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Das Bild zeigt eine Frau mit Braunen Haaren, die ein ÖAMTC-Oberteil trägt un in einer Werkstatt steht.

Herzensthema: Berufsorientierung

Was passiert, wenn eine Lehrerin die Schulbank gegen die Werkstatt tauscht? Julia Grill schnupperte am ÖAMTC Stützpunkt Wien-West in die Kfz-Technik – und erlebte dabei deutlich mehr als erwartet.

MenschenTechnik

Julia Grill unterrichtet an einer Wiener Sonderschule Schüler:innen im Alter von 11 bis 17 Jahren. Um künftig das Fach Berufsorientierung zu unterrichten, absolviert sie derzeit eine Weiterbildung – inklusive Praktikum beim ÖAMTC. Ihre Motivation bringt sie klar auf den Punkt: "Ich bin gerne Lehrerin und Berufsorientierung ist extrem wichtig für Schüler:innen. Viele haben noch gar keine Ahnung, was sie überhaupt interessiert. Es ist wichtig, die eigenen Stärken kennen zu lernen und sich bewusst zu werden, was zu einem selbst passt." Auf den ÖAMTC wurde Julia über den Wiener Töchtertag aufmerksam – eine Initiative, die Mädchen gezielt für technische Berufe begeistert. Genau das traf ihren eigenen Wunsch: als Frau in einem männlich dominierten Umfeld zu schnuppern und diesen Blick später an ihre Schüler:innen weiterzugeben. In ihrem eigenen Schulalltag ist das Geschlechterverhältnis umgekehrt – Julia arbeitet dort fast ausschließlich mit weiblichen Kolleginnen zusammen, abgesehen von männlichen Zivildienern.

Sehen, verstehen & gemeinsam anpacken

Berufspraktische Tage dienen in erster Linie dazu, Einblicke in ein Berufsbild zu gewinnen: durch Zusehen, Fragen stellen und das Ausprobieren einfacher Tätigkeiten. Genau das erlebte Julia in der Praxis – und zwar in einer Breite, die sie so nicht erwartet hatte:

Der Tagesablauf am ÖAMTC Stützpunkt Wien-West folgt einem klaren Rhythmus – und ist trotzdem auch immer wieder für Überraschungen gut. "In der Früh gibt es ein Briefing über den anstehenden Tag – bei wem ich mitgehen darf und welche Termine ungefähr anstehen", erzählt Julia. Doch vieles lässt sich schlicht nicht vorausplanen: Die stationäre Pannenhilfe bringt täglich neue Anliegen der Mitglieder mit sich, und spontane Einsätze gehören fest zum Alltag. Julia durfte z. B. bei Reifenwechsel, Leuchtmittel tauschen, Windschutzscheiben-Reparatur, Spureinstellung, Achsvermessung, Akku-Check, Nachüberprüfungen nach §57a sowie beim Fahrradservice zuschauen und aktiv mithelfen. Dass sie dabei "so viel mit anpacken dürfe" – natürlich stets unter Aufsicht der kompetenten Prüftechniker:innen – überraschte sie positiv.

1Es sind zwei Bilder zu sehen. Links sieht man drei Menschen in einer Werkstatt, die um ein Fahrrad stehen. Rechts sieht man zwei Menschen. Eine Frau steht neben der geöffneten Autotür und ein Mann sitzt im Auto drin - beide lachen in die Kamera.
2Das Foto zeigt zwei Menschen in einer Werkstatt. Sie stehen vor einem Fahrradreifen und der eine erklärt der anderen etwas.
3Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen, die in die Kamera lacht und vor einem Auto mit offener Motorhaube steht. Sie befindet sich in einer Werkstatt. Neben ihr steht ein Mann, der dem Auto zugewandt ist und gerade etwas repariert.
  •   - Bild Links: Die Kollegen Ahmet Özder (links) und Gabriel Smoljo (rechts) nehmen sich gerne Zeit, um Julia Grill ihre Arbeitsschritte zu erklären.
    Bild Rechts: Julia Grill und Kfz-Techniker Hameedullah Alkozai bei einer §57a Überprüfung. Hameedullah hat seine Lehre beim ÖAMTC im Juli 2025 erfolgreich abgeschlossen und viel Freude daran, sein Wissen nun an Julia weiterzugeben. © ÖAMTC
  •  Ahmet erzählt Julia über die versch. Dienstleistungen vom ÖAMTC. © ÖAMTC
  •  Julia hat die Schule gegen die Werkstatt getauscht. © ÖAMTC

Mädchen gehören in die Technik

Ein persönliches Anliegen zieht sich durch Julias gesamtes Praktikum: die Förderung von Mädchen in technischen Berufen. Der Wiener Töchtertag verfolgt dasselbe Ziel, und Julia sieht sich als Multiplikatorin. Was sie beim ÖAMTC erlebt, trägt sie direkt in ihren Unterricht. "Ich kann vor allem auch alle Mädchen ermutigen, sich für technische Berufe zu interessieren. Es ist nicht immer leicht, in jungen Jahren eine Berufsentscheidung zu treffen, aber es lohnt sich, seine eigenen Ziele zu verfolgen und Freude am Beruf zu haben!" – dieser Satz kommt aus echter Erfahrung, nicht aus dem Lehrbuch. Dass Julia selbst in einem fast rein weiblichen Kollegium arbeitet und nun in eine Werkstatt eintaucht, die traditionell von Männern geprägt ist, macht ihren Blick besonders wertvoll. Sie erlebt aus erster Hand, dass technische Kompetenz kein Geschlecht hat.

Ich kann vor allem auch alle Mädchen ermutigen, sich für technische Berufe zu interessieren.
Julia

Mission: Wissen, Erfahrung und Orientierung geben

Mario Wohlmuther, Lehrlingsausbilder für Kfz-Technik am Standort, begleitet regelmäßig Schüler:innen bei berufspraktischen Tagen. Er erklärt seine Arbeitsabläufe routiniert und weiß aus langer Erfahrung: "Wie viel man von solchen Tagen mitnimmt, hängt auch stark vom individuellen Interesse ab." Die Bandbreite ist dabei groß. "Manche Schüler:innen sind sehr schüchtern, manche auffällig lebendig, manchen fällt es schwer so viel auf den Beinen zu sein", berichtet er aus der Praxis. Julia bringt als Lehrerin viel Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Altersgruppen mit – und steht täglich vor wechselnden Herausforderungen im Klassenraum. Dieser Hintergrund bereichert den Austausch zwischen ihr und Mario: Zwei Menschen, die beide daran arbeiten, jungen Menschen Orientierung zu geben – nur mit unterschiedlichen Werkzeugen in der Hand.

Es sind zwei Bilder zu sehen. Beides mal sind zwei Personen in einer Werkstatt vor einem Auto mit geöffneter Motorhaube zu sehen. Links sind die Personen dem Auto zugewendet, am rechten Bild lachen sie in die Kamera.
Mario Wohlmuther und Julia Grill bei einer Fahrzeugüberprüfung. © ÖAMTC

Berufspraktische Tage sind kein Schnellkurs und keine Ausbildung – sie öffnen Türen. Sie geben Schüler:innen die Chance, ein Berufsfeld zu spüren und zu erleben, bevor sie eine Entscheidung treffen. Mario und sein Team schaffen dafür den Rahmen: Sie nehmen sich Zeit, erklären geduldig und lassen Neugier zu. Genau das macht den Unterschied.

Ich habe mich richtig willkommen gefühlt. Die Tage sind sehr abwechslungsreich, die Zeit vergeht richtig schnell und die Arbeitsatmosphäre ist total angenehm und entspannt. Ich hatte keine Angst, Fragen zu stellen, es wird alles ernst genommen.
Julias Fazit

Was sie mitnehmen kann: ein tieferes Verständnis für technische Berufe, ein Gespür für die Werkstattatmosphäre und die Gewissheit, dass Offenheit und Neugier in diesem Team willkommen sind.

Für ihre Schüler:innen – und besonders für die Mädchen unter ihnen – hat sie nun nicht nur Worte, sondern echte Erfahrungen im Gepäck

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