dehydrierung mindert die Konzentrationsfähigkeit und die Feinmotorik nachweislich. In Situationen, in denen komplexe medizinische Maßnahmen unter Zeitdruck oder in schwierigem alpinem Gelände durchgeführt werden müssen, kann die kognitive Schärfe lebensentscheidend sein. Penatzer betont, dass eine durchdachte Nährstoffzufuhr die notwendige „physiologische Reserve“ bildet. Nur wer seinen Körper kontinuierlich mit hochwertigen Brennstoffen versorgt, kann genau dann Höchstleistung abrufen, wenn die Belastungen am größten sind. Dabei geht es nicht nur um Kalorien, sondern um die richtige Mischung aus komplexen Kohlenhydraten, Proteinen und gesunden Fetten, die den Insulinspiegel flach halten und Heißhungerattacken verhindern. Sozialer Anker An den Christophorus-Stützpunkten ist laut den beiden Flugrettungsärzten das Frühstück eine der wichtigsten (sozialen) Mahlzeiten – als erstes Briefing, Informationsaustausch und Start in den gemeinsamen Tag. Es dient dem „Nivellieren“: „Man bespricht den Tag und spürt, wie die Kolleg:innen mental und körperlich eingestellt sind“, erläutert Voelckel, und Penatzer ergänzt: „Das Frühstück von Antonia Lang
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